Anzeige AZ-A2-728x90 R7
Start Praxis Wärmedämmung Wärmedämmverbundsysteme sind kein Sondermüll

Wärmedämmverbundsysteme sind kein Sondermüll

In jüngster Zeit ist immer mal wieder davon zu lesen, dass Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) schon recht bald als Sondermüll aufwändig entsorgt werden müssen. Oft ist von 30 Jahren die Rede, nach denen die Systeme von der Wand müssten – obwohl dieser Fall nach mehr als rund 50 Jahren Fassaden-Dämmens weiterhin die Ausnahme ist. Was wir also dringend brauchen, ist eine sachlich geführte Diskussion zum Thema »Wiederverwertbarkeit von Dämmplatten«. Am besten spricht man gleich über die »Ganzheitliche Modernisierung«.

Und zur Ganzheitlichkeit gehört dann selbstverständlich auch die Betrachtung der Fenster und der Haustechnik – inklusive genauem Blick auf die Ökobilanz der verwendeten Baustoffe, verbunden mit der Frage, was damit passiert, wenn das Haus irgendwann einmal abgerissen wird. Stichwort »Müll«, gerne auch »Sondermüll mit Fragezeichen«.

Wärmedämmverbundsysteme sind kein Sondermüll

Weiternutzen statt entsorgen: Dieser Gedanke wird mit der Aufdopplung umgesetzt. Die Bilder zeigen eine Wohnanlage in Kaufering, die nun auf die alte, dünne Dämmung eine weitere Dämmschicht erhielt – und so den heutigen Dämm-Vorschriften entspricht. Als kostenloser Zusatznutzen sieht die Siedlung jetzt auch wieder freundlicher aus: So geht vorbildliches »Recycling«.

Schnell führen Dämmkritiker das Argument der »schwierigen Recyclingfähigkeit« ins Feld und zeichnen ein Bild von gigantischen Müllbergen aus Polystyrolplatten. Ich bin ein großer Freund der Realität: Ich weiß nicht, wie es in anderen Dörfern oder Städten aussieht. Hier bei uns Zuhause ist es so, dass nicht jeden Tag ein Haus abgerissen wird. Vielmehr stehen fast alle Gebäude seit zig Jahren und werden wohl auch noch einige Zeit stehen bleiben. Ich habe auch noch nirgends beobachten können, dass eine alte Wärmedämmung irgendwo runtergerissen wird. Eher wird eine alte, dünne Dämmung dicker gemacht (aufgedoppelt). Das ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll – und die alte Dämmung bleibt Dämmung und wird nicht Müll, geschweige Sondermüll.

Wärmedämmung ist Sondermüll? Ich würde behaupten wollen, dass diese Art des Mülls verglichen mit anderen Müll-Quellen von der Gummibärchen-Tüte bis zur Flachbildschirmverpackung so gut wie gar nicht vorkommt.

Seit 50 Jahren gibt es Wärmedämmverbundsysteme, die noch viele Jahre halten dürften. Ich bin sicher, dass meine nagelneue Dämmung 100 Jahre lang ihre Dienste leisten wird. Und sollte die Oberfläche vielleicht in 70 Jahren nicht mehr ganz so jugendlich daherkommen, gibt es bestimmt einen 1-A-Deck-Schutzputz, damit die Dämmplatten das Haus weiter mollig warm halten. Vielleicht lesen ja meine Ururenkel diesen Beitrag ... sie werden es dann genau wissen.

Insgesamt ist diese Sondermüll-Angst meines Erachtens unbegründet: Erstens forscht das Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Holzkirchen nach einer wirtschaftlichen Methode der Wiederverwertung, die aktuell – zweitens – noch nicht vorhanden ist weil – Achtung – viel zuwenig »WDVS-Müll« anfällt. Zu Deutsch: wo kein Problem ist, da gibt es auch noch keine Lösung.

Noch ein Gedanke: Wenn ein Öltanker im Ozean auseinander kracht, verseucht er für Jahrzehnte ganze Küstengebiete. Hätten wir unsere Häuser alle ordentlich gedämmt, würde die Anzahl der Öltanker auf den Weltmeeren zurückgehen. Die Gefahr von Öl-Unfällen ginge dann automatisch auch zurück. Der Sorge, in 50 bis 100 Jahren Polystyrolmüll gezielt entsorgen (und wieder verwerten) zu müssen, steht aktuell das Problem der realen Gefahr von Tankerunglücken gegenüber.

Noch eine Rechnung: Würde man ein Wärmedämmverbundsystem nach nur 30 Jahren bereits entsorgen, dann entspricht das einer monatlichen Menge von etwa 300 Gramm im Gelben Sack. Stellen Sie sich nun bitte diese 300 Gramm im Gelben Sack vor und machen Sie sich klar, dass dieser Müll immerhin 30 Jahre lang Energie gespart hat, während anderer Gelber-Sack-Müll nur für ein paar Tage als Verpackung diente.

Bleibt immer noch die Frage, ob das Öl-Produkt PS-Hartschaum nach seiner Nutz-Zeit tatsächlich Sondermüll ist. Hierzu ein letzter Gedanke: Dies hängt sicherlich auch von den weiteren Systemkomponenten wie etwa dem Kleber ab. Ich bin gespannt auf die Forschungsergebnisse des Fraunhofer-Instituts – die werde ich hoffentlich noch erleben. Müll oder gar Sondermüll-Berge aus Fassadendämmplatten sicher nicht.

 

Dipl.-Ing. Ronny Meyer ist ein auf Energiefragen spezialisierter Bauingenieur, Buchautor und TV-Moderator. Seit 1996 hält er Bauphysik-Profischulungen, seit 2007 ist er mit seiner Energiespar-Show unterwegs und motiviert zum Energiesparen.

Eduard’s – Lifestyle-Bar von DIA – Dittel Architekten

Eduard’s – Lifestyle-Bar von DIA – Dittel Architekten

DIA – Dittel Architekten entwickelt das Gastronomie-Design sowie Name und Corporate Design der Bar Eduard’s und verantwortet die Ausführung im Dorotheen Quartier in Stuttgart. Benannt nach dem Breuninger-Gründer setzt die neue Lifestyle-Bar ein klares Statement im neuen Viertel.

Enso Sushi & Grill von DIA – Dittel Architekten

Enso Sushi & Grill von DIA – Dittel Architekten

DIA – Dittel Architekten gestaltet und realisiert die Gastronomie Enso Sushi & Grill in exponierter Lage im Dorotheen Quartier in Stuttgart. Das moderne Design ist anspruchsvoll und kreativ wie die asiatisch-europäische Fusion-Küche. Die Neuinterpretation traditioneller Architekturelemente Asien...

Wohnflächen statt Büroflächen

Wohnflächen statt Büroflächen

Um an Standorten, die scheinbar nur für Büroflächen geeignet sind, attraktiven Wohnraum zu schaffen, bedarf es besonderer Konzepte. Ein solches hat das Stuttgarter Architekturbüro Frank Ludwig für die Stuttgarter Olgastraße 87 entworfen: An der belebten innerstädtischen Straße im Zentrum der Schwabe...

Weitere Artikel:

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Es ist ein eigenwilliges Gebäude, das 1967 nach dem Entwurf des Architekten Wolfgang Döring in nur sechs Tagen auf einem Erbpachtgrundstück der Elly-Hölterhoff-Böcking-Stiftung der Uni Bonn errichtet wurde. Bemerkenswert sind nicht nur das ungewöhnliche Äußere und die beispiellos kurze Bauzeit, in d...

Oberflächentrends bei Innentüren

Oberflächentrends bei Innentüren

Die heutigen Sortimentsdimensionen des Bauens und Planens verlangen nach strukturierten Lösungen für Oberflächen wie beispielsweise bei Innentüren. Aufgrund des Überangebots an industriellen Produkten besteht seitens vieler Architekten und Fachplaner ein zunehmend größerer Orientierungs- und Navigat...

Frischer Wind fürs Flachdach

Frischer Wind fürs Flachdach

Ist die Dampfsperre auch wirklich trocken? Der neue »SitaVent Revision« erlaubt jederzeit einen prüfenden Blick auf den Status unterhalb der Wärmedämmung. Immer wieder vom Markt gefordert, entwickelte Sita das neue Revisionsbauteil auf Basis des »SitaVent Kaltdachlüfters« mit PE-Rohr, Grundplatte un...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 GDC

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Problemzone Wärmebrücke
    Problemzone Wärmebrücke Mit den steigenden Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden gewinnen Details und damit auch kleine Problemzonen immer mehr an…

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Es ist ein eigenwilliges Gebäude, das 1967 nach dem Entwurf des Architekten Wolfgang Döring in nur sechs Tagen auf einem Erbpachtgrundstück der Elly-Hölterhoff-Böcking-St...

Oberflächentrends bei Innentüren

Oberflächentrends bei Innentüren

Die heutigen Sortimentsdimensionen des Bauens und Planens verlangen nach strukturierten Lösungen für Oberflächen wie beispielsweise bei Innentüren. Aufgrund des Überangeb...

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Der Keukenhof in Lisse bei Amsterdam ist das internationale Schaufenster der niederländischen Blumenzucht. In den acht Wochen von Anfang März bis Mitte Mai wird dort geze...

Kalksandstein mit neuen technischen Möglichkeiten

Kalksandstein mit neuen technischen Möglichkeiten

Der Baustoffhersteller Heidelberger Kalksandstein hat technische Grenzen zugunsten des Designs erweitert. Das Produktionsverfahren der Kalksandsteine unterstützt nun den ...

Frischer Wind fürs Flachdach

Frischer Wind fürs Flachdach

Ist die Dampfsperre auch wirklich trocken? Der neue »SitaVent Revision« erlaubt jederzeit einen prüfenden Blick auf den Status unterhalb der Wärmedämmung. Immer wieder vo...

Keramik für dünnwandige Waschtische

Keramik für dünnwandige Waschtische

TOTO verfügt über ein breit gefächertes Angebot an Sanitärkeramik und insbesondere an Waschtischen, die universell einsetzbar sind. Als herausragende Eigenschaften gelten...

Farbige Fassadenbahn

Farbige Fassadenbahn

In der völlig neu entwickelten, diffusionsoffenen, dauerhaft UV-stabile Fassadenbahn »Ampatop F Color« haben die Beschichtungsspezialisten eine Vielzahl an bauphysikalisc...

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Das Hamburger Hotel Wedina hat ein umfassendes Facelift erhalten, bei dem Farbe eine zentrale Rolle spielt. Die Fassade macht in leuchtendem Rot auf sich aufmerksam und j...

Wohlfühlen mit Wärmepumpe

Wohlfühlen mit Wärmepumpe

Das zweigeschossige Haus von Melanie und Maik Westphal fügt sich ausgesprochen harmonisch in das 823 Quadratmeter große Hanggrundstück ein. Vorab hatten sie das mit zahlr...

PolygonGarden von HKA Hastrich Keuthage Architekten

PolygonGarden von HKA Hastrich Keuthage Architekten

HKA Hastrich Keuthage Architekten entwickelten für das Projekt »PolygonGarden« eine lange Glasfassade, deren Faltung eine interessant belebte Straßensilhouette erzeugt. D...

Weitere Artikel:


Anzeige AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.