Anzeige AZ-A2-970x250 R7
Start Architektur Deutschland Klare Kiste: Wohnhaus in Mülheim an der Ruhr

Klare Kiste: Wohnhaus in Mülheim an der Ruhr

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2011/1104/architekturbuero-wolfdieter-albrecht-01.jpg

Der weiße Bau mit der strengen Kubatur steht in deutlichem Kontrast zur Einfamilienhaus-Satteldachidylle der Nachbarschaft. In dem ruhigen Wohnviertel, das in den Fünfzigerjahren am Rande der nordrhein-westfälischen Stadt Mülheim an der Ruhr entstand, fand ein junges Paar nach langer Suche sein Wunschgrundstück. Angelehnt an die klare Formensprache der Bauhaus-Zeit entwarf das Architekturbüro Wolfdieter Albrecht aus Ratingen hierfür einen kubischen Baukörper mit fließenden Raumübergängen im Inneren.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2011/1104/architekturbuero-wolfdieter-albrecht-02.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2011/1104/architekturbuero-wolfdieter-albrecht-05.jpg

Seit im Frühjahr 2010 die letzten Büsche im Garten eingesetzt und junger Bambus in den Cortenstahl-Trog vor dem Hauseingang gepflanzt wurden, ist das Wohnhaus in Mülheim an der Ruhr komplett. Etwa drei Jahre dauerte es, bis das Bauherrenpaar ein passendes Grundstück fand und ein weiteres Jahr bis Gebäude und Außenanlagen fertig waren. Zusammen mit dem Architekten Wolfdieter Albrecht schauten sie sich viele verschiedene Standorte rund um Düsseldorf an, aber keiner erschien ihnen ideal. Für fünf dieser Bauplätze machte Albrecht sogar kleine Stegreifentwürfe, angepasst an die jeweilige Umgebung und die Besonderheiten vor Ort. Das Ehepaar, große Freunde der klassischen Moderne, wünschte sich einen Bau im Stil von Mies van der Rohe oder Le Corbusier. Ein spitzgiebeliges Standardhäuschen mit kleinteiliger Grundrissgestaltung kam nicht infrage. Der Architekt entwickelte in diesem Sinne unterschiedliche Gebäudekonzepte, meist mit sich durchdringenden Baukörpern und Flachdach und stellte diese den örtlichen Bauämtern vor. Doch bei jedem der ausgesuchten Bauplätze war ein Satteldach vorgeschrieben, so dass die Suche nach dem perfekten Grundstück weiterging.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2011/1104/architekturbuero-wolfdieter-albrecht-03.jpg

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2011/1104/architekturbuero-wolfdieter-albrecht-06.jpg
In einer beschaulichen Siedlung am Stadtrand von Mülheim fanden Architekt und Bauherren schließlich etwas zu ihren Vorstellungen Passendes. In einer gewachsenen Struktur mit Einfamilienhäusern aus den 1950ern und hohen, alten Bäumen, leicht exponiert an einer ansteigenden Straße, stand ein Grundstück zum Verkauf. Allerdings befand sich darauf noch eines dieser Satteldachhäuser, die das Paar eigentlich nicht haben wollte.

Der Architekt Wolfdieter Albrecht schlug vor, auch eine Sanierung dieses Bestandsbaus in Erwägung zu ziehen. Aber den alten Kasten mit der Teilunterkellerung trocken zu legen und wärmedämmtechnisch auf den besten Stand zu bringen, erwies sich als problematisch, so dass sich die Bauherren gegen die Sanierung entschieden. Stattdessen sollte es ein Neubau sein mit einer klaren Architektur, funktionalen und offenen Grundrissen sowie technisch durchdachten Anschlussdetails.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2011/1104/architekturbuero-wolfdieter-albrecht-04.jpg

