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Apr

OMA baut die vertikale Stadt

Projekte (d)
Im Jahre 1998 entwarf das Office for Metropolitan Architecture (OMA), die renommierte Architekturschmiede des Pritzker-Preisträgers Rem Koolhaas, das spektakuläre Hochhaus „De Rotterdam“. Mehr als eine Dekade später können die Architekten nun die Schubladen der Planschränke wieder aufziehen, die Zeichnungen hervorkramen und den Staub runter pusten, denn das Projekt soll jetzt realisiert werden. Bereits im Dezember 2009 werde der erste Spatenstich für den Multifunktionswolkenkratzer erfolgen, verkündeten vor kurzem stolz die beiden Projektentwickler Bouwfonds MAB und OVG.

Der Entwurf sieht drei Türme aus gegeneinander verschobenen Kuben auf einem breiten Sockel vor, die direkt am Wasser im alten Rotterdamer Hafendistrikt Wilhelminapier stehen werden. Gewaltige 150 Meter ragen die gestapelten Riesenbauklötze in die Höhe und werden 155.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche zur Verfügung stellen. Damit entwickelt OMA das größte Gebäude der Niederlande, eine Stadt in der Vertikalen, die alles bieten wird, was der moderne Mensch so braucht: attraktive Büroräume, luxuriöse Appartements, ein Hotel, Konferenzsäle, Fitnesscenter, Geschäfte, Restaurants und Cafés. Alles geballt an einem Ort. Rem Koolhaas äußert sich entzückt zu dem überraschenden Entschluss, das Hochhaus in diesen defizitären Zeiten zu realisieren: „Es ist ein Wunder, dass mit dem Bau endlich begonnen wird. Einer der positiven Aspekte der Finanzkrise ist der Preisverfall bei Materialien und am Bau, was Langzeitprojekten wie diesem neue Energie gegeben hat.“ Das Konzept des „De Rotterdam“ sei darauf ausgerichtet, das Pulsieren des Hafenviertels, in dem früher eine lebhaft-spannende Mischung aus Handel, Transport und Freizeit geherrscht habe, wieder aufleben zu lassen. 

Der Bau der Türme ist Teil der städtebaulichen Weiterentwicklung des Rotterdamer Kop-van-Zuid-Projekts, einem neuen Stadtteil zwischen der bekannten Erasmusbrücke, der Nieuwe Maas und dem Stadtzentrum. Das Wilhelminapier soll das Aushängeschild des Kop van Zuid werden. Nach dem Masterplan von Norman Foster entsteht hier ein Viertel, das sich thematisch an der Zeit der Auswanderung nach Amerika orientiert. Von hier aus starteten die Schiffe der Holland-Amerika-Linie, die mehr als eine Million Auswanderer nach Nordamerika und später auch Australien brachten. Straßen und Gebäude tragen die Namen der Schiffe, die hier vor Anker gingen. Auch das „De Rotterdam“ wurde nach einem Schiff der Holland-Amerika-Linie benannt.

Die Architekten von OMA planen das Hochhaus zwar als eigenständige Stadt in der Stadt, legen aber besonderen Wert auf dessen aktive Integration in das Hafenviertel. So werden sich in dem zum Wasser ausgerichteten Sockel Nutzungen für die Öffentlichkeit sowie die Empfangsbereiche der Büros und des Hotels befinden. Von dieser großen Verkehrsfläche aus verteilen sich die Gebäudenutzer nicht nur in die drei Türme, sondern hier sollen sie sich auch mit anderen Rotterdamern mischen. In und vor dem „De Rotterdam“ soll der Herzschlag des Hafenviertels rund um die Uhr zu spüren sein.

Einen wuselnden Ameisenhaufen in avantgardistischer Verkleidung entwickeln Koolhaas und sein Team. 340 Millionen Euro wird der Wolkenkratzer kosten und bereits 2013 fertig gestellt sein. Ein Prestigebau in dem ehrgeizigen Entwicklungsprojekt Kop van Zuid, der im Stadtmarketing sicher eine große Rolle spielen wird. Schließlich wird man das größte Gebäude der Niederlande besitzen. Schon etwas Besonderes in einem sonst so flachen Land. Bleibt nur abzuwarten, ob das Gebäude in diesen Dimensionen tatsächlich realisiert wird oder ob die Finanzkrise nicht doch noch eine größere Rolle spielt.


Projektdetails
Ort: Rotterdam, Niederlande, ehemaliges Hafengebiet Wilhelminapier

Auftraggeber: De Rotterdam CV, The Hague (Bouwfonds MAB/OVG)

BGF: 155.000 Quadratmeter für Büros, Hotel, Restaurant, Kongress, Appartements, Geschäfte, Fitnesscenter, Parkplätze

Bilder: Office for Metropolitan Architecture (OMA)

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Zwei rampenartige, überdurchschnittlich groß dimensionierte geschwungene Treppenaufgänge erschließen die drei Geschosse vom Erdgeschoss bis zur erhaben Bibliothek. Foto: Reflexion AG

Projekte (d)

heroal Hebe-Schiebetür mit integriertem Insektenschutz

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Die Fassade des Hochhauses ist über feine Lisenen vertikal gegliedert.

Projekte (d)

Ausgezeichneter Brandschutz komplett: alle Bauteile des SitaFireguards, hier z. B. für die Freispiegelentwässerung.

Unternehmen

Bild 1: In Versuchsreihen mit Glasfliesen konnte das Österreichische Forschungsinstitut in Wien nachweisen, dass unter Fliesen eingedrungenes Wasser weder in Richtung eines Gefälles abfließt, noch sich über eine zweite Entwässerungsebene entsorgen lässt. Bild: OFI

Fachartikel

Bild: Lignotrend / Foto: Foto&Design, Waldshut-Tiengen

Hochbau

Putzoberfläche an historischem Gebäude. Foto: Architekturzeitung

Wärmedämmung

Einsatz von Vakuum-Isolierglas im Neubau. Quelle: Schwarz Architekten/GlassX

Fachartikel

Die kleinen Keramikelemente sind auch aus größerer Entfernung anhand der flirrenden Spiegelungen erkennbar. Bildquelle: AGROB BUCHTAL GmbH / Jochen Stüber, Hamburg

Fassade

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