Start Magazin Architektur + Kunst Kunst im urbanen Raum: Galerie M in Berlin

Kunst im urbanen Raum: Galerie M in Berlin

Kunst in einer besonderen urbanen Situation. Die Galerie M in Berlin-Marzahn

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0911/galerie-m-berlin-01.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0911/galerie-m-berlin-02.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0911/galerie-m-berlin-03.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0911/galerie-m-berlin-04.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0911/galerie-m-berlin-05.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0911/galerie-m-berlin-06.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0911/galerie-m-berlin-07.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0911/galerie-m-berlin-08.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0911/galerie-m-berlin-09.jpg
Eine der wenigen Galerien im deutschsprachigen Raum, die ihren Schwerpunkt auf die Verbindung von Architektur und Kunst gelegt haben, ist die Galerie M in Berlin Marzahn-Hellersdorf. In Reaktion auf die besondere urbane Situation vor Ort hat Galeristin Karin Scheel, die 2009 die Leitung der Galerie übernommen hat, einen besonderen thematischen Fokus entwickelt, der so in der Kunstlandschaft nicht wieder zu finden ist. Präsentiert werden Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern und Künstlerinnen, die sich mit dem städtischen Raum auseinandersetzen und auf die besondere urbane Situation vor Ort reagieren. Damit ist die Galerie nicht nur in ihrer Ausrichtung und Zielsetzung so individuell, dass es keine Vorbilder gibt, sie ist zudem auch die einzige Galerie für zeitgenössische Kunst in diesem Berliner Bezirk, für den auch das »M« im Namen steht. Wie vielversprechend der Ansatz ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die vergangenen Ausstellungen neben dem »klassischen« Galeriepublikum auch viele Bewohner Marzahn-Hellersdorfs in die Ausstellungsräume lockten.

Marzahn-Hellersdorf – Kunst in einem urbanen Brennpunkt?

Marzahn-Hellersdorf ist eine der größten zusammenhängenden Siedlungen industrieller Bauweise in Europa und war die größte Großwohnsiedlung im Gebiet der ehemaligen DDR. Sie wurde zwischen Mitte der 1970er und Ende der 1980er Jahre vorwiegend in Plattenbauweise als durchgrünte Stadtlandschaft um das alte Dorf Marzahn und das Gut Hellersdorf errichtet und ist Wohnort von rund 240.000 Menschen. Heute wird der Berliner Bezirk jedoch weniger mit Kunst und Kultur, dafür umso mehr als sozialer Brennpunkt mit Gewalt, Ausländerfeindlichkeit, Hartz IV in Verbindung gebracht. Eine sehr vorurteilsbeladene Sichtweise, die die Galeristin nicht teilt und die auch ein Besuch vor Ort nicht bestätigt – natürlich ist es zwischen den Hochhausplatten nicht ähnlich attraktiv wie in Mitte, aber es herrscht auch nicht das verwahrloste, trostlose »Ghetto« vor, das die Darstellung in den Medien glauben machen will.

Allerdings spielt die zeitgenössische Kunst in diesem Umfeld tatsächlich kaum bis gar keine Rolle. Zwar gibt es in Marzahn-Hellersdorf noch viele Kunstwerke vorrangig im öffentlichen Raum, zu denen nach 1990 noch einige hinzukamen. Für temporäre und zeitgenössische Kunstprojekte ist der Raum hier jedoch noch kaum erschlossen. Dabei fordert gerade dieses urbane Umfeld zu künstlerischer Auseinandersetzung heraus und bietet Künstlern ein ungeheuer großes Arbeitsfeld mit Reibungsfläche.

Urbane Reibungsfläche für künstlerische Auseinandersetzungen


Darauf will die Galerie M reagieren. Gezielt werden zeitgenössische Künstler eingeladen, vor Ort zu arbeiten. In Auseinandersetzung mit dem spezifischen urbanen Umfeld in Marzahn-Hellersdorf werden gemeinsam die Inhalte der Ausstellungsprojekte erarbeitet, deren Charakter und Thema von der individuellen künstlerischen Arbeitsweise bestimmt wird. Die Reaktion auf die räumliche Situation ist auf vielfältige Weise möglich, sie kann sich ebenso auf einer rein gedanklichen wie auf einer konkreten Ebene entwickeln, sie kann soziologische, architektonische oder auch philosophische Ansätze integrieren. Zugrunde liegt diesem Konzept der Galerie M die Vorstellung, dass Kunst nicht als universell verwendbares Atelierprodukt zu verstehen ist. Dass es sich nicht um ein simples Spiegeln, ein Reflektieren als schlichtes Abbilden von dem, was ist, handelt, sondern um eine Reflektion im übertragenen Sinne: um ein aktives Reagieren auf die vorgefundene urbane Situation.

