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Aug

Pavillon am See von raeto studer architekten

Projekte (d)

Das Dorf Schmerikon ist so etwas wie der Gegenpol zu Zürich. Es liegt am oberen Ende des Sees, nahe der Mündung der Linth. Seit je her ein Warenumschlagplatz, verfügt die Gemeinde über ein intaktes, historisches Zentrum. Die Uferbebauung mit ihren markanten Giebelfronten wurde zwar im 19. Jahrhundert durch Aufschüttungen und die Bahnlinie vom See getrennt. Sie ist aber immer noch ein beliebtes Postkartensujet. Bis heute spielt die Lage am See eine wirtschaftliche Rolle: Es gibt in der Gemeinde eine Werft, und die Frachtroute für den ganz in der Nähe abgebauten, berühmten Bollinger Sandstein erfolgt zum Teil über das Wasser.

Der »Pavillon am See« von raeto studer architekten bildet den westlichen Abschuss zum Zürich-Obersee. Mit seiner Formensprache akzentuiert er die Lage und ihre umliegende Landschaft und
bereichert das Seeufer in Schmerikon.

Schmerikon liegt am Hang des Goldberges am Ufer des Zürichsees (Obersee). Die Gemeinde gehört mit rund 3‘500 Einwohnern und einer Fläche von 6 km2, hiervon ein Drittel Wasserfläche, zu den überschaubarsten Gemeinden im St. Galler Linthgebiet. Unmittelbar am Anfang des oberen Zürichsees gelegen, schmiegt sich das Dorf an den Südhang des Seerückens und geniesst damit viel Sonne und einen einmaligen Ausblick über die Schmerkner Bucht zum Mündungsbereich der Linth, dem unbebauten Ufer des Buechbergs bis weit den See hinunter bis zum Etzel und Seedamm.

Das Dorf Schmerikon ist so etwas wie der Gegenpol zu Zürich. Es liegt am oberen Ende des Sees, nahe der Mündung der Linth. Seit je her ein Warenumschlagplatz, verfügt die Gemeinde über ein intaktes, historisches Zentrum. Die Uferbebauung mit ihren markanten Giebelfronten wurde zwar im 19. Jahrhundert durch Aufschüttungen und die Bahnlinie vom See getrennt. Sie ist aber immer noch ein beliebtes Postkartensujet. Bis heute spielt die Lage am See eine wirtschaftliche Rolle: Es gibt in der Gemeinde eine Werft, und die Frachtroute für den ganz in der Nähe abgebauten, berühmten Bollinger Sandstein erfolgt zum Teil über das Wasser.

Der geschliffene, glatte Pavillonkörper mit dem weiss gefärbten Betonkleid wurde veredelt und eine Spezialfirma war für die zusätzliche Verarbeitung der Bindlöcher zuständig. Die minimalistische Gestaltung des Äusseren setzt sich im grosszügig dimensionierten Innenraum, dem Gastraum, fort. Zentrales Element bildet hier eine raumdominierende Theke aus den gleichen Werkstoffen wie die Aussenhülle. Die Innenböden sind aus geschliffenem, eingefärbtem Hartbeton. Eine Doppelbodenkonstruktion sorgt für die notwendige Hohlraumhöhe für Leitungen der kontrollierten Lüftung. Holzpfähle mit Holz von lokalen Bäumen wurden für die Fundation eingesetzt. Das Dach liegt auf den inneren Seidenflügelwänden auf und besteht aus einer Doppelschalenkonstruktion (Beton); die äussere Schicht ist 12 cm stark.
Der polygonale Körper entzieht sich dem Betrachter scheinbar, in dem er zwischen Wahrnehmungsmomenten verschiedener Fluchten oszilliert und erst auf den zweiten oder dritten Blick erfassbar wird. Damit gliedert sich der Bau in die Reihe bestehender Bauten des Büros ein: Grundsätzlich vertritt der Pavillon – wie alle Bauten von Raeto Studer Architekten Basel – die architektonische Prämisse, auf den Dialog mit dem Ort und den Prozess der Veredelung intensiv aber nicht prätentiös einzugehen. Und dabei eine Architektur bzw. Formensprache zu schaffen, die Irritationen schafft und mithin eine Auseinandersetzung mit dem Baukörper und seiner Verortung anregt. Ein Spiel mit Licht und Schatten, mit verschiedenen Winkeln, optischen Erscheinungen und Sichtbezügen, ein Durchdringen von Zuständen, Wirkungen, Erfahrungen – und damit eine Architektur als Gleichnis zum Erleben des eigenen Daseins.
Selbstbewusst wie ein Fels steht der Pavillon am Seeufer. Durch seine Föhnlage wird der Ort am Obersee an manchen Tagen von aufspritzendem Wasser heimgesucht. Diese Hochwasserzone bedingt eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegen solche Naturgewalten. Insofern waren Befestigungsbauten aus dem zweiten Weltkrieg, wie es sie an der Normandie als Relikte aus dieser dunklen Zeit noch gibt, eine bildliche bzw. gedankliche Inspirationsquelle hinsichtlich ihrer Robustheit gegenüber rauem Küstenwetter und stürmischen Wellen.
Bei schönem Wetter lockt eine Seeterrasse die Gäste des Restaurants mit dem Namen Pier 8716 (Postleitzahl von Schmerikon) nach draussen, bei Kälte finden rund dreissig Personen im abgewinkelten Lokal Platz, das sich mit einem grossen Fenster auf das Seepanorama öffnet. Der kompakte Restaurant-Pavillon mit einer Nutzfläche von 196 Quadratmeter und einem Gebäudevolumen von 890 Kubikmeter ergänzt und bereichert die aufwendig gestaltete Uferanlage.

