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Apr

100 Höhenmeter aus Holz und Stahl

Projekte (d)

600 Kubikmeter Holz, davon 500 Kubikmeter Brettschicht-Holz, und 300 Tonnen Stahl wurden im Aussichtsturm verbaut

Im österreichischen Kärnten steht der höchste größtenteils aus Holz konstruierte Aussichtsturm der Welt. Technikzylinder und Antennenspitze eingerechnet, ragt er 100 Meter hoch in den Himmel. Vom ellipsenförmigen Grundriss ausgehend bilden zehn jeweils um 22,5 Grad versetzte Ebenen eine Schraubenform bis zur höchsten Besucheretage in knapp 71 Meter Höhe. Gebildet wird die Turmhülle von 16 Brettschichtholzstützen aus Lärche, die sich korbartig um das Treppenhaus und den zentralen Lift schließen. Zehn aus geschweißten Stahlkästen gebildete Ellipsen im Abstand von 6,40 Meter und 80 Diagonalstreben aus Rundrohren steifen die Konstruktion aus. Für den Besucher wirkt sie mit ihrer geschwungenen Taillierung schlank und leicht – trotz der Masse aus 600 Kubikmeter Holz und 300 Tonnen Stahl.

Das verbaute, PEFC-zertifizierte Holz stammt aus den nahe gelegenen Hohen Tauern. Der Entwurf stammt aus dem Wettbewerbsteam der Klagenfurter Architekten Klaura + Kaden + Partner und den Tragwerksplanern Lackner + Raml aus Villach. Den Beteiligten war früh klar, dass mit diesem Turm die Grenze der Leistungsfähigkeit des modernen Holzbaus ausgelotet wird. Doch der skulpturale Charakter und die beeindruckende Dimension in Verbindung mit dem großflächigen und massiven Einsatz von Holz waren schnell zur persönlichen Herausforderung geworden. Bereits die Vorarbeiten waren aufwändig: Der Turm wurde unter anderem maßstabsgetreu im Windkanal getestet, um die Träger statisch und wirtschaftlich optimal bemessen zu können.

Die Ebenen sind jeweils um 22,5 Grad versetzt
Der Turmrohbau ist bereits nach zwei Monaten Bauzeit fertig

Nach der Fertigstellung des 800 t-Betonfundaments, mittels acht Stahlankern 20 Meter tief im Fels gegründet, konnte die Arge Rubner-Zeman den Turmbau im Februar 2013 beginnen. Der Rohbau war schon nach zwei Monaten fertig, im Juni folgte bereits die Eröffnung.

Für die Tragwerksplanung war der konstruktive Holzschutz zentrales Thema

Die 48 melaminverleimten Einzelelemente (27 bzw. 13,5 Meter) wurden im Hinblick auf Robustheit, Langlebigkeit und Einheitlichkeit bei der Ausführung des Tragwerks in konstanter Dimension (144 x 32 Zentimeter) und je nach statischen Erfordernissen in den Festigkeitsklassen Gl28c, Gl28h und Gl32h ausgeführt. Eine stabverleimte Decklamelle verhindert Wassereintritt in die Blockfugen. So kann das unbehandelte Lärchenholz der oberflächlichen Bewitterung über Jahrzehnte standhalten. Für die Tragwerksplanung war der konstruktive Holzschutz schon im Entwurf zentrales Thema: So entstehen z. B. durch die schlangenförmige Anordnung der Stützen in vertikalen Ebenen sehr steile bis senkrechte Flächen, die dem Wasser keine dauerhaften Angriffspunkte bieten. Auch musste für die Fachwerksknoten – die Verbindung von Träger und Stahl – eine besondere konstruktive Lösung für den Holzschutz entwickelt werden. Darüber hinaus wurden dabei eine dauerhaft sichere Krafteinleitung ins Holz, einfache Montage und Wartung sowie Wirtschaftlichkeit berücksichtigt. Zum Einsatz kamen H-förmige Stahlprofile und Bolzen mit Innengewinde, die von Rubner Holzbau Ober-Grafendorf in der Vorfertigung eingefügt und mit Epoxidharz eingeklebt wurden. Diese Verbindungstechnik mit gleichzeitiger Versiegelung verhindert den Wassereintritt in die Knoten und schützt das Holz. Der Anschluss der Ringelemente und Diagonalstreben erfolgte zudem auf Abstand, so dass Feuchtigkeit automatisch von der Konstruktion abgeführt wird. Die exakte Vorfertigung und zeitgerechte Lieferung trug nicht nur wesentlich zum raschen Baufortschritt bei, sondern erleichterte es den Monteuren auch, alle Verbindungen auf der Baustelle fachgerecht und sicher auszuführen.

