22
Jul

A-House in Dublin – Beton, der Stoff aus dem Wohnträume sind

Projekte (d)
Lebt man gerne in einem Haus, dessen Inneres ganz aus Beton besteht? Ist das eine angenehme Wohnatmosphäre nicht nur für Architekturenthusiasten, sondern auch für deren Kinder?

»Mitnichten!« werden die Betonkritiker sagen. Für sie ist dieses Material aus Zement, Kies und Wasser nicht der Stoff aus dem ihre »Häuslebauerträume« sind. Beton fühle sich kalt an, sei ungemütlich und steril. In dieser tristen Umgebung wohnen, ohne Tapeten an den Wänden? Für sie schier unmöglich.

Auf der Gegenseite stehen die Architektur- und Designverliebten. Beton, das Lieblingsmaterial der modernen Baukunst, seine Einfachheit und Klarheit fasziniert sie. Grau ist in ihren Augen kein Synonym für Eintönigkeit und trübe Stimmung, sondern wirke anmutig und nobel. Sie berühren gerne die feine Oberfläche von geschliffenem oder das spröde Äußere von rau geschaltem Beton. Gäbe man ihnen die Möglichkeit in ein solches Haus einzuziehen, sie würden wohl nicht lange zögern.

Die zweite Meinung vertreten vermutlich auch die Architekten des irischen Büros FKLarchitects. Sie hatten den Auftrag für eine fünfköpfige Familie in einem Stadtteil von Dublin ein Wohnhaus zu bauen, das großzügige, offene Gemeinschaftsflächen bietet, sich flexibel an unterschiedliche Wohnbedürfnisse anpassen lässt und private Rückzugsäume für Kinder und Eltern bietet. Sichtbetonscheiben bilden das Tragwerk für ihr Konzept und bestimmen die Atmosphäre im Inneren des Gebäudes. Die Architekten entwarfen im Erdgeschoss einen offenen Grundriss, der Küche, Ess- und den Familienbereich aufnimmt. Ein klarer, freier Raum, der nur durch den Küchenblock und große raumteilende Schränke gegliedert wird. Diese »öffentlichen« Flächen setzen sich im Obergeschoss zum Teil fort. Über eine Treppe in dem zweigeschossigen, schlauchartigen Luftraum gelangt man in die obere Etage. Der Luftraum ist als verbindendes Element konzipiert, der den offenen Raum im Erdgeschoss mit dem offenen Arbeitsbereich im Obergeschoss verknüpft und damit einen fließenden Raum über zwei Ebenen schaffen soll. Außerdem sorgt er für Blickbeziehungen zwischen den Geschossen und versorgt die unteren Räume mit zusätzlichem Licht. Die Kinderzimmer und das Elternzimmer im Obergeschoss sind hingegen als geschlossene private Bereiche gestaltet.


Zur Betonung dieses offenen und klaren Grundrisskonzepts haben sich die Architekten bewusst in der Wahl der Materialien zurückgehalten. Das Haus besteht aus glatten durchgehenden Sichtbetonwänden und -decken, ergänzt durch Einbauten aus Holz. Die hölzernen Türen und Schränke sollen einen weichen und warmen Kontrast zu dem kühlen grauen Beton darstellen.
Die Außenfassade hingegen zeigt sich im Gegensatz zum Innenraum nicht in Betonoptik. Auf einer Holzrahmenunterkonstruktion wurden dunkelgraue Paneele befestigt, die die Betonfassade vollständig verkleiden.

Aber wie ist wohl das Wohngefühl in diesem Haus, das die Familie seit 2008 bewohnt? Kalt und unbehaglich oder doch spannend und reizvoll? Wahrscheinlich von beidem etwas. Faszinierende Licht- und Schattenspiele an den glatten Wänden, das ungewohnte Material, das vielmehr aus Museums- und Bürobauten bekannt ist, lassen ein Haus entstehen, das alles andere als ein spießiges Einfamilienhaus ist. Der Beton betont das offene Raumkonzept ungemein.