Als Wohnort hat Schmerikon, am oberen Ende des Zürichsees, in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen. Die Gemeinde wird vom Durchgangsverkehr grossräumig umfahren; es gibt einen bequemen Anschluss an die Zürcher Oberlandautobahn, und der Bahnhof liegt an der Peripherie von Zürichs S-Bahnnetz. Der Verlauf der Gleise sorgt allerdings auch für eine Zweiteilung, welche die Siedlungsentwicklung mitbestimmte – auf der einen Seite die dicht besiedelte Wohnumgebung – auf der anderen Seite das offene Ufergebiet. Für dessen Neugestaltung war vor einigen Jahren ein Wettbewerb ausgeschrieben worden. Aufgewertet werden sollte dabei auch das Öffentliche Leben am Wasser. Die Idee eines eigentlichen Sommerangebotes mit Kiosk und Umziehkabinen für die Lidogäste transformierte bald zum Beschluss, in diesem einmaligen Panorama eine Genuss- und Begegnungsstätte für das ganze Jahr zu ermöglichen.

Der Basler Architekt Raeto Studer entwickelte mit Benjamin Theiler einen nah ans Wasser gestellten Pavillonkörper, der über Blickbezüge den Dialog mit der umliegenden Natur ermöglicht, der sich in seiner äusseren Erscheinung optisch an das im Hintergrund aufragende Bergmassiv anlehnt, der aber auch durch seine schillernde Form auffällt. Konsequent geht der Körper in seiner Stellung und seinem formalen Gebilde auf keinerlei vorherrschende städtebaulichen Strukturen der eigentlichen Siedlungsseite ein. Er steht zu nichts parallel oder orthogonal, vielmehr verfügt er über eine Architektursprache, die sich aus der Verortung mit dem losgelösten Kontext und der Weiträumigkeit entwickelt.

Das formale Gebilde kann dabei als skulptural blockartig umschrieben werden – eine Form, in der das Kantige durch seine weiten Winkel wegfällt. Es ist diese vieleckige Komposition, mit der die Unfassbarkeit und damit die Schönheit des Rätselhaften zustande kommen. Der polygonale Körper entzieht sich dem Betrachter scheinbar, in dem er zwischen Wahrnehmungsmomenten verschiedener Fluchten oszilliert und erst auf den zweiten oder dritten Blick erfassbar wird. Durch die verschiedenen Winkel wirkt das Volumen länger; es entsteht eine Horizontalität, je nach Lichteinfall eine beinahe flächige Erscheinung. Ein Körper, der sich mit den abgedrehten Seiten, mit seiner Mehrseitigkeit wie in den umliegenden Raum hineinfaltet.

Das Kamin setzt das Spiel mit den Fluchten in die Vertikalität fort. Als Teil des Volumens schafft es ein visuelles Gleichgewicht zum horizontalen Hauptkörper. Seine Position entwickelt sich aus dem Grundriss heraus und integriert sich in den einen von zwei Nebenraumbereichen, welche den eigentlichen Hauptraum, den sogenannten Gastraum, flankieren. Diese Nebenräume geben sich nach aussen geschlossen, enthalten inwendig aber überraschende Details wie etwa der mit natürlichem Zenitallicht ausgestattete Vorplatz zu den Garderoben. Die Garderoben verfügen über einen separaten Eingang. Jeweils raumbreite Glasschiebefronten belichten den durchlaufenden Gastraum, der sich zur Industrieseite hin verengt und mit seiner Öffnung zum See hin die Weite der Landschaft inszeniert. Hier kulminiert der Dialog mit der Aussicht. Hier öffnet sich der Blick auf die einmaligen Stimmungen des Obersees und auf das dahinterliegende Bergpanorama. Jede Wetterstimmung ist bis ins Raumzentrum spürbar und umgekehrt wirkt der Gastraum von aussen wie ein offenes Atrium. Aus der Geometrie des Kontextes generiert, bietet er ein schattenspendendes Dach im Sommer und einen wärmenden Schutz vor der Kälte im Winter und verfügt über eine offene Küche, die ebenso in ihrer minimalistischen Gestaltung überzeugt.

Die idyllische Parkanlage rund um den Pavillon und der als Boulevard gestaltete Uferweg mit Alleebäumen (gestaltet von den Landschaftsarchitekten Studio Vulkan) geben das passende Setting zu dieser bereichernden Einrichtung. Der Kleinbau am Wasser belebt sowohl die neugestaltete Uferanlage als künstlerisch-architektonischer Blickfang, aber auch als Ort der ganzjährlichen Einkehr für die Ausflügler am See.

Bilder: Ruedi Walti, Basel

- Projektwettbewerb 2005: 1. Preis
- Architektur: raeto studer architekten, www.raetostuder.ch
- Planung / Ausführung: 2012-2015
- Bauschaft: Ortsgemeinde Schmerikon
- Anlagekosten: CHF 1.9 Mio.
- GF SIA 416: 196 m2
- GV SIA 416: 890 m3
- Statik: prb Bauingenieure GmbH, Gränichen
- Landschaft: Schweingruber Zulauf Landschaftsarch. BSLA, Zürich. www.studiovulkan.ch


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Fotos: Hackl Hofmann Landschaftsarchitekten

Außenraum

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Der Schinkelplatz wurde 1837 von Peter Joseph Lenné entworfen und ist nach dem preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel benannt. Foto: Marcus Ebener

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Licht und Akustik spielen harmonisch zusammen. Die akustisch wirksamen Pads von Rossoacoustic setzen mit Farbe und Design Akzente an der Decke und nehmen Einfluss auf die gesamte Raumwirkung. Foto: Nikolaus Grünwald, Gerlingen

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Foto: St. Gertrud, Köln; Michael Rasche

Termine

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