Start Praxis Technik Bewertung von Armaturen mit dem WELL Water Efficiency Labeling

Bewertung von Armaturen mit dem WELL Water Efficiency Labeling

Mit dem »WELL Water Efficiency Labeling« wurde unter dem Dach der EUnited, der europäischen Vereinigung von Armaturenhersteller ein Klassifizierungssystem entwickelt, das es Planern, Architekten, Installateuren und Endverbrauchern ermöglicht, den Wasser- und Energieverbrauch von Sanitärarmaturen zu beurteilen. Dirk Lückemann, Geschäftsführer der Schell GmbH & Co. KG Armaturentechnologie www.schell-armaturen.de, informiert im Gespräch mit Rolf Mauer über das System:


AZ: Warum die Einführung des europäischen Klassifizierungssystems WELL?
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Dirk Lückemann: Wasser ist ein kostbares und in vielen Ländern auch rares Gut. Der aufgeklärte Verbraucher ist sich dessen bewusst und möchte verantwortlich damit umgehen. Genau hier setzt das Klassifizierungssystem WELL an. Es soll Verbraucher für das Thema sensibilisieren und über die technischen Möglichkeiten aufklären, mit denen sich Wasser und Energie sparen lassen. Architekten, Fachplanern und Nutzern dient es somit als wertvolle Entscheidungshilfe. Dabei macht WELL den Zusammenhang zwischen dem Wasser- und dem damit verbundenen Energieverbrauch sichtbar.


AZ: Bitte beschreiben Sie uns kurz das WELL – Water Efficiency Label.

Dirk Lückemann: WELL ist ein Klassifizierungssystem für alle wasserabgebenden Armaturen und Spülsysteme für private, gewerbliche und öffentliche Einrichtungen. Da die Anforderungsprofile zwischen privaten und gewerblichen Anforderungen erheblich voneinander abweichen, gibt es das Label »Home« für den Privatgebrauch und das Label »Public« für öffentliche Einsatzbereiche. Außerdem können unter WELL »Upgrade« Bauteile für die Optimierung bestehender Anlagen klassifiziert werden. Für »Home«-Armaturen können in 2 Bewertungskategorien und unter »Public« in 3 Kategorien jeweils 2 Sterne erreicht werden. Diese ergeben eine Klassifizierung zwischen A und D bzw. von A bis F. Bei Waschtischarmaturen sind dies zum Beispiel die Kategorien »Menge« und »Temperatur«. Im »Public«-Segment kommt zusätzlich noch das Kriterium »Zeit« hinzu. Gemeint sind hierbei Selbstschluss- oder Sensorfunktionen. 

WELL berücksichtigt alle Waschtisch-, Küchen- und Duscharmaturen sowie die Spülsysteme für WCs und Urinale. Nicht betrachtet werden Auslaufarmaturen, die keinen Einfluss auf den Wasserverbrauch haben, wie zum Beispiel reine Wannenfüllarmaturen oder Geräteanschlussarmaturen. WELL will den Wasserkomfort und somit die Akzeptanz beim Endgebraucher erhalten. Die Einsparpotenziale sollen deshalb nicht durch Verzicht, sondern durch moderne Technik erreicht werden.

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AZ: Wer garantiert die Unabhängigkeit des WELL – Water Efficiency Labels?

Dirk Lückemann: Der Träger von WELL ist die in Brüssel ansässige europäische Vereinigung der Armaturenindustrie EUnited Valves. EUnited ist für die Registrierung und Verwaltung der Zertifikate zuständig. Die Prüfungen der Herstellerangaben obliegt aber ausschließlich unabhängigen nach ISO zertifizierten Prüfinstituten, z. B. der LGA in Würzburg, der KIWA oder den Materialprüfungsämtern.

Nebenbei noch ein wichtiger Aspekt: Bei WELL können nur Armaturen registriert werden, die bereits eine gültige Baumusterprüfung des entsprechenden europäischen Norm- und Regelwerks erreicht haben. So wird sichergestellt, dass nur geeignete Materialien verarbeitet sind, die Sicherungseinrichtungen zum Erhalt der Trinkwasserqualität installiert wurden und eine Geräuschprüfung durchgeführt ist.


AZ: Sind die Klassifizierungen international gültig? In welchen Ländern?

Dirk Lückemann: Die Initiative zu WELL kam von den im VDMA organisierten Armaturenherstellern. WELL war aber von Anfang an als ein europäisches Label konzipiert und soll nationale Alleingänge ersetzen, welche eine Vergleichbarkeit von Produktmerkmalen erschweren würden. Wichtig ist aber auch, dass WELL international gültig ist und es weltweit keine Beschränkung für Hersteller gibt, eine Klassifizierung von Armaturen oder Spülsystemen zu beantragen.