Ein geradliniges, schnörkelloses Haus für eine Familie ist entstanden, das alle Raumbedürfnisse erfüllen kann. 
Die Bilder und ein genauer Blick auf den Grundriss lassen allerdings vermuten, dass das Innere tatsächlich etwas dunkel geraten sein könnte. Die Nord-Süd-Ausrichtung, die zum Teil schmalen Fenster können den Innenraum an trüben Tagen trist erscheinen lassen. Die Räume können so schnell gedrungen und bedrückend wirken. Abhilfe sollen zwar die Oberlichter schaffen, aber trotzdem werden einige dunkle Ecken und Nischen entstehen, die mit viel künstlichem Licht – vor allem in den Kinderzimmern – ausgeleuchtet werden müssen.

Vielleicht trügt dieser Eindruck, vielleicht haben die Kritiker aber in diesem Fall mit ihrer Meinung vom ungemütlichen Betonhaus Recht. Man hätte sie aber möglicherweise überzeugen können mit einer anderen Art der Architekturfotografie.

FKLarchitects, www.fklarchitects.com

Anzeige AZ-GC1-728x250 GAS

Fotos: Serge Ferrari/Fotograf Cédric Widmer

Projekte (d)

Albert Kahns Fabrikarchitektur wurde früh zum Wahrzeichen der industriellen Massenproduktion.Foto: FH Münster/Fachbereich Architektur

Fachliteratur

Blick von der Zufahrt auf die Südfassade von Schloss Kummerow.

Fassade

Robotergesteuerte Super Spacer Applikation bei XXL-Isolierglaseinheiten. Foto: Rene Müller

Fassade

Makroaufnahme des Prototypen des innovativen Sonnenschutzes: Durch Spannung entstehen Öffnungen, die Licht durchlassen. Fotografin: Sandra Junker / TU Darmstadt

Fassade

Der Gewinnerentwurf des neuen Technologie-Zentrums auf dem Gelände der Firmenzentrale von Giesecke+Devrient stammt vom Architektenbüro HENN. Quelle G+D

Projekte (d)

Der Klinkerpavillon ist das neue Wahrzeichen vor dem Ausstellungszentrum des Hagemeister Ziegelwerks. Mit einer Verbindung aus Ziegel, Carbontextil sowie Betonmörtel konnte eine tragfähige „Schale“ mit einer weiten Auskragung realisiert werden. Foto: Karl Banski

Hochbau

Berg- und Talstation sind mit Annexbauten ausgestattet, die dem Besucher einen Zusatz an Komfort bieten. Die Mittelstation hingegen ist sehr puristisch, was den Blick freigibt auf die schöne Glaskonstruktion. Foto: Glas Marte

Fassade

Das von der Bausparkasse Schwäbisch Hall ins Leben gerufene und durch Deutschland tourende Wohnglück-Smarthaus soll zeigen, wie komfortabel es sich auf 25 Quadratmetern lebt. Eines der ausgewählten Produkte ist das WASHLET RX von TOTO. Das zeitlos-elegante Design, wie es für das japanische Unternehmen TOTO charakteristisch ist, ist für kleine Grundrisse geradezu prädestiniert. Auf Komfort muss nicht verzichtet werden – im Gegenteil. Foto: Studioraum

Gebäudetechnik

Die neue Stadtvilla greift die Elemente einer klassischen Gründerzeitvilla bewusst auf und interpretiert sie neu. Foto: Udo Schönewald

Hochbau

Mit der Versiegelung StoCryl BF 750 ermöglicht StoCryl BF 700 eine rutschhemmende Oberfläche und somit sichere Begehbarkeit. Bild: StoCretec

Innenausbau

Anzeige AZ-C1a-300x250 R8

Anzeige AZ-C1b-300x600 R8
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen