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Bauen wir unsere Städte bedarfsgerecht?

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Bild: Erich Spahn

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Bild: Erich Spahn

Wohnen ist eines der zentralen Bedürfnisse des Menschen. Wie wir Menschen wohnen, ist jedoch nicht nur abhängig von den eigenen persönlichen Wünschen und oder den zur Verfügung stehenden finanziellen Möglichkeiten. Unsere Wohnsituation, und dazu gehören nicht nur die eigenen vier Wände, wird auch über gesellschaftliche Einflüsse definiert, sei es das die Politik eigene Rahmenbedingungen oder Vorgaben formuliert oder sich Lebens- und Arbeitsbedingungen ändern, die man nur bedingt steuern kann. Ein neuer Arbeitsplatz in einer fremden Stadt kann ganze Familien vor schwer lösbare Probleme stellen und Grund für Generationen übergreifende Konflikte sein.

Insbesondere Ballungszentren und Städte werden durch die zunehmende Urbanisierung vor große Herausforderungen gestellt, während ländliche Räume ungebremst veröden. Es ist die Aufgabe der Politik, den Wohnungsmarkt über geeignete Instrumente so zu lenken, das bundesweit bezahlbares Wohnen sowie wie ein attraktives, generationengerechtes Wohnumfeld entsteht. Es zeigt sich jedoch, dass der jeweilige Bedarf an Wohnraum durch eine kaum kalkulierbare Bevölkerungsdynamik faktisch nicht mehr ermittelbar ist. Binnenwanderung heißt das Phänomen, das für Wohnungsleerstände und Brachflächen in den von Abwanderung besonders betroffenen Städten und Gemeinden sorgt. Wohngegenden werden immer unattraktiver. Der Erhalt der Infrastruktur ist zunehmend schwerer zu finanzieren, die Angebote an Schulen, Kinderbetreuung und öffentlichem Nahverkehr werden eingeschränkt. Unsere hohen Baunormen, hochkomplexen Siedlungspläne, unsere berechtigten Anforderungen an die Wohnqualität haben uns unflexibel gemacht. Dennoch dürfen wir die in vielen Dekaden entwickelten Normen und Handlungsrichtlinien nicht generell in Frage stellen.

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Bild: Anja Wippich

Höhere Investitionen in den Wohnungsbau sind zwingend erforderlich. Wir brauchen einen Wohnungsbau für alle Einkommensgruppen. Wir müssen gezielt gemischte Quartiere bauen, denn Ghettos, egal ob es Reichen- oder Armenghettos sind, sorgen für die Probleme der Zukunft.

Das Bauen muss nicht nur, bei kürzerer Bauzeit, wirtschaftlicher werden. Es muss raumeffizienten und nachhaltigen Wohnungsbau ermöglichen, der sich langfristig und flexibel auf veränderte Nutzer- oder Betreiberwünsche anpassen lässt. Bislang war eine gesellschaftliche Hauptforderung, dass das Bauen ressourcenschonend sein soll. Jedoch greift diese Forderung zu kurz. Unsere neuen Gebäude müssen die Rohstoffquellen für kommende Generationen werden. Ganze Industrien müssen umdenken und ihre Wertschöpfungskette neu definieren.

Kernthema bei der Schaffung von neuem Wohnraum bei gleichbleibendem Erhalt der aktuellen qualitativen Ansprüche an Architektur und Wohnkomfort ist die Wirtschaftlichkeit. Vorgefertigte, ausschließlich regional hergestellte Baustoffe reduzieren die Bauphasen massiver, mehrgeschossiger Wohngebäude signifikant. Wir müssen das Bauen „serieller“ machen und mit wiederkehrenden Konstruktionen, Grundrisse und Ausstattungsmerkmale vereinheitlichen und zu serienreifen Modellen entwickeln. Das darf gleichzeitig nicht auf Kosten einer identitätsfördernden qualitativen Architektur geschehen. Auch der serielle Wohnungsbau lässt viel Freiheit für gute und kreative gedachte Wohn- und Stadträume.

In unseren Wohnungen verlangen wir zu Recht nach einer hohen Ausführungsqualität und zuverlässigen bauphysikalischen Leistungsfähigkeit. Wenn wir uns auf die Suche nach Baustoffen begeben, die unsere hohen Erwarten an einen qualitativen baulichen Schall- und Brandschutz erfüllen und zu einem wohngesunden Raumklima beitragen, kommen wir an der Massivbauweise nicht vorbei.

Auf der Suche nach regional hergestellten Baustoffen stößt man schnell auf den Kalksandstein. Der weiße Wandbaustoff besteht aus den rein natürlichen Rohstoffen Kalk, Sand und Wasser. Großformatige Kalksandsteine können durch eine maschinell gestützte Verarbeitung auf der Baustelle zu einer Optimierung des Bauprozesses beitragen. Durch schlanke Wandkonstruktionen, die der massive weiße Stein ermöglicht, fallen zudem in vielen Gewerken weniger Material- und Verarbeitungskosten an. Auf Maß vorgefertigte Wandbausätze können bedarfsgerecht zur sofortigen Montage just-in-time an die Baustelle geliefert werden. Mit den Steinen KS-QUADRO E lassen sich jederzeit nachinstallierbare und leicht entfernbare Elektroleitungen direkt in den mittig angeordneten Lochkanälen verlegen. Damit ist eine wichtige ökoeffektive Forderung erfüllt. Wenn wir unsere Neubauten nach dem System Cradle to Cradle bauen wollen und unsere Gebäude als Rohstoffquelle für kommende Generationen verstehen, müssen wir in der Planung und in der Gebäudeerstellung darauf achten, dass wir nur Materialien verwenden, die sich leicht voneinander trennen lassen. Module zur Wandtemperierung wie sie die Kalksandsteinindustrie anbietet, ermöglichen den Verzicht auf wartungsintensive Aggregate zur Beheizung oder Kühlung von Räumen. 

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Bild: Guido Erbring

Eine regionale Herstellung garantiert kurze Wege von der Planung über die Lieferung bis hin zur Ausführung. Dadurch lassen sich Arbeitsabläufe im gesamten Bauprozess logistisch aufeinander abstimmen. Da wir die Abbauflächen innerhalb unser eigenen Grenzen wissen, verlagern wir keine Verantwortlichkeit in andere Gesellschaften und politischen Systeme. Wir dürfen darauf vertrauten, dass wir die natürlichen Rohstoffe selbst fördern und Abbauflächen nach unseren eigenen Normen renaturiert werden. Wir können als von der Herstellung bis zur Wiederverwertung alles unseren hoffentlich gleichbleibend hohen moralischen und wirtschaftlichen Normen unterwerfen.

 

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