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Sanierung und Erweiterung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt

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Ein Umzug ist für viele ein Graus: Schränke ausräumen, Umzugskisten anschleppen, Zerbrechliches sorgfältig einwickeln, Kiste voll packen, nächste Kisten holen, wieder voll packen und so weiter. Anstrengend! Dauert unter Umständen Stunden. Tage. Manchmal ein Jahr! Zugegeben, für ein ganzes Jahr Kistenpacken muss man schon sehr viele Utensilien im Laufe der Zeit angehäuft haben. Oder ein Museum sein.

Das Hessische Landesmuseum in Darmstadt (HLMD) zum Beispiel hat solch eine »Verpackungsaktion« wegen umfassender Bau- und Sanierungsarbeiten gerade hinter sich. Fast eine Million Ausstellungstücke wurden innerhalb eines Jahres bis Anfang 2009 behutsam verpackt und aus dem Museum gebracht. Einer der größten Museumsumzüge nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst anschließend konnten im Juli 2009 die Bauarbeiten beginnen.

Zwischen 1897 und 1906 wurde das Museum von dem Architekten Alfred Messel errichtet und zählt heute zu den bedeutendsten historischen Gebäuden in Hessen. Es befindet sich im Herzen Darmstadts zwischen Schloss und dem nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten gestalteten »Herrngarten«. Das Hessische Landesmuseum Darmstadt beherbergt umfangreiche Sammlungen der Kunstgeschichte, der Paläontologie, Zoologie und der Mineralogie. Diese Vielfalt der unterschiedlichen Wissenschaften unter einem Dach macht das HLMD zu einem Universalmuseum, eine Museumskonzeption, die in Europa nicht oft zu finden ist.

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1820 schenkte der Großherzog Ludwig I. von Hessen-Darmstadt seine umfangreiche Kunst- und Naturaliensammlung dem Staat. Der Großherzog Ernst Ludwig erteilte 1897 dem damals bekannten Architekten Alfred Messel den Auftrag, ein Museum für diese unterschiedlichen Exponate zu errichten. Messel plante und baute nicht nur das Gebäude, sondern war auch für die Ausstellungskonzeption zuständig. Jeder Sammlung widmete er einen eigenen Gebäudebereich und schuf damit eine Einheit von Kunst und Naturwissenschaft in einem Museum. Kunstwerke des Barock fanden ebenso Platz wie ausgestopfte Tiere aus Mitteleuropa. Räume wie der Romanische Gang, die gotische Kirche oder der Mittelalterlicher Hof zeigten anschaulich historische Zusammenhänge.

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Im Zweiten Weltkrieg wurde das Museum durch Bombardierung stark beschädigt. Georg Zimmermann baute es bis 1955 aber fast unverändert wieder auf. In den folgenden Jahren wurden die Sammlungen bedeutend vergrößert, zum Beispiel durch den Block Beuys von Joseph Beuys. Zahlreiche Um- und Ausbauarbeiten wurden notwendig. 1984 wurde das Museum sogar durch einen Anbau, den sogenannten Kargelbau, erweitert. Bei diesen An- und Umbauten ging jedoch zunehmend die ursprüngliche Architektur des Landesmuseums verloren.

Die Situation des Museums wurde nicht besser: Die Raumreserven wurden ständig weniger und die Museumsräume bedurften dringend einer Instandsetzung. Auch die gestiegenen Anforderungen an Brandschutz und Arbeitssicherheit machten eine gründliche Erneuerung und Vergrößerung des Museumsbaus immer dringender.

2002 entschied das Land Hessen, das HLMD zu sanieren und zu erweitern. Ein zeitgemäßes und zukunftsfähiges Museum mit ausreichend Platz für die Exponate, für Sonderausstellungen, Lagerflächen, Räume für Museumspädagogik, einen Shop und ein Café soll nun entstehen.

