Anzeige AZ-A2-728x90 R7
Start Magazin Architektur + Kunst Tobias Weber: Urbane Räume mit Tuben zeichnen

Tobias Weber: Urbane Räume mit Tuben zeichnen

Tobias Weber Künster Architekt


http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/tobias-weber-globe.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/tobias-weber-hardbruecke.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/tobias-weber-musterferien.jpg
Kunst und Architektur inspirieren sich gegenseitig im Schaffen von Tobias Weber. Der Schweizer Künstler ist studierter Architekt und in beiden Bereichen gleichermaßen tätig. Seine Themen findet er in alltäglichen Szenerien der dichtbesiedelten urbanisierten Welt; er zeigt Häuserfassaden, Straßen, Tiefgaragen, kurz: vom Menschen eingenommene funktionale Räume und die Spuren, die dies hinterlässt. Webers Bilder präsentieren Ausschnitte von Zweckarchitekturen, die überall begegnen, die man aus eben diesem Grund jedoch kaum mehr wahrnimmt, geschweige denn, dass man sie in irgendeiner Weise als »künstlerisch« wertvoll empfindet.
 
Auffällig ist die ungewöhnliche Formensprache der Gemälde: Die Bilder kommen mit wenig Farben aus, meist setzt Weber nur einen Farbton in verschiedenen Abstufungen ein oder kontrastiert wenige Farben. Die Motive werden dominiert von schwarzglänzenden, leicht erhabenen und unregelmäßigen Konturlinien, die wie Lakritze auf der Leinwand zu liegen scheinen. Sie formen reine Farbflächen ohne Schattierungen, die den Bildern eine ungewöhnliche, comichafte Wirkung verleihen.

Mit Tuben »zeichnen«

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/tobias-weber-neuer-sessellift.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/tobias-weber-newbury.jpg
 
Diese besondere Wirkung seiner Gemälde erreicht Weber durch eine ungewöhnliche Arbeitsweise: Die schwarzen Umrisse werden direkt aus der Tube auf die Baumwollleinwände »gezeichnet«. Die Acrylfarbe verläuft, trocknet an und erhält eine schwarzglänzende, gummiartige Konsistenz. Seit über zehn Jahren beschäftigt sich der Künstler schon mit diesen »Outlines«. Auf der Suche nach den perfekten Konturen, wie sie etwa bei Comics eingesetzt werden, entdeckte er den Einsatz der fließenden Tuben für sich, mit denen wie mit einem Farbstift freie, ununterbrochene Linien geschaffen werden können. Die Konturen umschließen deutlich voneinander abgegrenzte Farbflächen, die sich an ihren Rändern nicht vermischen. Wie im Comic verleihen die kräftigen Umrisse dem Gezeigten eine reliefartige Prägnanz und Klarheit. Das Sujet kommt noch deutlicher zum Ausdruck. Darüber hinaus geben die schwarzen Konturen den Arbeiten eine besondere reliefartige Plastizität, eine haptische Qualität, wie man sie von Gemälden in dieser Form nicht kennt.

Die Betonung der grafischen Umrisslinien kann durchaus als Reminiszenz der Architektur gelesen werden. Beide Metiers – Kunst und Architektur – sind nicht so grundverschieden, wie sie zunächst erschienen mögen: Architekt und Künstler verbinde, so Weber, eine hohe Affinität zur Zeichnung, beide finden mit Skizzen zur gesuchten Lösung.

Der künstlerische Blick des Architekten auf seine Umwelt

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/tobias-weber-niveau.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/tobias-weber-parking-nord.jpg
Durch den direkten Farbauftrag der Umrisslinien aus den Tuben kommt eine ausgeprägte handwerkliche Komponente in Webers Arbeitsprozess, der davon abgesehen sehr »maschinell«-reproduktiv ist: Die Motive werden am Computer aus zuvor fotografierten Aufnahmen zusammengestellt; dabei werden häufig auch Elemente aus verschiedenen Fotografien komponiert und die Themen in Serien bearbeitet. Das zentrale Sujet wird fokussiert, Überflüssiges entfernt, bevor das fertige Motiv auf die Leinwand übertragen wird. Der Großteil der Bilder zeigt menschenleere Räume. Aber auch die jüngeren Arbeiten, in denen Menschen zu sehen sind, werden in entsprechender Weise gestaltet: Die Szenerie um die zentrale Figur bzw. Figuren wird reduziert auf wesentliche Elemente, auf nötige Mimik und Gestik und beschränkt sich auf das Zeigen reduzierter Situationen. Nur die besagten Konturen werden abschließend manuell aufgetragen, während sogar die Signatur mit einer Schablone aufgebracht wird.

