Start Praxis Technik Werkbericht und Interview mit LHVH Architekten: Der ästhetische Anspruch liegt im Detail

Werkbericht und Interview mit LHVH Architekten: Der ästhetische Anspruch liegt im Detail

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Seit 2003 betreiben die drei Freunde Frank Lohner, Jens Voss und Frank Holschbach, die sich bereits aus Studienzeiten kennen, gemeinsam das Büro LHVH Architekten in Köln. Schon der charmante Standort, eine ehemalige Werkhalle in einem Gewerbegebiet am Stadtrand, sagt etwas über die eher unkonventionelle Haltung der drei Büropartner aus. Neben dem Entwurf und der Planung von anspruchsvollen Privathäusern, Verwaltungs- und Gewerbebauten, der Sanierung von Bestandsbauten und dem Innenausbau sowie der regen Teilnahme an Wettbewerben beschäftigen sich die Architekten gerne mit künstlerisch-experimentellen Projekten. Für den »Meetingpoint« auf der plan 09 erhielten sie beim Kölner Architekturpreis eine Anerkennung. »Gemeinsame Interessen wie Kunst, Grafik, Produktgestaltung und Popmusik beeinflussen die Architektursprache und ermöglichen weitere Arbeitsfelder abseits der Baugesetze und DIN-Normen,« lautet die Selbstauskunft der Architekten auf ihrer Internet-Seite.

Für die Stadt Lüdenscheid entwarfen LHVH Architekten eine konstruktivistische Lichtstele, bei der jedes Detail zur Perfektion entwickelt wurde. Diese Detailversessenheit, die jedem der drei Büropartner inne ist, kann als eines der Markenzeichen des Büros stehen.

Das Interview führte Petra Lasar mit Jens Voss und Frank Holschbach

Petra Lasar: Ihr Büro hat für den Bahnhofsvorplatz der Stadt Lüdenscheid eine 7,50 Meter hohe Lichtskulptur aus Aluminium und Glas für den Außenraum entworfen, die von RSL hergestellt wurde. Hatten Sie zuvor schon mit diesem Hersteller von Sonderleuchten zusammengearbeitet?

Jens Voss: Nein, wir hatten zwar in unserer Produktbibliothek einen Katalog von RSL, dachten aber, dass es sich um einen üblichen Serienleuchten-Hersteller handelt. Bei der Suche nach einer geeigneten Herstellerfirma für unsere Lichtfaltung – so heißt die Skulptur - sind wir dann von einem Berufskollegen darauf aufmerksam gemacht worden, dass RSL im Kerngeschäft auf den Bau von Sonderleuchten spezialisiert ist.

Petra Lasar: Hat man sie mit offenen Armen empfangen oder eher gesagt: Solch einen Quatsch fangen wir gar nicht erst an? Das hat viel zu wenig mit Lichttechnik zu tun und macht bestimmt mörderisch viel Arbeit.

Frank Holschbach: Im Gegenteil. Das Unternehmen ist ja nicht nur auf Licht an sich, sondern hochgradig auch auf Blechverarbeitung spezialisiert und scheint Herausforderungen zu lieben. Allerdings haben wir von vornherein klar gemacht, dass wir absolut im Budget bleiben müssen. Aber auch das war kein Hemmschuh.

Petra LasarKonnte man Ihnen denn aufgrund Ihres Entwurfs einen realistischen und verbindlichen Kostenvoranschlag machen?

Jens Voss: So einfach geht das natürlich nicht. Man hat uns zunächst einmal durch die Produktion geführt, damit wir sehen, was bei RSL überhaupt möglich ist. Dort gibt es einen hochmodernen CNC Maschinenpark, verschiedene Kantbänke, Lackierkabinen, und diverse Testlabore. Besonders beeindruckt waren wir von den vielen unterschiedlichen Materialien, mit denen dort gearbeitet wird.

