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Do, Mai

Starkregen unterschätzt? Zukunftssichere Planung muss Klimafolgen einbeziehen

Bildnachweis: Symbolbild – KI-generiert

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Millionenschaden durch zu geringe Maßnahmen und zu langwierige Aktualisierung: Ein Starkregenereignis führte im rheinischen Bedburg zu Überflutungen und Schlammlawinen in mehreren Siedlungen. Dabei hatten Fachleute schon 2021 gewarnt. Diese Erfahrungen bieten wertvolle Hinweise für künftige, resilientere Planungen.

Die Ressourcenschutzsiedlung

Nördlich des rheinischen Braunkohlereviers liegt der Ort Bedburg. Am Nordrand des Ortsteils Kaster wurde auf ehemaligem Ackerland ein neues Wohngebiet erschlossen, die sogenannte Ressourcenschutzsiedlung. Sie basiert auf einem Konzept, das ressourcenschonende Baumaterialien und Bauweisen sowie eine nachhaltige Energieversorgung in den Fokus stellt.

Das ausgewiesene Baugebiet liegt jedoch in einer Senke mit einem fast wasserundurchlässigen Boden. Auf die sich daraus ergebenden Gefahren haben Geologen bereits in der frühen Planungsphase hingewiesen. Die Stadt folgte deren dringende Empfehlung und ließ ein Retentionsbecken errichten. So wurde für die anfallenden Regenwässer ein 630 m3 fassendes Versickerungsbecken mit einer Kiesrigole errichtet. Allerdings zeigte sich im September 2025, dass dieses Konzept an seine Grenzen stoßen kann – und zukünftig ganzheitliche Ansätze nötig sind.

Überflutung nach Starkregen

Ein Starkregenereignis traf die Menschen in ihren Neubauten völlig unvorbereitet. Aus dem nördlich gelegenen Waldstück schossen Sturzbäche und Schlammlawinen in die Siedlung, Häuser mussten evakuiert werden, in vielen stand das Erdgeschoss unter Wasser. Ein Anwohner errechnete, dass pro Minute rund 60.000 Liter auf sein Grundstück geflossen waren.

Dieses Ereignis zeigt: Planer und Bodengutachter sollten bei der Zukunftsplanung nicht nur punktuelle Lösungen wie Rückhaltebecken betrachten, sondern auch das umgebende Gelände, mögliche Wasserableitungen und bauliche Maßnahmen wie ein erhöhter Gebäudestand oder druckwasserdichte Abdichtungen im Keller- und Sockelbereich. Bereits kleine Anpassungen wie das Anheben um ein oder zwei Stufen können die Widerstandsfähigkeit erheblich erhöhen. Auch die planerische Abstimmung mit der Stadt, etwa zu Bebauungsplänen, Trauf- und Firsthöhen oder der Gestaltung der Geländeoberfläche, trägt dazu bei, künftige Schäden zu minimieren.

Woran lag es?

Später stellte sich heraus, dass das Rückhaltebecken deutlich unterdimensioniert war. Zwar hatte es nach der Ahr-Katastrophe eine komplette Neuberechnung der Überschwemmungsgefahr durch Starkregen für ganz Deutschland gegeben, inklusive detaillierter Überflutungskarten – doch die Stadt Bedburg war schlichtweg nicht schnell genug in der Umsetzung. Als der Regen kam, war die Verwaltung erst in der Ausschreibungsphase für die neuen Maßnahmen. Zu spät für die Anwohner, zu spät, um Millionenschäden zu verhindern.

Eine Chance für die Zukunft

Das Ereignis zeigt, dass Klimawandelfolgen keine Zukunftsrisiken, sondern aktuelle Planungsherausforderungen sind. Die Versicherungswirtschaft fordert schon seit Jahren ein klimaangepasstes Planen und Bauen, einen Baustopp in Überschwemmungsgebieten und einen Stopp der Flächenversiegelung.

Stadtplanungs- und Ingenieurbüros sind gemeinsam mit Bodengutachtern und Fachplanern mehr denn je gefordert, innovative Lösungen zu entwickeln, damit sich Neubaugebiete sicherer gestalten lassen.

Wichtige Maßnahmen können bereits in der frühen Planungsphase berücksichtigt werden: Kein Bau in Überschwemmungsgebieten, Reduzierung der Flächenversiegelung, Gebäudestand erhöhen, Keller- und Sockelbereiche druckwasserdicht gestalten, Geländeoberflächen und Wasserableitungen großflächig planen, Schutzwälle an kritischen Stellen errichten, digitale Simulationen von Starkregen einsetzen – all das sind Maßnahmen, die keinen großen Kostenaufwand erfordern und langfristig viel Sicherheit bieten. So können Kommunen, Planer und Bewohner gemeinsam eine klimafolgensichere Siedlung gestalten – proaktiv, positiv und lösungsorientiert.

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