21
Mai

Schulerweiterung im schweizerischen Niederglatt

Projekte (d)
L3P Architekten


2005 gewannen L3P Architekten aus dem schweizerischen Regensberg den zweistufigen Wettbewerb zur Erweiterung des Oberstufenschulhauses in Niederglatt im Kanton Zürich. Das Raumprogramm wurde mit der Forderung nach einem Neubau von 6 Klassenzimmern, 12 Gruppenräumen und diversen Nebenräumen klar vorgegeben.

Wie bei behördlichen Aufträgen üblich, mussten strenge Vorgaben bezüglich der verlangten Raumgrößen und -flächen eingehalten werden. Da der Neubau als Ergänzung zu einem bestehenden Gebäude errichtet wurde, konnten nur noch begrenzte Erweiterungen der Aufenthaltsflächen realisiert werden. Zusätzlich waren im Bestand bauliche Eingriffe im Bereich der Lehrerzimmer, der Schulküche und der Zeichnungsräume auszuführen.



Der Architekt des Bestandsgebäudes Walter Schindler hatte vor 25 Jahren die Lage eines Erweiterungsbaus beim damaligen Neubau des Schulgebäudes bereits vorgedacht. Für L3P war von Beginn an klar, dass sich ihre Schulerweiterungen bezüglich des zu verwendenden Fassadenmaterials und der Fensterteilung vom Altbau unterscheiden sollte. Zwar wurden mit der Lochfassade und dem Hebeschiebefenster zwei wesentliche Elemente aus dem bestehendem Kontext übernommen, formal aber neu und zeitgemäß interpretiert.



Die Schüler der Oberstufenschule werden im Rahmen eines strengen »Aufstiegsprogramm« untergebracht. Sie beginnen die 7. Klasse im Erdgeschoss und beenden die Schule in der 9. Klasse im 2. OG. Dieser „Aufstieg“ in Form der schulischen Weiterbildung wird durch die mäanderartig gestaltete Klassenzimmerfassade symbolisiert.

  Die 12 Gruppenräume verteilen sich gleichmäßig auf die 3 Geschoße. Sie sind zum Flurbereich hin vollständig verglast und zugunsten maximaler Flexibilität bewusst nicht direkt den Schulzimmern zugeordnet. Jeweils 2 Gruppenräume können über eine Schiebetüre verbunden werden und sind damit auch für größere Gruppenübungen geeignet. Aufgrund der schulischen Grundausstattung mit Notebooks ist ein unabhängiges Arbeiten im gesamten Schulhausareal möglich.


Die Wahl des geeigneten Fassadenmaterials fiel bereits während der Wettbewerbsphase. Gesucht wurde ein Kontrast zum groben Verputz der bestehenden Schulanlage. Diese Grobstruktur lebt im Zusammenspiel mit Lichteinfall und -intensität sehr stark und prägt die einfachen Kuben. Auch die für den Neubau gewählte Glasfaserplatte weist eine Struktur auf. Im Gegensatz zum Verputz ist diese im Material selbst, während die Platte glatt und transluzent bleibt. Je nach Einfall des Lichts verändert sich somit der Baukörper. Das bestehende Farbkonzept mit den warmen Tönen wird letztlich mit der orange-rötlichen Farbauswahl weitergeführt und ergänzt.

Ähnlich wie bei der Materialwahl der Fassade ist auch die Auseinandersetzung mit Form und technischer Umsetzung schon bei der Wettbewerbseingabe erfolgt. Die bestehenden kleinformatigen Hebeschiebefenster haben sich bei den alten Klassenzimmern bewährt. Eine qualitativ gute Durchspülung der Räume mit Frischluft während den kurzen Unterrichtspausen ist ohne mechanische Lüftung nur mit einem solchen System sichergestellt. Gleichzeitig werden die Arbeitssimse durch die Öffnung der Fenster in keinster Weise beeinträchtigt. Für L3P stand von Beginn an fest, dass dieses Fensterelement auch für die neuen Klassenzimmer verwendet wird. Das Neue an der Konstruktion ist, dass sich die festverglasten Teile rahmenlos präsentieren und die Flügel im Gegensatz dazu im wahrsten Sinne »umrahmt« sind. Der zusätzlich aufgesetzte äußere Rahmen ist fest und übernimmt im offenen Zustand des Schiebeteils einerseits die Absturzsicherung, andererseits bewirkt er, dass man den Eindruck gewinnt, das Fenster sei geschlossen.

