19
Sep

Motorworld Köln mit integriertem V8 Hotel

Die ursprünglich mit Schiebetoren und nach dem Krieg mit Rolltoren versehene Fassade des in der Hauptgebäude-Achse stehenden Hangars wurde durch eine filigrane Glasfassade ausgetauscht. Die Gliederung orientiert sich an der Fassadenteilung durch die originären Tore. Foto: HG Esch

Projekte (d)

 

Am Butzweilerhof in Köln drehte sich fast ein Jahrhundert lang alles um die zivile oder militärische Luftfahrt. Durch die MOTORWORLD Group, der bekannte Investor und Projektentwickler für automobile Erlebniszentren mit integrierten V8 Hotels, erfährt der Butzweilerhof seit einem Jahr eine Umnutzung. Nach der denkmalgerechten Umbau- und Erweiterungsmaßnahme durch CIP Architekten Ingenieure steht in dem Architektur-Ensemble aus den 1940er Jahren und dem Hotel-Neubau das Automobil im Fokus.

Die vier Solitäre im Bestand wurden durch moderne eingeschossige Bauteile für verschiedene Nutzungen verbunden. Deren Glasfassaden springen unter dem raumgreifenden schwarzen Stahldach zurück. Foto: HG EschDie vier Solitäre im Bestand wurden durch moderne eingeschossige Bauteile für verschiedene Nutzungen verbunden. Deren Glasfassaden springen unter dem raumgreifenden schwarzen Stahldach zurück. Foto: HG EschDie vier Solitäre im Bestand wurden durch moderne eingeschossige Bauteile für verschiedene Nutzungen verbunden. Deren Glasfassaden springen unter dem raumgreifenden schwarzen Stahldach zurück. Foto: HG Esch
Die vier Solitäre im Bestand wurden durch moderne eingeschossige Bauteile für verschiedene Nutzungen verbunden. Deren Glasfassaden springen unter dem raumgreifenden schwarzen Stahldach zurück. Foto: HG Esch


In den Jahren 1911/12 auf dem Bauernhof Butzweiler zunächst als Fliegerstation angelegt, wo schon der Offizier und Jagdflieger Manfred Freiherr von Richthofen alias „Roter Baron“ 1915 seine Fliegerkarriere begann, entwickelte sich der erste zivile Kölner Flughafen schnell zum „Luftkreuz des Westens“. Bereits in den 1920er und 1930er Jahren stand die Bedeutung des Butzweilerhof als Luftverkehrsknotenpunkt Deutschlands an zweiter Stelle hinter Berlin-Tempelhof. Die berühmten Zeppeline der Friedrichshafener Luftschiffbau Zeppelin GmbH und auch die ersten Linienflugzeuge, die Berlin, Köln und Paris verbanden, hatten dort ihren Start- und Landeplatz. Nach Gründung der Deutschen Lufthansa 1926 nahm die rasante Entwicklung des Flughafens ihren Lauf.

An der neuen Fassade nimmt der Baukörper nun auf drei Etagen gläserne Einstellboxen zur Aufbewahrung wertvoller Kundenfahrzeuge auf. Foto: HG Esch
An der neuen Fassade nimmt der Baukörper nun auf drei Etagen gläserne Einstellboxen zur Aufbewahrung wertvoller Kundenfahrzeuge auf. Foto: HG Esch

Im Ausstellungshangar können Oldtimer bewundert werden. Eine als Galerie angelegte, an zentraler Stelle weit in die Halle kragende zweite Ebene bildet Raum für gläserne Werkstätten im Erdgeschoss. Auf der Galerie selbst ist die Michael Schumacher Private Collection ausgestellt. Foto: HG Esch
Im Ausstellungshangar können Oldtimer bewundert werden. Eine als Galerie angelegte, an zentraler Stelle weit in die Halle kragende zweite Ebene bildet Raum für gläserne Werkstätten im Erdgeschoss. Auf der Galerie selbst ist die Michael Schumacher Private Collection ausgestellt. Foto: HG Esch

Die denkmalgeschützten schlicht und zeitlos anmutenden Bestandsgebäude – wie dieses Nebengebäude zur Büronutzung – waren in Backsteinbauweise errichtet worden. Oberhalb ihrer Basaltsockel sind sie weiß verputzt. Foto: HG Esch
Die denkmalgeschützten schlicht und zeitlos anmutenden Bestandsgebäude – wie dieses Nebengebäude zur Büronutzung – waren in Backsteinbauweise errichtet worden. Oberhalb ihrer Basaltsockel sind sie weiß verputzt. Foto: HG Esch


Zur Schaffung höheren Komforts für den zivilen Luftverkehr bauten verschiedene Architekten 1935/36 ein Gebäude-Ensemble, das aus einem langgestreckten zweigeschossigen Hauptgebäude mit Empfangs- und Abfertigungshalle, einem eingeschossigen U-förmigen Betriebshof, zwei nahezu baugleichen Hangars mit Flächen von 34,8 mal 68,4 Metern und kleineren Nebengebäuden besteht. Die beiden als Ziegelbauten errichteten Hangars, deren Hallen mit Stahlfachwerkkonstruktionen überspannt sind, stehen in einem 90°-Winkel zueinander. Angegliedert an den an der Nordwestachse des Ensembles verorteten Hangar erhebt sich ein fünfgeschossiger Tower mit Glaskanzel im Dachgeschoss. Zusammen mit dem Rollfeld mit seiner 20 cm starken, nach dem Vorbild der Reichsautobahnen konstruierten Betondecke umfasst die Flughafenanlage 30.000 Quadratmeter Fläche.

Der im 90°-Winkel zu der Hauptgebäudeachse stehende Hangar erhielt ebenfalls eine Glasfassade, deren Gliederung die ehemaligen Torpositionen zum Vorbild hat. Die erhaltenen Stahlschiebetore finden in den originalen Parktaschen dauerhaft Platz. Der Innenraum blieb unverändert. Dort sorgt 80 Jahre alte Patina für besonderen Flair. Foto: HG Esch
Der im 90°-Winkel zu der Hauptgebäudeachse stehende Hangar erhielt ebenfalls eine Glasfassade, deren Gliederung die ehemaligen Torpositionen zum Vorbild hat. Die erhaltenen Stahlschiebetore finden in den originalen Parktaschen dauerhaft Platz. Der Innenraum blieb unverändert. Dort sorgt 80 Jahre alte Patina für besonderen Flair. Foto: HG Esch

Bis zu 4.000 Personen finden Platz im Event-Hangar, der eine Fläche von 34,8 mal 68,4 Metern einnimmt. Foto: HG Esch
Bis zu 4.000 Personen finden Platz im Event-Hangar, der eine Fläche von 34,8 mal 68,4 Metern einnimmt. Foto: HG Esch


Denkmalgeschützte Bestandsbauten zu erlebbarem Gebäudekontinuum zusammengefasst

Mit einer denkmalgerechten Umbau- und Erweiterungsmaßnahme erfuhr das jahrelang leerstehende, seit 1988 denkmalgeschützte Ensemble nun eine Umnutzung. Nach der Vorgabe der MOTORWORLD fassten CIP Architekten die Bestandsbauen zu einem erlebbaren Gebäudekontinuum zusammen, das ein von der MOTORWORLD betriebenes autoaffines Dienstleistungs-, Event- und Erlebniszentrum rund um das Automobil aufnimmt. Ein auf die Mauern des ehemaligen Betriebshofs aufgesetzter Neubau mit Atrium ergänzt die MOTORWORLD Köln zudem um ein Hotel mit Themenzimmern, in denen sich selbstverständlich ebenfalls alles um das Automobil dreht.

Durch die Bestandswände geschobene, später mit Glasscheiben versehene stählerne Kuben trennen im ersten Obergeschoss einen Vip-Bereich von der Event-Halle ab und schaffen gleichzeitig Transparenz. Foto: HG Esch
Durch die Bestandswände geschobene, später mit Glasscheiben versehene stählerne Kuben trennen im ersten Obergeschoss einen Vip-Bereich von der Event-Halle ab und schaffen gleichzeitig Transparenz. Foto: HG Esch

Ein Neubau mit Atrium ergänzt das Ensemble Butzweilerhof um ein Hotel mit Themenzimmern, in denen sich selbstverständlich alles um das Automobil dreht. CIP Architekten Ingenieure setzten den Kubus auf die Mauern des ehemaligen Betriebshofs. Foto: HG EschEin Neubau mit Atrium ergänzt das Ensemble Butzweilerhof um ein Hotel mit Themenzimmern, in denen sich selbstverständlich alles um das Automobil dreht. CIP Architekten Ingenieure setzten den Kubus auf die Mauern des ehemaligen Betriebshofs. Foto: HG Esch

