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Warum Ihre kreative Idee hässlich sein darf

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Was bedeutet Design für Sie als Architekten? Wie soll ein Haus oder ein Innenraum gut »designt« sein, wenn Design offensichtlich schon im Frisörstudio mit Hair Design beginnt, beim Nail Design weitergeht und schließlich auch vor der Limited Design Edition von After Eight nicht Halt macht?
Sie sehen, worauf ich hinaus möchte: Als Architekt wird Ihnen tagtäglich ein hohes Maß an kreativer Leistung abverlangt. Mit Gestaltung im eigentlichen Sinne hat das jedoch oft nicht mehr viel zu tun. Der Begriff »Design« ist völlig falsch belegt und so verkommen Maschinenbauer, Produktdesigner und eben auch Architekten zunehmend zu »Aufhübschern« ihrer Produkte.
Ich möchte Sie deshalb mitnehmen auf einen kleinen Ausflug ins Land meiner kreativen Ideen. Glauben Sie mir, dort geht es nicht immer »schön« zu …

Sie sind doch so kreativ!
Wenn ich als Industriedesigner eine Kundenanfrage erhalte, dann lautet sie zunächst fast immer: »Bitte hübschen Sie unser Produkt auf. Sie sind doch so kreativ!« Diese Aussage kommt allerdings nicht nur einem Tritt auf den Schlips der Kreativbranche gleich, sie ist obendrein falsch.
Ein gutes Design hat nichts mit »Schönheit« zu tun – ob es sich nun um eine Industriemaschine, ein Auto oder ein Haus handelt. Es vermittelt stattdessen ein ganz bestimmtes Gefühl, in Ihrem Fall zum Beispiel Geborgenheit oder ein Heimatgefühl, das ein Kunde beim Anblick Ihres architektonischen Meisterwerks sofort verspüren und das seine Individualität widerspiegeln soll.

Ein Haus mit Gefühl
Dass das nicht ganz leicht ist, ist mir durchaus bewusst. Wie soll ein funktionales Reihenhaus oder eine praktische Maschine denn ein tolles Gefühl vermitteln? Der Kunde weiß beim ersten Anblick schließlich in aller Regel noch nichts oder zumindest nicht viel über die inhaltlichen Vorzüge des Produkts. Umso wichtiger ist selbstverständlich eine attraktive und zeitgemäße Erscheinung, sonst wird er nicht in Kauflaune geraten. Aber ist die Lösung nun, noch einen »schönen« Wintergarten und einen Erker an die puristische Hausfront zu klatschen? Oder noch eine »hübsch« geformte Wand in die Loftwohnung zu ziehen? Ich bezweifle es.
Denn schön ist letztlich, was gefällt. Und damit ein Design gefällt, kann es keine rein ästhetische Disziplin sein. Lassen Sie uns also auf andere Weise kreativ werden …

Schön oder wirklich gut?
Bevor ich ein Projekt übernehme, frage ich meine Kunden: »Was wollen Sie denn mit dem neuen Design erreichen?« Mir ist wichtig zu verstehen, welchen unternehmerischen Nutzen das attraktivere Produkt erfüllen soll. Denn eben diesen Nutzen muss anschließend mein kreativ erarbeitetes Design unterstützen.
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Einer meiner Kunden wünschte sich ein neues Design für seine Maschinen, um zu zeigen: Wir sind der innovativste Anbieter am Markt. Es galt also, die besonders innovative Technik seiner Maschinen auch außerhalb der Verkleidung sichtbar zu machen. Anstelle der standardmäßigen Schiebetüren, die 99 Prozent seiner Konkurrenz verwenden, integrierte ich mit meinem Unternehmen also eine bündig schließende Tür in seine Maschine – eine glatte Front, elegant gelöst und absolut innovativ in der Ausführung. Ob Sie die Maschine deshalb »schön« finden würden, bleibt nach wie vor Ansichtssache. Aber das Design ist allemal schön, wenn »schön« bedeutet, dass Sie sofort erkennen, dass dieses Produkt innovativ ist.

Sie sind dran
Auf diese Weise können Sie Ihr Produkt zum Sprachrohr machen. Vielleicht möchten Sie dokumentieren, dass Ihr Bauwerk besonders umweltfreundlich und nachhaltig angelegt ist – dann sollten Sie sich Gedanken über die Materialsprache machen. Vielleicht bietet sich Holz oder Glas an? Oder Sie möchten die Hochwertigkeit Ihres Gebäudes betonen – in dem Fall sind stimmige Details und eine anspruchsvolle Materialwahl ein geeignetes Mittel.
Was genau Ihnen hierzu Kreatives einfällt, das ist Ihre Domäne. Auf dem Gebiet der Architektur bin ich kein Experte. Doch dort gilt genauso wie im Industriedesign: Im Zentrum jeder kreativen Herausforderung steht der Nutzen, den Sie damit erzielen wollen.
Entsprechend ist ein kreatives Design dann gut, wenn es die Stärken, die Vorteile oder auch die herausstechende Besonderheit Ihres Produkts für den Kunden sichtbar macht – ob es nun im klassischen Sinne schön ist oder nicht.

Fotos: André Bakker

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Über den Autor
Jürgen R. Schmid lebt als renommierter Designer für individuelle und unkonventionelle Lösungen. Nicht erst seit er den weltberühmten Mini-Akkuschrauber erfunden hat. Seine Firma Design Tech ist ein international führendes Unternehmen für zielorientiertes Maschinendesign. juergen-schmid.de

 

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