Start Magazin Architektur + Kunst Faszination urbaner Strukturen: Galerie Alex Schlesinger in Zürich

Faszination urbaner Strukturen: Galerie Alex Schlesinger in Zürich

Es war das Erlebnis der urbanen Architektur in Großstädten, die Faszination der Architektur die Alex Schlesinger schon immer bewegt hat und die sich schließlich auch im Programm seiner Zürcher Galerie niedergeschlagen hat. War es zunächst noch eine Vorliebe für Konkrete und Konstruktivisten – auch sie verfolgen mit ihren klaren Strukturen und der rigiden Bildaufteilung eine „tektonische“ Vorgehensweise –, so reifte nach der Bekanntschaft mit Raphaël Renaud und etwas später mit Tobias Weber, dessen Arbeit die AZ/Architekturzeitung vor Kurzem vorgestellt hat, Anfang der 2000er Jahre die Idee, das Thema Architektur in der Kunst in seinen vielfältigen Facetten zum Schwerpunkt einer Galerie zu machen. Heute präsentiert die Galerie Alex Schlesinger, die 2003 gegründet wurde, Kunst, deren Hauptthemen um die Auseinandersetzung mit urbanem Leben, Architektur und Industrielandschaften kreist.


Malerei zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit: Das Galerieprogramm
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1002/galerie-alex-schlesinger.png
 
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1002/thitz-paris-la-nuit-tueten-auf-leinwand.jpg
 
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1002/raphael-renaud-tokyo-oel-auf-leinwand.jpg
 
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/2010/1002/janika-fabrikant-cern-acryl-auf-leinwand.jpg
 
http://www.architekturzeitung.eu/azbilder/azbilder0912/tobias-weber-santa-maria.jpg
Es ist dieses klare Programm, gepaart mit einer besonderen Atmosphäre und der großen Leidenschaft für die Sache, die Schlesingers Galeriearbeit auszeichnet. Die vertretenen künstlerischen Positionen bewegen sich zwischen abstrakt, figurativ und hyperrealistisch, zwischen Fotografie und Malerei, zwischen Comix und Kunst. Der Fokus liegt auf zeitgenössischer Malerei im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Der Grossteil der Künstler und Künstlerinnen der Galerie arbeitet denn auch mit den Medien Öl oder Acryl auf Leinwand, aber auch mit C-Prints oder – besonders auffällig – Autolack auf Aluminium. Fotografie selbst ist jedoch nicht im Programm vertreten, die plastische Kunst mit nur einer Bildhauer-Position.


Neue Künstler entdecken und fördern
Mittlerweile werden über 20 europäische Künstler von der Galerie Schlesinger betreut. Bei ihrer Auswahl wird Wert darauf gelegt, gerade jüngere, noch nicht etablierte Künstler, die dem Galerieprogramm entsprechen, zu entdecken und aufzubauen, sie auf ihrem Weg zu begleiten und einem breiten Publikum bekannt zu machen. Das tatsächliche Alter der Künstler spielt dabei keine Rolle: So ist etwa Janika Fabrikant, eine der neuesten Künstlerinnen im Programm der Galerie, die im Sommer ihre erste Einzelausstellung haben wird, Jahrgang 1934. Ihre Arbeiten spielen mit ihrem fotorealistischen Eindruck: Tatsächlich nimmt Fabrikant ihre Motive zunächst mit der Kamera auf, um sie anschließend in nicht-naturalistischer Art weiterzuentwickeln. Die Darstellungen von Industrieanlagen und Architekturen werden so zu traumhaften, bedrohlichen Gebilde.

Weitere Künstler, die gerade aus architektonischer Perspektive interessant sind, sind etwa der bereits vorgestellte Schweizer Tobias Weber, dessen ungewöhnliche Formensprache – der Künstler „zeichnet“ mit Tuben die Outlines seiner Motive direkt auf die Leinwand – für die Ästhetik alltäglicher urbaner Räume sensibilisiert. Ungewöhnlich sind auch die Arbeiten des deutschen Künstlers Thitz: Der „Tütenkünstler“ konstruiert authentische Stadtporträts, in die er Tüten aus den jeweiligen Städten integriert.

