Anzeige AZ-A2-728x90
Start Architektur Schweiz Schulerweiterung im schweizerischen Niederglatt

Schulerweiterung im schweizerischen Niederglatt

L3P Architekten


2005 gewannen L3P Architekten aus dem schweizerischen Regensberg den zweistufigen Wettbewerb zur Erweiterung des Oberstufenschulhauses in Niederglatt im Kanton Zürich. Das Raumprogramm wurde mit der Forderung nach einem Neubau von 6 Klassenzimmern, 12 Gruppenräumen und diversen Nebenräumen klar vorgegeben.

Wie bei behördlichen Aufträgen üblich, mussten strenge Vorgaben bezüglich der verlangten Raumgrößen und -flächen eingehalten werden. Da der Neubau als Ergänzung zu einem bestehenden Gebäude errichtet wurde, konnten nur noch begrenzte Erweiterungen der Aufenthaltsflächen realisiert werden. Zusätzlich waren im Bestand bauliche Eingriffe im Bereich der Lehrerzimmer, der Schulküche und der Zeichnungsräume auszuführen.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-31.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-33.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-schnitt-westfassde.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-34.jpg


Der Architekt des Bestandsgebäudes Walter Schindler hatte vor 25 Jahren die Lage eines Erweiterungsbaus beim damaligen Neubau des Schulgebäudes bereits vorgedacht. Für L3P war von Beginn an klar, dass sich ihre Schulerweiterungen bezüglich des zu verwendenden Fassadenmaterials und der Fensterteilung vom Altbau unterscheiden sollte. Zwar wurden mit der Lochfassade und dem Hebeschiebefenster zwei wesentliche Elemente aus dem bestehendem Kontext übernommen, formal aber neu und zeitgemäß interpretiert.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-01.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-03.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-04.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-07.jpg


Die Schüler der Oberstufenschule werden im Rahmen eines strengen »Aufstiegsprogramm« untergebracht. Sie beginnen die 7. Klasse im Erdgeschoss und beenden die Schule in der 9. Klasse im 2. OG. Dieser „Aufstieg“ in Form der schulischen Weiterbildung wird durch die mäanderartig gestaltete Klassenzimmerfassade symbolisiert.

  Die 12 Gruppenräume verteilen sich gleichmäßig auf die 3 Geschoße. Sie sind zum Flurbereich hin vollständig verglast und zugunsten maximaler Flexibilität bewusst nicht direkt den Schulzimmern zugeordnet. Jeweils 2 Gruppenräume können über eine Schiebetüre verbunden werden und sind damit auch für größere Gruppenübungen geeignet. Aufgrund der schulischen Grundausstattung mit Notebooks ist ein unabhängiges Arbeiten im gesamten Schulhausareal möglich.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-05.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-06.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-08.jpg

Die Wahl des geeigneten Fassadenmaterials fiel bereits während der Wettbewerbsphase. Gesucht wurde ein Kontrast zum groben Verputz der bestehenden Schulanlage. Diese Grobstruktur lebt im Zusammenspiel mit Lichteinfall und -intensität sehr stark und prägt die einfachen Kuben. Auch die für den Neubau gewählte Glasfaserplatte weist eine Struktur auf. Im Gegensatz zum Verputz ist diese im Material selbst, während die Platte glatt und transluzent bleibt. Je nach Einfall des Lichts verändert sich somit der Baukörper. Das bestehende Farbkonzept mit den warmen Tönen wird letztlich mit der orange-rötlichen Farbauswahl weitergeführt und ergänzt.

Ähnlich wie bei der Materialwahl der Fassade ist auch die Auseinandersetzung mit Form und technischer Umsetzung schon bei der Wettbewerbseingabe erfolgt. Die bestehenden kleinformatigen Hebeschiebefenster haben sich bei den alten Klassenzimmern bewährt. Eine qualitativ gute Durchspülung der Räume mit Frischluft während den kurzen Unterrichtspausen ist ohne mechanische Lüftung nur mit einem solchen System sichergestellt. Gleichzeitig werden die Arbeitssimse durch die Öffnung der Fenster in keinster Weise beeinträchtigt. Für L3P stand von Beginn an fest, dass dieses Fensterelement auch für die neuen Klassenzimmer verwendet wird. Das Neue an der Konstruktion ist, dass sich die festverglasten Teile rahmenlos präsentieren und die Flügel im Gegensatz dazu im wahrsten Sinne »umrahmt« sind. Der zusätzlich aufgesetzte äußere Rahmen ist fest und übernimmt im offenen Zustand des Schiebeteils einerseits die Absturzsicherung, andererseits bewirkt er, dass man den Eindruck gewinnt, das Fenster sei geschlossen.

Die GFK Fassadenplatten sind sehr witterungsbeständig, uv-resistent und praktisch unterhaltsfrei. Mit ihrer optischen Ausdruckskraft bieten sie sowohl ästhetisch wie funktional eine nachhaltige Gebäudehülle. Im Zusammenspiel mit den Hebeschiebefenstern aus Holz und Metall bleiben nach Meinung der Architekten eine hohe Wertbeständigkeit und ein komfortabler Nutzen über Jahrzehnte garantiert.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-09.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-11.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-13.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-19.jpg


Stockwerkübergreifend wurden OSB-Holzspanplatten in die Betonschalung der tragenden Zwischenwände einlegt und anschließend die gleichen Platten auch für die flexiblen nichttragenden Holztrennwände eingesetzt.
Zum Schluss wurde in Zusammenarbeit mit dem Farbgestalter Beat Soller eine farbliche Spezialbehandlung entwickelt. In einem aufwändigen handwerklichen Prozess wurden in neun Arbeitsgängen die Holz- und Betonwände farblich aneinander angeglichen: Die Oberfläche beider Materialien wirkt so überzeugend monolithisch, dass der Schreiner auch die Betonwände als eigene Leistung abrechnen wollte, ohne den materiellen Unterschied zu entdecken, der bei Berührung sehr wohl zu spüren ist.

Das innere Farbkonzept der Klassenzimmer wird durch die Elemente der Brandschutztüren und der Schreinerarbeiten in Eiche geprägt. Als Kontrast zur Nüchternheit des Sichtbetons bringt die gelb gestrichene Steckwand zum Korridor Farbe in die Klassenzimmer. Der Teppich wird in einem dunklen Grau ausgeführt, die raumhohen Hebeschiebefenster gleichen durch ihren Lichteinfall diese dunklen Flächen problemlos aus.

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-10.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-12.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-16.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/l3p-niederglatt-18.jpg


Der Baukommission war wichtig, dass keine qualitativen akustischen Unterschiede zwischen Neubau und Altbau entstehen. Das ging soweit, dass mit einem Akustiker ein bestehendes Schulzimmer ausgemessen wurde und dieser an sich gute Wert von den neuen Klassenzimmern übernommen werden musste. Die ausgezeichneten Erfahrungen mit qualitativ hochwertigen Teppichböden in den bestehenden Schulzimmern bewogen die Bauherrschaft zudem, diese auch für die neuen Klassenzimmer zu fordern. Für L3P Architekten ergab sich die komfortable Situation, in der Regel auf weitere Schallabsorberelemente verzichten zu können. Einzig die rückwärtigen Schränke wurden mit akustisch wirksamen Fronten ausgerüstet.

Prägnant wirkt die Fluchttreppe, die im Norden als freistehende und leicht abgedrehte Sichtbetonkonstruktion mit Passarellen aus Gitterrosten mit dem Neubau verbunden ist. Das umhüllende Netz dient einerseits als Absturzsicherung, andererseits auch als Hilfe für die Kletterpflanzen, welche den Treppenturm in den nächsten Jahren »einpacken« werden.

Ein weiteres Augenmerk richteten die Architekten auf die Erweiterung der Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Man konnte die Bauherrschaft überzeugen, nicht mit dem vorhandenen Parkiersystem fortzufahren sondern anstelle dessen eine Lösung zu finden, welche architektonisch eine modernere Sprache spricht und eine Verbesserung der Hofsituation mit sich bringt. Entstanden sind 5 freistehende Überdachungen aus anthrazit eingefärbtem Sichtbeton.

Architekt:
L3P Architekten AG FH SIA, www.l3p.ch

Projektverantwortlich:
Martin Reusser, Architekt FH
Boris Egli, Architekt FH
Markus Müller, Architekt FH

Farbgestalter:
Beat Soller, Schweizer AG, Zürich

Fotograph:
Vito Stallone, Fotostudio Letizia, Baar

Ergebnisse des Realisierungswettbewerb JUNG Gründervilla

Ergebnisse des Realisierungswettbewerb JUNG Gründervilla

Für den Umbau und die Erweiterung der Villa des Firmengründers Albrecht Jung in Schalksmühle lobte das Unternehmen JUNG Anfang 2017 den offenen, einphasigen, hochbaulichen Realisierungswettbewerb für junge Architekturbüros aus. Jetzt wählte die Fachjury unter Vorsitz von Prof. Michael Schumacher aus...

Villa Waldried von Marazzi + Paul

Villa Waldried von Marazzi + Paul

Die 1942 erbaute Villa Waldried präsentiert sich nach dem Umbau der Architekten Marazzi + Paulmit einer umgestalteten Gebäudehülle, einer optimierten Grundrissorganisation und erweiterten Raumlandschaft. Die Renovierungsmassnahmen umfassen neben der Umgestaltung der Gebäudehülle auch die Transformat...

Hydro-Aluminiumwerk in Grevenbroich von pbr

Hydro-Aluminiumwerk in Grevenbroich von pbr

Industrie 4.0 steht für digitale Produktion und moderne Technologien. Zunehmend wird just in time gefertigt und ebenso sollen die erforderlichen Produktionsstätten in immer kürzeren Zyklen entstehen. So auch auf dem Grevenbroicher Werkgelände von Hydro, einem der führenden Aluminiumkonzerne in Europ...

