Anzeige AZ-A2-728x90
Start Innovation Fassade/Fenster Stiftung Vivendra in Dielsdorf von L3P Architekten

Stiftung Vivendra in Dielsdorf von L3P Architekten

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1609/l3p-architekten-01.jpg
 

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1609/l3p-architekten-02.jpg

Lernen - Wohnen - Arbeiten ist der Dreiklang, der die Stiftung Vivendra treffend beschreibt. Gegründet wurde die Einrichtung 1965 durch eine Elternvereinigung als »Stiftung Schulheim Dielsdorf für cerebral Gelähmte«. 1970 erfolgte die Eröffnung des Standorts Dielsdorf mit heilpädagogischer Schule, Internat, Therapien und Erwachsenenheim. 2011 wurde der Namenswechsel in »Stiftung Vivendra« vorgenommen. Davon unberührt blieb die Zielrichtung der Institution, nämlich die Betreuung zerebral (»das Großhirn betreffend«) gehandicapter Menschen jeden Alters, vom Kleinkind in der integrativ geführten Kindertagesstätte bis zur Alterswohngruppe. Heute ist die Einrichtung in vier Ortschaften im Zürcher Unterland tätig. Die Fassaden der Keimzelle der Stiftung in Dielsdorf wurden kürzlich umfassend saniert. Das Ergebnis beeindruckt durch langlebige und zukunftsträchtige Lösungen unter Wahrung der architektonischen Wurzeln.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1609/l3p-architekten-03.jpg

Die vier volumetrisch feinsinnig errichteten Gebäudeteile A bis D wurden wie erwähnt in der Übergangsphase von den 1960er zu den 1970er Jahren errichtet. Sie wiesen typische bauliche Merkmale der damaligen Zeit auf wie beispielsweise die Betonung der Horizontalen durch markant ausgebildete Fensterbänder oder zurückspringende Sockel sowie der Vertikalen in Form der Treppenhaus-„Scharten“ an den Stirnseiten. In den 1980 Jahren erfolgte dann eine erste eher provisorische Fassadensanierung: Als kleiner Beitrag zur Minderung energetischer Defizite wurde eine ca. 5 cm dicke Steinwolldämmung angebracht und mit Faserzement-Platten bekleidet. Rückblickend betrachtet ist diese Lösung sowohl technisch als auch optisch eher als suboptimal einzuordnen.

Um den unbefriedigenden Zustand zu ändern, begannen 2013 die Planungen für eine umfassende Fassadensanierung durch das Architekturbüro L3P Architekten unter Federführung von Mareike Beumer. Dieser Planung folgend, wurden dann von Herbst 2015 bis Sommer 2016 die Fassaden von drei der insgesamt vier Gebäude von Grund auf generalsaniert. Haus D folgt zu einem späteren, noch zu definierenden Zeitpunkt, da dort vorher noch umfassende Maßnahmen im Innenbereich durchgeführt und weitere Details abgeklärt werden müssen.

Bei dieser kürzlichen Generalsanierung gab es eine Reihe von Herausforderungen zu bewältigen. Eine Besonderheit war, dass das Mauerwerk - eine Art Stahlskelett mit Ausfachung - statisch nicht tragend genug war. Daher mussten Verankerung bzw. Lastabtrag der neuen Gebäudehülle über die Geschossdecken erfolgen. Diese Aufgabe wurde gelöst mit Hilfe von Konsolen mit verstellbaren Haltewinkeln, um so gleichzeitig abweichende Fassadentiefen zu egalisieren. Diese Konsolen bildeten die Grundlage für eine durchdachte Fassadenkonstruktion mit energetisch optimaler Dämmung in Richtung Wand und einem mehrschaligen Aufbau in Richtung Außenseite: Auf einer Holzlattung, die 4 cm Hinterlüftung schafft, wurde das »Knauf AQUAPANEL Cement Board Outdoor« verschraubt und darauf Fliesen verklebt.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1609/l3p-architekten-04.jpg

Die Fliesen stammen von der bekannten Architekturkeramikmarke Agrob Buchtal und wurden speziell für dieses Projekt im Werk Buchtal in Schwarzenfeld gefertigt. Architektin Mareike Beumer vom Büro L3P hatte diese Materialwahl sogar durch die Besichtigung historischer Fliesenfassaden in Hamburg abgesichert. Von den zahlreichen Vorzügen des vielseitigen Werk- und Baustoffs Keramik waren für sie besonders Nachhaltigkeit, Langlebigkeit, Ästhetik und Farb- bzw. Lichtechtheit relevant.

