Anzeige AZ-A2-728x90 R7
Start Praxis Wärmedämmung Fallbeispiel: Sanierung in Salzgitter

Fallbeispiel: Sanierung in Salzgitter

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1606/wdvs-waermedaemmung-sanierung-az01.jpg
 

Über hohe Mieten und »Edel-Sanierungen« in den boomenden Zentren Deutschlands liest man häufig. Über die Aufgaben, die Wohnungsunternehmen in schrumpfenden Städten zu bewältigen haben, schreiben die Medien nur wenig. Nun geht es dort auch nicht um »Ent-Mietung«. Hier steht im Mittelpunkt, die Immobilien überhaupt vermieten zu können. Die Maßnahmen – beispielsweise eine energetische Sanierung – ist da eben nicht schlagzeilenträchtig, obwohl dieser Fall sicher repräsentativer ist, als so manches groß aufgehängte Negativbeispiel. Außerdem bringt unser Fallbeispiel den Mietern klare Vorteile. Im niedersächsichen Salzgitter hat die kommunale Wohnungsgesellschaft mehrere Straßenzüge energetisch optimiert, um attraktive Wohnungen anbieten zu können. Mit Erfolg: Die Gebäude aus den 1950er/1960er Jahren sind nicht nur energetisch auf aktuellem Stand, sie sehen auch wieder schön aus – und sind gut vermietet.

Wohnhäuser aus der Aufbauphase der 1950er und 1960er Jahre bieten hohes Energie-Einsparpotenzial. Bei unsanierten Gebäuden sind bis zu 70 Prozent weniger Energiebedarf nicht unrealistisch. Das Beispiel aus Salzgitter zeigt, wie dieses Potenzial genutzt werden kann: Hier wurden große Gebäudeensembles durch gezielte Investitionen zukunftsfähig gemacht. Ziel war nicht nur der geringere Energiebedarf, sondern auch, die Vermietbarkeit in der Kreisstadt mit sinkender Einwohnerzahl nachhaltig sicherzustellen.

Die Wohnbau Salzgitter GmbH vermietet und verwaltet mehr als 5.100 Wohnungen, in denen fast 10.000 Menschen leben. Sie zählt damit zu den bedeutenden Immobiliengesellschaften der Region. Ein Großteil der Gebäude stammt aus den 1960er Jahren, einige Objekte sind noch älter. Die Modernisierung ist deshalb ein zentrales Anliegen der Wohnbau. Allein 2013 summierten sich die Investitionen in Instandhaltung und Modernisierung auf rund acht Millionen Euro. Zu den sanierten Objekten gehören die Wohnhäuser im zweitgrößten Stadtteil (Bad) in der Käthe-Kollwitz-Straße und in der Friedrich-Ebert-Straße. Laut Lutz Rohn von der Wohnungsgesellschaft kann man schon sagen, dass die Sanierung städtebauliche Bedeutung hatte, weil eine Seite eines fast kompletten Straßenzuges modernisiert wurde. Allein in der Friedrich-Ebert-Straße investierte die Wohnbau 2013 rund 1,6 Millionen Euro in die Fassadenerneuerung und weitere 350.000 Euro in neue Fenster.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1606/wdvs-waermedaemmung-sanierung-az02.jpg

106 Wohnungen mit mehr als 7.000 Quadratmetern Gesamtmietfläche in den vier- und fünfgeschossigen Häusern erhielten eine neue Außendämmung. Das Ziel: Wärmedurchgangskoeffizient 0,2 W/m²K. Viele ungedämmte Wände haben einen U-Wert zwischen 1,3 W/m²K und 1,4 W/m²K. Auf diesem Stand waren auch die Gebäude in der Friedrich-Ebert-Straße, die Außenwände bestanden aus beidseitig geputztem Mauerwerk. Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) mit Dicken zwischen vier und acht Zentimetern gab es nur an einigen Giebeln. Zum Vergleich: Energieeffizienzhäuser müssen 0,24 W/m²K erreichen, Passivhäuser sogar 0,15 W/m²K.

Zug entsteht vor allem durch eine ungedämmte Wand: An kalten Tagen liegt die Temperatur an der Innenseite der Außenwand unter der Raumtemperatur, daher kühlt die Raumluft an dieser Wandseite ab. Die kalte Luft »fällt nach unten«, Zirkulation entsteht. Bewohner spüren diese Luftbewegung als »Zug«. Fassadendämmung sorgt dafür, dass sich die innere Seite der Außenwand auch bei Minusgraden draußen kaum abkühlt. Die Zirkulation unterbleibt. Durch die Dämmung sinken außerdem die Wärmeverluste über die Wand nach außen, denn die Wärme bleibt im Raum und die Bewohner müssen weniger heizen.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1606/wdvs-waermedaemmung-sanierung-az03.jpg

Als Wärmedämm-Verbundsystem hat die Wohnbau Salzgitter in beiden Straßen 14 Zentimeter dicke Dämmplatten aus Polystyrol (Wärmeleitfähigkeit von 0,032 W/mK) verbaut. Bei den ohnehin recht engen Balkonen griff sie auf dünnere Phenolharzplatten mit einer Wärmeleitfähigkeit (WLG) von 0,022 W/mK zurück. Dadurch genügte eine vergleichsweise dünnere Dämmschicht. Die obersten begehbaren Geschossdecken erhielten ebenfalls eine Dämmung: 14 Zentimeter dicke Polystyrolplatten (WLG 035) und eine 19 Millimeter dicke Spanplatte als begehbaren Belag. Zur Verbesserung der Feuchtigkeitsaufnahme und -abgabe kamen außerdem mineralische Kleber und Armierungsmassen zum Einsatz – in Schichtdicken zwischen fünf und sieben Millimetern. Das sorgt später für eine glattere Putzoberfläche. Insgesamt verbesserte sich die Energiekennzahl der Gebäude von 185 kWh/m²a auf 135 kWh/m²a. Der betriebswirtschaftliche Sinn solcher Maßnahmen liegt nach Angaben von Lutz Rohn vor allem in der Sicherung der Vermietbarkeit der Bestände.

An einigen Giebeln gab es bereits Wärmedämm-Verbundsysteme. Diese wurden weitgehend entfernt. An manchen Stellen wurde aufgedoppelt. Dabei wird die bestehende mit der neuen Dämmung verklebt und zur Sicherheit zusätzlich bis auf den tragenden Untergrund durchgedübelt. Dieses Vorgehen spart Ressourcen und die Zeit für den Abriss der alten Dämmung und die Entsorgung.

Die neuen Kunststofffenster mit Dreifachverglasung (U-Wert 0,95 W/m²K) ersetzen in der Friedrich-Ebert-Straße zudem die alten, doppelverglasten Fenster. Der Austausch wurde allerdings nicht nur aus energetischen, sondern auch aus strategischen Gründen vorgenommen. Rohn erklärt, dass die Fenstererneuerung hauptsächlich stattfindet, weil es für Fenster, die 30 Jahre und älter sind, irgendwann keine Beschläge mehr gibt. Nur ein geringer Teil der Investition kann auf die Miete umgelegt werden. Der volle Betrag würde im vorliegenden Fall eine Mieterhöhung von zwei Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bedeuten. „Umgesetzt werden, so Rohn, gerade einmal etwa 50 Cent.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1606/wdvs-waermedaemmung-sanierung-az04.jpg

Die Sanierung bekam eine weitere Facette: Barrierefreiheit. An den Häusern in der Friedrich-Ebert-Straße 23 und 25 entfernten die Bauarbeiter dazu die Balkone der Erdgeschosswohnungen und hoben das Geländeniveau an. Es entstanden Terrassen, die über Rampen erschlossen werden.

Dieses Beispiel dürfte Schule machen, denn bereits heute sind bei der Wohnbau 40 Prozent der Mieter 60 Jahre und älter. Das Unternehmen rechnet damit, dass ihr Anteil in den kommenden Jahren deutlich zulegen wird. Damit dürfte auch die Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum weiter steigen.

Bautafel
Sanierung Mehrfamilienwohnhäuser Salzgitter
Standort: Salzgitter, Friedrich-Ebert-Straße/Käthe-Kollwitz-Straße
Auftraggeber: Wohnungsbaugesellschaft mbH Salzgitter
Fassadendämmsystem: StoTherm Vario, teilweise als Aufdoppelung des bestehenden WDV-Systems
Farbgestaltung: StoDesign
Fachhandwerker: maltec Johannes Temps GmbH, Neustadt a. R.; Habekost GmbH, Hildesheim; Gustav Borrmann GmbH & Co. KG, Braunschweig
Fotos: Michael Meschede, Kaufungen / Sto SE & Co. KGaA

Konferenzzentrum von schneider+schumacher in Mannheim

Konferenzzentrum von schneider+schumacher in Mannheim

Im zweitgrößten Barockschloss Europas kreiert schneider+schumacher ein modernes Studien- und Konferenzzentrum für die Mannheim Business School. Die in den Garten eingeschnittene Anlage bildet zusammen mit dem historischen Schloss eine markante neue Einheit, die symbolisch für die Bewahrung der Tradi...