Weitere Artikel:

Glasfassade des Groundscraper 5 Broadgate

Glasfassade des Groundscraper 5 Broadgate

Besondere Architektur funktioniert auch horizontal. Das beweist der visuell und funktional beeindruckende Groundscraper »5 Broadgate« im Londoner Finanzviertel. Der stahlummantelte »Zylinderblock« aus der Feder von Make Architects ist zwar nur 13 Stockwerke hoch, deckt aber allein auf seinen vier Tr...

Glasfassade der T-Mobile Arena in Las Vegas

Glasfassade der T-Mobile Arena in Las Vegas

Rund 2.790 Quadratmeter Isolierglas wurden für die Glasfassade der T-Mobile Arena in Las Vegas an Ort und Stelle kalt gebogen und in Aluminiumrahmen montiert. Das Kaltbiegeverfahren war zusammen mit der hochautomatisierten Fertigung der IG-Einheiten der Garant dafür, dass das größte Projekt, das jem...

Simsala BIM

Simsala BIM

Building Information Modeling (BIM) ist keine Hexerei – aber ein ernst zu nehmender Meilenstein für die gesamte Architektur- und Baubranche. Der smarte Prozess mit den fünf Dimensionen nimmt gerade richtig Fahrt auf und ist bald nicht mehr wegzudenken aus der täglichen Arbeit der Architekten und Pla...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 GDC

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Betoninstandsetzung: Wer haftet wann und wie?
    Betoninstandsetzung: Wer haftet wann und wie? Die Ausführung von Betonerhaltungs-, Betonschutz- und –instandsetzungsmaßnahmen erfordert umfassende fachliche Qualifikationen. Der nachfolgende Beitrag nimmt Stellung zu Anforderungen, die sich…

AZ Architekten Ingenieure Planer

  • a-tour Architekturführungen in Hamburg
    a-tour Architekturführungen in Hamburg a-tour Architekturführungen in Hamburg wurde 2002 von den Architekten Friederike Stegmüller und Torsten Stern gegründet. Das Unternehmen bietet Architekten und…

Glasfassade des Groundscraper 5 Broadgate

Glasfassade des Groundscraper 5 Broadgate

Besondere Architektur funktioniert auch horizontal. Das beweist der visuell und funktional beeindruckende Groundscraper »5 Broadgate« im Londoner Finanzviertel. Der stahl...

Glasfassade der T-Mobile Arena in Las Vegas

Glasfassade der T-Mobile Arena in Las Vegas

Rund 2.790 Quadratmeter Isolierglas wurden für die Glasfassade der T-Mobile Arena in Las Vegas an Ort und Stelle kalt gebogen und in Aluminiumrahmen montiert. Das Kaltbie...

Simsala BIM

Simsala BIM

Building Information Modeling (BIM) ist keine Hexerei – aber ein ernst zu nehmender Meilenstein für die gesamte Architektur- und Baubranche. Der smarte Prozess mit den fü...

Smart aufgestockt

Smart aufgestockt

Schlanke 60 Millimeter misst die Standarddämmstärke bei vielen weitläufigen Flachdächern. Für die Montage der Dachgully-Aufstockelemente ist eine höhenreduzierte Einbauhi...

Sensible Architektur – Neubau des Krematoriums St. Gallen

Sensible Architektur – Neubau des Krematoriums St. Gallen

Krematorien empfangen Besucher in einem Zustand emotionaler Anspannung, weshalb der Architektur dieser Gebäude eine schwierige Aufgabe zuteil wird. So sollte sie Sicherhe...

Heiz-Kühlelemente in einer Kirche in Hannover

Heiz-Kühlelemente in einer Kirche in Hannover

Die Evangelisch-reformierte Kirche in Hannover erhielt für den Gottesdienstraum eine Heiz-Kühldecke in Form eines Deckensegels. Dabei waren die besonderen Gegebenheiten d...

Modernisierung des Pariser Louvre

Modernisierung des Pariser Louvre

Im Rahmen des Pyramid Project, wurde der Empfangsbereich des Louvre unterhalb der Pyramide in den Jahren 2014 bis 2016 umfangreich neu gestaltet. Die 1989 eröffnete Pyram...

Lösung für Kostenplanung, BIM und Abrechnung

Lösung für Kostenplanung, BIM und Abrechnung

Die mit dem BIM-Prozess verbundene Digitalisierung von Planen und Bauen kann zu einer erheblichen Steigerung der Wirtschaftlichkeit führen. Besonders im Bereich Kostenpla...

Quantensprung in der Dämmtechnik mit Glas

Quantensprung in der Dämmtechnik mit Glas

Die neue Isolierglas-Produktlinie »sedak isomax« hat einen U-Wert bis 0,23 W/m²K. Die Zweifach- oder Dreifach-Gläser gibt es in den für den Hersteller typischen Überforma...

Modulares Oberlicht-System in einer schwedischen Berufsschule

Modulares Oberlicht-System in einer schwedischen Berufsschule

Nicht nur manche Schüler, auch das Schulgebäude des schwedischen Sågbäcksgymnasiet musste lange Zeit mit einem »Ungenügend« beurteilt werden: Dunkle Gänge, graue Wände un...

Weitere Artikel:


Anzeige AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.