Diese Aspekte kommen in Dielsdorf gleich mehrfach zum Tragen: Das Gebäude-Ensemble ist eingebettet in eine parkähnliche Umgebung, die von Gästen und Bewohnern gerne genutzt wird für entspannende oder anregende Spaziergänge. Diese Pluralität menschlicher Charaktere und die Vielfalt der Stiftung Vivendra sollte sich auch in der Fassade widerspiegeln. Daher galt es, einen monoton-uniformen Eindruck zu vermeiden und stattdessen eine Anmutung zu finden, die - dem Handicap der Bewohner entsprechend - leise Reize erzeugt, ohne schrill zu wirken. Kurz gesagt bestand die Absicht darin, einen Sinnespark mit einem Hauch Poesie zu kreieren. Dieses anspruchsvolle Ziel unterstützt die Fassadenkeramik gleich mehrfach durch plastisch-dreidimensionale Formgebung, glänzende Glasur und subtil changierende Farbgebung: Je nach Lichteinfall und Standort vermitteln die Gebäudehüllen beim Schlendern durch den Park wechselnde Effekte, Eindrücke und sanfte Reflexionen, die die Blicke auf sich ziehen. Die erwähnte Pluralität wird auch dadurch unterstrichen, dass die beiden Formate 6 x 30 cm und 10 x 30 cm nicht streng regelmäßig, sondern in wechselnden Konstellationen angeordnet sind, so dass eine feine Rhythmik entsteht. Darüber hinaus korrespondieren die zwei Farbtöne der Fassadenkeramik mit der Umgebung und lassen die Gebäudekörper weniger voluminös und eher filigran wirken. Ein elementarer Beitrag dazu ist auch die Quer-Verlegung der Fliesen, die sogar um die Außenecken der Gebäude und Balkone schnüren, ohne durch Fremd-material wie Metallschienen oder ähnliches unterbrochen zu werden. Möglich gemacht wurde dies durch exakte Gehrungsschnitte, die wie die gesamten Fassaden-Bauleistungen von der Rolf Schlagenhauf AG ausgeführt wurden. Diese konsequente und homogene Lösung verleiht den Gebäuden eine souveräne monolithische Körperlichkeit und ist darüber hinaus eine Reminiszenz an die architektonischen Wurzeln durch die Betonung der Horizontalen.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1609/l3p-architekten-05.jpg

Gleiches gilt für die markant eingefassten Fenster, die sich als prominentes Band über die Längsseiten der Gebäude ziehen Um diesen Effekt zu akzentuieren und auch hier die dritte Dimension gezielt einzusetzen, ließ man die Tiefe der Fensterlaibungen durch die nun weiter vorspringende Konstruktion bewusst auf 50 cm anwachsen. Dies hat nicht nur Vorzüge an heißen Sommertagen, sondern projiziert je nach Tageszeit und Sonnenstand weitere Licht-Schatten-Spiele auf die Fassade. Ähnlich wie bei den Außenecken des Gebäudes legte man auch hier Wert auf Sorgfalt im Detail: Spezielle Zargen mit rund 5 cm Aufkantung betonen die Fensterreihen optisch, fassen die abgeschnitten Kanten der Fliesen sauber ein und verdecken zudem auch noch die ca. 25 x 30 mm großen Lüftungsauslässe, ohne deren Funktion zu beeinträchtigen.

Kompetente Planung, sorgfältige Verarbeitung und hochwertige Materialien ergeben ein Gesamtergebnis, das überzeugt: Hinter der geradezu futuristisch anmutenden Gebäudehülle verbirgt sich eine grundsolide, intelligente Konstruktion. Dieses gelungene Zusammenspiel bietet beste Voraussetzungen für Langlebigkeit, Rentabilität und dauerhafte Ästhetik ganz im Sinne einer einfachen, aber griffigen Definition, wonach »Architektur gebaute Umwelt von Menschen für Menschen ist«.

www.agrob-buchtal.de / www.l3p.ch / www.schlagenhauf.ch

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2016/1609/l3p-architekten-06.jpg

Wohngebäude »The White« von nps tchoban voss

Wohngebäude »The White« von nps tchoban voss

Das siebengeschossige Wohnhaus "The White" fügt sich in eine Reihe von Büro- und Gewerbebauten am ehemaligen Osthafen in Berlin ein. Bodenständig und dynamisch zugleich, ähnelt das weiße Gebäude einer Seeyacht am Anleger. Die großzügige Verglasung bietet weite Rundumblicke.

Kaffeebar von DIA – Dittel Architekten

Kaffeebar von DIA – Dittel Architekten

Für die Marke Primo Espresso entwarf und realisierte das Architekturbüro DIA – Dittel Architekten in Tübingen eine moderne Kaffeebar. Die durchgehende Glasfassade offenbart den Passanten eine warme Stimmung, die – in der Symbiose aus Licht und Material – Lust auf Kaffeegenuss machen soll.

Motel One München: Campus Restaurant von Ippolito Fleitz Group

Motel One München: Campus Restaurant von Ippolito Fleitz Group

Für das Münchner Hauptquartier der Hotelkette wurden das Konferenz- und Ausbildungszentrum, mehrere Büroetagen, die zentrale Lobby und ein öffentliches Restaurant gestaltet. Aufgabe war es, für alle Bereiche eine Designsprache zu finden, die zur Corporate Identity von Motel One passt und trotzdem ei...

