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Burg Giebichenstein Halle Diplom Sommersemester 2009

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Innerhalb urbaner Ballungszentren nimmt der Zuwachs an Bewohnern und damit einhergehend der Anstieg von Außenreizen zu. Umso mehr steigt das Bedürfnis nach Orten der produktiven Ruhe, Einfachheit und unaufgeregten Besonderheiten.“ So beschreibt der Diplomand Johannes Albert seine grundsätzlichen Überlegungen, die ihn zu seiner jüngst abgeschlossenen Diplomarbeit an der Burg Giebichenstein in Halle inspirierten.

Ein stillgelegtes Stellwerk der Bahn, nahe des brandenburgischen Örtchens Großrössen, sollte umgenutzt werden. Das 13 Meter hohe, viergeschossige Gebäude mit dem markanten Dach bot den Wärtern durch das umlaufende Fensterband eine Rundumsicht auf die Bahnanlagen. Diesen verlassenen Ort, der als Landmarke weithin bekannt ist, möchte Johannes Albert in seiner Arbeit als Rückzugsort für „überreizte Großstädter“ umgestalten und plant den Kurztrip für Gestresste in eine moderne Einsiedelei.

 

Johannes Albert über das Nutzungskonzept seiner Diplomarbeit:Das stillgelegte Stellwerk, nahe einer archaisch dörflichen Umgebung, bietet einen unaufgeregten Ort, der jenseits großstädtischer Hektik, den Fokus auf die eigenen Themen der Besucher lenkt. Diese Eigenschaft bietet eine hervorragende Grundlage einen gestalteten Ort für urbane Querdenker, auf der Suche nach Inspiration, produktiver Ruhe und Abwechslung herzustellen. Inhaltlicher Kern der Neunutzung besteht in der Reduktion der alltäglichen Außenreize, die einhergehend mit dem Charakter der Umgebung, inspirierend und ordnend auf die Bewohner wirken soll.
Für Gruppen von bis zu acht Menschen entsteht ein Arbeits- und Wohnort für Treffen, Meetings und Workshops. Die Schwerpunkte der Nutzung liegen aufgrund der Abgeschiedenheit in einem entstehenden Wir-Gefühl der Besucher und erzeugen mit dem Erleben eines spannenden Raumgefüges eine ungehinderte Klar- bzw. Weitsicht.“


Johannes Albert sieht den Wärterraum mit seinem spektakulären Panoramablick als wichtigstes Element des Gebäudes – „The place to be“. Hier oben plant er den Arbeits- und Aufenthaltsraum für Großstadtflüchtlinge. Die darunter liegende bestehende Geschosseinteilung bricht er dafür völlig auf. Statt der drei Ebenen gibt es unter dem Panoramageschoss nur noch einen hohen Raum. Zehn Meter Höhe eröffnen sich dem Besucher des Stellwerkes, sobald er das Gebäude betritt. Durchbrochen wird die Leere von Stegen, die zu sieben Kuben führen. Diese Kuben durchstoßen die Fassade und stellen die Schlafplätze für die modernen Einsiedler dar. So könnten die Besucher über alle Ebenen miteinander kommunizieren, begründet Johannes Albert seine Idee. Die Kuben sind auch das verbindende Element zwischen Innenraum des Stellwerks und dem Außenraum. Die Schlafkojen sind in verschiedene Richtungen orientiert und sind die einzigen Belichtungsquellen für den Innenraum. Somit wird ein eher düsterer Innenraum geschaffen, den der Diplomand als Kontrast zum lichtdurchfluteten Wärterraum sieht.

Johannes Albert erläutert: „Tagsüber werden die Kuben durch natürliches Licht zum innengerichteten Leuchten gebracht, nachts dringt das Licht der Kuben als umgebungszugewandte Geste in die Landschaft.“

Damit sich die Ruhesuchenden vollkommen auf diesen meditativen Aufenthalt einstimmen können, sollen sie sich im Erdgeschoss von ihren persönlichen Sachen frei machen. Industriespinde nehmen die ablenkenden Alltagsutensilien auf, um anschließend die Besucher in die Höhe des Stellwerks – zu Muße und Kontemplation – steigen zu lassen.

Johannes Albert legt Wert darauf, dass die Bedürfnisse der Besucher zwar erfüllt würden, das Gebäude solle aber reduziert und minimal bleiben. Nichts dürfe die temporären Besucher von der Entspannung ablenken.

Ein interessanter Entwurfsgedanke, den der Diplomand verfolgt. Vor allem im Zusammenhang mit Team-Building-Events von Unternehmen denkbar: Eine Gruppe von Menschen, die optimal zusammen arbeiten sollen, könnten sich an einem Wochenende hier besser kennen lernen und zusammenwachsen. Eine Managerherberge statt Jugendherberge in der Wildnis. Nur in der Nacht dürfte es im Inneren nicht ganz so ruhig zugehen: Die offene Struktur wird für das Schnarchkonzert der geplagten Städter wohl einen guten Resonanzraum darstellen...

 

Projektdetails

Verfasser: Johannes Albert, Juni 2009

Hochschule: Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle

Studiengang: Innenarchitektur

Betreuer: Prof. Axel Müller-Schöll

Kontakt: johannesalbert (at) hotmail.com

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