Digitalisierung und Automatisierung sind gerade dabei, die Arbeitswelt gehörig auf den Kopf zu stellen. Wie die britischen Forscher Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne in ihrer Studie „The Future of Employment“ berechnet haben (selbstverständlich mithilfe eines Algorithmus!), sind fast 50 % aller Arbeitsplätze davon bedroht, bis 2033 durch Computer, Robotik und künstliche Intelligenz (KI) ersetzt zu werden. Dieses Risiko unterscheidet sich freilich enorm zwischen einzelnen Berufsgruppen. Zum Beispiel berechnen Frey und Osborne die Wahrscheinlichkeit mit 99 %, dass die Jobs von Telefonverkäufern und Versicherungsmaklern in den nächsten zehn Jahren der Digitalisierung zum Opfer fallen werden.
Die gute Nachricht für Architekten, Bauingenieure und Städteplaner ist, dass ihre Berufsgruppen weitaus weniger gefährdet sind, in naher Zukunft ganz durch Maschinen und KI ersetzt zu werden. Für Architekten liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1,8 %, für Hoch- und Tiefbauingenieure bei 1,9 %. Technischen Zeichnern wird hingegen eine 52-prozentige Chance prophezeit, schon bald obsolet zu sein – Bauaufsichtsbeauftragten eine 63-prozentige Chance.
In allen Branchen gilt: Wer nicht durch die Digitalisierung ersetzt werden will, muss lernen, die Digitalisierung selbst einzusetzen. Gerade in der Welt der Architektur ist dieses Faktum nicht mehr zu ignorieren.
Smart Architecture schafft neue Möglichkeiten
Vor 30 Jahren war es noch eine Aufgabe von Architekten, abstrakte Baupläne in den Köpfen ihrer Klienten zum Leben erwachen zu lassen. Türen, Fenster, Terrassen – das alles mussten die zukünftigen Bewohner eines Bauchwerks visualisieren. Keine leichte Aufgabe für blanke Laien. Heute ist das anders, nicht zuletzt dank der Digitalisierung: Ein virtueller Rundgang durch das zukünftige Eigenheim im AutoCAD ist ein Muss vor dem Baubeginn und hilft den Klienten dabei, sich ein besseres Bild vom Plan der Architekten zu machen.
Augmentierte Realität ist natürlich nur ein Beispiel dafür, wie neue Technologien den Arbeitsalltag in der Architektur verändert haben. Die Smart Architecture des 21. Jahrhunderts hat noch viele andere Implikationen: Vom hochkomplexen Statikprogramm zum Building Information Modelling (BIM) System müssen sich Architekten und Bauingenieure mit einer ständig wachsenden Anzahl an digitalen Tools auseinandersetzen. Einen Menschen allein würde der Versuch, alle neuen Technologien zu beherrschen, wohl schnell an seine Grenzen treiben. Die Schlüsselworte für Architekturprojekte der Zukunft sind daher Spezialisierung und Kooperation.
Interdisziplinäre Kooperation und digitaler Wissensaustausch
BIM illustriert eindrucksvoll, wie neue Systeme dabei helfen, Prozesse für alle Beteiligten zu optimieren. Statt immer nur der Reihe nach, wird bei BIM-Projekten Hand in Hand parallel gearbeitet. Das erfordert minutiöse Planung, ermöglicht letztendlich jedoch größtmögliche Flexibilität und einen reibungslosen Ablauf.
Die Architektur und Städteplanung der Zukunft sind somit stets ein interdisziplinäres Projekt, das Austausch und Kooperation unter Experten mit verschiedenen Spezialisierungen verlangt. Das zeigt sich auch in der akademischen Forschung: Die Anforderungen an Architekten sind durch die digitale Transformation in einem Maße gestiegen, dass sich wissenschaftliche Projekt besser mit Support von Agenturen realisieren lassen, bei denen man Experten aus verschiedenen Fachbereichen zur Unterstützung mit einbezieht. Diese helfen beispielsweise durch den routinierten Einsatz technischer Tools bei der Datenerhebung oder bei der statistischen Auswertung von bereits gesammelten Daten. Ein Architektur-Ghostwriter teilt sein Knowhow in seinem Fachbereich und findet auch die richtigen Worte für akademische Studien, die neues Wissen präsentieren sollen. Mit einem interdisziplinären Team an der Seite sind Architekten und Bauingenieure also bestens für die Herausforderungen der digitalen Transformation vorbereitet.
Kreativität bleibt die Domäne des Menschen
Ist der Siegeszug von KI und smarten Algorithmen überhaupt noch aufzuhalten? In vielerlei Hinsicht wahrscheinlich nicht. Doch Osborne und Frey zeigen in ihrer Arbeit auch einige Punkte auf, in denen Maschinen dem Menschen weiterhin unterlegen sind – und es in absehbarer Zukunft wohl auch bleiben werden. Diese Fähigkeiten sind soziale Intelligenz, Kreativität und Datenmanipulation. Als kreative Wesen müssen wir den Umgang mit den digitalen Werkzeugen nicht nur erlernen, sondern auch ganz neue Wege finden, sie einzusetzen. Und das gelingt am besten durch Kooperation: zwischen Menschen, Maschinen und anderen Menschen.