26
Aug

Stanislaw Chomicki: Pinhole Towers - Fotografie mit der Lochkamera

Design Kunst

Fast alle Hochhäuser in Frankfurt hat Stanislaw Chomicki in seinem Projekt »Pinhole Towers« festgehalten – per Lochkamera. Die mehrfach ausgezeichneten Arbeiten waren schon rund um die Welt zu sehen, von Frankfurt über Curitiba, Bochum, Washington bis Vilnius, Linz, San Francisco, Stuttgart, und zuletzt auch im Rahmen der vergangenen Biennale in Venedig.

Stanislaw Chomicki: Bei meinem ersten Lochkameraprojekt »In jedem Ende ein Anfang« habe ich mich zwei Jahre mit Objekten auseinandergesetzt, die mit Vergänglichkeit zu tun haben. Die nostalgischen Objekte und die Art der Lochkamerafotografie passten optimal zueinander. Während dieses Projekts wurde mir klar, dass Gegensätze zu mehr Spannung führen kann, und ich machte mich auf den Weg, Neues zu finden.

Nach den ersten Tests wurde mir sofort klar, dass Hochhäuser ein größeres Projekt mit der Lochkamera werden müssen: die modernste Architektur Frankfurts, fotografiert mit der ältesten Form der Kamera! Die geheimnisvolle, leicht verträumte Darstellung von klaren Formen. Die Analogie zu »Metropolis« war vorprogrammiert.

Frankfurt bietet mehr als 80 architektonisch interessante Gebäude, die für mich Fortschritt und eine fantastische Leistung der Architekten darstellen. Für mich als Fotograf ist es höchst reizvoll, die Vielfalt der Formen aus unterschiedlichen Perspektiven zu spannenden Kompositionen unter rein ästhetischen Aspekten in Szene zu setzen. Meine Arbeit an »Pinhole Towers« ist natürlich nicht vollendet. Immer noch fotografiere ich neu entstehende oder modernisierte Hochhäuser in Frankfurt.

Stanislaw Chomicki: Generell arbeite ich eher konzeptionell. Es bedarf oft sehr vieler Recherchen im Internet. Wo finde ich die gewünschten Objekte? Passen sie zu meinen Thema? Manchmal ergibt sich zufällig, dass ich etwas finde, was zum Thema passt, aber das ist sehr selten.
Bei »Pinhole Towers« war mehr die Frage: Zu welcher Zeit kann ich die Hochhäuser fotografieren? Wann ist das beste Licht? Müssen Zugänge geklärt und Fotografiererlaubnisse eingeholt werden? Das Thema und damit das Ziel waren klar definiert

Simone Kraft: Wie entsteht ein Lochkamera-Bild ganz praktisch?

Stanislaw Chomicki: In der einfachsten Form ist eine Lochkamera ein schwarz gestrichener Kasten mit einem winzigen Loch in der Vorderseite, das Aufnahmematerial befindet sich an der Rückwand. Das ist alles! Da die Belichtungszeiten oft mehrere Minuten betragen, ist nicht mal ein Verschluss notwendig. Ein Nachteil beim Einsatz einer Lochkamera ist die Tatsache, dass man nach jeder Aufnahme in die Dunkelkammer muss, um den Film zu wechseln. Mehrere Aufnahmen hintereinander sind leider nicht möglich.

Seit mehreren Jahren arbeite ich mit der Großformatkamera und Filmkassetten. Statt Objektive verwende ich eine Objektivplatte, die mit einem Loch versehen ist. Die Vorteile ergeben sich durch die Verstellbarkeit der Kamera und durch die Auszugverlängerung. Dadurch bin ich nicht auf eine bestimmte Brennweite festgelegt. Das bietet natürlich große Vorteile bei der Bildgestaltung. Wenn es möglich ist, versuche ich meine Motive so zu fotografieren, dass ich später keine Ausschnitte mehr machen muss. Die Aufnahmen aus der Serie »Pinhole Towers« entstanden mit einem starken Rotfilter, der den Himmel abdunkelt und damit fast eine Nachtwirkung erzielt.

Nach der Filmentwicklung werden die Negative eingescannt und sorgfältig bearbeitet. Seit Jahren bevorzuge ich die hybride Vorgehensweise in meiner Fotografie. Am Rechner kann ich die Aufnahmen sehr genau partiell anpassen, dies ist in der Dunkelkammer in dieser Genauigkeit nicht möglich.

Simone Kraft: Warum Fotografie? Welche Möglichkeiten eröffnet Ihnen diese Art der künstlerischen Arbeit?


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