Anzeige AZ-A2-728x90 R7
Start Praxis Wärmedämmung Quartiere sind in. Und das zu Recht.

Quartiere sind in. Und das zu Recht.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2014/1408/solarhaus.jpg

Die Förderpolitik hat die Quartiere entdeckt. Die KfW-Bankengruppe bezuschusst inzwischen die Erstellung von energetischen Quartierskonzepten mit bis zu 65 Prozent, dazu wird noch ein Sanierungsmanager bezahlt. Auch das Land Baden-Württemberg unterstützt zahlreiche Modellprojekte, die die Möglichkeiten der energetischen Sanierung auf Quartiersebene aufzeigen sollen. Allein im beschaulichen Freiburg haben wir mit Kraftwerk Wiehre und Energie-Quartier Haslach momentan zwei innovative Projekte, die sich des Themas angenommen haben. Quartiere sind in. Und das zu Recht.

Unter einem Quartier versteht man mehrere flächenmäßig zusammenhängende Gebäude (privat und/oder öffentlich) inklusive der öffentlichen Infrastruktur. Ein Quartier entspricht einem Gebiet unterhalb der Stadtteilgröße. Mit einem Quartierskonzept verlässt man die Ebene des einzelnen Bauherren. Früher hat man viel Zeit darauf verwendet, den individuellen Hausbesitzer mit „Mund-zu-Mund-Beatmung“ davon zu überzeugen, dass er sein Haus sanieren sollte. Nun werden Akteursgruppen, nämlich die Einwohner eines Quartiers, angesprochen. Das ist vielversprechend, wenn man Sanierungspotenziale erschließen will. Denn bei der energetischen Sanierung geht es vor allem auch darum, eine Stimmung zu erzeugen nach dem Motto: »In meinem Stadtteil passiert etwas, da muss ich dabei sein.« Eine zentrale Rolle spielt dabei die Kommunikation mit der Zielgruppe. Die Quartiersebene ist genau der richtige Rahmen, um die verschiedenen Sanierungsthemen ins Gespräch zu bringen oder in der Diskussion zu halten. Im Idealfall schafft man es, eine Aufbruchsstimmung im ganzen Quartier zu erzeugen. Das Thema Sanierung kann ansteckend wirken. Und das muss es auch, wenn wir endlich flächendeckend vorankommen wollen. Wir brauchen eine Art »Sanierungs-Bewegung«, eine Beschleunigung der Sanierungsaktivitäten, die ganze Straßenzüge ins Auge fasst. Eine solche Bewegung ist einzelnen Leuchtturmprojekten schlicht nicht ins Rollen zu bringen.

Ein weiterer Vorteil: Die Bürger können auf Quartiersebene sehr gut eingebunden werden, denn dort ist die Flughöhe der Konzepte noch so hoch wie bei einem Klimaschutzkonzept für die ganze Stadt, die Bürger können sich mit den vorgeschlagenen Maßnahmen identifizieren. Zudem kennen sich die Akteure gegenseitig, das vereinfacht die Zielgruppenansprache und schafft viele Synergien. Der Bürgerverein vor Ort ist häufig der wichtigste Multiplikator, um die Sanierungsthemen in die Diskussion zu bringen. Auch inhaltlich gesehen macht die Informationsarbeit auf Quartiersebene Sinn. In den Quartieren fokussieren sich häufig die Zielgruppen. So sind in manchen Straßenzügen die Wohnungseigentümergemeinschaften vorherrschend, dann kann man die Kommunikation auf deren Bedürfnisse ausrichten. Oder man hat ein Gebiet mit Reihenhäusern, deren Besitzer alle die gleichen Fragestellungen umtreiben. Auch hier stecken sich die Akteure im Idealfall gegenseitig an, hat sich das Thema erst einmal in den Köpfen festgesetzt.

Und nicht zuletzt ist das Handeln auf Quartiersebene auch technisch vorteilhaft. Denn beim gemeinschaftlichen Handeln jenseits des Einzelobjekts entstehen durch gemeinschaftliches Handeln häufig vorteilhafte Optionen. Dabei kommen vor allem drei Themen in Frage: Versorgungsverbünde für die Wärmeversorgung von Gebäuden, eine Sanierung der Gebäudehülle oder der Heizung sowie Einkaufs- oder Betreibergemeinschaften für Photovoltaik. Die Herausforderung besteht bei allen dreien darin, dass diese Projekte komplett neuartig sind. Im Vergleich zur Sanierung von einzelnen Objekten muss man damit rechnen, dass neben technischen und wirtschaftlichen Fragen vor allem organisatorische und rechtliche Fragen in den Mittelpunkt rücken.