Statt die ursprüngliche Idee eines Gebäudes mit Vor- und Rücksprüngen in der Fassade weiterzuverfolgen, entschieden sich Bauherren und Architekt bei diesem Grundstück für einen einfachen kubischen Bau. Auf zwei Geschossen verteilen sich 275 Quadratmeter flexibel nutzbare Wohnfläche. Betritt man die untere Etage, fällt zunächst die raumbildende Stahltreppe ins Auge. Sie ist leicht und transparent konstruiert, so dass der Blick vom Eingang durch den Wohnbereich bis in den Garten fällt. Den Endpunkt dieser Sichtachse bildet eine Cortenstahlscheibe am hinteren Grundstückrand. Rechts vom Eingang befindet sich eine funktionale Box, die Garderobe, einen Abstell- und den Hausanschlussraum aufnimmt. Ansonsten ist der Grundriss des Erdgeschosses ohne trennende Wände konzipiert, damit die Bewohner des Hauses den Wohn-, Koch- und Essbereich frei gestalten können. Die schmale Sichtbetonwand, die in der Verlängerung des Treppenraumes steht, wirkt nicht wie eine Abgrenzung, sondern durch ihre Rohheit fast wie eine Skulptur. Der Beton geht dabei optisch in den nur mit Epoxidharz behandelten Estrich des Fußbodens über und bildet mit diesem einen Kontrast zu den weiß verputzten Wand- und Deckenflächen.

Der großzügige Luftraum im Eingangsbereich verbindet die beiden Etagen miteinander. Über die Treppe gelangt man in den Privatbereich des Paares. Hier sind Schlaf- und Gästezimmer, ein großes Bad sowie eine Ankleide untergebracht. Auch das Büro befindet sich im Obergeschoss – im Gegensatz zu den Nachbarräumen ist es als offener Raum integriert.

Um den Bau auch bei Dunkelheit in Szene zu setzen, wurde die Lichtplanerin Martina Ritzi beauftragt, für eine anregende Lichtatmosphäre innen und außen zu sorgen. So betont unter anderem eine große filigrane Kugelleuchte den zentralen Treppenraum. Dieses Element wiederholte sie im Wohnraum sowie im Garten, wo kleinere Kugeln für stimmungsvolle Helligkeit sorgen. Auch die Cortenstahlscheibe am Ende des Gartens wird nachts mit Licht akzentuiert.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2011/1104/architekturbuero-wolfdieter-albrecht-07.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2011/1104/architekturbuero-wolfdieter-albrecht-08.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2011/1104/architekturbuero-wolfdieter-albrecht-09.jpg

Beim Entwurf des Wohnhauses spielten neben gestalterischen auch energetische und wirtschaftliche Aspekte eine wichtige Rolle. Zum einen sollte die Energieversorgung über Geothermie sicher gestellt werden. Mithilfe von zwei 88 Meter tiefen Sonden gelangt die Erdwärme nach oben und wird in Verbindung mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe zur Beheizung der Räume und zur Brauchwassererwärmung genutzt.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2011/1104/architekturbuero-wolfdieter-albrecht-10.jpg

An heißen Tagen übernimmt die Wärmepumpe durch den integrierten Wärmetauscher sogar die Kühlung der Wohnräume. Aufgrund seiner kompakten Form verfügt das Gebäude zudem über ein energetisch gutes Verhältnis zwischen luftberührter Außenfläche und umbautem Raumvolumen von 0,5 m²/m³, was den Heizenergiebedarf günstig beeinflusst. Für zusätzliche Energieeinsparung sorgt die durchdachte Anordnung und Dimensionierung von Fenstern. Um die passiven solaren Energiegewinne zu optimieren, ist die nach Südwesten ausgerichtete Fassade mit großen Glasflächen ausgestattet, wohingegen die Nordostseite weitgehend geschlossen ist. Abgerundet wird das Konzept durch eine bewusste Reduzierung der eingesetzten Materialien.


