25
Aug

Werner Sobeks Plusenergiehaus für Berlin

Projekte (d)

Das Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart ist beim Realisierungswettbewerb »Plusenergiehaus mit Elektromobilität« des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden. Der unter der Leitung von Werner Sobek in enger Zusammenarbeit mit weiteren Instituten der Universität entstandene Entwurf zeigt das Potenzial auf, das durch die energetische Verknüpfung von Wohnhäusern und Elektrofahrzeugen zukünftig entstehen kann. Erstere können weit mehr regenerative Energie erzeugen als sie benötigen und sorgen so für eine ausreichende energetische Versorgung der Elektrofahrzeuge. Die Speicherkapazitäten der elektrischen Batterien der Fahrzeuge wiederum führen zu positiven Synergieeffekten für die Architektur. Mit der Auszeichnung ist neben einer Preissumme von 15.000 Euro insbesondere die Realisierung des Entwurfs verbunden. Die Eröffnung des Forschungs- und Anschauungsobjekts auf dem Grundstück des BMVBS in Berlin ist für Mitte 2011 vorgesehen. Um Erfahrungswerte zu sammeln, ist geplant, dass es ein Jahr lang von einer Modellfamilie bewohnt wird.

Mobilität und Wohnen wachsen zukünftig immer mehr zusammen. Für Elektrofahrzeuge notwendige Ladeinfrastrukturen müssen in den Städten neu geschaffen werden. Im Konzept der Universität Stuttgart wird die Verbindung von Wohnen und Elektromobilität auf mehreren Ebenen herausgearbeitet und demonstriert. Schnittstellen ergeben sich hierbei in der Architektur, im Energiekonzept sowie ganz wesentlich über die Bewohner selbst. Um das Zusammenwachsen von Mobilität und Wohnen insbesondere auch der Öffentlichkeit näher zu bringen, ermöglicht der Entwurf die Einbindung der Besucher des Prototypen in die Technologien und die Architektur über ein mehrstufiges, interaktives Ausstellungskonzept. Architektonisch wird dies spektakulär verkörpert durch ein gläsernes »Showcase«.

Architektur und Energie
Das prämierte Konzept basiert auf einer horizontalen Dreiteilung in Plusenergiehaus, Energiekern und »Showcase«. Das Plusenergiehaus mit dem Energiekern könnte zukünftig aufgrund seiner flexiblen Raumplanung und Konstruktion als Einfamilienhaus in Breitenanwendung gebaut werden. Das Konzept zeigt zudem auf, dass Gebäude zukünftig so entworfen und konstruiert werden können, dass nach ihrer Nutzung ein sortenreines Recycling aller Baumaterialien problemlos möglich ist. Dies ist im Sinne einer nachhaltigen Baukultur und hinsichtlich schwindender Ressourcen ein weiterer wichtiger Aspekt. Durch die optimale räumliche Ausrichtung und die Optimierung der solaren Gewinne Richtung Süd-Ost bei gleichzeitiger Minimierung der Verluste Richtung Nord sowie der weitreichenden architektonischen Integration von Photovoltaik und Solarthermie wird mehr Energie produziert als zur Versorgung des Gebäudes und der Fahrzeuge notwendig ist. Diese zusätzliche Energie wird in das öffentliche Netz eingespeist und trägt zur Erhöhung des regenerativ erzeugten Anteils am Gesamtstrommix bei.

Das sogenannte »Showcase" ist speziell für den Prototypen konzipiert, der als Anschauungsobjekt in Berlin beim BMVBS entstehen wird. Es besteht zur Straßenseite hin aus einer offenen, ungedämmten Rahmenkonstruktion, die einen öffentlichen Raum anbietet, alle energetisch relevanten Komponenten rational organisiert und elegant zur Schau stellt.

Die Wettbewerbsarbeiten sind im Rahmen einer Ausstellung im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (Invalidenstraße 44, 10115 Berlin) vom 10. bis zum 23. November 2010 (Mo bis Fr., 12 bis 18 Uhr) zu sehen. Die offizielle Preisverleihung findet voraussichtlich im Rahmen des internationalen Kongresses »Nachhaltiges Bauen« des BMVBS auf der Messe Bau 2011 am 17. Januar 2011 in München statt.


Projektbeteiligte:
Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK), Universität Stuttgart
Prof. Werner Sobek, Michael Herrmann, Christian Bergmann, Thorsten Klaus

Fachberater:
Institut für Gebäudeenergetik (IGE), Universität Stuttgart
Prof. Michael Schmidt, Jörg Arold

Lehrstuhl für Bauphysik (LBP), Universität Stuttgart
Prof. Klaus Sedlbauer, Jan Paul Lindner

Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT), Universität Stuttgart
Prof. Dieter Spath, Florian Rothfuss, Florian Klausmann, Steffen Braun

Arbeitsgemeinschaft mit Planungsbüros
Werner Sobek Stuttgart
Petra Michaely, Christian Duder, Agatha Toth, Benjamin Springer

Werner Sobek GreenTechnologies
Dr. Heide Schuster, Viola Kosseda, Jürgen Schroth


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Außenraum

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Fassade

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Licht und Akustik spielen harmonisch zusammen. Die akustisch wirksamen Pads von Rossoacoustic setzen mit Farbe und Design Akzente an der Decke und nehmen Einfluss auf die gesamte Raumwirkung. Foto: Nikolaus Grünwald, Gerlingen

Einrichtung

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