In Quartieren kann man z.B. Sanierungsmaßnahmen an mehreren Gebäuden gemeinsam durchführen und Hausbesitzer zum gemeinschaftlichen Handeln motivieren – z.B. bei der Dämmung von Dach oder Außenwand. Bei der Gebäudestruktur in vielen Stadtteilen bietet sich dies geradezu an. Es gibt dort häufig viele baugleiche Reihenhäuser, die ein ähnliches Baujahr haben. Wenn die Hausbesitzer dann gemeinsam Dämmmaterialien einkaufen, können sie so richtig Geld sparen. Auch bei der Planung kann man sparen, indem man sich den Architekten teilt.

Ähnliche Vorteile bietet quartiersorientiertes Handeln beim Thema Photovoltaik. Potenziale von Dachflächen können in Gemeinschaftsprojekten häufig schneller und leichter erschlossen werden. Häufig gibt es viele freie Dächer, die aber sehr kleinteilig sind. Dann bietet sich der gemeinschaftliche Ansatz extrem an. Wenn man sich z.B. ein gemeinsames Angebot für die PV-Module machen lässt, setzt schnell der Skaleneffekt ein und kann man recht einfach Kosten sparen.

Rainer Schüle 

über den Autor:
Rainer Schüle ist seit der Gründung im Jahr 1999 Geschäftsführer der Energieagentur Regio Freiburg, die in der Region Südbaden Städte und Gemeinden, Landkreise und andere öffentliche Körperschaften, Baugesellschaften, mittelständischen Unternehmen und private Hauseigentümer als neutraler Ratgeber beim Klimaschutz betreut. Dazu erarbeitet ein interdisziplinäres Team von 15 Mitarbeiter Projekte, Kampagnen und Klimaschutzkonzepte, erstellt Gutachten und organisiert Veranstaltungen. Davor war Schüle zwölf Jahre lang Mitarbeiter und Bereichsleiter »Kommunale Energie- und Klimaschutzkonzepte« beim Öko-Institut e.V. in Freiburg. 

Ziel seiner täglichen Arbeit ist es, Akteure zu vernetzen, die regionale Wirtschaft zu stärken und den Klimaschutz mit konkreten Projekten voranzubringen. Ein besonderes Anliegen ist ihm das Thema Energieeffizienz und die Frage nach der energetischen Sanierung des Gebäudebestands. Hier sieht der studierte Physik-Ingenieur enorme Potenziale, die auf dem Weg zur erfolgreichen Energiewende umgesetzt werden können.

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Für das außergewöhnliche Projekt King Abdulaziz Center for World Culture im Herzen der saudi-arabischen Ölfelder setzte der Glasfassadenspezialist seele den Entwurf des Architekturbüros Snøhetta in eine Fassade komplett aus Edelstahlrohren um. Nur durch die Verzahnung von modernsten Informationstech...

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Die neue Schweizer Botschaft in der Hauptstadt Kenias bettet sich sanft in die Terrainlandschaft ein. Umfassungsmauer und Baukörper verschmelzen zu einem einheitlichen architektonischen Gebilde, das über hohe räumliche, funktionale und nachhaltige Qualitäten, über repräsentativ und zurückhaltend ges...

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Das Tübinger Hotel Domizil wird von DIA – Dittel Architekten neu gestaltet und saniert. Im Fokus steht eine authentische, moderne Designsprache sowie die Neustrukturierung des Eingangs- und Restaurantbereichs.

Weitere Artikel:

Heimathafen

Heimathafen

Der Hafen in Offenbach entwickelt sich zu einem begehrten Stadtquartier. Auf der Hafeninsel bieten nun neun Punkthäuser optimale Sichtbezüge zum Wasser. Geräusche von außen oder aus benachbarten Wohnungen sind in den mit Kalksandstein »KS-QUADRO« gemauerten Häusern kein Thema.