Panoramablick: Die höchste Besucheretage liegt in fast 71 Meter Höhe
Blick in die »Skybox« mit Glasfassade

Konzipiert ist der Turm für eine Nutzungsdauer von mindestens 40 Jahren. Das Basisgebäude mit Foyer, Ticketschalter, Shop und Restaurant wurde aus Gründen des Brandschutzes in massiver Bauweise ausgeführt. Vom Atrium aus gelangen Besucher über die 440 Stufen der Panoramatreppe oder den gläsernen Lift durch den Turm zu einer der drei Aussichtsplattformen. In diesen wurden 100 Kubikmeter Brettsperrholz aus Fichte verbaut. In der neunten und zehnten Etage schimmert die »Skybox«, ein witterungsgeschützter Raum mit Glasfassade, der für besondere Anlässe gemietet werden kann. Der Einstieg in die mit Bullaugen ausgestattete Röhre der integrierten Besucherrutsche liegt auf 52 Meter: Von hier geht es über eine Länge von 120 Meter in einer Spirale mit bis zu über 20 km/h abwärts zum Fuß des Aussichtsturms. Weit mehr als 100.000 Besucher jährlich soll die neue Attraktion in Kärnten anlocken.

Architekt: Klaura + Kaden + Partner, A-Klagenfurt, www.klaura-kaden.at
Tragwerksplanung: Lackner + Raml, A-Villach, www.lackner-raml.at
Holzbau: Rubner Holzbau, Ober-Grafendorf (Fertigung) u. A-Finkenstein (Projektabwicklung + Montage), www.holzbau.rubner.com

Stahlbau: Zeman, A-Wien, www.zeman-stahl.com
Bauherr: Pyramidenkogel Infrastruktur, A-Klagenfurt, www.pyramidenkogel-ktn.at

Baukosten: 8,0 Mio. Euro gesamt, Turm 4,5 Mio. Euro, Holz- und Stahlbau 3,0 Mio. Euro
Bauzeit: 5 Monate, davon Turmrohbau 2 Monate
Holzeinsatz: 500 m³ BSH (Lä), 100 m³ BSP (Fi)
Stahleinsatz: 300 t

Fotos: Rubner

Präzision von der Vorfertigung bis zur Endmontage der bis zu 27 Meter langen Träger
Geschweißte Stahlkästen und Rundrohre aus Stahl steifen die 16 Brettschichtholzstützen aus

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Zwei rampenartige, überdurchschnittlich groß dimensionierte geschwungene Treppenaufgänge erschließen die drei Geschosse vom Erdgeschoss bis zur erhaben Bibliothek. Foto: Reflexion AG

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Die Fassade des Hochhauses ist über feine Lisenen vertikal gegliedert.

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Bild 1: In Versuchsreihen mit Glasfliesen konnte das Österreichische Forschungsinstitut in Wien nachweisen, dass unter Fliesen eingedrungenes Wasser weder in Richtung eines Gefälles abfließt, noch sich über eine zweite Entwässerungsebene entsorgen lässt. Bild: OFI

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Bild: Lignotrend / Foto: Foto&Design, Waldshut-Tiengen

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Putzoberfläche an historischem Gebäude. Foto: Architekturzeitung

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Einsatz von Vakuum-Isolierglas im Neubau. Quelle: Schwarz Architekten/GlassX

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Die kleinen Keramikelemente sind auch aus größerer Entfernung anhand der flirrenden Spiegelungen erkennbar. Bildquelle: AGROB BUCHTAL GmbH / Jochen Stüber, Hamburg

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