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Do, Mai

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Kunstausstellung: spark von Lisa Röing Baer

Design Kunst

Der Kunstverein Friedrichshafen zeigt vom 17. April bis 14. Juni 2026 eine Einzelausstellung unter dem Titel spark von Lisa Röing Baer.

Tankstellen sind zu Symbolen der Gegenwart geworden, sind Schnittstellen von Alltag und System. Lisa Röing Baer präsentiert im Kunstverein Benzin-Zapfsäulen aus den Hoch-Zeiten der Petromoderne, einer Zeit, in der Erdöl reuelosen Fortschritt, Mobilität und Freiheit versprach. Die Zapfsäulen wirken im Ausstellungsraum wie Wächter, als hätten sie die Aufgabe, eine Ordnung zu sichern, die sich bereits zu verschieben begonnen hat.  In ihnen verdichtet sich eine Vorstellung von Männlichkeit, die eng mit Energie, Kontrolle und Ressourcen verbunden ist.

Gerahmte Fotografien verrücken diese Strukturen in den Bereich des Alltäglichen: Hände, die aus Autofenstern ragen, Zigaretten zwischen den Fingern. Ein kurzer Moment, ein beiläufiges Bild, und doch liegt in dieser Geste eine ähnliche Logik – der Konsum, die Wiederholung, die Abhängigkeit. Die Kamera befindet sich dabei im selben Dilemma wie das Geschehen. An den Bildrändern sind Teile des Autos erkennbar, aus dem heraus Röing Baer fotografiert. Sie ist Teil der Situation, eingebunden in die Dynamik von Mobilität und Verbrauch.

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In einem Bildpaar treten zwei Hände in Beziehung, ohne sich zu berühren, bleiben auf Distanz und sind doch verbunden durch eine gemeinsame Geste. Der Blick wandert zwischen ihnen, sucht nach Halt, findet ihn kurz und verliert ihn wieder.

Lisa Röing Baer fotografiert analog und entwickelt aus ihrem fortlaufenden Bildarchiv multimediale Ausstellungen, in denen Fotografien, Objekte und Texte in neue Zusammenhänge gesetzt werden. In ihren neuen Arbeiten untersucht sie, wie Systeme uns halten, selbst wenn wir ihre Brüchigkeit erkennen. Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein Gefühl der Lähmung angesichts einer Welt im Wandel, in der das Bewusstsein für Krisen und das Fortsetzen vertrauter Gewohnheiten nebeneinander bestehen. Zwischen Bequemlichkeit, Betäubung und dem Versprechen von Zugehörigkeit entstehen Formen der Bindung an Systeme, die zugleich getragen und hinterfragt werden.

Der Wunsch nach Begegnungen, Berührungen und Verbindung setzt sich im oberen Stockwerk fort. Man findet sich an einem runden Stehtisch im Innenraum der Tankstelle, im Imbiss davor oder an der dazugehörigen Raststätte. Fein dekorierte Servietten geben einen Hinweis: Of Human Bondage steht darauf geschrieben. In Somerset Maugham's gleichnamigen Roman verfolgt man das Leben von Philip, der jahrelang gegen jegliche Vernunft an seiner Liebe zu der Frau festhält, die ihn kläglich behandelt. So wie die fragile Hand, die aus der Maschine Auto ragt und sich an den Glimmstängel klammert, das hoffnungsvolle Festklammern an einer schädlichen Beziehung.

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In all diesen Situationen liegt durch das schwelende Gefahrenpotenzial der explosiven Mischung von Zapfsäulen und die Zigaretten eine enorme Spannung. Feuer wird bei Röing Baer zu offensichtlicher Bedrohung, aber gleichzeitig auch zu einem hoffnungsvollen Potenzial, das durch Zerstörung alte Strukturen auflösen kann. Ein disruptiver Moment eines Aufbäumens, eines Umbruchs, in dem die Situation sich entzündet: spark.

Lisa Röing Baer studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Christopher Williams und schloss dort 2022 als Meisterschülerin ab. 2025 veröffentlichte sie ihre erste Monografie Der Boden knirscht unter meinen Füßen beim Kerber Verlag. Im selben Jahr zeigte sie die Einzelausstellung Column im EIGEN ART LAB und nahm an der Gruppenausstellung Perspektivwechsel im Stadtmuseum Düsseldorf teil. 2026 präsentierte sie ihre Monografie in der Kunsthalle Düsseldorf.

Zur Ausstellung präsentieren Lisa Röing Baer und der Kunstverein Friedrichshafen die Fotoedition napkin.

Das im Zuge der Ausstellung stattfindende Performanceprogramm ist gefördert im Rahmen des Literatursommers 2026 – einer Veranstaltungsreihe der Baden-Württemberg Stiftung → www.literatursommer.de


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