25
Aug

Wohnen am Hang mit Blick auf die Rheinebene

Projekte (d)
Am Westhang des Odenwaldes befindet sich das kleinste Weinbaugebiet Deutschlands. Im milden Klima der Hessischen Bergstraße gedeiht so manches gute Tröpfchen. Aber die steilen Hänge bieten nicht nur den Reben gute Bedingungen. Zahlreiche Orte ziehen sich entlang des Tales und erklimmen auch die Steillagen. Auch wenn der Weg nach oben ziemlich schweißtreibend sein kann, wird man für die Mühe belohnt. Denn von den Hängen der Bergstraße bieten sich atemberaubende Ausblicke in die Oberrheinische Tiefebene.

An solch einem Hang, auf einem ehemaligen Weinberg in Zwingenberg, hat das Darmstädter Büro ruby³ architekten vier Doppelhäuser geplant und gebaut. Massiv und strahlend weiß mit betont schwarzen Fensterrahmen bilden sie ein Ensemble, das sich von der heterogenen umgebenden Bebauung stark abgrenzt. Zwischen stattlichen Villen aus dem beginnenden vorigen Jahrhundert, öden Einfamilienhäusern der 70er und 80er Jahre und vereinzelter neuer Architektur betuchter Unternehmerfamilien stehen die in klarer, schnörkelloser Ästhetik errichteten Gebäude. Sie wirken fast wie Außenseiter, ein bisschen unpassend in diesem Wohngebiet. Aber kann man überhaupt in dieses Baustilgemisch moderne Architektur integrieren, ohne dass sie wie ein Fremdkörper wirkt?

Die Architekten von ruby³ haben ihre Antwort gefunden. So wie jedes Jahrzehnt diese Umgebung mit der entsprechenden Bauweise geprägt hat, sind die neuen Wohnhäuser eine Fortführung der Geschichte dieses Wohngebiets. In ihrer sachlichen, funktionalen Gestalt, angelehnt an die Formensprache des Bauhauses, stehen sie für zeitgemäßes Wohnen und passen so als Vertreter heutiger Baukunst eben doch in die umgebende Stilmelange.

Ihre Ideen vom modernen Wohnen setzten die Darmstädter Architekten auch konsequent  im Inneren der Doppelhäuser fort. Offene Grundrisse, großflächige Verglasungen und vielfältige Blickbeziehungen zwischen Innen und Außen prägen die innere Gestaltung. Fließend gehen die einzelnen Bereiche und Ebenen ineinander über.

Das Erdgeschoss ist dem Zusammensein der Familie gewidmet. Miteinander reden, das gemeinsame Essen und Kochen stehen im Mittelpunkt. Ober- und Untergeschoss bieten die privateren Rückzugsräume. Hier befinden sich die Schlafräume der Eltern und Kinder, jeweils mit einem eigenen Bad, damit sich morgenmuffelige Dispute über lange Badaufenthalte gar nicht erst entwickeln können.

Auf die Frage, wen denn die Architekten im „Keller“ wohnen lassen möchten, die Eltern oder die Kinder, antwortet der Büroinhaber von ruby³, Rüdiger Ruby, mit einer eigenen Philosophie: Das Haus sei in seiner Aufteilung nie statisch zu sehen. Die ganze Familie solle sich in ihrem Refugium bewegen, darin leben. So könne er sich vorstellen, dass mal die Kinder, mal die Eltern im Ober- oder Untergeschoss wohnten. Wie ein Rotationsprinzip. Ganz nach Lust und Laune oder im Einklang mit den unterschiedlichen Lebensphasen der Bewohner. Auch im Erdgeschoss sei deshalb Platz für ein „Kinderzimmer“. Das offene Grundrissprinzip erlaube auch nachträglich Innenwände einzuziehen oder zu entfernen. Außerdem würden Teenager sowieso freiwillig irgendwann nach unten ziehen, um ihre Ruhe vor den Eltern zu haben, sagt Ruby.

Auffallend bei den vier Häusern am Hang ist aber nicht nur die offene Gestaltung der Ebenen, die übrigens in jedem der acht Doppelhaushälften unterschiedlich ist, sondern auch die reduzierte Verwendung von Materialien im Inneren. Ein dunkles Eichenholzparkett in jedem Geschoss, weiß verputzte Wände, großformatige steingraue Fliesen in den Bädern und eine puristische Treppe aus Stahl und Holz runden die klare Architektur auch im Inneren ab.

Um die Verknüpfung mit dem Außenraum herzustellen, haben die Darmstädter Architekten vielfältige intro- und extrovertierte Freiräume individuell für jedes Wohnhaus geschaffen. Terrassen, Balkone sowie Innenhöfe erweitern, je nach Tages- und Jahreszeit, den Wohnraum. Außerdem hat jedes Haus durch die Lage am Hang von zwei Ebenen direkten Zugang zum Garten.

Nicht zu vergessen ist natürlich der fesselnde Ausblick auf das Rheintal. Ein Privileg, das aber im Moment nur den oberen Häusern des Ensembles beschieden ist. Sie können ungestört jeden Tag dieses herrliche Panorama genießen. Die Bewohner der unteren Häuser schauen auf die gegenüberliegende Nachbarbebauung. Die Häuser seien aber so flexibel angelegt, betonen die Architekten, dass auch die unten am Hang liegenden Gebäude mit einer Dachterrasse erweitert werden könnten. Damit hätten dann alle Häuser Aussicht bis in die Pfalz.

Wohnfläche: 1340 m²
BRI: 5530 m³
Bauzeit: 02.2008 bis 12.2008

ruby³ architekten, www.ruby3.de

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Fotos: Hackl Hofmann Landschaftsarchitekten

Außenraum

Models begrüßen die Besucher der Designers‘ Open. Foto: Tom Schulze

Menschen

Der Schinkelplatz wurde 1837 von Peter Joseph Lenné entworfen und ist nach dem preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel benannt. Foto: Marcus Ebener

Fassade

Regionaltechniker Daniel Fecke

Unternehmen

Licht und Akustik spielen harmonisch zusammen. Die akustisch wirksamen Pads von Rossoacoustic setzen mit Farbe und Design Akzente an der Decke und nehmen Einfluss auf die gesamte Raumwirkung. Foto: Nikolaus Grünwald, Gerlingen

Einrichtung

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