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So, Apr

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Neubau für Molekulare Biologie von Fritsch + Tschaidse Architekten

Startschuss für die molekulare Biologie: Einer der Entwürfe, der bereits aus dem Architekturwettbewerb als Sieger hervorgegangen ist, wird nun zu einer baureifen Planung weiterentwickelt. Urheber: Fritsch + Tschaidse Architekten

Projekte (d)

Am Campus Poppelsdorf in Bonn rückt ein Bauvorhaben in die nächste Phase, das weit mehr sein soll als ein weiteres Institutsgebäude. Nach Abschluss des Vergabeverfahrens für den Neubau des Instituts für Molekulare Biologie der Universität Bonn, kurz ImBIG, beginnen nun die konkreten Planungen. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen, BLB NRW, setzt das Projekt gemeinsam mit Fritsch + Tschaidse Architekten aus München um. Deren Entwurf hatte sich bereits im vorausgegangenen Architekturwettbewerb unter den bestplatzierten Arbeiten behauptet. Damit ist der Weg für einen Forschungsbau frei, der den Standort nicht nur baulich ergänzt, sondern den Campus in seiner Struktur neu sortieren soll.

Neubau des ImBIG soll verstreute Biologie-Institute zusammenführen

Nach Darstellung der Beteiligten geht es bei dem Projekt um mehr als neue Labor- und Arbeitsflächen. Der Neubau soll hochmoderne Bedingungen für Forschung und Lehre schaffen, gleichzeitig aber auch ein Problem lösen, das an vielen gewachsenen Hochschulstandorten bekannt ist: Institute liegen verteilt, Wege sind lang, Austausch entsteht eher zufällig als systematisch. In Bonn sollen deshalb die bislang auf verschiedene Orte verteilten Institute der Fachgruppe Biologie an einem Standort zusammengeführt werden.

Gerade dieser Gedanke dürfte für den Campus Poppelsdorf entscheidend sein. Wo Forschung enger zusammenrückt, verändern sich meist nicht nur Laufwege, sondern auch Routinen, Begegnungen und am Ende mitunter sogar die Art, wie Wissenschaft betrieben wird. Der nun weiterverfolgte Entwurf hatte die Jury nach Angaben des BLB NRW schon im vergangenen Jahr vor allem durch seine präzise städtebauliche Einbindung, die funktional durchdachten Raumstrukturen und eine Architektur überzeugt, die Forschung, Lehre und Begegnung gleichermaßen tragen solle. Der technische Niederlassungsleiter des BLB NRW in Köln, Michael Neuß, wertet den Neubau demnach als wichtigen Baustein für die Weiterentwicklung des Campus Poppelsdorf, weil er den Standort ordne, die Vernetzung stärke und verlässlichere Rahmenbedingungen für Forschung schaffe.

Blick ins Innere des künftigen Institutsgebäudes: Ein großer Innenhof fungiert als grüne Mitte und bietet Raum für Begegnungen. Urheber: Fritsch + Tschaidse Architekten
Blick ins Innere des künftigen Institutsgebäudes: Ein großer Innenhof fungiert als grüne Mitte und bietet Raum für Begegnungen. Urheber: Fritsch + Tschaidse Architekten

Campus Poppelsdorf bekommt einen offenen Mittelpunkt

Städtebaulich ist der Bau als kompakter, viergeschossiger Körper angelegt, dessen Zentrum ein großzügiger Innenhof bildet. Dieser Hof soll als grüne Mitte funktionieren und Raum für Begegnungen öffnen. Solche Innenräume klingen in Planungsunterlagen oft ein wenig zu glatt, können im Alltag aber tatsächlich viel ausmachen. Nicht jedes Gespräch entsteht im Seminarraum, und nicht jede Idee kündigt sich an. Manchmal reicht ein Weg über den Hof, ein kurzer Halt zwischen zwei Terminen, ein zufälliges Treffen am Rand eines Arbeitstags.

