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Den Blick für Architektur schärfen

Sven Hamanns Fassaden-Bilder

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Wieso wählt ein studierter Architekt ein künstlerisches Medium, um sich auszudrücken? Sven Hamann, von Haus aus Architekt, ist seit 2002 freischaffender Künstler und arbeitet vorwiegend mit Malerei und Fotografie. Aktuell sind seine Arbeiten in Regensburg zu sehen.

Hamann hat es sich zum Ziel gemacht, mit künstlerischen Mitteln das Bewusstsein für Architektur zu wecken und eine intensivere Auseinandersetzung mit ihr zu erreichen. Er will, so sagt er selbst, »die Menschen für das Thema der Architektur sensibilisieren und den Blick des Betrachters für Architektur schärfen«. 

Für das Studium der Architektur hat sich der Künstler aus dem Wunsch heraus entschieden, kreativ zu arbeiten. Während des Studiums und in den ersten Berufsjahren als Architekt wurde ihm jedoch rasch klar, dass der praktische Alltag wenig Spielraum für Kreativität in seinem Sinne zulässt und sich seine Ideen so nicht verwirklichen lassen. Durch gesetzliche Vorschriften und besondere Vorstellungen der Bauherren werden dem Schaffen recht starre Grenzen gegeben: Nur selten setzen sich die Auftraggeber mit den Möglichkeiten und der Theorie der Architektur auseinander. Hamann befand sich in der paradoxen Situation, zwar Architektur zu schaffen, ohne jedoch für das Thema der Architektur, für ihre Möglichkeiten sensibilisieren zu können. Eben diese Chance eröffnet ihm die Kunst, in der er sich unabhängig von äußeren Anforderungen auf einen Aspekt konzentrieren und diesen herausarbeiten kann: Die fundmentale Bedeutung von Architektur im menschlichen Alltag.


Architektur im Alltag

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Einen Großteil des Lebens verbringen die Menschen in gebauten Räumen, die ihren Alltag ganz entscheidend prägen. Nicht umsonst spricht man von Lebens-Raum. Dennoch wird dieser architektonischen »Hülle« – anders als etwa einer anderen alltäglichen »Hülle«, der Kleidung, die in Form von Mode sehr präsent ist – kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Funktionale Nutzbauten wie Büros, Wohngebäude, Werkhallen, denen man tagtäglich begegnet, werden nicht beachtet. Allenfalls außergewöhnliche Bauwerke aus vergangenen Zeiten oder extravagante moderne Bauten werden bewusst wahrgenommen und gegebenenfalls diskutiert. Eine überraschende Situation, bedenkt man die Bedeutung der Architektur, die nicht nur das menschliche Lebensumfeld gestaltet, sondern auch die kulturelle und historische Identität wesentlich mitformt.


Gewohnte Sehmuster durchbrechen

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Mit diesen Beobachtungen setzt sich Hamann in seinen Arbeiten auseinander. Seine Fotografien zeigen Fassadenausschnitte, Nahansichten der Bauhülle von meist seriellen Zweckbauten, wie sie überall zu finden sind. Störende und narrative Elemente werden mittels digitaler Bildbearbeitung entfernt. Die Aufnahmen konzentrieren den Blick des Betrachters auf die architektonische Hülle, Detailaufnahmen von Fenster- und Fassadenrasterungen entwickeln einen eigenen Rhythmus, der an den niederländischen de Stijl oder auch an minimalistische Arbeiten erinnert. Die so entstandenen Bilder bieten einen überraschend ästhetischen Anblick, den man beim flüchtigen Betrachten eines Gebäudes kaum wahrnehmen würde. Eine ungewohnte Ansicht für den linearperspektivisch geschulten Betrachter, der mit Hilfe von Fluchtlinien zweidimensional verzerrte Abbildungen räumlich »sieht«: Da der Blick sich nicht auf einen Fluchtpunkt stützen kann, um das Gebäude als perspektivisches Ganzes zu erfassen, ist er »gezwungen«, genauer hinzuschauen.

Allerdings setzt Hamann die gewohnte perspektivische Darstellung von Räumlichkeit nicht außer Kraft. Vielmehr fokussiert er so stark, dass ein »flacher« Bildausschnitt des Gebäudes präsentiert wird. Statt das Gewohnte zu verfremden oder zu verzerren, wird der Blick auf das Detail gelenkt und zu einer anderen Sichtweise »gezwungen«. Der Künstler spielt mit der Wahrnehmung des Betrachters, um gewohnte Sehmuster zu durchbrechen und den Blick auf Neues zu lenken. So schärft er das Bewusstsein für Architektur.


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Den Blick für Architektur schärfen


Dieses Schärfen des Sehens von Architektur wird in Hamanns Gemälden noch weitergeführt. Aus mehreren Schichten baut der Künstler aus Sand, Zement und Leim – Materialien, die einen starken Bezug zur praktischen Architektur haben, – architektonische Gebilde auf, die eine haptisch ausgeprägte Oberfläche haben. Diese zweidimensionalen architektonischen Ansichten erinnern zwar nach wie vor an abstrahierte Fassaden und Bauansichten, sie gewinnen jedoch durch ihre Materialität eine reliefhafte Tiefe. Hamanns Malereien sind nicht schlicht Kopien der fotografierten Fassaden mit einer anderen Technik. Denn während der Blick bei den Fotografien noch ganz auf die aus dem Gebäudeverband extrahierte und dadurch abstrahierte Fassadenfläche reduziert wurde, gewinnen die gemalten Bauhüllen plastische Struktur hinzu. Der Künstler abstrahiert Beobachtungen, die er beim Fotografieren der Bauhüllen gemacht hat, und setzt sie mit dem Medium der Malerei um. Die Fläche wird zum Volumen – freilich nicht wieder zum perspektivisch erfassbaren Raum. Die Bau-Hülle wird in ihrer Materialhaftigkeit und Plastizität erfahrbar und erlebbar.

Dadurch kann der Blick weiter vordringen und gleichsam in die Fassade eindringen: Was ist Fassade? Was liegt in, hinter der gebauten Fassade? Der Blick hinter die Fassade des Gebäudes, hinter die Hülle der Architektur und damit letztendlich auch hinter die Fassaden der Menschen und der Gesellschaft, die »dahinter« lebt, ist es, dem Sven Hamanns Arbeiten nachspüren. 

Dem Betrachter begegnet eine ungewohnte Inszenierung von Architektur, die es ihm möglich macht, gewohnte Blickrichtungen zu verlassen und neue Seiten an seiner gebauten Umgebung zu entdecken – sein Blick für Architektur wird geschärft.

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Aktuell sind Sven Hamanns Arbeiten im Nordflügel des Caritas-Krankenhauses St. Josef in Regensburg (Landshuterstr.65, 93053 Regensburg) zu sehen (vom 18.09. bis 30.11.2009).


Bilder: Sven Hamann, svenhamann.net

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