Brandschutzwächter mit Sicherheitsring

Brandschutzwächter mit Sicherheitsring

Eine smarte Brandschutzmanschette, die im Brandfall groß heraus kommt und dem Feuer den Weg versperrt. Fest verbunden mit dem Verstärkungsblech für Stahltrapezprofildächer. Das ist die ebenso einfache wie geniale Idee, auf der die neuen »SitaFireguard« Gullys und Lüfter basieren.

Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom von Steimle Architekten

Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom von Steimle Architekten

Mit dem Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom wird das Ensemble der vorhandenen Technik- und Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Tübingen komplettiert. Der Entwurf des Büros Steimle Architekten schafft gleichermaßen die Verbindung zum umliegenden Areal aber auch die kontrastierende Wirkung durch die dur...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter


Ihre E-Mail
 
   

Senden Sie mir die kostenlosen Nachrichten der AZ/Architekturzeitung per E-Mail zu. Meine Anmeldung erfolgt, nachdem ich die Datenschutzhinweise gelesen haben. Die Nachrichten können Werbung von Dritten enthalten. Mein Einverständnis zum Empfang der Nachrichten kann ich jederzeit widerrufen.

Fachwissen | Architekten + Planer

Heimathafen

Heimathafen

Der Hafen in Offenbach entwickelt sich zu einem begehrten Stadtquartier. Auf der Hafeninsel bieten nun neun Punkthäuser optimale Sichtbezüge zum Wasser. Geräusche von auß...

Brandschutzwächter mit Sicherheitsring

Brandschutzwächter mit Sicherheitsring

Eine smarte Brandschutzmanschette, die im Brandfall groß heraus kommt und dem Feuer den Weg versperrt. Fest verbunden mit dem Verstärkungsblech für Stahltrapezprofildäche...

Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom von Steimle Architekten

Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom von Steimle Architekten

Mit dem Verwaltungsgebäude der SüdWestStrom wird das Ensemble der vorhandenen Technik- und Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Tübingen komplettiert. Der Entwurf des Büros ...

glasstec: Individualität in Architektur und Interieur

glasstec: Individualität in Architektur und Interieur

Zur glasstec 2018 in Düsseldorf stellt AGC Interpane viele neue und optimierte Produkte vor, die ganz im Zeichen der Individualität stehen: Sonnenschutzglas mit optimiert...

Maersk Tower von C.F. Møller Architects

Maersk Tower von C.F. Møller Architects

Der Maersk Tower von C.F. Møller Architects ist ein hochmodernes Forschungsgebäude, dessen innovative Architektur den optimierten Rahmen für erstklassige Gesundheitsforsc...

Restaurierung des alten Gerichtsgebäudes im Andreas Quartier, Düsseldorf

Restaurierung des alten Gerichtsgebäudes im Andreas Quartier, Düsseldorf

Von der ursprünglichen blauen Farbigkeit im Entree des alten Gerichtsgebäudes in Düsseldorf war nicht mehr viel zu sehen. Und auch sonst befanden sich das Gebäudeinnere u...

Innentür mit puristischem Design

Innentür mit puristischem Design

Die Nachfrage nach weißen Innentüren ist ungebrochen. Gleichzeitig steigt das Bedürfnis des Bauherrn nach einem individualisierten Produkt in seinem Zuhause. Die Innentür...

Stadtvilla in Stuttgart von Fuchs Wacker Architekten

Stadtvilla in Stuttgart von Fuchs Wacker Architekten

Die Stadtvilla mit Satteldach liegt in einer reizvollen Höhenlage. Unweit des Zentrums Stuttgarts ist dieses Gebäude eine stille Oase und privater Rückzugsort. In alle Hi...

Handaufmaß war gestern - Laserscanauswertung einer Basilika

Handaufmaß war gestern - Laserscanauswertung einer Basilika

Die in Düsseldorf stehende Pfeilerbasilika St. Margareta - ein architektonisches Meisterwerk Ihrer Zeit - wurde zwischen 1220 bis 1230 als Stiftskirche errichtet. Kunstvo...

Betonage von Betondecken

Betonage von Betondecken

Die Waldkraiburger Primo GmbH hat ein weiteres cleveres Zubehörtool für die Betonage von Betondecken entwickelt, auf den Markt gebracht und zum Patent angemeldet: Mit dem...

Weitere Artikel:


Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.