Diese Herangehensweise, die oft eine lange Vorlaufzeit benötigt, zeichnet das spezielle Konzept der Galerie M aus. Es entstehen Projekte und Ausstellungen, die eigens für die besondere Lage der Galerie in Marzahn-Hellersdorf entwickelt werden und in dieser Form an keinem anderen Ort gezeigt werden könnten. Zeitgenössische Kunst in Marzahn? Auf jeden Fall, so Karin Scheel, denn »Kunst und Kultur gehören nun einmal zum Leben dazu, nicht nur als nette Accessoires.«

Von falschen Hasen und anderen Installationen: Das aktuelle Programm


Passend zu ihrer konzeptuellen Ausrichtung hat die Galerie M Anfang Oktober während der Berliner Stadtumbauwoche 2009, die Fragen zum Umgang mit der Kunst im öffentlichen Raum im Rahmen des Stadtumbauprozesses thematisiert, eine Diskussion mit Künstlern, Architekten und städtischen Vertretern veranstaltet, die unter anderem der Frage nachging, ob die Umsetzung ortlos gewordener Kunst im öffentlichen Raum an neue Standorte möglich ist oder ob diese mit dem Verlust des Ortes auch ihre Funktion verloren hat. Ein Thema, das gerade in Marzahn hochaktuell ist.
Noch bis Mitte November sind unter dem Titel »falscher Hase – oder vom Leben in den Wäldern« Videos, Objekte und Fotografien von Jil Teichgräber, Ines Kleesattel, Semra Henin und Franziska Meinert zu sehen. Die vier jungen Künstlerinnen sind Schülerinnen von Thorsten Goldberg, der ihre Arbeiten, die sich dem städtischen Raum jenseits von theoretischer Architekturanalyse und soziologischen Untersuchungen annähern, vorstellt. Die Objekte zeigen eine Verwunderung über die oft klischeehafte Außensicht auf den Bezirk, ein Staunen über das für die Künstlerinnen ebenso überraschende wie irritierende städtische Idyll der Großsiedlung.
Darauf wird ab Ende November über den Jahreswechsel die (fast) raumfüllende Installation »Baltha« von Rolf Wicker folgen. Wicker arbeitet mit Architekturzitaten und wird Formen der räumlichen Umgebung in das Objekt integrieren.

Galerie M, www.galerie-mh.de 

Videos, Objekte, Fotografien. Jil Teichgräber, Ines Kleesattel, Semra Henin, Franziska Meinert vorgestellt von Thorsten Goldberg, 01.10.09 bis 12.11.09

Rolf Wicker, Baltha [architektonische Rauminstallation] Vernissage 27.11.09, 18.00 Uhr, 28.11.09 bis 15.01.10

Fürst & Friedrich – Neubau von slapa oberholz pszczulny architekten

Fürst & Friedrich – Neubau von slapa oberholz pszczulny architekten

Mit dem geplanten Büro- und Geschäftshaus Fürst & Friedrich von slapa oberholz pszczulny | sop architekten entsteht ein markanter Neubau in der Düsseldorfer Innenstadt, der das Viertel rund um den beliebten Kirchplatz aufwerten wird.

3M Headquarter in Langenthal von Marazzi + Paul Architekten

3M Headquarter in Langenthal von Marazzi + Paul Architekten

Als Headquarter für den internationalen Technologiekonzern 3M EMEA hat das Architekturbüro Marazzi + Paul ein visionäres Bürogebäude in Langenthal realisiert. Der Neubau direkt beim Bahnhof steht für die Innovationskraft und Offenheit des globalen Leaders 3M ebenso wie für die Dynamik und Wandelbark...

Grand Tower von Kaminiarz & Cie. ist bestes Wohnhochhaus in Europa

Grand Tower von Kaminiarz & Cie. ist bestes Wohnhochhaus in Europa

Nachdem das Frankfurter Büro Magnus Kaminiarz & Cie. Architektur für den Grand Tower bereits den European Property Award 2017 als bestes Wohnhochhaus Deutschlands erhielt, bekam das Gebäude vor wenigen Tagen in London nun auch den International Property Award 2017 als bestes Wohnhochhaus in ganz...