Frank Holschbach: Sie schicken vor allem nichts nach Fernost, sondern machen es direkt vor Ort. Das erfordert natürlich hohe Investitionen, schafft aber auch ungeheuren Wettbewerbsvorteil.

Jens Voss: Wir haben uns dann zusammengesetzt und anhand unseres Entwurfes über erste Detaillösungen diskutiert. RSL zeigte sehr viel Kompetenz. Das Angebot war auch in Ordnung, das konnten wir unserem Auftraggeber gegenüber mit gutem Gewissen vertreten. Das Unternehmen hatte uns rundum überzeugt und die Stadt Lüdenscheid beauftragte RSL mit der Fertigung der Lichtfaltung. Schon kurze Zeit später bekamen wir ein Konstruktions-Prinzip in Form von technischen Zeichnungen, 3D-Darstellungen und, zu unserer Überraschung, sogar einen Prototyp als 1:1 Detailausschnitt.

Petra Lasar: Haben Sie sich dann noch einmal getroffen oder haben Sie alles am Telefon erledigt?

Frank Holschbach: Wir haben uns während des Planungsprozesses regelmäßig getroffen. Der gesamte Ablauf war spannend und synergetisch. Die üblichen Diskrepanzen zwischen Gestalter und Hersteller waren außergewöhnlich gering.

Jens Voss: Wenn es mal Schwierigkeiten gab und Herr Alheit, der Projektleiter bei RSL, wegen meiner Detailversessenheit sagte: »Herr Voss, Du spinnst!«, haben wir nach einem neuen gemeinsamen Nenner gesucht. Wir haben dann auch immer einen gemeinsamen Weg zu unserem Ziel gefunden. RSL ist wirklich ein guter Partner mit sehr hoher Motivation.

Petra Lasar: Ist das nicht heutzutage, unter den extremen Wettbewerbsbedingungen unserer Wirtschaft, der Normalfall?

Jens Voss: Absolut nicht. Wir wissen, wie Firmen normalerweise an so etwas rangehen. Viele wollen verkaufen und das Ganze schnellstmöglich abschließen. RSL hat viel Herzblut gezeigt, richtig mitgearbeitet. Das hat uns überrascht und begeistert.

Petra Lasar: Können Sie das an einem Beispiel veranschaulichen?

Frank Holschbach: In der ersten Zeichnung, die RSL angefertigt hat, waren die Glasscheiben in Rahmen gefasst. Wir wollten aber partout rahmenlose Scheiben, was auf Grund der Spannungen im Material natürlich nicht einfach ist. Wir haben dann zusammen Details entwickelt, die den ästhetischen Anspruch aller Beteiligten erfüllen. RSL war während des gesamten Prozesses zu Modifikationen bereit und beide Seiten waren am Ende sehr zufrieden.

Petra Lasar: Wer hat sich am Ende um die Montage gekümmert? Das ist ja auch immer ein kritischer Punkt.

Jens Voss: RSL hat die Stele per Sattelschlepper nach Lüdenscheid transportiert und vor Ort mit eigenen Leuten montiert.

Petra Lasar: Die Sache scheint Ihnen Spaß gemacht zu haben. Haben Sie Lust auf mehr? Würden Sie nach dieser Erfahrung gerne häufiger Ausnahmeprojekte machen?

Frank Holschbach: Unsere Arbeiten sind insgesamt eher individuell. Wir haben bereits ein weiteres Projekt mit RSL realisiert. Im Haus am See, einem eingeschossigen Ferienhaus mit Flachdach an einem Stausee bei Düren, haben wir ganz spezielle, eigens entwickelte Leuchten verbaut. Es sind quasi elektrifizierbare Lichtkuppeln. Die sorgen tagsüber für den Eintritt natürlichen Lichts, und nachts leuchten sie innen und außen. Das macht sich nicht nur in den Räumen, sondern auch in der Landschaft hervorragend.

Petra Lasar: Ich danke Ihnen beiden für das Gespräch.

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