Das historische Museumsgebäude wird deshalb neu strukturiert, denkmalschutzgerecht modernisiert und mit neuen technischen Anlagen ausgestattet. Ein wichtiges Ziel der Sanierungsarbeiten wird sein, die Architektur Messels wieder freizulegen, Übermaltes und Verbautes auf archäologische Weise wieder abzutragen und den Urzustand wiederherzustellen.

Ergänzt werden die Maßnahmen durch den Bau eines Erweiterungsgebäudes, das den zusätzlichen Flächenbedarf von 7.300 Quadratmetern abdecken soll. Hierfür wurde 2004 ein zweistufiger Wettbewerb ausgerufen. Das Hamburger Architekturbüro Kleffel Papay Warncke konnte sich mit ihrem Entwurf eines markanten Solitärs durchsetzen. Anstelle des angebauten Kargelbaus wird in einigem Abstand zum historischen Gebäude ein Neubau entstehen, der in seiner reduzierten Erscheinung als Kontrast und Ergänzung zu verstehen ist. Die Fassade gliedert sich klar in Sockelzone, Mittelteil und Dachabschluss. Der Neubau schließt den Museumsvorplatz nach Westen und lässt durch seinen Abstand zum Altbau einen breiten Korridor zum »Herrngarten«, der ein bespielbarer, belebter Außenraum des Museums werden kann. Die Gestaltung des Neubaus übernimmt die Gebäudekanten und die Kubatur des Messel-Baus.

Im Inneren ist eine klare und übersichtliche Einteilung der Ebenen geplant, die den Werken aus Grafik, Bildender Kunst und Kunsthandwerk sich unterordnende, neutrale Räume zur Präsentation bieten werden. Die Architektur des Erweiterungsbaus soll ein gleichwertiges Gegenstück zu dem historischen Museumsgebäude werden, eine Einheit wie sie auch Messel in der Konzeption seiner Ausstellungsräume schon erreichte.

Insgesamt werden für Instandsetzung und Erweiterung 51,5 Millionen Euro investiert sowie 12,5 Millionen Euro für die Museumsausstattung. Da die Sanierungsarbeiten so grundlegend sind, wurde das Museum 2007 bereits für Besucher geschlossen.

Die Fertigstellung des Messelbaus ist für Herbst 2011 geplant, die des Neubaus für das Frühjahr 2012. Dann werden die Kisten mit den Exponaten endlich wieder aus den Depots geholt und die Ausstellungsstücke, die an andere Museen ausgeliehen oder auf weltweiter Museums-Wanderschaft waren, finden ihren Weg wieder zurück nach Darmstadt. Aber das Auspacken und Einrichten der Räume soll trotz gleicher Vorsicht und Sorgfalt schneller als das Einpacken gehen. Der Messelbau wird voraussichtlich Mitte 2012 und der Neubau Ende 2012 eröffnet werden. Dann werden die Sammlungen wieder in einem »ihrem Rang angemessenen Rahmen« präsentiert werden, wie die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, beim offiziellen Beginn der Bauarbeiten betonte.

 

Projektdetails

Ort: Darmstadt, Hessen, Deutschland

Architekt – Altbau: Alfred Messel, 1897-1906

Architekten – Neubau: Kleffel Papay Warncke, www.kpw-architekten.de

BGF: 7.300 Quadratmeter für Ausstellungsbereiche, Besucherinfrastruktur, Depots, Werkstätten, Büros

Baubeginn: 01. Juli 2009

Fertigstellung Messelbau: Herbst 2011, Wiedereröffnung Mitte 2012

Fertigstellung Erweiterungsneubau: Frühjahr 2012, Eröffnung Ende 2012

Auftraggeber: Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kultur

Kosten: 51,5 Millionen Euro für Instandsetzung und Erweiterung, 12,5 Millionen Euro für Museumsausstattung

Bilder: Hessisches Landesmuseum Darmstadt, www.hlmd.de

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