Auch der Franzose Raphaël Renaud, der zu den wegweisenden und erfolgreichsten Künstlern der Galerie zählt, beschäftigt sich in seinen Werken mit Stadtansichten und Industrieanlagen, meist aus der Vogelperspektive, die er in einer Kombination von manchmal bis zu drei verschiedenen Stil- bzw. Kunstrichtungen – Impressionismus, Hyperrealismus, Abstraktion – bearbeitet. So wird der Betrachter herausgefordert: Kaum hat sich das Auge an die eine Richtung gewöhnt, wird es fast automatisch in eine andere gelenkt.

Jährlich veranstaltet Alex Schlesinger sieben Ausstellungen mit Künstlern der Galerie. Darüber hinaus beteiligt sich der Galerist regelmäßig an Kunstmessen in der Schweiz und im Ausland – aktuell kann der Stand der Galerie auf der art KARLSRUHE besucht werden. Dort werden nicht nur Arbeiten von Janika Fabrikant und Tobias Weber zu sehen sein, sondern auch Werke von Werner Käser, Patrick Tschudi und Werner Stauffacher sowie Plastiken von Daniel Häsli präsentiert werden.


Gründung der Galerie: Zur Person

Die Gründung der Galerie ist umso bemerkenswerter, da Schlesinger nicht »von Haus aus« aus dem Kunstbereich stammt. Neben seiner Galerietätigkeit arbeitet er zudem nach wie vor als Lehrer an einem Zürcher Gymnasium. Zwar hat Schlesinger schon während seines Studiums der Romanistik sowie Literatur und Literaturwissenschaft an der Universität Zürich sowie in Paris und Madrid die Vermittlung von Kunst und Kultur beschäftigt, aber erst nachdem er 2000 eine Zusatzausbildung zum Kulturmanager abgelegt hatte und das Interesse, das Gelernte in Praxis umzusetzen noch weiter gewachsen war, entschloss er sich, einen kommerziellen Kulturbetrieb aufzubauen und zu führen. 

Welche Bedeutung Kunst für ihn hat, umschreibt Schlesinger in eigenen Worten:
„Sie umgibt mich ständig. Ob zu Hause, in der Galerie, in der Freizeit. Sie ermöglicht mir, mein Auge für Dinge zu schärfen, die mir bis anhin verborgen geblieben sind. Sie macht mich zu einem genauen und kritischen Beobachter meiner Umwelt. Natürlich erfreut sie meine Sinne und verhilft mir zu Glücksmomenten und regt mich zum Denken an.“

Weitere Auskünfte über seine Galeriearbeit gibt Alex Schlesinger in einem Interview mit deconarch.com.


Webseite der Galerie Alex Schlesinger

Abbildungen: Courtesy Galerie Alex Schlesinger

Modernes Design für Touristinformation von DIA – Dittel Architekten

Modernes Design für Touristinformation von DIA – Dittel Architekten

DIA – Dittel Architekten zeichnet für das Gestaltungskonzept sowie Planung und Ausführung der neuen Touristinformation in Schwäbisch Hall verantwortlich. Ziel des Konzeptes ist es, die Identität der Stadt in Raum zu übertragen und mit digitalen und analogen Inhalten erlebbar zu machen. Werte wie Ser...

DGNB-zertifiziertes Autohaus für Neu- und Gebrauchtwagen von ATP architekten ingenieure

DGNB-zertifiziertes Autohaus für Neu- und Gebrauchtwagen von ATP architekten ingenieure

Als Spezialisten für die Automobilbranche und Integrale Planung entwarfen ATP architekten ingenieure die neue Mercedes-Benz-Hauptniederlassung für das Gebiet Rhein-Main. Der Auftraggeber Daimler Real Estate bündelte Verkauf, Verwaltung, Service und Werkstatt von drei Standorten auf einem neuen Gewer...

Oliv Architekten revitalisieren das PEAK Bürogebäude in München

Oliv Architekten revitalisieren das PEAK Bürogebäude in München

Die intelligente Revitalisierung leerstehender Gebäude gehört zu den dringlichsten Aufgaben einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Dabei ist der Leerstand, der meist schon über einen längeren Zeitraum geht, ein Indikator für die Schwierigkeit der baulichen und planerischen Aufgabe. So war es auch beim...