Aufgrund der voll umschließenden Streckmetallfassade ist die Geschossigkeit des neuen Kubus außen nicht ablesbar. Form und Fassade verleihen dem Gebäude Dominanz. Foto: HG Esch
Aufgrund der voll umschließenden Streckmetallfassade ist die Geschossigkeit des neuen Kubus außen nicht ablesbar. Form und Fassade verleihen dem Gebäude Dominanz. Foto: HG Esch


Durch moderne eingeschossige Bauteile mit unter raumgreifenden schwarzen Stahldächern zurückgesetzten Glasfassaden ergänzen die Architekten die dominante strenge Architektur der klassischen Moderne und geben den vier verschiedenen Gebäuden nun einen Zusammenhalt. Die flachen monolithischen Dächer schieben sich unter die Regenrinnen der Bestandsbauten und unterstützen damit deren Primärfunktion und Mächtigkeit innerhalb der architektonischen Hierarchie. Die neuen Bauteile kontrastieren die einfachen weiß verputzten Baukörper und die Basaltelemente, mit welchen deren Sockel ausgebildet sind.

Filigrane Glasfassaden ersetzen die Stahltor-Fassaden der Hangars

Den Auftakt in die Motorworld bildet der die Gebäudeachse abschließende Hangar mit angegliedertem Tower, denn hier finden sich ein großes Oldtimer-Zentrum und die größte Ausstellung mit Original-Exponaten von Michael Schumacher. Die stählernen Schiebetore sind nach dem Krieg durch Rolltore ersetzt worden. Da sie somit nicht Bestandteil des Originalzustands des Gebäudes waren, konnten sie bei der Umbaumaßnahme in Abstimmung mit dem Denkmalamt entfernt werden. Die Architekten ersetzen die Fassade durch eine filigrane Glasfassade, deren Gliederung nach dem Vorbild der Fassadenteilung durch die nicht mehr vorhandenen originalen Tore erfolgte. An der neuen Fassade nimmt der Baukörper nun auf drei Etagen gläserne Einstellboxen auf, in denen wertvolle Sammlerfahrzeuge aufbewahrt und ausgestellt werden können. Eine neu errichtete zweite Ebene, die an drei Seiten als Galerie ausgebildet wurde und sich von der rückwärtigen Fassade zentral in den Hangar schiebt, schafft Raum für die Ausbildung gläserner Werkstätten im Erdgeschoss. Die Galerie selbst ist Ausstellungsort für die Michael Schumacher Private Collection, die auf knapp 1.000 Quadratmetern dessen Original-Rennfahrzeuge, Pokale und Motorsport-Accessoires zeigt.

Die Erschließung der 110 Gästezimmer des Motorworld V8 Hotel erfolgt über ein viergeschossiges Atrium, das unten mit einer Glasdecke und oben mit einem Glasdach abschließt. Foto: HG Esch
Die Erschließung der 110 Gästezimmer des Motorworld V8 Hotel erfolgt über ein viergeschossiges Atrium, das unten mit einer Glasdecke und oben mit einem Glasdach abschließt. Foto: HG Esch


Der um 90° versetzt stehende Hangar wurde in vergleichbarer Intervention ebenfalls mit einer filigranen Glasfassade versehen. Hier waren die originären Stahlschiebetore, mit denen sich der Hangar komplett zu einer lichten Weite von 57,5 Metern hatte öffnen lassen, noch vorhanden.

Dazu waren die Tore in die dafür vorgesehenen Parktaschen an den Gebäudeseiten verschoben worden. Diese Vorrichtung machten sich CIP Architekten beim Umbau der Gebäudestirn zunutze, indem sie den Toren Permanent-Parkplätze zuwiesen. Damit konnte ein wesentliches Element der Gebäudetypologie erhalten werden.

Sogar die Wahl der Ausbaumaterialien im V8 Hotel ist automobilaffin. Beim Boden handelt es sich um einen extrem hart befahrbaren Belag, der für Parkhaussanierungen entwickelt wurde. Die weißen Linien verweisen auf Städte-Destinationen. Foto: HG Esch
Sogar die Wahl der Ausbaumaterialien im V8 Hotel ist automobilaffin. Beim Boden handelt es sich um einen extrem hart befahrbaren Belag, der für Parkhaussanierungen entwickelt wurde. Die weißen Linien verweisen auf Städte-Destinationen. Foto: HG Esch


Dieser zweite Hangar, dessen Innenraum beim Umbau mit all seiner Patina der letzten 80 Jahre, mit seinen Backsteinwänden und dem Stahltragwerk komplett im Originalzustand erhalten blieb, wird als Eventfläche für eine Maximalbelegung mit 4.000 Personen genutzt. Hier hat die Moderne einzig in Form modernster Technik Einzug gehalten. Durch die Bestandswände geschobene, abschließend mit Glasscheiben versehene stählerne Kuben trennen im ersten Obergeschoss einen Vip-Bereich von der Halle ab und schaffen gleichzeitig Transparenz.

