Start Architektur Schweiz Die Ennigerbrücke in Malters von Pirmin Jung Ingenieure

Die Ennigerbrücke in Malters von Pirmin Jung Ingenieure

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2012/1201/ennigerbruecke-malters-1.jpg

Holzbrücken sind die ältesten Brücken der Welt und erleben wegen ihrer Standfestigkeit und Dauerhaftigkeit eine Renaissance. Hundert Jahre führte die alte Enniger Holzbrücke über den Fluß und wurde 2005 bei einem Unwetter vom Hochwasser der Kleinen Emme mitgerissen und vollkommen zerstört. Die Strassengenossenschaft Ennigerbrücke-Oberlangnau im schweizer Kanton Luzern entschied in einer Abstimmung, an Stelle der alten Brücke wieder eine gedeckte Holzbrücke zu erstellen.

Die 2010 eröffnete Ennigerbrücke dient als einspurige Strassenbrücke und hat eine Tragfähigkeit von 28 Tonnen, ihre Spannweite beträgt 42 Meter. Mit einer Nutzbreite von 3,5 Meter und einer Nutzhöhe von 3,8 Meter erfüllt sie die Voraussetzungen unter anderem des landwirtschaftlichen Verkehrs.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2012/1201/ennigerbruecke-malters-2.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2012/1201/ennigerbruecke-malters-3.jpg



Bei der Ennigerbrücke in Malters handelt es sich um eine gedeckte Holzbrücke aus zwei Fachwerkträgern und grossformatigen Mehrschichtplatten als Fahrbahnunterbau. Die Primärkonstruktion besteht aus zwei ca. 45 Meter langen Fachwerkträgern aus Brettschichtholz GL24h/GL36h. Der Untergurt ist jeweils ein Stahlprofil HEB 360, das mit Schlitzblechen und Stabdübeln an die Diagonalstäbe angeschlossen ist. Auch die Strebenanschlüsse an die Obergurten erfolgen über Schlitzblechverbindungen. Zwischen den Stahlprofilen liegt die 300 Millimeter dicke Fahrbahnplatte, welche aus grossformatigen Mehrschichtholzplatten besteht. Sie sind quer zur Fahrtrichtung gespannt und mit den Fachwerkuntergurten torsionssteif verschraubt. Die gesamte Konstruktion ist in der Mitte um knapp 500 Millimeter überhöht. Horizontal ausgesteift ist die Ennigerbrücke über die Dachscheibe. Diese leitet Horizontallasten aus Wind und Verkehr über die beiden freistehenden Betonpfeiler direkt in die Widerlager ein. Zudem werden Anfahrts- und Bremskräfte auf Ebene der Fahrbahn direkt über Stahleinlagen in die Widerlager abgetragen.

In einer Vorprojektstudie entwickelte die Schweizer Holzbauingenieure Pirmin Jung als Ersatz eine gedeckte Holzbrücke. 2006 erfolgte die erste Baueingabe mit einer 34 Meter langen Brücke, welche beidseitig auf die bestehenden Widerlager gesetzt worden wäre. Im Rahmen der Hochwassersanierung der Kleinen Emme wurde vom Kanton Luzern jedoch entschieden, das Flussprofil von 34 Meter auf 42 Meter auszuweiten. Entsprechend erfolgte eine Anpassung des linken Brückenwiderlagers. Das rechte hingegen wurde gänzlich neu erstellt. Zudem ist die Brücke höher gesetzt als die alte.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2012/1201/ennigerbruecke-malters-4.jpg
http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2012/1201/ennigerbruecke-malters-5.jpg


Anders als die Badbrücke in Wolhusen, zehn Kilometer von Malters entfernt, deren Vormontage auf der Wiese erfolgte, wurde die Ennigerbrücke in Teilfragmenten beim Holzbauer vormontiert. Nachts transportierte er die Fachwerke mit ca. 46 Meter Länge in drei Fragmenten mit bis zu 29 Meter Länge zum Bauort, sodass sie morgens zur Montage bereit standen. Am ufer wurden sie zur gesamten Länge zusammengebaut und anschliessend mit zwei grossen Kranen eingehoben. Die Montage fand über Wasser statt.

Holz besitzt in der Schweiz allgemein eine hohe Akzeptanz. Holzoberflächen wirken nicht als Fremdkörper in der Natur. Gerade in der ländlichen Umgebung am Standort der Ennigerbrücke, als Pendant zu Wasser und Natur, passt dieser Holzbau nach Meinung der Ingenieure ideal. Holzkonstruktionen eignen sich sehr gut für die Vorfertigung, wodurch sich die Bauzeit wesentlich reduzieren lässt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass beim Werkstoff Holz der Brückenbau ohne Gerüst im Fluss möglich ist, was unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich bei der Kleinen Emme um einen Wildbach handeln kann, nicht unrelevant ist. Der Bauherrschaft wurde ein wesentlicher Teil der Baukosten von der Elementarversicherung gedeckt, weil im Kanton Luzern gedeckte Holzbrücken entsprechend versichert werden.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2012/1201/ennigerbruecke-malters-6.jpg


Technische Daten:
Spannweite: 42,0 m
Fahrbahnbreite: 3,5 m
Durchgangshöhe: 3,8 m
Überhöhung der Fahrbahn ~500 mm (480)
Belastbarkeit: Fahrzeuge bis 28 t
Holzverbrauch: Fichte/Tanne: 135 m3
Eiche: 4.8 m3
Stahlteile: 14130 kg

