Start Architektur Deutschland J. Mayer H. webt ein grünes Netz für die Autostadt

J. Mayer H. webt ein grünes Netz für die Autostadt

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0908/j-mayer-h-01.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0908/j-mayer-h-02.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0908/j-mayer-h-03.jpg
Dass jeder zumindest wissen sollte, was es mit dem Begriff »Nachhaltigkeit« auf sich hat, daran besteht kein Zweifel. Dass es sinnvoll ist, sich über Ressourcenschonung, Klimaproblematik und Umweltschutz zu informieren, steht ebenfalls außer Frage. Dass die Themen allerdings in letzter Zeit etwas überstrapaziert und fast schon ausgelutscht wurden, muss leider auch erwähnt werden.

Vor allem große Konzerne schmücken sich mit wichtigen Statements und Kampagnen zur Nachhaltigkeitsdebatte. Man präsentiert sich in der Öffentlichkeit gerne äußerst verantwortungsvoll im Umgang mit Mensch, Umwelt und Wirtschaft. Das ist zurzeit nun mal »in« - das gehört zu einer guten PR- und Marketingstrategie dazu. Vor allem die nicht immer für ihre nachhaltige Produktion und Unternehmenspolitik gerühmten Automobilfirmen sehen darin eine große Chance, ihr Image aufzupolieren.

Volkswagen hat sich nun auch zu diesem Thema öffentlichkeitswirksam etwas einfallen lassen: eine neue Dauerausstellung in dem Service- und Kommunikationszentrum Autostadt in Wolfsburg. Unter dem Motto »Level Green – Die Idee der Nachhaltigkeit« werden dort auf 1.000 Quadratmetern die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, Ökologie, Gesellschaft und Ökonomie, besuchergerecht aufbereitet und multimedial serviert. 

Um eine entsprechende Aufmerksamkeit in den Medien und der Öffentlichkeit zu garantieren, wird das lehrreiche Informationsangebot nicht bloß auf langweiligen, an die Wand geschraubten Bildschirmen präsentiert. Für den ästhetischen Rahmen der Ausstellung hat man einen der bekanntesten deutschen Architekten engagiert, der für extravagante und aufsehenerregende Entwürfe bekannt ist: Jürgen Mayer H. aus Berlin. Aber das, was der unkonventionelle Architekt in Wolfsburg für die Ausstellung kreiert hat, ist nicht nur einen oberflächlichen Blick und anerkennendes Kopfnicken wert, sondern einen staunenden Besuch: Jürgen Mayer H., der gerne Muster aus verschlüsselten Daten und Zahlen in Architektur übersetzt, hat sich für die Ausstellung künstlerisch mit dem PET-Symbol auseinandergesetzt. Das Symbol für Kunststoffrecycling, bestehend aus drei grünen Pfeilen, hat er Schritt für Schritt abstrahiert, extrudiert, verdreht und verwoben, bis eine raumgreifende, netzartige Struktur zum Vorschein kam. Die verzweigten und verschlungenen Bänder verknüpfen die Exponate zu einer ganzheitlichen dreidimensionalen Form. Das neongrüne Flechtwerk definiert verschiedene Ausstellungsbereiche, in denen Volkswagen die Besucher spielerisch, ohne einen vorgegebenen Ausstellungsweg, über Themen wie die sozialen und ökonomischen Konsequenzen des Klimawandels oder über die Möglichkeiten für jeden einzelnen, sich nachhaltig zu verhalten, informieren möchte.

Die Konstruktion des Netzwerkes besteht aus Holzfaserplatten (MDF), die einer Brandschutz-Spezialbehandlung unterzogen wurden. Aus insgesamt 126 individuellen geschwungenen Holzelementen setzt sich die auffällige Ausstellungsarchitektur zusammen. Die vertikalen Elemente wurden im Inneren zusätzlich mit einer Stahlkonstruktion verstärkt und fest mit dem Boden verankert. Für den giftgrünen Anstrich wurde ein Autolack auf Acrylbasis gewählt, der den hohen Nutzungsanforderungen gerecht werden musste. Dieser Lack sei nach strengen Umweltschutzkriterien gewählt worden, betont Volkswagen nachdrücklich. Die schwarzen Informationsdisplays wurden entweder zwischen den Ausstellungsbereichen aufgestellt oder in die vertikalen Elemente der Netzstruktur integriert. Technische Installationen wie Beleuchtungselemente bauen die Architekten von J. Mayer H. ebenfalls in das Design des Netzes mit ein.

Zweifelsohne hat die »Level Green«-Ausstellung einen würdigen und vor allem knalligen Rahmen bekommen. Mit Jürgen Mayer H. hätte sich Volkswagen keinen Besseren aussuchen können, um solch ein abstraktes Thema anschaulich und ansehnlich darzustellen, Neugier zu wecken und Besucher in die Autostadt zu locken. Diese außergewöhnliche Präsentation ist auch nötig, um sich von den vielen anderen Nachhaltigkeitsinitiativen und Events abzuheben.