Schwebender Kubus für das V8 Hotel dominiert mit Form und Fassade

Über dem ehemaligen Betriebshof erhebt sich der aufgesattelte Hotel-Neubau, dessen Name V8 für die Hotelmarke der MOTORWORLD steht. Eine Glasfuge zwischen den Mauern des Bestandsgebäudes und dem neuen metallischen Kubus, dessen Viergeschossigkeit aufgrund einer voll umschließenden Streckmetallfassade außen nicht ablesbar ist, lässt den Baukörper scheinbar schweben. Form und Fassade verleihen dem Neubau eine Dominanz, die ihn in Konkurrenz zu den Bestandsbauten stellt. Die Erschließung der 110 Hotelzimmer erfolgt über ein Atrium, das unten mit einer Glasdecke und oben mit einem Glasdach abschließt. Großflächige, über alle Geschosse reichende Bilder nächtlich befahrener Straßen stellen eine optische Verbindung zwischen der MOTORWORLD mit ihren Exponaten und den automobilaffinen Themenzimmern her. In voller Höhe erschließen sich die Bilder dem Gast beim Verlassen seines Zimmers mit Blick zu der gegenüberliegenden Galerie.

Die Rezeption des Motorworld V8 Hotel ist das Bindeglied zwischen Hotelzimmern, Lobby, Frühstücksbar, einem Shop und dem Restaurant Abacco. Es bindet auch das Hauptgebäude aus dem Bestand an, das im nächsten Schritt zu einem Kongresszentrum umgebaut wird. Foto: HG Esch
Die Rezeption des Motorworld V8 Hotel ist das Bindeglied zwischen Hotelzimmern, Lobby, Frühstücksbar, einem Shop und dem Restaurant Abacco. Es bindet auch das Hauptgebäude aus dem Bestand an, das im nächsten Schritt zu einem Kongresszentrum umgebaut wird. Foto: HG Esch


 

Für die Zimmer gestalteten CIP Architekten weiche geschwungene Formen, die an die Kotflügel von Oldtimern denken lassen. Die Explosionsgrafik eines V8 Motors sowie Reproduktionen originaler Konstruktionszeichnungen von Oldtimern zieren die Decken und laden den Hotelgast zur detaillierten Rezeption ein.

In den dezent gestalteten Zimmern erinnern weiche, geschwungene Formen an die Kotflügel von Oldtimern. Mit der Reproduktion originaler Konstruktionszeichnungen an den Decken kann der Gast sein technisches Wissen rund um das Automobil erweitern. Foto: HG Esch
In den dezent gestalteten Zimmern erinnern weiche, geschwungene Formen an die Kotflügel von Oldtimern. Mit der Reproduktion originaler Konstruktionszeichnungen an den Decken kann der Gast sein technisches Wissen rund um das Automobil erweitern. Foto: HG Esch

Im Erdgeschoss des V8 Hotels gibt es fünf Car-Suites, in denen der Gast und sein Auto den Tag gemeinsam ausklingen lassen. Durch eine raumhohe Innenverglasung hat er sein Lieblingsfahrzeug stets im Blick. Foto: HG Esch
Im Erdgeschoss des V8 Hotels gibt es fünf Car-Suites, in denen der Gast und sein Auto den Tag gemeinsam ausklingen lassen. Durch eine raumhohe Innenverglasung hat er sein Lieblingsfahrzeug stets im Blick. Foto: HG Esch


Der denkmalgeschützte Butzweilerhof mit angrenzendem städtischen Park stellt heute das Zentrum eines städtebaulich neu erschlossenen Gebiets mit Reihenhäusern und Geschosswohnungsbau sowie Gewerbeeinheiten dar. Mit dem Umbau in die MOTORWORLD ist es gelungen, eine 30 Jahre lang ungenutzte historische Gebäudeanlage inmitten einer neuen Wohnlandschaft zu revitalisieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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