Anzeige AZ-A2-728x90 R7
Start Architektur Schweiz Pavillon am See von raeto studer architekten

Pavillon am See von raeto studer architekten

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/pavillon-raeto-studer-architekten-01.jpg

Der »Pavillon am See« von raeto studer architekten bildet den westlichen Abschuss zum Zürich-Obersee. Mit seiner Formensprache akzentuiert er die Lage und ihre umliegende Landschaft und
bereichert das Seeufer in Schmerikon.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/pavillon-raeto-studer-architekten-02.jpg

Das Dorf Schmerikon ist so etwas wie der Gegenpol zu Zürich. Es liegt am oberen Ende des Sees, nahe der Mündung der Linth. Seit je her ein Warenumschlagplatz, verfügt die Gemeinde über ein intaktes, historisches Zentrum. Die Uferbebauung mit ihren markanten Giebelfronten wurde zwar im 19. Jahrhundert durch Aufschüttungen und die Bahnlinie vom See getrennt. Sie ist aber immer noch ein beliebtes Postkartensujet. Bis heute spielt die Lage am See eine wirtschaftliche Rolle: Es gibt in der Gemeinde eine Werft, und die Frachtroute für den ganz in der Nähe abgebauten, berühmten Bollinger Sandstein erfolgt zum Teil über das Wasser.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/pavillon-raeto-studer-architekten-03.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/pavillon-raeto-studer-architekten-04.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/pavillon-raeto-studer-architekten-05.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/pavillon-raeto-studer-architekten-06.jpg

Als Wohnort hat Schmerikon, am oberen Ende des Zürichsees, in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen. Die Gemeinde wird vom Durchgangsverkehr grossräumig umfahren; es gibt einen bequemen Anschluss an die Zürcher Oberlandautobahn, und der Bahnhof liegt an der Peripherie von Zürichs S-Bahnnetz. Der Verlauf der Gleise sorgt allerdings auch für eine Zweiteilung, welche die Siedlungsentwicklung mitbestimmte – auf der einen Seite die dicht besiedelte Wohnumgebung – auf der anderen Seite das offene Ufergebiet. Für dessen Neugestaltung war vor einigen Jahren ein Wettbewerb ausgeschrieben worden. Aufgewertet werden sollte dabei auch das Öffentliche Leben am Wasser. Die Idee eines eigentlichen Sommerangebotes mit Kiosk und Umziehkabinen für die Lidogäste transformierte bald zum Beschluss, in diesem einmaligen Panorama eine Genuss- und Begegnungsstätte für das ganze Jahr zu ermöglichen.

Der Basler Architekt Raeto Studer entwickelte mit Benjamin Theiler einen nah ans Wasser gestellten Pavillonkörper, der über Blickbezüge den Dialog mit der umliegenden Natur ermöglicht, der sich in seiner äusseren Erscheinung optisch an das im Hintergrund aufragende Bergmassiv anlehnt, der aber auch durch seine schillernde Form auffällt. Konsequent geht der Körper in seiner Stellung und seinem formalen Gebilde auf keinerlei vorherrschende städtebaulichen Strukturen der eigentlichen Siedlungsseite ein. Er steht zu nichts parallel oder orthogonal, vielmehr verfügt er über eine Architektursprache, die sich aus der Verortung mit dem losgelösten Kontext und der Weiträumigkeit entwickelt.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/pavillon-raeto-studer-architekten-07.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/pavillon-raeto-studer-architekten-08.jpg

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/pavillon-raeto-studer-architekten-09.jpg

Das formale Gebilde kann dabei als skulptural blockartig umschrieben werden – eine Form, in der das Kantige durch seine weiten Winkel wegfällt. Es ist diese vieleckige Komposition, mit der die Unfassbarkeit und damit die Schönheit des Rätselhaften zustande kommen. Der polygonale Körper entzieht sich dem Betrachter scheinbar, in dem er zwischen Wahrnehmungsmomenten verschiedener Fluchten oszilliert und erst auf den zweiten oder dritten Blick erfassbar wird. Durch die verschiedenen Winkel wirkt das Volumen länger; es entsteht eine Horizontalität, je nach Lichteinfall eine beinahe flächige Erscheinung. Ein Körper, der sich mit den abgedrehten Seiten, mit seiner Mehrseitigkeit wie in den umliegenden Raum hineinfaltet.