Projektdetails

Dauerausstellung: Level Green – Die Idee der Nachhaltigkeit

Ort: Autostadt in Wolfsburg, Volkswagen KonzernForum

Architektur: J. Mayer H.,www.jmayerh.de

Szenografie und Mediengestaltung: Art+Com, Berlin

Fotos: Uwe Walter

Radikal und dramatisch: Restaurant Hueso von Architekt Ignacio Cadena

Radikal und dramatisch: Restaurant Hueso von Architekt Ignacio Cadena

Die subtile Schönheit einer unverstellten und puren Architektur will der mexikanische Architekt Ignacio Cadena im Restaurant Hueso zeigen. Hueso bedeutet »Knochen« und unverkennbar prägen die sterblichen Überreste der mexikanischen Fauna die Wände dieses einmaligen kulinarischen Ortes.

Corporate Design von Dittel Architekten für das Mannheimer Rathaus

Corporate Design von Dittel Architekten für das Mannheimer Rathaus

DIA – Dittel Architekten hat für das Rathaus E5 in Mannheim ein neues bauliches Corporate Design entwickelt und zeichnet für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes verantwortlich. Ziel der architektonischen und gestalterischen Maßnahmen war es, eine repräsentative Designsprache zu etablieren ...

Mikrohofhaus: Wohnen auf kleinstem Raum

Mikrohofhaus: Wohnen auf kleinstem Raum

Gewinner des Wettbewerb »Raumpioniere – Wohnen auf kleinstem Raum« sind die Architekten Florian Kaiser, Guobin Shen und Hans-Christian Bäcker des Stuttgarter Ateliers Kaiser Shen mit ihrem »Mikrohofhaus«.

Weitere Artikel:

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

In nur sieben Wochen wich grauer Beton einer abstrakt-naturalistischen Malerei mit blauem Himmel, weißen Wolken, täuschend echten Bäumen und einem illusionistischen Streichelzoo. Verantwortlich dafür zeichnet der auf exklusive Wandmalerei spezialisierte Künstler Ulrich Allgaier.

Wintergarten gut beheizt

Wintergarten gut beheizt

Im Wintergarten hat Wärme nicht nur einfach die Funktion »Heizen« zu erfüllen. Wärme weckt Emotionen und bringt Atmosphäre in den gläsernen Raum. Eine elektrische Strahlungsheizung ermöglicht ein bedarfsgerechtes Heizen, wenn der Wintergarten genutzt wird und die Kraft der Sonne nicht ausreicht.

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Das von den Rotterdamer Städtebauexperten OMA (Office for Metropolitan Architecture) erdachte Timmerhuis in Rotterdam gilt als das »grünste Gebäude der Niederlande«. Es vereint Stadtverwaltung, Wohnungen, Büros sowie das Rotterdamer Stadtmuseum und schlägt eine architektonische Brücke zum denkmalges...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 GDC

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

AZ Architekten Ingenieure Planer

  • Fotograf Christopher Klettermayer
    Fotograf Christopher Klettermayer Mit dem Verkauf seiner Serie “Neighbours” durch die Saatchi Kunstvermittlung, hat sich der Fotograf Christopher Klettermayer in Europa zurück gemeldet.…

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

In nur sieben Wochen wich grauer Beton einer abstrakt-naturalistischen Malerei mit blauem Himmel, weißen Wolken, täuschend echten Bäumen und einem illusionistischen Strei...

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Das von den Rotterdamer Städtebauexperten OMA (Office for Metropolitan Architecture) erdachte Timmerhuis in Rotterdam gilt als das »grünste Gebäude der Niederlande«. Es v...

Wintergarten gut beheizt

Wintergarten gut beheizt

Im Wintergarten hat Wärme nicht nur einfach die Funktion »Heizen« zu erfüllen. Wärme weckt Emotionen und bringt Atmosphäre in den gläsernen Raum. Eine elektrische Strahlu...

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Die in der eigenen Betriebsstätte hergestellte, zargenlose Schiebetür bestehen aus dem lichtdurchlässigen, biegesteifen Wabenpaneel »ViewPan« mit Oberflächen aus Acrylgla...

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Das Hamburger Hotel Wedina hat ein umfassendes Facelift erhalten, bei dem Farbe eine zentrale Rolle spielt. Die Fassade macht in leuchtendem Rot auf sich aufmerksam und j...

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Über hundert Jahre wurde in der Schnapsbrennerei in Weißenfeld hochprozentiger Alkohol aus Kartoffeln für medizinische Zwecke hergestellt. Um das Gebäude zu erhalten und ...

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenausstellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die ...

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

H7, das Bürohaus von Andreas Heupel Architekten im alten Stadthafen von Münster, ist ein siebengeschossiger Holz-Hybridbau, der neue Maßstäbe im Hinblick auf Ökologie und...

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Die Profile des Fensters »cero« messen trotz der möglichen 15 Quadratmeter großen Scheibenelemente gerade einmal 34 Millimeter. Für die jeweiligen Anforderungen an Wärmed...

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Die neue Wirtschaftsuniversität in Wien ist die größte der Europäischen Union. Bisher befand sich die alte Wirtschaftsuniversität in einem Gebäude aus den 1970er-Jahren. ...

Weitere Artikel:


Anzeige AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.