In enger Zusammenarbeit zwischen dem Architekturbüro Wolfdieter Albrecht und den Bauherren ist in Mülheim ein puristisches Wohnhaus mit nachhaltigem Gesamtkonzept entstanden, das nicht nur ästhetisch einen klaren Standpunkt in der etwas biederen Umgebung schafft.

Objektdaten: Projekt Einfamilienhaus, privater Bauherr, Mülheim an der Ruhr

Wohnfläche 275 Quadratmeter
Volumen 1.070 Kubikmeter (BRI) 
Baukosten 340.000 Euro
Fertigstellung März 2010

Konstruktion Wände:
- Kalksandsteinmauerwerk, 24 cm
- Wärmedämmverbundsystem, 16 cm

Decken, Bodenplatte:
- Stahbeton

Bodenbelag EG:
- Zementestrich mit Epoxidharzbeschichtung

Architekt Wolfdieter Albrecht , 40882 Ratingen, www.architekt-albrecht.net

Team Ulrike Mütze, Martina Ritzi (Lichtplanung)

Fotografie Renate Fritsch – Fotodesigner BFF , www.renatefritsch-foto.de

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Für das außergewöhnliche Projekt King Abdulaziz Center for World Culture im Herzen der saudi-arabischen Ölfelder setzte der Glasfassadenspezialist seele den Entwurf des Architekturbüros Snøhetta in eine Fassade komplett aus Edelstahlrohren um. Nur durch die Verzahnung von modernsten Informationstech...

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Die neue Schweizer Botschaft in der Hauptstadt Kenias bettet sich sanft in die Terrainlandschaft ein. Umfassungsmauer und Baukörper verschmelzen zu einem einheitlichen architektonischen Gebilde, das über hohe räumliche, funktionale und nachhaltige Qualitäten, über repräsentativ und zurückhaltend ges...

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Das Tübinger Hotel Domizil wird von DIA – Dittel Architekten neu gestaltet und saniert. Im Fokus steht eine authentische, moderne Designsprache sowie die Neustrukturierung des Eingangs- und Restaurantbereichs.

Weitere Artikel:

Trinkwasserhygiene bei überdimensionierter Installation

Trinkwasserhygiene bei überdimensionierter Installation

Das Bezirksamt Berlin-Neukölln hat die Gefahr in der rund 22 Jahre alten Dreifeldsporthalle im Werner-Seelenbinder-Sportpark rechtzeitig erkannt: Durch lange und groß dimensionierte  Rohrleitungen und veränderte Nutzungsgewohnheiten in den Sanitärbereichen besteht erhöhte Verkeimungsgefahr für ...

Alles andere als oberflächlich!

Alles andere als oberflächlich!

Lange Zeit galt Putz als altmodisch und wurde häufig nur als B-Variante der möglichen Gestaltungsoptionen gesehen. Innovative Gebäudeinterpretationen plante man vorwiegend in anderen Werkstoffen. Warum? Vermutlich werden Putzfassaden allgemein als etwas Tradiertes und Solides wahrgenommen und stehen...

Asymmetrische Ziegel-Architektur

Asymmetrische Ziegel-Architektur

Baukörper, bei denen fast jede Ecke anders ist, sind eine Seltenheit. Eine davon findet sich mit dem Neubau des Forschungszentrums für Systembiologie der Otto-von-Guericke-Universität seit Oktober 2016 in Magdeburg. In dem viergeschossigen Gebäude arbeiten rund 180 Mitarbeiter und Wissenschaftler au...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter


Ihre E-Mail
 
   

Senden Sie mir die kostenlosen Nachrichten der AZ/Architekturzeitung per E-Mail zu. Meine Anmeldung erfolgt, nachdem ich die Datenschutzhinweise gelesen haben. Die Nachrichten können Werbung von Dritten enthalten. Mein Einverständnis zum Empfang der Nachrichten kann ich jederzeit widerrufen.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Der Gebäude-Energieberater
    Der Gebäude-Energieberater Ein junger Berufsstand und seine bewegte Geschichte: Gebäude-Energieberater lotsen Hauseigentümer durch den Regelungs- und Förderungsdschungel und sind wichtige Empfehler bei…