Weitere Artikel:

Modernisierung des Pariser Louvre

Modernisierung des Pariser Louvre

Im Rahmen des Pyramid Project, wurde der Empfangsbereich des Louvre unterhalb der Pyramide in den Jahren 2014 bis 2016 umfangreich neu gestaltet. Die 1989 eröffnete Pyramide wurde ursprünglich für 4,5 Millionen Besucher pro Jahr entworfen und ein Vierteljahrhundert später nähert sich die Besucherzah...

Lösung für Kostenplanung, BIM und Abrechnung

Lösung für Kostenplanung, BIM und Abrechnung

Die mit dem BIM-Prozess verbundene Digitalisierung von Planen und Bauen kann zu einer erheblichen Steigerung der Wirtschaftlichkeit führen. Besonders im Bereich Kostenplanung und AVA ergeben sich Zeiteinsparungen, verbunden mit verringertem Fehlerrisiko und verbesserter Transparenz.

Quantensprung in der Dämmtechnik mit Glas

Quantensprung in der Dämmtechnik mit Glas

Die neue Isolierglas-Produktlinie »sedak isomax« hat einen U-Wert bis 0,23 W/m²K. Die Zweifach- oder Dreifach-Gläser gibt es in den für den Hersteller typischen Überformaten bis 3,2 x 16 Meter. Sie sind kombinierbar mit allen herkömmlichen Fassadensystemen. So lassen sich leicht Glasfassaden mit min...

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 GDC

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Der Newsletter der AZ/Architekturzeitung ist kostenlos und kann jederzeit unkompliziert abbestellt werden.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Der Gebäude-Energieberater
    Der Gebäude-Energieberater Ein junger Berufsstand und seine bewegte Geschichte: Gebäude-Energieberater lotsen Hauseigentümer durch den Regelungs- und Förderungsdschungel und sind wichtige Empfehler bei…

Modernisierung des Pariser Louvre

Modernisierung des Pariser Louvre

Im Rahmen des Pyramid Project, wurde der Empfangsbereich des Louvre unterhalb der Pyramide in den Jahren 2014 bis 2016 umfangreich neu gestaltet. Die 1989 eröffnete Pyram...

Lösung für Kostenplanung, BIM und Abrechnung

Lösung für Kostenplanung, BIM und Abrechnung

Die mit dem BIM-Prozess verbundene Digitalisierung von Planen und Bauen kann zu einer erheblichen Steigerung der Wirtschaftlichkeit führen. Besonders im Bereich Kostenpla...

Quantensprung in der Dämmtechnik mit Glas

Quantensprung in der Dämmtechnik mit Glas

Die neue Isolierglas-Produktlinie »sedak isomax« hat einen U-Wert bis 0,23 W/m²K. Die Zweifach- oder Dreifach-Gläser gibt es in den für den Hersteller typischen Überforma...

Modulares Oberlicht-System in einer schwedischen Berufsschule

Modulares Oberlicht-System in einer schwedischen Berufsschule

Nicht nur manche Schüler, auch das Schulgebäude des schwedischen Sågbäcksgymnasiet musste lange Zeit mit einem »Ungenügend« beurteilt werden: Dunkle Gänge, graue Wände un...

Alles im Blick mit extragroßen Profi-Monitoren für Architekten

Alles im Blick mit extragroßen Profi-Monitoren für Architekten

BenQ, der LED-Display-Experte, ergänzt seine Produktreihe für Architekten, Planer, Ingenieure und Designer um zwei neue, großformatige Modelle. Die Profi-Displays BenQ PD...

Flachdach-Notentwässerung: Gewappnet gegen Starkregen

Flachdach-Notentwässerung: Gewappnet gegen Starkregen

Regelmäßig auftretende Extremwetterereignisse mit Starkregen zeigen: Notentwässerung ist keine Ermessensfrage mehr, sondern ein Muss. Wir stellen drei Systeme zur Notentw...

Flexibler Wohnraum mit massiven Wänden

Flexibler Wohnraum mit massiven Wänden

Mit zunehmender Individualisierung von Lebensstilen und Haushaltsstrukturen, der demografischen Entwicklung wie auch der Urbanisation wachsen die Anforderungen an Wohnmod...

Die neue Datenschutz-Grundverordnung

Die neue Datenschutz-Grundverordnung

Die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die im Mai 2018 in Kraft tritt, wird weitreichende Auswirkungen auf Unternehmen und Bürger in Europa und weltweit haben. Doch ...

ORCA AVA – einfach loslegen

ORCA AVA – einfach loslegen

ORCA AVA ist ein Komplettprogramm zur Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung für das Kostenmanagement von Bauleistungen mit einer komfortablen Benutzerführung umgesetzt in...

Mehr Tür wagen

Mehr Tür wagen

Eine neue Innentür mit vollflächig geprägter Oberfläche bringt Bewegung in die Produktlinie der haptischen Innentüren. »Carisma« fängt da an, wo andere Innentüren aufhöre...

Weitere Artikel:


Anzeige AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.