Diese Vorgehensweise reflektiert den Charakter der verarbeiteten Motive des urbanisierten Lebens, die nur selten bewusst wahrgenommen werden. Massenproduziert und in Serie hergestellt erfüllen Brücken, Strommasten, standardisierte Wohnhäuser ihren Zweck, aber sie bleiben anonym, austauschbar, unästhetisch, so dass sie in der Regel im wahrsten Sinne des Wortes keines Blickes gewürdigt werden.

Sensibilisieren für die versteckte Ästhetik urbaner Räume

http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/tobias-weber-santa-maria.jpg
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/tobias-weber-georg-norbert.jpg
Weber hingegen sagt: »Alltägliche Zweckarchitektur wie beispielsweise Tiefgaragen, Autobahntunnels oder S-Bahn-Brücken empfinde ich als schön, weil sie eine logische Folge aus Bedürfnissen darstellen und sie dem Nutzen entsprechend konzipiert und gestaltet wurden.« Durch Ausschnittwahl, Farbgebung und die abstrahierende Reduktion der Motive will der Künstler in seinen Arbeiten zeigen, dass auch solche „Zweckräume“ Beachtung verdienen und ästhetisch geschätzt werden können. „Funktionalität, Abstraktion, Natürlichkeit, Rationalität oder andere Kriterien lassen Gebäude plötzlich ästhetisch oder gar schön erscheinen, sobald diese in ihrer Idee und ihrer Zeit betrachtet werden.“ Durch die Reduktion auf die zentralen Formen wird etwa deutlich, welche formale Schönheit in den schwungvollen Kurven von Autobahnen oder Brücken liegt.

Als Beobachter des urbanen Raums will Weber sensibilisieren für die versteckte Ästhetik solcher Orte. Diese Sichtweise ist deutlich geprägt von seinem Architekturstudium. Zwar habe ihn die Architektur in seiner Arbeitsweise nicht spezifisch beeinflusst, so der Künstler, sie habe ihn jedoch sehr wohl inspiriert und seinen besonderen Blick auf und sein Verständnis für die alltägliche gebaute Umwelt geprägt und geschärft.

Weber ästhetisiert die »banalen« Bildinhalte und macht sie visuell gefällig, sogar eine Spur zu sehr, zu plakativ und auffällig, als dass man noch wegsehen könnte von den sonst so unauffälligen Motiven. Dazu wählt er sehr große und breite bzw. hohe Formate, die das Blickfeld sprengen und zum wiederholten Hinschauen zwingen. Diese Darstellungsweise entspricht einerseits dem maschinell-seriellen Charakter der Motive, andererseits durchbricht sie die pauschalen Standardansichten – alles sieht gleich – durch die manuell aufgetragenen Umrisslinien. Sie widersprechen dem anonymen Charakter der maschinell produzierten Elemente. Zum konzeptuell präzisen Arbeitsprozess gesellt sich ein unkontrollierbares, arbiträres Element, das dem Endprodukt besondere Qualität verleiht.
 
Vor kurzem waren Tobias Webers Arbeiten auf der Kunst Zürich in der ABB Halle am Stand seiner Schweizer Galerie Alex Schlesinger zu sehen. Ab Dezember ist der Künstler Artist in Residence 2010 der XL Services Switzerland AG in Zürich.

www.tobiasweber.ch

Mayfair Residential Tower in Melbourne von Zaha Hadid Architects

Mayfair Residential Tower in Melbourne von Zaha Hadid Architects

Der Mayfair Residential Tower von Zaha Hadid Architects entsteht an der St. Kilda Road in Melbourne, einem Bezirk weit ausserhalb der Innenstadt von Melbourne. Die Formen der Fassade ermöglichen große Balkone für jede Wohnung und spektakuläre Ausblicke auf den Royal Botanic Garden, Port Phillip Bay,...

Sansibar by Breuninger von DIA – Dittel Architekten

Sansibar by Breuninger von DIA – Dittel Architekten

DIA – Dittel Architekten verantwortet die Gestaltung und architektonische Umsetzung der Sansibar by Breuninger im neuen Dorotheen Quartier in Stuttgart. Das Restaurant ist eine Kooperation des Mode- und Lifestyle-Unternehmens Breuninger mit Herbert Secklers Kultrestaurant auf Sylt. Ziel des Designko...

