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»housing« – wie entsteht eine Qualität des Wohnens?

Nachrichten

 

Am 18. August 2015 fanden die 10. JUNG Architekturgespräche in Köln zum Thema »housing« statt. Referenten des Abends waren Pascal Müller vom Architekturbüro Müller Sigrist Architekten aus Zürich sowie Herwig Spiegl von AllesWirdGut Architektur aus Wien. In der anschließenden Podiumsdiskussion erweiterte Franz-Josef Höing, Lt. Dez. Stadtentwicklung Planen, Bauen und Verkehr der Stadt Köln, die Runde. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Thomas Welter, Bundesgeschäftsführer BDA aus Berlin.

Leben in der Stadt
Ob Köln, Wien oder Zürich: Klar ist, alle diese Städte wachsen beständig. Allein für Köln wird ein Anstieg der Bevölkerung um rund 200.000 Einwohner in den nächsten 15 bis 20 Jahren erwartet. Durch die Zunahme der Menschen in der Stadt wird Wohnraum, insbesondere bezahlbarer und attraktiver Wohnraum, in Zukunft immer knapper. Und so gibt es schon heute, erläutert Dr. Thomas Welter vom BDA, »erhebliche Diskussionen über bezahlbares Wohnen in Deutschland«. Eigens gebildete Bündnisse, wie das »Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen«, unter Leitung von Bundesbauministerin Barbara Hendricks, sollen dieser Entwicklung entgegenwirken. Das erklärte Ziel: Dem steigenden Wohnraumbedarf zu begegnen und gleichzeitig soziale, demografische und energetische Anforderungen zu berücksichtigen. Doch was bedeutet das konkret in der Umsetzung?

Gesetzliche Reglementarien
Franz-Josef Höing, Lt. Dez. Stadtentwicklung Planen, Bauen und Verkehr der Stadt Köln, ist sich sicher: »Nur mit gutem Zureden funktioniert es nicht«. Damit eine Großstadt für alle bezahlbar bleibt, so fordert er, hat die Stadt die Pflicht Regeln zu entwickeln. So hat Köln vor rund eineinhalb Jahren das »Kooperative Baulandmodell« entwickelt.

In Wien, berichtet Herwig Spiegl von AllesWirdGut Architektur, ist die Situation eine andere. Hier liegen die Preise für Wohnraum, im Vergleich zu deutschen Städten wie München, um rund 15 bis 20 Prozent niedriger. Gleichzeitig spielt der soziale Wohnungsbau in Wien eine entscheidende Rolle. Zudem ist die Stadt nach wie vor der »größte Grundeigentümer«. Ein Vorteil: So kann über die Vergabe von Grundstücken auch Qualität gesteuert werden. Zudem ist die Grundstücksvergabe, so Spiegl weiter, immer an einen Wettbewerb geknüpft. Innerhalb dessen müssen Bauträger und Architekt gemeinsam ein Projekt abliefern, konkrete Kosten benennen und einen für einen gewissen Zeitraum festgesetzten Mietpreis garantieren. Wien kann damit also durch eigene Stärke gewichtigen Einfluss auf Bauprojekte nehmen.

In der Schweiz hingegen stellt sich die Situation durch den hohen genossenschaftlichen Anteil, erklärt Pascal Müller vom Architekturbüro Müller Sigrist Architekten aus Zürich, völlig anders dar. Insgesamt gibt es hier etwa 1.500 Wohnbaugenossenschaften mit rund 160.000 Wohnungen, deren Mieten durchschnittlich günstiger sind als die des Gesamtbestandes. Zudem ist es heute beispielsweise gesetzlich vorgeschrieben, dass Investoren die Wohnungen in einem bestimmten Segment bauen, ebenso Wohnraum in einem anderen Segment errichten müssen. Andernfalls gibt es keine Baugenehmigung. Dazu kommen individuelle Bestimmungen, wie die Festschreibung eines bestimmten Anteils an Gewerbe, wie Müller im Zuge der Vorstellung eines seiner Projekte – der Wohn-und Gewerbesiedlung Kalkbreite in Zürich – erläutert. Gefordert war ein urbaner und vielfältiger Bau mit einer Gewerbenutzung von 40 Prozent. Entstanden ist durch die Hand von Müller Sigrist Architekten ein beindruckender Gebäudekomplex, der der »Idee des Miteinanders« folgend, Platz für 257 Bewohner und weitere 250 Personen bietet, die hier arbeiten.

Gesellschaftliche Verantwortung
Auch Herwig Spiegl stellt, bezugnehmend auf seinen Vortrag, der die Kernpunkte des Wohnens beleuchtete, die Frage nach der Erfüllung der Wünsche der Bewohner. Seine Kernaussage: Neben ausreichend Privatsphäre sind flexible Grundrisse, ein Mindestmaß an Fläche und ein ansprechendes Umfeld gefordert. Umgesetzt haben dies AllesWirdGut in der Seestadt Aspern in Wien. Das Projekt, angelegt auf die nächsten 15 Jahre, ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Mit der Seestadt soll, nach einem festgelegten Besiedlungsmanagement, ein neues Wiener Zentrum für Arbeiten und Wohnen entstehen, welches Natur mit Urbanität verbindet..

Die selbstbewusste Stadt
Um Projekte wie in Wien und Zürich umsetzen zu können, braucht es eine starke Kommune – eine Stadt, die weiß was sie will. Oder wie Höing es formuliert, »eine Stadt, die nichts will, bekommt auch nichts«. Zur Stadt gehören aber unweigerlich auch die Bewohner. Die Menschen, die hier leben und arbeiten. Und eben diese müssen, so Spiegl, eine hohe Qualität einfordern.

Den ganzen Bericht gibt es unter www.jung.de/architekturgespraeche

Alle Informationen zu den Architekturgesprächen gib es im JUNG Architekturgespräche-Rundbrief: www.jung.de/rundbrief

Mehr zu den Veranstaltungen 2015: www.jung.de/architekturgespraeche/ 


Fotografie: Bernhard Tränkle, ArchitekturImBild

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