AZ Architekten Ingenieure Planer

  • Felix Löchner Architekturfotografie Berlin
    Felix Löchner Architekturfotografie Berlin Architekturfotografie lebt vom richtigen Licht und dem perfekten Moment, meint der Berliner Architekturfotograf Felix Löchner. Minimalistische Architektur fasziniert ihn dabei…

Trinkwasserhygiene bei überdimensionierter Installation

Trinkwasserhygiene bei überdimensionierter Installation

Das Bezirksamt Berlin-Neukölln hat die Gefahr in der rund 22 Jahre alten Dreifeldsporthalle im Werner-Seelenbinder-Sportpark rechtzeitig erkannt: Durch lange und groß dim...

Alles andere als oberflächlich!

Alles andere als oberflächlich!

Lange Zeit galt Putz als altmodisch und wurde häufig nur als B-Variante der möglichen Gestaltungsoptionen gesehen. Innovative Gebäudeinterpretationen plante man vorwiegen...

Asymmetrische Ziegel-Architektur

Asymmetrische Ziegel-Architektur

Baukörper, bei denen fast jede Ecke anders ist, sind eine Seltenheit. Eine davon findet sich mit dem Neubau des Forschungszentrums für Systembiologie der Otto-von-Guerick...

Gebäudeschutz durch fachgerechte Gebäudedränung

Gebäudeschutz durch fachgerechte Gebäudedränung

Die Gebäudehülle ist permanent und über die gesamte Nutzungsdauer zahlreichen Belastungen ausgesetzt; im Bereich von erdberührten Bauteilen ist hier vor allem das Wasser ...

Entkalkung eines Dusch-WC

Entkalkung eines Dusch-WC

In Deutschland liegt die Wasserhärte aufgrund des erhöhten Kalkgehalts durchschnittlich im harten Bereich. Daher müssen Dusch-WCs genauso wie andere Haushaltsgeräte einer...

Siemens Konzernzentrale: Showroom für moderne Glastechnologie

Siemens Konzernzentrale: Showroom für moderne Glastechnologie

Für die Glasfassade des nachhaltigen Leuchtturmprojektes in München wurden 7.000 Quadratmeter UNIGLAS SUN Isolierglaseinheiten mit Super Spacer Abstandhalter sowie 1.000 ...

Dezentrale Lüftungsanlage im Einfamilienhaus

Dezentrale Lüftungsanlage im Einfamilienhaus

Das eigene Haus zu planen und zu bauen bringt viele Entscheidungen mit sich. Familie Lorenz hat ihr Projekt vollendet und genießt nun den Komfort ihres Eigenheims. Als Ar...

Universitätsneubau an geschichtsträchtigem Ort von Erick van Egeraat

Universitätsneubau an geschichtsträchtigem Ort von Erick van Egeraat

Am Augustusplatz in Leipzig wurde im Dezember 2017 ein architektonisch herausragender Gebäudekomplex fertiggestellt. Er setzt sich aus dem Neuen Paulinum (Aula und Univer...

Künstlerische Neugestaltung der Pfarrkirche St. Dionysius in Elsen

Künstlerische Neugestaltung der Pfarrkirche St. Dionysius in Elsen

Zeitgemäße Neuausmalung oder Konservierung des Bestands? Vor dieser Entscheidung stand die Gemeinde der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Dionysius in Elsen, einem Sta...

Neuer Service für Architekten: Coating on Demand

Neuer Service für Architekten: Coating on Demand

Mit dem neuen Service »Coating on Demand« (CoD) ermöglicht AGC Interpane Architekten jetzt die Entwicklung einzigartiger Verglasungen, die exakt auf die Anforderungen von...

Weitere Artikel:


Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.