DEGELO Architekten gewinnen Wettbewerb zum Konferenzzentrum in Heidelberg

DEGELO Architekten gewinnen Wettbewerb zum Konferenzzentrum in Heidelberg

Das Büro DEGELO Architekten aus Basel hat den ersten Preis beim Wettbewerb zur künftigen Gestaltung des neuen Konferenzzentrums in der Heidelberger Bahnstadt gewonnen. Das Preisgericht wählte den Entwurf unter 22 eingereichten Arbeiten aus.

Chicago Architecture Biennial

Chicago Architecture Biennial

Als Kunst- und Kulturstadt ist die zweitgrösste Stadt in den USA bislang nicht bekannt. Das größere New York hat hier doch deutlich mehr Strahlkraft. Aber Chicago legt nach und zeigt deutliche Anzeichen, sich als Kulturstätte neu zu erfinden. Ein besonderes Event ist die Chicago Architecture Biennia...

Weitere Artikel:

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Die in der eigenen Betriebsstätte hergestellte, zargenlose Schiebetür bestehen aus dem lichtdurchlässigen, biegesteifen Wabenpaneel »ViewPan« mit Oberflächen aus Acrylglas-Kunststoff. Sie fassen sich im Vergleich zu Glasschiebetüren warm an und sind unempfindlich gegenüber Verschmutzungen.

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Über hundert Jahre wurde in der Schnapsbrennerei in Weißenfeld hochprozentiger Alkohol aus Kartoffeln für medizinische Zwecke hergestellt. Um das Gebäude zu erhalten und weiterhin sinnvoll zu nutzen, wählten die Betreiber einen recht ungewöhnlichen Weg: die Umwandlung der Brennerei Weißenfeld in ein...

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenausstellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die neue Parklandschaft, welche die Grün Berlin GmbH im Auftrag des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf realisierte, breitet sich in einem...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 GDC

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Die in der eigenen Betriebsstätte hergestellte, zargenlose Schiebetür bestehen aus dem lichtdurchlässigen, biegesteifen Wabenpaneel »ViewPan« mit Oberflächen aus Acrylgla...

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Das Hamburger Hotel Wedina hat ein umfassendes Facelift erhalten, bei dem Farbe eine zentrale Rolle spielt. Die Fassade macht in leuchtendem Rot auf sich aufmerksam und j...

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Über hundert Jahre wurde in der Schnapsbrennerei in Weißenfeld hochprozentiger Alkohol aus Kartoffeln für medizinische Zwecke hergestellt. Um das Gebäude zu erhalten und ...

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenausstellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die ...

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

H7, das Bürohaus von Andreas Heupel Architekten im alten Stadthafen von Münster, ist ein siebengeschossiger Holz-Hybridbau, der neue Maßstäbe im Hinblick auf Ökologie und...

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Die Profile des Fensters »cero« messen trotz der möglichen 15 Quadratmeter großen Scheibenelemente gerade einmal 34 Millimeter. Für die jeweiligen Anforderungen an Wärmed...

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Die neue Wirtschaftsuniversität in Wien ist die größte der Europäischen Union. Bisher befand sich die alte Wirtschaftsuniversität in einem Gebäude aus den 1970er-Jahren. ...

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Es ist ein eigenwilliges Gebäude, das 1967 nach dem Entwurf des Architekten Wolfgang Döring in nur sechs Tagen auf einem Erbpachtgrundstück der Elly-Hölterhoff-Böcking-St...

Oberflächentrends bei Innentüren

Oberflächentrends bei Innentüren

Die heutigen Sortimentsdimensionen des Bauens und Planens verlangen nach strukturierten Lösungen für Oberflächen wie beispielsweise bei Innentüren. Aufgrund des Überangeb...

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Der Keukenhof in Lisse bei Amsterdam ist das internationale Schaufenster der niederländischen Blumenzucht. In den acht Wochen von Anfang März bis Mitte Mai wird dort geze...

Weitere Artikel:


Anzeige AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.