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Interview mit Lars Krückeberg von GRAFT

Lars Krückeberg gründete 1998 das Büro GRAFT zusammen mit Wolfram Putz und Thomas Willemeit in Los Angeles. Die Planer haben zahlreiche nationale und internationale Preise gewonnen und internationale Beachtung erlangt. Aktuell beschäftigt GRAFT weltweit 100 Architekten und Designer.

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»Wir können viel verändern, wir müssen es nur richtig machen«

Rolf Mauer: Herr Krückeberg, das Zukunftsinstitut von Matthias Horx ruft die Neo-Ökologie als Megatrend und als großen gesellschaftlichen Änderungsprozess aus. Was ist Neo-Ökologie, was versteht man darunter?

Lars Krückeberg: Schöpfer dieses Begriffes ist Matthias Horx mit dem wir gemeinsam im Zukunftsinstitut forschen. Aus der Sicht der Architekten beschreibt dieser Begriff ein System, das eine neue und erstrebenswerte Ökologie nach dem Prinzip »Cradle to Cradle« des Chemikers Michael Braungart und des US-amerikanischen Architekten William McDonough beinhaltet. Alles was wir produzieren, ob dies ein Gebäude oder ein Möbel ist, bedarf eines Energieaufwandes, beeinträchtigt Lebensraum, verbraucht Ressourcen. Das ist einfach so. Ein Architekt muss manchmal zerstören, um etwas Neues zu schaffen.

Rolf Mauer: Das machen wir Architekten ja sehr konsequent.

Lars Krückeberg: Sie kennen vielleicht das sprichwörtliche Bild: Zwei Menschen schauen auf einen Baum. Der eine sieht Vergänglichkeit und Jahreszeiten. Der andere ist Architekt und sieht einen Tisch und einen Stuhl. Es geht darum, die Energie und das Material, welches man für die Verwirklichung seiner planerischen Ideen aufwendet als Teil eines großen Zyklus zu begreifen und ausschließlich Wertstoffe einsetzt, die in Zyklen funktionieren. Wenn man sich die Natur als Beispiel nimmt, erkennt man, dass es keinen Abfall gibt. Alles geht zurück in eine neue Wertstoffkette: Was zerfällt ist Grundlage für das Neue.

Je mehr es uns gelingt, Materialien zu verwenden, die anschließend Nährstoff für eine neue Wertschöpfungskette werden, haben wir nichts Falsches gemacht. Es geht nicht um Askese oder Verzicht. Wir können viel verändern, wir müssen es nur richtig machen. William McDonough sagt: Es reicht nicht, langsamer in die falsche Richtung zu gehen, es ist notwendig sich umzudrehen, um die richtige Richtung einzuschlagen.

Dabei treten wir nicht als Dogmatiker auf. Wir versuchen als Planer nach den Prinzipien von Cradle to Cradle zu arbeiten, was leider noch nicht in allen Phasen gelingt. Man agiert auch nicht allein auf dieser Welt, sondern steht in Abhängigkeiten. Die Gesellschaft muss in ihrer Gesamtheit einsehen, dass dies ein guter und machbarer Weg ist.

Der Architekt kann nur im Schulterschluss mit der Industrie agieren. Wenn die Industrie anfängt den Wertstoffgedanken aufzunehmen und entsprechende Materialien anzubieten, ist es für den Planer viel leichter, das Richtige auszuwählen. Wir von GRAFT sind überzeugt davon, dass Unternehmen über kurz oder lang nicht mehr am Markt existieren, wenn sie nicht begreifen, das Cradle to Cradle die Zukunft ist und die Menschen sich zukünftig nicht mit weniger zufrieden geben.

Rolf Mauer: Überfordern wir uns als Architekten nicht, wenn wir uns über das gestaltende Element hinaus auch zu den Themen Ökoeffektivität, Gebäudetechnik und zur Mobilität unserer Gesellschaft äußern?

Lars Krückeberg: Das glaube ich nicht. Wir leben in einer Zeit extremer Veränderungen und Herausforderungen. Nachdem wir Jahrzehnte erlebt haben, in denen das Wirkungsfeld des Architekten, nicht jedoch die Reputation, von Menschen beschränkt wurde, die verwalten und zählen, kommt uns diese Herausforderung gerade recht.

Wir sollten uns von dem Irrglauben verabschieden, alles selbst zu können und zu wollen. Wir müssen bereit sein Partnerschaften mit Menschen einzugehen, die über ergänzende oder detailliertere Kompetenzen verfügen. Das ist zum Bespiel vergleichbar mit dem Filmbusiness: Der Regisseur plant und realisiert den Film in einem großen Team. Der Architekt muss die gleichen Teamkompetenzen entwickeln und, dem Regisseur gleich, eine Vision des Ergebnisses vor Augen haben.

Rolf Mauer: Wie ökologisch können wir als Menschen sein? Wir sprechen doch über dieses Thema, weil wir uns offensichtlich nicht nachhaltig verhalten.

Lars Krückeberg: Unseren aktuellen Lebensstandard erhalten wir nur durch die Ausbeutung fossiler Energien. Hier ist ein Paradigmenwechsel notwendig. Als Optimist glaube ich, dass wir das schaffen.


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Dieser Artikel ist im neuen Magazin »massiv weiß« von KS* erschienen. Das 70-seitige Magazin zeigt inspirierende Beiträge über Architekturprojekte unterschiedlichster Bauaufgabe sowie Lösungen zur kreativen Wandgestaltung. Interviews mit Vordenkern sowie Berichte zum ökologischen und ökonomischen Bauen ergänzen den Inhalt.

Das kostenfreie Magazin »massiv weiß« steht »hier« zum Download als PDF bereit.

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Wolfram Putz, Thomas Willemeit und Lars Krückeberg von GRAFT
Fotograf: Ali Kepenek

 

 

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