21
Aug

A-House in Dublin – Beton, der Stoff aus dem Wohnträume sind

Projekte (d)
Lebt man gerne in einem Haus, dessen Inneres ganz aus Beton besteht? Ist das eine angenehme Wohnatmosphäre nicht nur für Architekturenthusiasten, sondern auch für deren Kinder?

»Mitnichten!« werden die Betonkritiker sagen. Für sie ist dieses Material aus Zement, Kies und Wasser nicht der Stoff aus dem ihre »Häuslebauerträume« sind. Beton fühle sich kalt an, sei ungemütlich und steril. In dieser tristen Umgebung wohnen, ohne Tapeten an den Wänden? Für sie schier unmöglich.

Auf der Gegenseite stehen die Architektur- und Designverliebten. Beton, das Lieblingsmaterial der modernen Baukunst, seine Einfachheit und Klarheit fasziniert sie. Grau ist in ihren Augen kein Synonym für Eintönigkeit und trübe Stimmung, sondern wirke anmutig und nobel. Sie berühren gerne die feine Oberfläche von geschliffenem oder das spröde Äußere von rau geschaltem Beton. Gäbe man ihnen die Möglichkeit in ein solches Haus einzuziehen, sie würden wohl nicht lange zögern.

Die zweite Meinung vertreten vermutlich auch die Architekten des irischen Büros FKLarchitects. Sie hatten den Auftrag für eine fünfköpfige Familie in einem Stadtteil von Dublin ein Wohnhaus zu bauen, das großzügige, offene Gemeinschaftsflächen bietet, sich flexibel an unterschiedliche Wohnbedürfnisse anpassen lässt und private Rückzugsäume für Kinder und Eltern bietet. Sichtbetonscheiben bilden das Tragwerk für ihr Konzept und bestimmen die Atmosphäre im Inneren des Gebäudes. Die Architekten entwarfen im Erdgeschoss einen offenen Grundriss, der Küche, Ess- und den Familienbereich aufnimmt. Ein klarer, freier Raum, der nur durch den Küchenblock und große raumteilende Schränke gegliedert wird. Diese »öffentlichen« Flächen setzen sich im Obergeschoss zum Teil fort. Über eine Treppe in dem zweigeschossigen, schlauchartigen Luftraum gelangt man in die obere Etage. Der Luftraum ist als verbindendes Element konzipiert, der den offenen Raum im Erdgeschoss mit dem offenen Arbeitsbereich im Obergeschoss verknüpft und damit einen fließenden Raum über zwei Ebenen schaffen soll. Außerdem sorgt er für Blickbeziehungen zwischen den Geschossen und versorgt die unteren Räume mit zusätzlichem Licht. Die Kinderzimmer und das Elternzimmer im Obergeschoss sind hingegen als geschlossene private Bereiche gestaltet.


Zur Betonung dieses offenen und klaren Grundrisskonzepts haben sich die Architekten bewusst in der Wahl der Materialien zurückgehalten. Das Haus besteht aus glatten durchgehenden Sichtbetonwänden und -decken, ergänzt durch Einbauten aus Holz. Die hölzernen Türen und Schränke sollen einen weichen und warmen Kontrast zu dem kühlen grauen Beton darstellen.
Die Außenfassade hingegen zeigt sich im Gegensatz zum Innenraum nicht in Betonoptik. Auf einer Holzrahmenunterkonstruktion wurden dunkelgraue Paneele befestigt, die die Betonfassade vollständig verkleiden.

Aber wie ist wohl das Wohngefühl in diesem Haus, das die Familie seit 2008 bewohnt? Kalt und unbehaglich oder doch spannend und reizvoll? Wahrscheinlich von beidem etwas. Faszinierende Licht- und Schattenspiele an den glatten Wänden, das ungewohnte Material, das vielmehr aus Museums- und Bürobauten bekannt ist, lassen ein Haus entstehen, das alles andere als ein spießiges Einfamilienhaus ist. Der Beton betont das offene Raumkonzept ungemein.

Ein geradliniges, schnörkelloses Haus für eine Familie ist entstanden, das alle Raumbedürfnisse erfüllen kann. 
Die Bilder und ein genauer Blick auf den Grundriss lassen allerdings vermuten, dass das Innere tatsächlich etwas dunkel geraten sein könnte. Die Nord-Süd-Ausrichtung, die zum Teil schmalen Fenster können den Innenraum an trüben Tagen trist erscheinen lassen. Die Räume können so schnell gedrungen und bedrückend wirken. Abhilfe sollen zwar die Oberlichter schaffen, aber trotzdem werden einige dunkle Ecken und Nischen entstehen, die mit viel künstlichem Licht – vor allem in den Kinderzimmern – ausgeleuchtet werden müssen.

Vielleicht trügt dieser Eindruck, vielleicht haben die Kritiker aber in diesem Fall mit ihrer Meinung vom ungemütlichen Betonhaus Recht. Man hätte sie aber möglicherweise überzeugen können mit einer anderen Art der Architekturfotografie.

FKLarchitects, www.fklarchitects.com

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Fotos: Hackl Hofmann Landschaftsarchitekten

Außenraum

Models begrüßen die Besucher der Designers‘ Open. Foto: Tom Schulze

Menschen

Der Schinkelplatz wurde 1837 von Peter Joseph Lenné entworfen und ist nach dem preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel benannt. Foto: Marcus Ebener

Fassade

Regionaltechniker Daniel Fecke

Unternehmen

Licht und Akustik spielen harmonisch zusammen. Die akustisch wirksamen Pads von Rossoacoustic setzen mit Farbe und Design Akzente an der Decke und nehmen Einfluss auf die gesamte Raumwirkung. Foto: Nikolaus Grünwald, Gerlingen

Einrichtung

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