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Start Praxis Wärmedämmung Wie hoch ist das Brandrisiko von WDVS mit Polystyrol-Dämmung tatsächlich?

Wie hoch ist das Brandrisiko von WDVS mit Polystyrol-Dämmung tatsächlich?

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Mit Gebäudebränden ist nicht zu spaßen, das ist jedem klar. Ihre schnelle Ausbreitung durch baulichen Brandschutz zu verhindern, ist die Pflicht aller Baubeteiligten. Brandgefahren dürfen aber andererseits nicht zu Panikmache führen, wie in der jüngeren Vergangenheit durch Meldungen über das angeblich hohe Brandrisiko von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) mit expandiertem Polystyrol-Hartschaum (EPS) als Dämmung erfolgte. Danach handelt jeder Bauherr leichtfertig, der ein solches WDVS einsetzt. Von »Zeitbomben an der Wand« war sogar die Rede.

Tatsache ist, dass die Medien – ob nun Fernsehen, Radio oder Tagespresse – Aufmerksamkeit bei ihren Zuschauern, Zuhörern oder Lesern erreichen wollen und sogar müssen. »Knallige« Schlagzeilen gehören zum Geschäft. Statt einer umfassenden und objektiven Aufklärung wird bei einem Unglück zudem oft vorschnell ein »Schuldiger« präsentiert oder reißerisch vor möglichen Gefahren gewarnt.

Besonders deutlich zeigt sich dies bei einem acht Jahre zurückliegenden Brand in Berlin-Pankow, der auch aufgrund von zwei Todesopfern damals die Gemüter erhitzte. In einem Beitrag des NDR wird unter dem Thema »Wahnsinn Wärmedämmung« ebenfalls auf diesen Brand eingegangen.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2013/1306/brandrisiko-wdvs-polystyrol-daemmung-1.jpg

Was war geschehen? In einem Wohnblock bildete sich durch die Entzündung eines Fernsehers ein heftiger Wohnungsbrand. Dieser griff durch geborstene Fenster schnell auf die mit Holzspanplatten gedübelte WDVS-Fassade aus 80 mm dicken EPS-Platten über. Bei dem Objekt gab es für die WDVS-Ausführung mit den Span-platten eine Zulassung im Einzelfall. Die vorgeschriebenen Brandschutzmaßnahmen (Brandriegel aus nicht brennbarem Dämmstoff) unterblieben allerdings oder waren nur mangelhaft ausgeführt. Die Holzspanbauplatten haben dann diesen Brand erheblich verstärkt und beschleunigt. Schuld für die schnelle Brandentwicklung war also vor allem der nicht eingehaltene bauliche Brandschutz. Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) betonte den Vorfall in einer Stellungnahme, dass der realisierte Aufbau kein vom DIBt zugelassenes WDVS darstellte.

Leider wurde die Ursachenforschung für den schnellen Brand der Fassade nicht abgewartet – teilweise auch von Fachleuten. So bezeichnete der damalige Landesbranddirektor Albrecht Bromme kurz nach dem Brand die Wärmedämmfassade als Sicherheitsrisiko Nummer Eins. Eine Beurteilung, die die Presse dann in ihren Meldungen über den Brand dankbar aufgriff.

Dabei ist doch hinlänglich bekannt, dass gerade bei Bränden die Umstände zu ihrer Entstehung und Ausbreitung genau zu untersuchen sind. So kann baulicher Brandschutz bei einer WDVS-Fassade mit EPS auch nur funktionieren, wenn die WDVS-Arbeiten komplett abgeschlossen sind. Ein typisches Beispiel bildet in dieser Hinsicht der Gebäudebrand auf einer Baustelle in Frankfurt im vergangenen Jahr. Die tatsächliche Brandursache ist nicht eindeutig geklärt, vermutet werden Schweißarbeiten auf dem Baugerüst. Eine schlüssige Erklärung für die schnelle Brandausbreitung über die mit einer EPS-Dämmung verkleidete sechsstöckige Fassade gibt es allerdings schon. Zentraler Grund ist das nicht fertig gestellte WDVS. Weil die EPS-Dämmung nicht vollständig verputzt und das Dämmsystem unten auch noch nicht durch eine Perimeterdämmung geschlossen war, hatten die Flammen ungehinderten Zugang auf die Dämmung.

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Dieser wichtige Zusammenhang wurde in der Presse nicht behandelt, sondern die EPS-Dämmung generell als hohes Brandrisiko verteufelt, obwohl ein komplett verputztes, geschlossenes WDVS mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Flammen mindestens 20 Minuten standgehalten hätte und so der zügig eintreffenden Feuerwehr ausreichend Zeit für eine wirksame Bekämpfung ermöglicht hätte. Für diese These sprechen die für die bauaufsichtliche Zulassung erforderlichen Brandversuche.

Fazit: Die von den Medien der EPS-Dämmung angelasteten Brandausweitungen sind in der Regel auf Fehler bei der Planung und Bauausführung oder auch besondere Umstände zurückzuführen. Festzuhalten ist außerdem, dass die Anzahl der Brände, an denen WDVS beteiligt war, im Verhältnis zu den damit schon wärme-gedämmten Millionen Quadratmetern Fassadenfläche sehr gering ausfällt. So sind in den letzten 10 Jahren nur wenige Fälle bekannt, bei denen WDVS eine Rolle spielte.

Damit kein Missverständnis auftritt: Keiner will die mögliche Brandausweitung durch schwer entflammbare, aber letztlich brennbare Dämmstoffe herunterspielen – auch ich nicht. Wenn ein Bauherr bei WDVS mit EPS-Dämmung trotz der bauaufsichtlichen Zulassung der DIBt weiterhin Bedenken hinsichtlich des Brandschutzes hat, kann er ebenso gut einen anderen, nicht brennbaren Dämmstoff wählen. Statt Polystyrol empfiehlt sich für ihn dann eine Mineralwolle- oder Mineralfaserdämmung. Das ist zwar teurer, aber eine Alternative, die ihn dann ruhig(er) schlafen lässt.

 

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