Weitere Artikel:

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Alles richtig gemacht und der Bauherr ist trotzdem unzufrieden? Wer bei der Planung von Bürogebäuden allein auf das vereinfachte oder auch das simulationsbasierte Nachweisverfahren der DIN-4108-2 (Wärmeschutz von Gebäuden) setzt, steht zwei Problemen gegenüber.

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Moderne Energiekennwerte und gesundes Wohnklima im Einklang mit dem Denkmalschutz – diese Anforderungen wollte Malermeister Claus Schmid bei der Sanierung eines alten Fachwerkhauses miteinander vereinen. Deshalb dämmte er von innen mit einem mineralischen System in Verbindung mit silikatischen und K...

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

In unseren Städten wird es immer enger. Parkhaussysteme können städtische Nischen optimal und rentabel nutzen: Vollautomatisch und raumsparend ermöglichen sie Mobilität, wo Grund teuer ist und Parkplätze knapp sind. Im urbanen Raum lassen sich Parkhaussysteme selbst in schmale Baulücken einfügen.

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Betoninstandsetzung: Wer haftet wann und wie?
    Betoninstandsetzung: Wer haftet wann und wie? Die Ausführung von Betonerhaltungs-, Betonschutz- und –instandsetzungsmaßnahmen erfordert umfassende fachliche Qualifikationen. Der nachfolgende Beitrag nimmt Stellung zu Anforderungen, die sich…

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Sommerlicher Wärmeschutz: Gebäude planen und simulieren

Alles richtig gemacht und der Bauherr ist trotzdem unzufrieden? Wer bei der Planung von Bürogebäuden allein auf das vereinfachte oder auch das simulationsbasierte Nachwei...

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Fachwerkhaus: Denkmalschutz mit Innendämmung

Moderne Energiekennwerte und gesundes Wohnklima im Einklang mit dem Denkmalschutz – diese Anforderungen wollte Malermeister Claus Schmid bei der Sanierung eines alten Fac...

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

Mut zur Lücke: Urbane Parklösungen

In unseren Städten wird es immer enger. Parkhaussysteme können städtische Nischen optimal und rentabel nutzen: Vollautomatisch und raumsparend ermöglichen sie Mobilität, ...

Glas-Sensorschalter: Licht per Fingertipp

Glas-Sensorschalter: Licht per Fingertipp

Bei vielen Schaltern stand bisher die funktionelle Komponente im Vordergrund, während das Design eher als sekundäre Komponente behandelt wurde. Das ändert sich seit einig...

Bodenmaiser Hof: Wellnesshotel mit Gebäudeautomation

Bodenmaiser Hof: Wellnesshotel mit Gebäudeautomation

Nach seinem jüngsten Umbau reiht sich der Bodenmaiser Hof im Bayerischen Wald unter die Top-Wellnesshotels in Deutschland ein. Unter dem Motto »Stylisch Bayerisch« werden...

Neubau der Paulaner Hauptverwaltung auf historischem Areal

Neubau der Paulaner Hauptverwaltung auf historischem Areal

Das ehemalige Werksgelände der Paulaner Bierbrauerei in der Münchner Ohlmüllerstraße wurde durch den Umzug der Produktion nach München-Langwied frei. Paulaner entschloss ...

Objekt mit Kern aus recycelten Materialien und Fassade

Objekt mit Kern aus recycelten Materialien und Fassade

Reduce, Reuse, Recycle – dieser Ansatz hat nun auch die Architektur erreicht. In Dänemark hat das Architekturbüro Een til Een unter Verwendung ausschließlich biologischer...

Warme Kante Abstandhalter

Warme Kante Abstandhalter

Auf der Fensterbau Frontale 2018 werden die Diskussionen rund um Digitalisierung, Fertigungsautomation, innovative Fensterlösungen und natürlich den Dauerbrenner Energiee...

Fensterflügel komplett aus Glas

Fensterflügel komplett aus Glas

Die Clara Fenster AG beginnt das neue Jahr mit einer breit angelegten Produkteinführung. Das rahmenlose Fenster »Clara« transportiert den zentralen Produktvorteil aus Sic...

Leute, Lärm, Licht

Leute, Lärm, Licht

Jeder dritte Deutsche hat Angst, Opfer eines Einbruchs zu werden, besagt eine Studie der GDV.1 Daher wundert es nicht, dass sich immer mehr Menschen für die verschiedenen...

Weitere Artikel:


Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.