Hunke Juwelier und Optik von der Ippolito Fleitz Group

Hunke Juwelier und Optik von der Ippolito Fleitz Group

Familie Hunke führt seit vielen Jahren erfolgreich Juwelier und Optikergeschäfte in zentraler innerstädtischer Lage in Ludwigsburg, unweit von Stuttgart. Um die führende Position in der Region halten und auf ein solides Fundament für die nächsten Generationen bauen zu können, sollten Schmuck, Uhren ...

Weitere Artikel:

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Über hundert Jahre wurde in der Schnapsbrennerei in Weißenfeld hochprozentiger Alkohol aus Kartoffeln für medizinische Zwecke hergestellt. Um das Gebäude zu erhalten und weiterhin sinnvoll zu nutzen, wählten die Betreiber einen recht ungewöhnlichen Weg: die Umwandlung der Brennerei Weißenfeld in ein...

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenausstellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die neue Parklandschaft, welche die Grün Berlin GmbH im Auftrag des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf realisierte, breitet sich in einem...

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

H7, das Bürohaus von Andreas Heupel Architekten im alten Stadthafen von Münster, ist ein siebengeschossiger Holz-Hybridbau, der neue Maßstäbe im Hinblick auf Ökologie und Wirtschaftlichkeit setzt: Holz und Stahlbeton sind hier in Verbund gefasst.

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 GDC

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Der Gebäude-Energieberater
    Der Gebäude-Energieberater Ein junger Berufsstand und seine bewegte Geschichte: Gebäude-Energieberater lotsen Hauseigentümer durch den Regelungs- und Förderungsdschungel und sind wichtige Empfehler bei…

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Kita in Weißenfeld von Grund Architekten

Über hundert Jahre wurde in der Schnapsbrennerei in Weißenfeld hochprozentiger Alkohol aus Kartoffeln für medizinische Zwecke hergestellt. Um das Gebäude zu erhalten und ...

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Aussichtsplattform Wolkenhain: Landmarke der IGA

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenausstellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die ...

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

Holz-Hybridbau mit Keramikfassade

H7, das Bürohaus von Andreas Heupel Architekten im alten Stadthafen von Münster, ist ein siebengeschossiger Holz-Hybridbau, der neue Maßstäbe im Hinblick auf Ökologie und...

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Schiebefenster mit großer Öffnungsbreite und Insektenschutz

Die Profile des Fensters »cero« messen trotz der möglichen 15 Quadratmeter großen Scheibenelemente gerade einmal 34 Millimeter. Für die jeweiligen Anforderungen an Wärmed...

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Zaha Hadid: das Learning and Library Center in Wien

Die neue Wirtschaftsuniversität in Wien ist die größte der Europäischen Union. Bisher befand sich die alte Wirtschaftsuniversität in einem Gebäude aus den 1970er-Jahren. ...

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Haus Mayer-Kuckuk von Architekt Wolfgang Döring

Es ist ein eigenwilliges Gebäude, das 1967 nach dem Entwurf des Architekten Wolfgang Döring in nur sechs Tagen auf einem Erbpachtgrundstück der Elly-Hölterhoff-Böcking-St...

Oberflächentrends bei Innentüren

Oberflächentrends bei Innentüren

Die heutigen Sortimentsdimensionen des Bauens und Planens verlangen nach strukturierten Lösungen für Oberflächen wie beispielsweise bei Innentüren. Aufgrund des Überangeb...

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Keukenhof in Lisse bei Amsterdam von Mecanoo

Der Keukenhof in Lisse bei Amsterdam ist das internationale Schaufenster der niederländischen Blumenzucht. In den acht Wochen von Anfang März bis Mitte Mai wird dort geze...

Kalksandstein mit neuen technischen Möglichkeiten

Kalksandstein mit neuen technischen Möglichkeiten

Der Baustoffhersteller Heidelberger Kalksandstein hat technische Grenzen zugunsten des Designs erweitert. Das Produktionsverfahren der Kalksandsteine unterstützt nun den ...

Frischer Wind fürs Flachdach

Frischer Wind fürs Flachdach

Ist die Dampfsperre auch wirklich trocken? Der neue »SitaVent Revision« erlaubt jederzeit einen prüfenden Blick auf den Status unterhalb der Wärmedämmung. Immer wieder vo...

Weitere Artikel:


Anzeige AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.