Die GFK Fassadenplatten sind sehr witterungsbeständig, uv-resistent und praktisch unterhaltsfrei. Mit ihrer optischen Ausdruckskraft bieten sie sowohl ästhetisch wie funktional eine nachhaltige Gebäudehülle. Im Zusammenspiel mit den Hebeschiebefenstern aus Holz und Metall bleiben nach Meinung der Architekten eine hohe Wertbeständigkeit und ein komfortabler Nutzen über Jahrzehnte garantiert.



Stockwerkübergreifend wurden OSB-Holzspanplatten in die Betonschalung der tragenden Zwischenwände einlegt und anschließend die gleichen Platten auch für die flexiblen nichttragenden Holztrennwände eingesetzt.
Zum Schluss wurde in Zusammenarbeit mit dem Farbgestalter Beat Soller eine farbliche Spezialbehandlung entwickelt. In einem aufwändigen handwerklichen Prozess wurden in neun Arbeitsgängen die Holz- und Betonwände farblich aneinander angeglichen: Die Oberfläche beider Materialien wirkt so überzeugend monolithisch, dass der Schreiner auch die Betonwände als eigene Leistung abrechnen wollte, ohne den materiellen Unterschied zu entdecken, der bei Berührung sehr wohl zu spüren ist.

Das innere Farbkonzept der Klassenzimmer wird durch die Elemente der Brandschutztüren und der Schreinerarbeiten in Eiche geprägt. Als Kontrast zur Nüchternheit des Sichtbetons bringt die gelb gestrichene Steckwand zum Korridor Farbe in die Klassenzimmer. Der Teppich wird in einem dunklen Grau ausgeführt, die raumhohen Hebeschiebefenster gleichen durch ihren Lichteinfall diese dunklen Flächen problemlos aus.



Der Baukommission war wichtig, dass keine qualitativen akustischen Unterschiede zwischen Neubau und Altbau entstehen. Das ging soweit, dass mit einem Akustiker ein bestehendes Schulzimmer ausgemessen wurde und dieser an sich gute Wert von den neuen Klassenzimmern übernommen werden musste. Die ausgezeichneten Erfahrungen mit qualitativ hochwertigen Teppichböden in den bestehenden Schulzimmern bewogen die Bauherrschaft zudem, diese auch für die neuen Klassenzimmer zu fordern. Für L3P Architekten ergab sich die komfortable Situation, in der Regel auf weitere Schallabsorberelemente verzichten zu können. Einzig die rückwärtigen Schränke wurden mit akustisch wirksamen Fronten ausgerüstet.

Prägnant wirkt die Fluchttreppe, die im Norden als freistehende und leicht abgedrehte Sichtbetonkonstruktion mit Passarellen aus Gitterrosten mit dem Neubau verbunden ist. Das umhüllende Netz dient einerseits als Absturzsicherung, andererseits auch als Hilfe für die Kletterpflanzen, welche den Treppenturm in den nächsten Jahren »einpacken« werden.

Ein weiteres Augenmerk richteten die Architekten auf die Erweiterung der Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Man konnte die Bauherrschaft überzeugen, nicht mit dem vorhandenen Parkiersystem fortzufahren sondern anstelle dessen eine Lösung zu finden, welche architektonisch eine modernere Sprache spricht und eine Verbesserung der Hofsituation mit sich bringt. Entstanden sind 5 freistehende Überdachungen aus anthrazit eingefärbtem Sichtbeton.

Architekt:
L3P Architekten AG FH SIA, www.l3p.ch

Projektverantwortlich:
Martin Reusser, Architekt FH
Boris Egli, Architekt FH
Markus Müller, Architekt FH

Farbgestalter:
Beat Soller, Schweizer AG, Zürich

Fotograph:
Vito Stallone, Fotostudio Letizia, Baar

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Um die Exponate vor schädlichem Licht zu schützen, haben die Architekten die Zahl der Fenster eingeschränkt. Umso identitätsstiftender ist daher das große Fenster zum Dom, das von außen einen gezielten Einblick ins Innere des Museums bietet und umgekehrt von Innen am Ende des Rundgangs einen Blick in die historische Altstadt von Regensburg. Foto: Alexander Bernhard

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