Das Kamin setzt das Spiel mit den Fluchten in die Vertikalität fort. Als Teil des Volumens schafft es ein visuelles Gleichgewicht zum horizontalen Hauptkörper. Seine Position entwickelt sich aus dem Grundriss heraus und integriert sich in den einen von zwei Nebenraumbereichen, welche den eigentlichen Hauptraum, den sogenannten Gastraum, flankieren. Diese Nebenräume geben sich nach aussen geschlossen, enthalten inwendig aber überraschende Details wie etwa der mit natürlichem Zenitallicht ausgestattete Vorplatz zu den Garderoben. Die Garderoben verfügen über einen separaten Eingang. Jeweils raumbreite Glasschiebefronten belichten den durchlaufenden Gastraum, der sich zur Industrieseite hin verengt und mit seiner Öffnung zum See hin die Weite der Landschaft inszeniert. Hier kulminiert der Dialog mit der Aussicht. Hier öffnet sich der Blick auf die einmaligen Stimmungen des Obersees und auf das dahinterliegende Bergpanorama. Jede Wetterstimmung ist bis ins Raumzentrum spürbar und umgekehrt wirkt der Gastraum von aussen wie ein offenes Atrium. Aus der Geometrie des Kontextes generiert, bietet er ein schattenspendendes Dach im Sommer und einen wärmenden Schutz vor der Kälte im Winter und verfügt über eine offene Küche, die ebenso in ihrer minimalistischen Gestaltung überzeugt.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/pavillon-raeto-studer-architekten-21.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/pavillon-raeto-studer-architekten-22.jpg

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1704/pavillon-raeto-studer-architekten-23.jpg

Die idyllische Parkanlage rund um den Pavillon und der als Boulevard gestaltete Uferweg mit Alleebäumen (gestaltet von den Landschaftsarchitekten Studio Vulkan) geben das passende Setting zu dieser bereichernden Einrichtung. Der Kleinbau am Wasser belebt sowohl die neugestaltete Uferanlage als künstlerisch-architektonischer Blickfang, aber auch als Ort der ganzjährlichen Einkehr für die Ausflügler am See.

Bilder: Ruedi Walti, Basel

- Projektwettbewerb 2005: 1. Preis
- Architektur: raeto studer architekten, www.raetostuder.ch
- Planung / Ausführung: 2012-2015
- Bauschaft: Ortsgemeinde Schmerikon
- Anlagekosten: CHF 1.9 Mio.
- GF SIA 416: 196 m2
- GV SIA 416: 890 m3
- Statik: prb Bauingenieure GmbH, Gränichen
- Landschaft: Schweingruber Zulauf Landschaftsarch. BSLA, Zürich. www.studiovulkan.ch

Konferenzzentrum von schneider+schumacher in Mannheim

Konferenzzentrum von schneider+schumacher in Mannheim

Im zweitgrößten Barockschloss Europas kreiert schneider+schumacher ein modernes Studien- und Konferenzzentrum für die Mannheim Business School. Die in den Garten eingeschnittene Anlage bildet zusammen mit dem historischen Schloss eine markante neue Einheit, die symbolisch für die Bewahrung der Tradi...

DEGELO Architekten gewinnen Wettbewerb zum Konferenzzentrum in Heidelberg

DEGELO Architekten gewinnen Wettbewerb zum Konferenzzentrum in Heidelberg

Das Büro DEGELO Architekten aus Basel hat den ersten Preis beim Wettbewerb zur künftigen Gestaltung des neuen Konferenzzentrums in der Heidelberger Bahnstadt gewonnen. Das Preisgericht wählte den Entwurf unter 22 eingereichten Arbeiten aus.

