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Berufsbegleitend Studieren: Klima- und Kulturgerechtes Bauen

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Berufsbegleitend Studieren:  Klima- und Kulturgerechtes Bauen 

Architektur ist das Abbild eines ständigen Wandlungsprozesses der Gesellschaft. Die Stadt-, Regional- und Infrastrukturplanung in Interaktion mit der kulturellen Entwicklung ist von einem kontinuierlichen Wandel, in der jede Generation ihre Spuren hinterlassen hat, geprägt. Die heutige Zeit ist in jeder Hinsicht gekennzeichnet von rasanten und weitreichenden Veränderungen. Klimaerwärmung, Globalisierung, demographischer Wandel, Migration und die Verknappung von Rohstoffen stellen das Bauwesen vor neuen Herausforderungen. Gleichzeitig steht die Architektur der Gegenwart vor dem Problem der Entortung und dem Verlust von lokaler Identität, da durch die vielzähligen technischen Möglichkeiten meist die klimatischen Rahmenbedingungen der Bauorte ignoriert werden.

Es stellt sich die Frage, wie in der Zukunft gebaut werden soll, um die vielzähligen Herausforderungen zu bewältigen. Um Lösungen für eine zukunftsgerechte Architektur zu finden, ist ein Blick in die Vergangenheit lehrreich. Die Bausubstanz vergangener Epochen ist ein Lexikon aus gesammeltem Wissen, Erfahrungen und Erinnerungen. So spiegeln die Gebäude sowohl die Erfolge, als auch das Scheitern vergangener Entwurfs- und Bauprozesse wider. Bereits vor 40 Jahren machte der Architekturtheoretiker Giedion auf die Dringlichkeit, den historischen und kulturellen Kontext in Planungsprozesse einzubeziehen, aufmerksam: »Planung jeder Art fordert von uns eine Erkenntnis, die über den augenblicklichen Stand der Dinge hinausgeht. Um zu planen, müssen wir wissen, was in der Vergangenheit vor sich ging, und fühlen, was die Zukunft fordern mag […] Was wir um uns wahrnehmen, ist der chaotische Zustand, den die Kurzsichtigkeit verursacht hat.« (Giedion, S.: Raum, Zeit, Architektur: Entstehung einer neuen Tradition, 1976, S.38).

Dieser Aufforderung sollte in Hinblick auf die komplexen Bauaufgaben der Zukunft neue Beachtung geschenkt werden. Die Vergangenheit zeigt unzählige Beispiele einer vielfältigen und gleichzeitig zukunftsgerechten Architektur. Die Menschen der vorindustriellen Zeit haben durch fehlende technische Möglichkeiten über viele Jahrhunderte hinweg die lokalen Gegebenheiten, unter denen sie sich niederließen, beachtet. Durch Beobachten, Reagieren und Respektieren der klimatischen und gesellschaftlichen Besonderheiten eines Bauortes, entstanden vielfältige Typologien, Baukonstruktionen und Materialkonzepte. Aufgrund dieser langjährigen Entwicklung waren die Gebäude meist vorbildhaft in Ihrer Funktionalität und Beschaffenheit.

Berufsbegleitend Studieren:  Klima- und Kulturgerechtes Bauen

Paradebeispiel für klima- und kulturgerechtes Bauen in trocken-heißen Klimagebieten ist der Bādgir. Bestehend aus Windfänger, Erdreichwärmetauscher und einer Latentverdunstungsanlage in Form eines Brunnens, wird eine natürliche Klimatisierung ohne den Einsatz von fossilen Energien erzeugt. Die Außenluft wird durch den Windfänger in den Erdtunnel geleitet, vorgekühlt und schließlich durch den Verdunstungsbrunnen weiter adiabatisch abgekühlt. Das Lüftungskonzept über Bādgire funktioniert jedoch nur in Kombination mit großen Abluftquerschnitten. Als Folge dessen, wurden in den vernakularen Entwurfskonzepten der arabischen Architektur die sogenannten Maschrabiyyas aus ornamentierten Holzgittern vor den großen Fensteröffnungen platziert. So dienten die Fensteröffnungen mit den Verkleidungen nicht nur zur Belüftung, sondern fungierten auch als Sonnenschutz, Sichtschutz, Gestaltungselement und zur Wahrung der Privatsphäre.

Der Lehrstuhl für Bauphysik der Universität Stuttgart (LBP) erforscht unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Schew-Ram Mehra seit geraumer Zeit die Grundsätze des klima- und kulturgerechten Bauens. Für den LBP sind sowohl die klimatischen Bedingungen als auch die kulturellen Ausprägungen eines Bauortes richtungsweisende Bestandteile für Entwurfs- und Bauprozesse. Forschungsinhalte sind dabei neben der (Wieder-)Entdeckung vernakularer Bauprinzipien auch die Adaption einer autochthonen Architektur auf heutige Bauvorhaben.

Neben den laufenden Forschungsarbeiten zu dieser Thematik wird aktuell am LBP der berufsbegleitende Master-Studiengang »Klima- und Kulturgerechtes Bauen« (kurz: MOCC) aufgebaut. Der Aufbau des Studienganges wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Bund-Länder-Wettbewerb »Aufstieg durch Bildung« gefördert und soll ab dem Wintersemester 2018/19 in den universitären Regelbetrieb überführt werden. Ziele des Projektes sind neben der erfolgreichen Implementierung eines hochwertigen Studiums, ein lebenslanges Lernen zu sichern und somit die Bildungschancen für berufstätige ArchitektInnen und IngenieurInnen zu steigern. Um Beruf und Studium zu vereinen, basiert das didaktische Konzept des Studiengangs auf einer hybriden Lehrform aus 80 Prozent Onlinelehre sowie 20 Prozent Präsenzphasen. Durch Kooperationen mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik, den Instituten der Fakultät Bau- und Umweltingenieurwissenschaften sowie der Fakultät Architektur und Stadtplanung der Universität Stuttgart und vielen externen Partnern erhält MOCC einen interdisziplinären Charakter und spricht eine heterogene Zielgruppe an.

