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Veranstaltung »StadtBauKunst« - Die Zukunft der Städte

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An die Städte der Zukunft werden vielfältige Anforderungen gestellt. Sie sollen unter anderem attraktiv, urban, sozial, gleichermaßen ökologisch und ökonomisch sein. Doch wie behält ein Ort seine spezifischen Eigenheiten, wie verschmelzen Solitäre zu einem sinnvollen Ganzen? Und wie gelingt es, dass Landschaften wieder zu Landschaften werden?

Diese und weitere Aspekte diskutierten Max Dudler von MAX DUDLER ARCHITEKTEN aus Berlin, Christoph Mäckler von CHRISTOPH MÄCKLER ARCHITEKTEN aus Frankfurt und Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundestiftung Baukultur auf den 10. JUNG Architekturgesprächen in Stuttgart mit dem Titel »Stadtbaukunst«. Durch den Abend führte Boris Schade-Bünsow, Chefredakteur der Bauwelt.

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Gemeinschaftlicher Quartierbau
»Wenn Sie an die Landschaft denken, wenn Sie in der Landschaft bauen, dann denken Sie an die Stadt« – mit dieser Aussage des Schweizer Architekten Luigi Snozzi machte Max Dudler eingangs seine grundsätzliche Haltung zum europäischen Städtebau deutlich. Wenn von Europa die Rede ist, so Dudler weiter, dann ist es wichtig, dass Städte verdichtet werden, unterschiedliche Funktionen in sie hineingelegt werden und die Landschaft geschützt wird. Um eine neue Dichte zu schaffen, hebt der Architekt das gemeinschaftliche Bauen von verschiedenen Architekten als wesentlich für die Stadtentwicklung hervor. Um das zu erreichen müssen Architekten in Ensembles denken. Beispielhaft für eine gelungene Umsetzung nennt er den Neubau des Stadtquartiers an der Züricher Europaallee (2007-2013). Hier sind vielfältige urbane Nutzungen auf engstem Raum vereint. Die Verdichtung findet nach Innen durch öffentliche Räume, wie Treppenanlagen oder Gassen, statt. Durch das Zusammenspiel der Architektur von MAX DUDLER ARCHITEKTEN, David Chipperfield Architects und Gigon/Guyer steht hier nicht nur »platt Haus an Haus, sondern die Gebäude greifen wie Hände ineinander«. Neben der Zeitlosigkeit der Architektur spielt aber auch die Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle für Dudler. Um diese zu erzeugen, wurde im Falle der Züricher Europaallee auf den Bau von Stellplatzanlagen verzichtet. So ist gewährleistet, dass Studenten wie auch Lehrende öffentliche Verkehrsmitteln nutzen.

Innere Stadt
Eine weitere Strategie ist die der Stadtentwicklung nach Innen. Denn ein enormes Manko der europäischen Stadt ist die Peripherie. So gibt es in den Vorstadtsiedlungen keine räumliche Auseinandersetzung, keine Plätze, keine Strukturen – kurz kein Prinzip des Weiterbauens einer Stadt. Um das zu erreichen, denken MAX DUDLER ARCHITEKTEN aus Berlin in räumlichen Strukturen – in Zwischenräumen. Dazu nutzten sie u.a. die Prinzipien des Rockefeller Centers in New York. Raumbildend, wie eine große Skulptur – mit Arkaden und Plätzen – erbaut aus den gleichen Steinen, treten auch die Gebäude in Zürich als Gesamtensemble auf.

Auch Christoph Mäckler kritisiert in seinem Vortrag die fehlenden Grundlagen. »Häuser werden zu Häusern gestellt, anstatt die Kultur des Ortes aufzugreifen«. Welche entscheidende Rolle dabei Material und Farbe spielen, verdeutlicht er am Beispiel des I.G.-Farbenhaus in Frankfurt. So sind alle Architekturen des Universitätscampus aus dem gleichen gelben Stein erbaut worden. Durch klare Gliederung, Übernahme von Höhen, Materialqualitäten und Farben fügt sich der Frankfurter Tower 185 (Wir bauen Stadt weiter - Interview mit Christoph Mäckler zum Tower 185) in die Abfolge der Nachbarbebauung ein. Auf diese Weise entsteht ein neues Ensemble mit einer klaren städtebaulichen Identität.

Als drittes Beispiel führt Mäckler den Neubau des Frankfurter OpernTurms an. Mit ihm wurde dem repräsentativen Platz aus dem 19. Jahrhundert seine ursprünglich einfassende Form als großstädtisches Ensemble zurückgegeben; gleichzeitig wurde der Rothschildpark, als innerstädtische Grünfläche für die Öffentlichkeit, zurückgewonnen.

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Architektur und Kunst
Doch warum gelingt Stadtplanung im großen Stil nicht mehr? Und dass obwohl, es angesichts des raschen Wandels in den Städten dringend notwendig wäre. Christoph Mäckler sieht die Ursache in der »Eventarchitektur«. In der Tatsache, dass Architekten heute eher Kunstwerke als Bauwerke schaffen. »Sie arbeiten als Künstler und versuchen, unsere Gesellschaft mit ihren Kunstwerken zu beglücken. Keiner will aber die vermeintlichen Kunstwerke sehen, ohnehin wird man nur einen Bruchteil als wirkliche Kunstwerke bezeichnen können«. Um seine Haltung zu verdeutlichen, zitiert Christoph Mäckler den österreichischen Architekten Adolf Loos: »Das Haus hat allen zu gefallen. Im Unterschied zum Kunstwerk, dass niemandem zu gefallen hat. Das Kunstwerk ist eine Privatangelegenheit des Künstlers. Das Haus ist es nicht. Das Kunstwerk wurde in die Welt gesetzt, ohne dass ein Bedürfnis vorhanden wäre. Das Haus deckt ein Bedürfnis. Das Kunstwerk ist niemandem verantwortlich, das Haus einem jedem...«.

Eben diese Aspekte, Gefallen und Dienen, sind aber entscheidend. Kunst, so Max Dudler, hat mit Architektur nichts zu tun und umgekehrt hat Architektur nichts mit Kunst zu tun. Denn Kunst ist frei und Architektur ist Bestand und hat damit eine völlig andere Auseinandersetzung und andere Prinzipien.

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Qualität der Stadt
Der Frage der Qualität von Stadt gingReiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundestiftung Baukultur aus Potsdam, mit der Frage »Wer baut Stadt?« nach. Denn nicht nur Architekten, Ingenieure und Bauträger bauen die Stadt – auch Faktoren, wie der demografische Wandel, die Fluktuation, die Klimawende oder der Wertewandel fließen wesentlich in das Thema Baukultur ein. Um diese These zu untermauern, zitiert Nagel den wohl bekanntesten Stadtplaner der Welt Jan Gehl mit den Worten: »Denkt nicht von der Infrastruktur, nicht von Architektur, sondern denkt von den Menschen aus. Und versucht den Menschen die Räume in der Stadt zurückzugeben«.

Um das zu erreichen, so Nagel weiter, müssen viele Räume verbessert werden – auch im Neubau muss Nutzerbezogenen entwickelt werden. Denn die Menschen brauchen beides. »Sie brauchen die Funktionen ihres Zentrums, sie brauchen aber auch Lebensraumqualität im Umfeld«. Mäckler bekräftigt diese Aussage: »Lebensfähigkeit entsteht nicht durch Monostrukturen, sondern durch die Entwicklung einer gemischten Struktur. Und diese folgt den gleichen Prinzipien, wie vor 100 oder 200 Jahren«. Auch die Städte des 19. Jahrhunderts, so Mäckler, entstanden auf der grünen Wiese. Im Unterschied zu heute aber wurden städtische Strukturen auf die grüne Wiese gestellt und als polyzentrische Systeme entwickelt. Auch Dudler zieht den Vergleich mit dem Bauwesen aus den 1920–1940er Jahren, in denen wunderbare Stadtentwicklungshäuser entstanden, die bis heute Gültigkeit besitzen. Eine neue Ästhetik in die Architektur reinzubringen geht seiner Meinung nach über die Bauherren.

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Demokratie als Baukörper
Um eine Wandlung herbeizuführen, muss der Städtebau also wieder dahin geführt werden woher er kommt: Aus der Idee der Gemeinschaft. Dazu müssen sich die Häuser der Gemeinschaft, ihrer Geschichte, dem Typus und dem Ort unterordnen. Oder um es mit Christoph Mäcklers Worten zu sagen: »In der Demokratie gibt es in vielerlei Hinsicht Regeln dafür, was man machen darf und was nicht. Dazu sollten auch die Fragen des Städtebaus gehören, der dieses Gemeinsame, das wir haben, wieder spiegeln muss. Deshalb müssen Grundsätze entwickelt werden, um Schönheit und Funktion wieder zusammenzubringen. Und wenn wir nicht wissen wie es geht, müssen wir es eben lernen«.

Unterschiedliche Disziplinen, wie Verkehrs- und Grünplanung, Stadtplanung und Architektur müssen gemeinsam das Ziel haben eine identitätsstiftende Stadt zu bauen. Gelingt das, werden sich die Leute auch wieder wohler fühlen und Stadt besitzt wieder eine hohe Qualität. Oder, um mit den Worten von Jan Grehl zu sagen: »Schauen Sie, wie viele Kinder und alte Menschen auf Straßen und Plätzen unterwegs sind. Eine Stadt ist (…) dann lebenswert, wenn sie das menschliche Maß respektiert. Wenn sie also nicht im Tempo des Automobils, sondern in jenem der Fußgänger und Fahrradfahrer tickt. Wenn sich auf ihren überschaubaren Plätze und Gassen wieder Menschen begegnen können. Darin besteht schließlich die Idee einer Stadt«.

Bilder: Markus Eichelmann

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