Chicago Architecture Biennial

Chicago Architecture Biennial

Als Kunst- und Kulturstadt ist die zweitgrösste Stadt in den USA bislang nicht bekannt. Das größere New York hat hier doch deutlich mehr Strahlkraft. Aber Chicago legt nach und zeigt deutliche Anzeichen, sich als Kulturstätte neu zu erfinden. Ein besonderes Event ist die Chicago Architecture Biennia...

Weitere Artikel:

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Die in der eigenen Betriebsstätte hergestellte, zargenlose Schiebetür bestehen aus dem lichtdurchlässigen, biegesteifen Wabenpaneel »ViewPan« mit Oberflächen aus Acrylglas-Kunststoff. Sie fassen sich im Vergleich zu Glasschiebetüren warm an und sind unempfindlich gegenüber Verschmutzungen.

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Über hundert Jahre wurde in der Schnapsbrennerei in Weißenfeld hochprozentiger Alkohol aus Kartoffeln für medizinische Zwecke hergestellt. Um das Gebäude zu erhalten und weiterhin sinnvoll zu nutzen, wählten die Betreiber einen recht ungewöhnlichen Weg: die Umwandlung der Brennerei Weißenfeld in ein...

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenausstellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die neue Parklandschaft, welche die Grün Berlin GmbH im Auftrag des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf realisierte, breitet sich in einem...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 GDC

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

AZ Architekten Ingenieure Planer

  • Architekturreisen
    Architekturreisen architekturreisen.com ist die journalistisch betreute Reiseseite der Architekturjournalisten und Fachjournalisten, die sie aus den Publikationen AZ/Architekturzeitung, Baufachzeitung und ingenieurmagazin bereits…

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Die in der eigenen Betriebsstätte hergestellte, zargenlose Schiebetür bestehen aus dem lichtdurchlässigen, biegesteifen Wabenpaneel »ViewPan« mit Oberflächen aus Acrylgla...

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Das Hamburger Hotel Wedina hat ein umfassendes Facelift erhalten, bei dem Farbe eine zentrale Rolle spielt. Die Fassade macht in leuchtendem Rot auf sich aufmerksam und j...

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Über hundert Jahre wurde in der Schnapsbrennerei in Weißenfeld hochprozentiger Alkohol aus Kartoffeln für medizinische Zwecke hergestellt. Um das Gebäude zu erhalten und ...

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenausstellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die ...

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

H7, das Bürohaus von Andreas Heupel Architekten im alten Stadthafen von Münster, ist ein siebengeschossiger Holz-Hybridbau, der neue Maßstäbe im Hinblick auf Ökologie und...

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Die Profile des Fensters »cero« messen trotz der möglichen 15 Quadratmeter großen Scheibenelemente gerade einmal 34 Millimeter. Für die jeweiligen Anforderungen an Wärmed...

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Die neue Wirtschaftsuniversität in Wien ist die größte der Europäischen Union. Bisher befand sich die alte Wirtschaftsuniversität in einem Gebäude aus den 1970er-Jahren. ...

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Es ist ein eigenwilliges Gebäude, das 1967 nach dem Entwurf des Architekten Wolfgang Döring in nur sechs Tagen auf einem Erbpachtgrundstück der Elly-Hölterhoff-Böcking-St...

Oberflächentrends bei Innentüren

Oberflächentrends bei Innentüren

Die heutigen Sortimentsdimensionen des Bauens und Planens verlangen nach strukturierten Lösungen für Oberflächen wie beispielsweise bei Innentüren. Aufgrund des Überangeb...

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Der Keukenhof in Lisse bei Amsterdam ist das internationale Schaufenster der niederländischen Blumenzucht. In den acht Wochen von Anfang März bis Mitte Mai wird dort geze...

Weitere Artikel:


Anzeige AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.