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AZ: Das Klassifizierungssystem der Hausgeräteindustrie ist seit vielen Jahren eingeführt. Warum kommt das Klassifizierungssystem der Sanitärbranche erst jetzt?

Dirk Lückemann: Bei den Haushaltsgeräten gab es die Anforderung nach den europäischen EuP Richtlinien, welche einer Kennzeichnungspflicht der Hersteller gleichkommt. Das Anforderungsprofil an Sanitärarmaturen ist aber viel komplexer. Hier hat der Nutzer größeren Einfluss auf den Konsum, als zum Beispiel bei einer Geschirrspülmaschine, die ein bestimmtes Programm abfährt.

Well kann also keine absoluten Verbrauchswerte angeben, sondern Leitplanken setzen und eine allgemeine Vergleichbarkeit der technischen Lösungen darstellen. Dabei kann es durchaus sein, dass je nach Komfortwunsch und Investitionsbereitschaft nicht immer die Klassifizierung A installiert werden kann. Ein weiterer Grund bestand darin, den Planern von Gebäuden nach den Green Building Standards eine Planungshilfe an die Hand zu geben.


AZ: Zu großes Wassersparen kann zu Hygieneproblemen führen, ein Umstand, der nur Wenigen bewusst ist. Wie sorgt WELL für den Erhalt unserer Wasserhygiene?

Dirk Lückemann: Trinkwasserhygiene geht vor Wassersparen. Somit war es wichtig, dass über die notwendige Baumusterprüfung sichergestellt ist, dass nur unbedenkliche Werkstoffe eingesetzt werden und die Armaturen geprüfte Sicherungseinrichtungen nach den gültigen EN Normen haben.

Die Einhaltung der Trinkwasserhygiene erfordert, dass Stagnation in den Rohrleitungen vermieden wird. Deshalb ist es notwendig, dass der Fachplaner die Rohrleitungen entsprechend dimensioniert und die damit einhergehende Durchströmung sicherstellt. Für Spülsysteme im Segment »Public«, gibt es sogar das Bewertungskriterium »Hygiene«. Zur Erreichung der Klassifizierung A werden dort Vorrichtungen gefordert, die eine Stagnationsspülung möglich machen.

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AZ: Gibt es Schnittstellen zwischen der WELL-Klassifizierung und dem Nachhaltigkeitszertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB?

Dirk Lückemann: Wir bemerken eine deutliche Zunahme von Gebäuden, die nach den Green-Building-Standards errichtet werden. Mit dem DGNB sehen wir Anknüpfungspunkte in der Hauptkriteriengruppe »ökologische Qualität«. Dort wird auch der Frischwasserverbrauch in der Nutzungsphase bewertet. Hierzu werden wir das Gespräch mit dem DGNB suchen.


AZ: Was sollten Planer und Architekten beachten? Empfehlen Sie die Aufnahme der WELL Klassifizierungen in Ausschreibungen?

Dirk Lückemann: WELL ist ein freiwilliges Label und wird dann leben, wenn Planer WELL in der Ausschreibung berücksichtigen. Wir registrieren aber auch den Wunsch vieler Investoren nach mehr Transparenz. Außerdem ist Wassersparen bei den Endkunden ein Trendthema, weshalb entsprechende Produkte nachgefragt werden. Wir empfehlen Architekten und Fachingenieuren immer, bei der Planung auch die Aspekte der Trinkwasserhygiene zu betrachten. Zur Gewährleistung eines einwandfreien Betriebs kann es überaus wichtig sein, das Anforderungsprofil der Kunden zu erfragen.


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AZ: Wie profitieren Planer und Architekten von der WELL-Klassifizierung?

Dirk Lückemann: Mit WELL ist es erstmals möglich, ein neutrales Vergleichskriterium für den Wasserverbrauch und den wasserverbrauchsabhängigen Energieverbrauch von Gebäuden zu erstellen. Der Planer kann hiermit Anforderungen definieren und gleichzeitig sicher sein, dass definierte Qualitätsstandards nicht unterschritten werden können. So ist es in Zukunft vorstellbar, Zielvorgaben für den Wasserverbrauch von Gebäuden zu machen. Bei der Errichtung eines Schulgebäudes könnten demzufolge Armaturen und Spülsysteme gefordert werden, die unter WELL Public eine A- oder B-Klassifizierung haben. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass eine Höherklassifizierung bei WELL mit aufwändiger Technik einhergeht. Diese höheren Investitionskosten lassen sich, wie Amortisationsrechnungen zeigen, kurzfristig wieder einsparen.

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