Zum zentralen Campusplatz hin öffnet sich das Gebäude mit einem klar gefassten Haupteingang. Nach Angaben der Projektpartner soll der Neubau damit auch die Qualität des öffentlichen Raums stärken und als verbindender Baustein im Campusgefüge wirken. Das ist ein hoher Anspruch, aber keiner, der aus der Luft fällt. Hochschulbauten müssen heute eben mehr leisten als bloße Unterbringung. Sie sollen Forschung ermöglichen, Orientierung geben und nebenbei auch noch freundlich aussehen. Ganz schön viel verlangt für Beton, Glas und Grundrisse.

Nachhaltigkeit ist eingeplant, bewähren muss sie sich später

Auch ökologisch setzt der Entwurf nach Angaben von Universität und BLB NRW deutliche Akzente. Vorgesehen sind begrünte Dächer sowie klimaresiliente Freianlagen, die Regenwasser nach dem Schwammstadt-Prinzip aufnehmen, speichern und später wieder verdunsten lassen. Das soll die Kanalisation entlasten, den Schutz vor Starkregen verbessern und Trockenphasen abmildern. Nachhaltigkeit wird damit in der Planung nicht als schmückender Zusatz behandelt, sondern als tragender Bestandteil eines Gebäudes, das auf lange Nutzungsdauer und Anpassungsfähigkeit ausgelegt ist.

Universitätsrektor Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch betont nach Angaben der Hochschule, mit dem Neubau investiere die Universität gezielt in die Zukunft des Campus Poppelsdorf. Gemeint sei eine Infrastruktur, die exzellente Forschung und Lehre stütze, zugleich aber auch den Austausch über Fachgrenzen hinweg erleichtere. Ebenso wichtig sei der Universität, dass das Gebäude von Beginn an energieeffizient, ressourcenschonend und klimaresilient gedacht werde. Ob diese Ansprüche später im Betrieb vollständig eingelöst werden, wird sich freilich erst zeigen, wenn aus dem Entwurf ein belebtes Haus geworden ist. Zwischen architektonischer Absicht und alltäglicher Nutzung liegt bekanntlich oft ein ganz eigener Realismus.

Der Neubau (Modell Mitte) wird auch städtebaulich ein weiterer wichtiger Baustein für den Campus Poppelsdorf. Urheber: Fritsch + Tschaidse Architekten
Der Neubau (Modell Mitte) wird auch städtebaulich ein weiterer wichtiger Baustein für den Campus Poppelsdorf. Urheber: Fritsch + Tschaidse Architekten

BLB NRW verweist zum Jubiläum auf seine Rolle im Land

Der Zeitpunkt der Entscheidung fällt in ein Jahr, in dem der BLB NRW auf sein 25-jähriges Bestehen verweist. Nach eigenen Angaben hat sich der Landesbetrieb in diesem Vierteljahrhundert zu einem großen Immobiliendienstleister entwickelt und ist Eigentümer sowie Vermieter eines sehr großen Teils der Landesliegenschaften. Rund 4.000 Gebäude mit einer Mietfläche von etwa 10,3 Millionen Quadratmetern gehören demnach zum Portfolio. Hinzu kommen Aufgaben in Entwicklung, Planung, Bau, Modernisierung, Bewirtschaftung und Verkauf komplexer Immobilien. Auch zivile und militärische Baumaßnahmen des Bundes in Nordrhein-Westfalen werden im Rahmen des Bundesbaus durch den BLB NRW geplant und umgesetzt.

Für Bonn ist der ImBIG-Neubau damit nicht bloß ein weiteres Projekt in einer langen Liste. Der Bau markiert einen Eingriff in die Ordnung des Campus, in die Arbeitsweise der Biologie und, ein wenig pathetisch gesagt, auch in die Vorstellung davon, wie Wissenschaft räumlich gedacht werden soll. Vieles daran klingt ambitioniert, manches fast selbstverständlich. Aber gerade solche Vorhaben entscheiden oft erst im Detail, ob aus Planung wirklich ein lebendiger Forschungsort wird.


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