Beteiligte:
Bauherrschaft Strassengenossenschaft Ennigerbrücke/Oberlangnau, Malters
Holzbauingenieur und Bauleitung Holzbau: PIRMIN JUNG, www.pirminjung.ch
Betoningenieur und Bauleitung Widerlager/Wasserbau: Emch + Berger WSB AG, www.ebwsb.emchberger.ch
Holzbau: Tschopp Holzbau AG, www.tschopp-holzbau.ch und Stalder Holzbau AG, www.stalder-holzbau.ch
Belag und Abdichtungen: Aeschlimann AG, www.aeschlimann.ch
Spengler/Dachdecker: Von Büren, Malters

Lieferanten:
Brettschichtholz: Roth AG, www.rothburgdorf.ch
Stahlteile: Krieger AG, www.krieger-ruswil.ch
Fahrbahnplatte: Schilliger Holzindustrie AG, www.schilliger.ch





Radikal und dramatisch: Restaurant Hueso von Architekt Ignacio Cadena

Radikal und dramatisch: Restaurant Hueso von Architekt Ignacio Cadena

Die subtile Schönheit einer unverstellten und puren Architektur will der mexikanische Architekt Ignacio Cadena im Restaurant Hueso zeigen. Hueso bedeutet »Knochen« und unverkennbar prägen die sterblichen Überreste der mexikanischen Fauna die Wände dieses einmaligen kulinarischen Ortes.

Corporate Design von Dittel Architekten für das Mannheimer Rathaus

Corporate Design von Dittel Architekten für das Mannheimer Rathaus

DIA – Dittel Architekten hat für das Rathaus E5 in Mannheim ein neues bauliches Corporate Design entwickelt und zeichnet für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes verantwortlich. Ziel der architektonischen und gestalterischen Maßnahmen war es, eine repräsentative Designsprache zu etablieren ...

Mikrohofhaus: Wohnen auf kleinstem Raum

Mikrohofhaus: Wohnen auf kleinstem Raum

Gewinner des Wettbewerb »Raumpioniere – Wohnen auf kleinstem Raum« sind die Architekten Florian Kaiser, Guobin Shen und Hans-Christian Bäcker des Stuttgarter Ateliers Kaiser Shen mit ihrem »Mikrohofhaus«.

Weitere Artikel:

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

In nur sieben Wochen wich grauer Beton einer abstrakt-naturalistischen Malerei mit blauem Himmel, weißen Wolken, täuschend echten Bäumen und einem illusionistischen Streichelzoo. Verantwortlich dafür zeichnet der auf exklusive Wandmalerei spezialisierte Künstler Ulrich Allgaier.

Wintergarten gut beheizt

Wintergarten gut beheizt

Im Wintergarten hat Wärme nicht nur einfach die Funktion »Heizen« zu erfüllen. Wärme weckt Emotionen und bringt Atmosphäre in den gläsernen Raum. Eine elektrische Strahlungsheizung ermöglicht ein bedarfsgerechtes Heizen, wenn der Wintergarten genutzt wird und die Kraft der Sonne nicht ausreicht.

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Das von den Rotterdamer Städtebauexperten OMA (Office for Metropolitan Architecture) erdachte Timmerhuis in Rotterdam gilt als das »grünste Gebäude der Niederlande«. Es vereint Stadtverwaltung, Wohnungen, Büros sowie das Rotterdamer Stadtmuseum und schlägt eine architektonische Brücke zum denkmalges...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 GDC

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

AZ Architekten Ingenieure Planer

  • Fotograf Christopher Klettermayer
    Fotograf Christopher Klettermayer Mit dem Verkauf seiner Serie “Neighbours” durch die Saatchi Kunstvermittlung, hat sich der Fotograf Christopher Klettermayer in Europa zurück gemeldet.…

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

In nur sieben Wochen wich grauer Beton einer abstrakt-naturalistischen Malerei mit blauem Himmel, weißen Wolken, täuschend echten Bäumen und einem illusionistischen Strei...

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Das von den Rotterdamer Städtebauexperten OMA (Office for Metropolitan Architecture) erdachte Timmerhuis in Rotterdam gilt als das »grünste Gebäude der Niederlande«. Es v...

Wintergarten gut beheizt

Wintergarten gut beheizt

Im Wintergarten hat Wärme nicht nur einfach die Funktion »Heizen« zu erfüllen. Wärme weckt Emotionen und bringt Atmosphäre in den gläsernen Raum. Eine elektrische Strahlu...

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Die in der eigenen Betriebsstätte hergestellte, zargenlose Schiebetür bestehen aus dem lichtdurchlässigen, biegesteifen Wabenpaneel »ViewPan« mit Oberflächen aus Acrylgla...

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Das Hamburger Hotel Wedina hat ein umfassendes Facelift erhalten, bei dem Farbe eine zentrale Rolle spielt. Die Fassade macht in leuchtendem Rot auf sich aufmerksam und j...

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Über hundert Jahre wurde in der Schnapsbrennerei in Weißenfeld hochprozentiger Alkohol aus Kartoffeln für medizinische Zwecke hergestellt. Um das Gebäude zu erhalten und ...

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenausstellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die ...

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

H7, das Bürohaus von Andreas Heupel Architekten im alten Stadthafen von Münster, ist ein siebengeschossiger Holz-Hybridbau, der neue Maßstäbe im Hinblick auf Ökologie und...

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Die Profile des Fensters »cero« messen trotz der möglichen 15 Quadratmeter großen Scheibenelemente gerade einmal 34 Millimeter. Für die jeweiligen Anforderungen an Wärmed...

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Die neue Wirtschaftsuniversität in Wien ist die größte der Europäischen Union. Bisher befand sich die alte Wirtschaftsuniversität in einem Gebäude aus den 1970er-Jahren. ...

Weitere Artikel:


Anzeige AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.