Start Magazin Architektur + Kunst Auf den Spuren Palladios | THE PRIVATE PALLADIO Rezension

Auf den Spuren Palladios | THE PRIVATE PALLADIO Rezension

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Andrea Palladio ist wohl einer großen, wenn nicht gar der Renaissancebaumeister schlechthin, einer der ersten »Starchitects« sozusagen. Seine Villenarchitektur steht heute noch für Eleganz und Harmonie. Allerdings ist von der Person, die sich hinter den Bauwerken verbirgt, nur wenig bekannt – noch nicht einmal Datum und Ort seines Todes, die so oft einer der wenigen Fixpunkte in den Viten historischer Persönlichkeiten sind: Of Leon Battista Alberti is known even his handwritten horoscope [...]. Of Palladio it’s known only that he died in August 1580.(81)

In akribischer Recherchearbeit hat der versierte Palladioforscher Guido Beltramini Hinweise aus historischen Dokumenten über die Person und das Leben Palladios gesammelt und zu einem Gesamtbild zusammengesetzt, so verspricht es zumindest der Verlag. Er dürfte dafür wohl prädestiniert wie kaum ein anderer sein – Beltramini, geboren 1961, ist seit 1991 Direktor des »Centro Internazionale di Studi di Architettura Andrea Palladio« in Vicenza, und kuratierte zahlreiche Ausstellungen, unter anderem an der Biennale Venedig, der Royal Academy of Art, London, und dem Canadian Centre for Architecture, Montreal.

In der Tat versammelt sein schmales Buch »The Private Palladio« auf knapp mehr als 100 Seiten einen enormen Informationsreichtum. Es ist die englische Ausgabe von »Palladio privato«, die 2008 bei Marsilio Venedig erschienen ist. Der graue Stoffeinband und das ungewöhnliche Format machen es auch vom haptischen Lesegefühl besonders, bibliophile Herzen dürften höher schlagen.

In fünf Kapiteln wird der Lebensweg des Baukünstlers nachgezeichnet, konzentriert und sehr »matter of fact«, dabei äußert genau und aufmerksam für die Details – eine Lektüre, die für den historisch interessierten Blick sehr aufschlussreich ist. In jedem Satz spürt man den Palladio-Fachmann, der auf ein intensives Quellenstudium zurückgreifen kann. Immer wieder zitiert Beltramini Belege aus zeitgenössischen Archivalien. So begegnet Palladios Leben nicht als biografischer Roman, aber auch nicht als Fachtext, sondern als eine Zwischenform zwischen wissenschaftlicher Studie und Biografie – es liest sich gut, ist dabei aber profund und bietet auch Einblicke in die Zeit sowie nicht zuletzt in die Forschung über den Architekten selbst.

Immer wieder wechselt der Autor zwischen historischen Fakten, die er belegt oder auch ausräumt, und dem »heutigen« Forscherblick, welchen Fragen nachgegangen wurde und wird, welche unterschiedlichen Rück- (oft auch Fehl-) -schlüsse gezogen wurden und weshalb, welche Quellen vorhanden sind. So werden, oft im Vorbeigehen, auch allgemeine Zeitbezüge von damals und heute vergegenwärtigt, die Lebensumstände Palladios werden in einem breiteren Kontext fassbar.

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Diese Quellen-Treue macht die Lektüre jedoch auch anspruchsvoll – stellenweise werden Fakten aufgelistet, die für den historischen Blick relevant sind, den Leser jedoch auch ordentlich fordern, nicht die Übersicht zu verlieren. Auch die Fülle der Namen von Kollegen, Förderern, Kontakten jeder Art, verlangen jedem, der nicht gerade Renaissancespezialist für Oberitalien ist, einiges ab.

Nicht nur der Tod, auch die Geburt Palladios ist ungeklärt. Alles beginnt mit dem Geheimnis der Geburt des Andrea di Piero della Gondola – Padua oder Vicenza? – als Müllerssohn in einer Familie, die man heute wohl als mittelständisch bezeichnen würde. Dann seine Lehre als Steinmetz, der Umzug von Padua nach Vicenza. Warum ist unklar, jedoch kaum wegen Unterdrückung durch den Paduaner Lehrmeister, wie es die »Forschungstradition« besagt – dafür gibt es nach Beltramini keine Belege.

Weiter zeichnet Beltramini die Ausbildung, die Bildungsreisen nach Rom, die intensiven Kontakte mit Förderern, die Liebe zur klassischen Antike nach. Auch der Ehe mit Allegradonna sowie die gemeinsamen fünf Kinder und deren teils tragische Schicksale wird ein Kapitel gewidmet. Wie hat Palladio gelebt und wo? Und, durchaus nicht zu vernachlässigen, wovon? Auch ein Renaissance-Architekt hatte Interesse daran, nicht nur öffentliche, sondern auch private Auftraggeber zu haben. Und nicht zuletzt war auch im 16. Jahrhundert eine gute Presse von Vorteil, wie sie Palladio mit dem Einschluss in Vasaris Viten erfahren hat.

Woher kommt der Beiname Palladio? Was bedeutet er? Und warum etabliert sich einer der bedeutendsten Baumeister seiner Zeit ausgerechnet in der venetischen Provinz, in Vicenza, das zu dieser Zeit keiner der schönsten Orte gewesen sein dürfte?

It seems safe to say that sixteenth-century Vicenza, far from being a second Athens dedicated to arts and architecture, was a city where killing was easy and took place at all levels of society.(44)

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»The Private Palladio« ist sowohl eine Palladio-Biografie als auch eine Forschungsgeschichte über den Renaissance-Architekten, so ganz lässt sich das eine vom anderen kaum trennen. Es ist erstaunlich, wie viel Informationen Beltramini in dem schmalen Band versammelt, ohne den Leser damit allzu sehr zu erschlagen. Er schreibt nüchtern, informativ und doch auch unterhaltsam. Die Bauten und ihre Geschichte bleiben dabei, natürlich, aus dem Blickfeld – Thema sind sie nur dann, wenn es um Aufenthaltsorte, Löhne, Kontakte geht –. Der Fokus ist auf das Leben und den Menschen Andrea Palladio gerichtet, das intensiv rekonstruiert wird – denn viel ist es nicht, was gesichert von ihm überliefert ist. Aber immerhin, neben den 63 noch heute erhaltenen Bauwerken, Hunderten von Zeichnungen und fünf Büchern (sowie einem 6. Entwurf) ist zumindest gewiss, wo Palladio nie gelebt hat: Still, it is certain where he never lived:
 in that house which nowadays is identified as Palladio’s house [in Vicenza]. (84)

Guido Beltramini
Palladio in Private
10.8 × 20.4 cm, 4 ¼ × 8 in, 108 pages, 50 illustrations, hardcover, English
Lars Müller Publishers, Baden; Auflage: Updated (30. September 2012), Englisch
ISBN 978-3-03778-299-6
www.lars-mueller-publishers.com/en/paladio-in-private

Quelle: deconarch.com

 

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