Weitere Artikel:

Normenkonform im Freispiegel-Einsatz

Normenkonform im Freispiegel-Einsatz

Moderne Staffelgeschoss-Architektur ist momentan sehr gefragt. Bei der Ableitung des Regenwassers sind allerdings einige Regeln zu beachten, denn die direkte Ableitung auf die darunter liegende Dachfläche birgt Gefahren.

Barrierefreies Oberlicht

Barrierefreies Oberlicht

Einen unterirdischen Raum mit Tageslicht ausfüllen? Mit dem begehbaren Oberlicht von taghell werden Ausblicke nach oben und Einblicke nach unten geschaffen. Für den Einsatz in horizontal planen Decken- bzw. Bodenflächen eignet sich das hier vorgestellte modulare Glasoberlicht-Komplettsystem.

Schlichtes und reduziertes Design

Schlichtes und reduziertes Design

»SP – Square Perfection« heißt das WC, das der japanische Sanitärkeramik-Hersteller TOTO ab Januar 2018 auf den Markt bringt. Neu ist die Form: Elegant, kompakt und geometrisch gestaltet greift greift das WC auf die bekannten TOTO Hygiene-Technologien zurück.

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

Normenkonform im Freispiegel-Einsatz

Normenkonform im Freispiegel-Einsatz

Moderne Staffelgeschoss-Architektur ist momentan sehr gefragt. Bei der Ableitung des Regenwassers sind allerdings einige Regeln zu beachten, denn die direkte Ableitung au...

Barrierefreies Oberlicht

Barrierefreies Oberlicht

Einen unterirdischen Raum mit Tageslicht ausfüllen? Mit dem begehbaren Oberlicht von taghell werden Ausblicke nach oben und Einblicke nach unten geschaffen. Für den Einsa...

Schlichtes und reduziertes Design

Schlichtes und reduziertes Design

»SP – Square Perfection« heißt das WC, das der japanische Sanitärkeramik-Hersteller TOTO ab Januar 2018 auf den Markt bringt. Neu ist die Form: Elegant, kompakt und geome...

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Timmerhuis in Rotterdam von OMA

Das von den Rotterdamer Städtebauexperten OMA (Office for Metropolitan Architecture) erdachte Timmerhuis in Rotterdam gilt als das »grünste Gebäude der Niederlande«. Es v...

»Schule der Zukunft« im alten Hafen von Haderslev

»Schule der Zukunft« im alten Hafen von Haderslev

In der dänischen Küstenstadt Haderslev ist mitten im alten Hafenareal ein zukunftsweisendes Bildungszentrum entstanden. Dieses hebt sich nicht nur durch seine außergewöhn...

Duschen mit Spa-Effekt

Duschen mit Spa-Effekt

Moderne Badkultur ist von Design, Luxus und Technik geprägt. Das Duschritual als besonderen Verwöhnmoment des Tages zu schätzen und neben der Reinheit auch Gesundheit und...

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

Fassadenkunst: Abstrakt bis naturalistisch

In nur sieben Wochen wich grauer Beton einer abstrakt-naturalistischen Malerei mit blauem Himmel, weißen Wolken, täuschend echten Bäumen und einem illusionistischen Strei...

Wintergarten gut beheizt

Wintergarten gut beheizt

Im Wintergarten hat Wärme nicht nur einfach die Funktion »Heizen« zu erfüllen. Wärme weckt Emotionen und bringt Atmosphäre in den gläsernen Raum. Eine elektrische Strahlu...

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Zargenlose und lichtdurchlässige Schiebetür

Die in der eigenen Betriebsstätte hergestellte, zargenlose Schiebetür bestehen aus dem lichtdurchlässigen, biegesteifen Wabenpaneel »ViewPan« mit Oberflächen aus Acrylgla...

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Corbusier-Farben im Hamburger Hotel Wedina

Das Hamburger Hotel Wedina hat ein umfassendes Facelift erhalten, bei dem Farbe eine zentrale Rolle spielt. Die Fassade macht in leuchtendem Rot auf sich aufmerksam und j...

Weitere Artikel:


Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.