Berufsbegleitend Studieren:  Klima- und Kulturgerechtes Bauen

Die inhaltliche und didaktische Konzeption des Studienganges wird im Vorfeld an dem Lehrmodul »Baukultur und nachhaltiges Bauen« erprobt und evaluiert. Das Pilotmodul besteht aus zwei Lehrveranstaltungen und startet im Wintersemester 2016/17. In der Lehrveranstaltung »Grundlagen Baukultur« werden die geschichtlichen und gegenwärtigen Entwicklungen der gebauten Umwelt erörtert. Es wird analysiert, wie sich das Verhältnis von Mensch, Kultur und Natur im Laufe der europäischen Geschichte entwickelt hat und wie sich dies in den Bauwerken widerspiegelt. Die Lehrveranstaltung »Konzepte nachhaltiges Bauen« befasst sich sowohl mit internationalen Konzepten für nachhaltiges Handeln im Bauwesen, als auch mit den Rahmenbedingungen einer nachhaltigen Entwicklung auf lokaler Ebene. Hierbei werden neben den nationalen auch internationale Zertifizierungssysteme betrachtet und verglichen.

Die Zielgruppe der Pilotierungsphase sind im Bausektor tätige IngenieurInnen, UmweltplanerInnen und ArchitektInnen. Zulassungsvoraussetzung sind eine mind. einjährige Berufserfahrung sowie ein erster akademischer Abschuss in den Studienrichtungen Bauingenieurwesen, Architektur oder anderen bau-, technik-, umwelt- oder kulturbezogenen Fachrichtungen. Weitere Informationen zu dem Studiengang »Klima- und Kulturgerechtes Bauen« sowie Informationen zu dem Pilotmodul sind unter www.mocc.uni-stuttgart.de verfügbar.

Master:Online Klima- und Kulturgerechtes Bauen
Lehrstuhl für Bauphysik
Universität Stuttgart, Pfaffenwaldring 7, 70569 Stuttgart

Prof. Dr.-Ing. Schew-Ram Mehra
Tel.: +49 (0) 711 / 685-65347
Fax: +49 (0) 711 / 685-66583
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.mocc.uni-stuttgart.de 

Abbildungen: Lehrstuhl für Bauphysik, Universität Stuttgart, 2016


Fotografie: Bernhard Tränkle, ArchitekturImBild

Projekte (d)

Weissenhof-Siedlung. Bildquelle: Architekturzeitung

Termine

Rockfon Eclipse Deckensegel im farbgleichen Money Room. Foto: Rockfon

Innenausbau

Wichtiger Bestandteil von groupCONTROL ist der Multi Master Controller, welcher das erste Steuergerät auf dem Markt ist, das nach Zhaga D4i zertifiziert wurde. Bildquelle: Tridonic

Außenraum

Das Nürnberger Rathaus wurde zwischen 1616 und 1622 errichtet. Allerdings erlitt es während des Zweiten Weltkriegs starke Beschädigungen. Heute beherbergt es eine Touristenattraktion. Bildquelle: Hoba

Türen+Tore

Foto: Martina Carantani - Francesca Brambilla Comunicazione / KEIMFARBEN

Unternehmen

Mit schlanken Pfahlkonstruktionen löst RPBW die gigantischen Volumina des Hotels Andaz und der Wohntürme, die sich bis zu 65 Meter oberhalb der Piloti erheben, optisch auf. Die mit iGuzzini realisierte Außenbeleuchtung von podpod design unterstützt diesen Effekt. Bildquelle: Friedrich Michael Jansenberger

Außenraum

Das einzige Isolierglas, das es schusshemmend und gebogen gibt, ist sedak isosecure. Bild: sedak

Fassade

SWISS KRONO OSB/3 sensitiv EN300 für besonders sensible Bereiche wie Kitas oder Schulen. Bildnachweis: SWISS KRONO | Foto: Jan Meier

Hochbau

In den österreichischen L’Osteria-Restaurants spielt die Allgemeinbeleuchtung eine große Rolle, denn sie soll die Wohlfühlatmosphäre unterstützen. Für seine Spy-Stromschienenstrahler hat Delta Light daher eine Softdim-Variante entwickelt, die auf 1.800 K gedimmt werden kann. Bildquelle: L’Osteria Österreich

Design+Oberfläche

Die Hybrid-Leuchte Zoover von Delta Light, die auch für gute Raumakustik sorgt, erscheint aus verändertem Blickwinkel in einem anderen Licht. Je niedriger die Augenhöhe, umso mehr wird die diffuse Lichtscheibe zunächst als Sichel und schließlich in ihrer ganzen Form wahrgenommen. Bildquelle: Delta Light

Beleuchtung

Mit großer Sonnenterrasse aus Cedral Dielen lädt das Eventboot ‘Herz Ahoi‘ zu privaten Feiern und Firmenmeetings auf dem Wannsee ein. Foto: HGEsch Photography

Außenraum

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