06
Jul

Faszination urbaner Strukturen: Galerie Alex Schlesinger in Zürich

Design Kunst

Es war das Erlebnis der urbanen Architektur in Großstädten, die Faszination der Architektur die Alex Schlesinger schon immer bewegt hat und die sich schließlich auch im Programm seiner Zürcher Galerie niedergeschlagen hat. War es zunächst noch eine Vorliebe für Konkrete und Konstruktivisten – auch sie verfolgen mit ihren klaren Strukturen und der rigiden Bildaufteilung eine „tektonische“ Vorgehensweise –, so reifte nach der Bekanntschaft mit Raphaël Renaud und etwas später mit Tobias Weber, dessen Arbeit die AZ/Architekturzeitung vor Kurzem vorgestellt hat, Anfang der 2000er Jahre die Idee, das Thema Architektur in der Kunst in seinen vielfältigen Facetten zum Schwerpunkt einer Galerie zu machen. Heute präsentiert die Galerie Alex Schlesinger, die 2003 gegründet wurde, Kunst, deren Hauptthemen um die Auseinandersetzung mit urbanem Leben, Architektur und Industrielandschaften kreist.


Malerei zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit: Das Galerieprogramm

Es ist dieses klare Programm, gepaart mit einer besonderen Atmosphäre und der großen Leidenschaft für die Sache, die Schlesingers Galeriearbeit auszeichnet. Die vertretenen künstlerischen Positionen bewegen sich zwischen abstrakt, figurativ und hyperrealistisch, zwischen Fotografie und Malerei, zwischen Comix und Kunst. Der Fokus liegt auf zeitgenössischer Malerei im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Der Grossteil der Künstler und Künstlerinnen der Galerie arbeitet denn auch mit den Medien Öl oder Acryl auf Leinwand, aber auch mit C-Prints oder – besonders auffällig – Autolack auf Aluminium. Fotografie selbst ist jedoch nicht im Programm vertreten, die plastische Kunst mit nur einer Bildhauer-Position.


Neue Künstler entdecken und fördern
Mittlerweile werden über 20 europäische Künstler von der Galerie Schlesinger betreut. Bei ihrer Auswahl wird Wert darauf gelegt, gerade jüngere, noch nicht etablierte Künstler, die dem Galerieprogramm entsprechen, zu entdecken und aufzubauen, sie auf ihrem Weg zu begleiten und einem breiten Publikum bekannt zu machen. Das tatsächliche Alter der Künstler spielt dabei keine Rolle: So ist etwa Janika Fabrikant, eine der neuesten Künstlerinnen im Programm der Galerie, die im Sommer ihre erste Einzelausstellung haben wird, Jahrgang 1934. Ihre Arbeiten spielen mit ihrem fotorealistischen Eindruck: Tatsächlich nimmt Fabrikant ihre Motive zunächst mit der Kamera auf, um sie anschließend in nicht-naturalistischer Art weiterzuentwickeln. Die Darstellungen von Industrieanlagen und Architekturen werden so zu traumhaften, bedrohlichen Gebilde.

Weitere Künstler, die gerade aus architektonischer Perspektive interessant sind, sind etwa der bereits vorgestellte Schweizer Tobias Weber, dessen ungewöhnliche Formensprache – der Künstler „zeichnet“ mit Tuben die Outlines seiner Motive direkt auf die Leinwand – für die Ästhetik alltäglicher urbaner Räume sensibilisiert. Ungewöhnlich sind auch die Arbeiten des deutschen Künstlers Thitz: Der „Tütenkünstler“ konstruiert authentische Stadtporträts, in die er Tüten aus den jeweiligen Städten integriert.

Auch der Franzose Raphaël Renaud, der zu den wegweisenden und erfolgreichsten Künstlern der Galerie zählt, beschäftigt sich in seinen Werken mit Stadtansichten und Industrieanlagen, meist aus der Vogelperspektive, die er in einer Kombination von manchmal bis zu drei verschiedenen Stil- bzw. Kunstrichtungen – Impressionismus, Hyperrealismus, Abstraktion – bearbeitet. So wird der Betrachter herausgefordert: Kaum hat sich das Auge an die eine Richtung gewöhnt, wird es fast automatisch in eine andere gelenkt.

Jährlich veranstaltet Alex Schlesinger sieben Ausstellungen mit Künstlern der Galerie. Darüber hinaus beteiligt sich der Galerist regelmäßig an Kunstmessen in der Schweiz und im Ausland – aktuell kann der Stand der Galerie auf der art KARLSRUHE besucht werden. Dort werden nicht nur Arbeiten von Janika Fabrikant und Tobias Weber zu sehen sein, sondern auch Werke von Werner Käser, Patrick Tschudi und Werner Stauffacher sowie Plastiken von Daniel Häsli präsentiert werden.


Gründung der Galerie: Zur Person

Die Gründung der Galerie ist umso bemerkenswerter, da Schlesinger nicht »von Haus aus« aus dem Kunstbereich stammt. Neben seiner Galerietätigkeit arbeitet er zudem nach wie vor als Lehrer an einem Zürcher Gymnasium. Zwar hat Schlesinger schon während seines Studiums der Romanistik sowie Literatur und Literaturwissenschaft an der Universität Zürich sowie in Paris und Madrid die Vermittlung von Kunst und Kultur beschäftigt, aber erst nachdem er 2000 eine Zusatzausbildung zum Kulturmanager abgelegt hatte und das Interesse, das Gelernte in Praxis umzusetzen noch weiter gewachsen war, entschloss er sich, einen kommerziellen Kulturbetrieb aufzubauen und zu führen. 

Welche Bedeutung Kunst für ihn hat, umschreibt Schlesinger in eigenen Worten:
„Sie umgibt mich ständig. Ob zu Hause, in der Galerie, in der Freizeit. Sie ermöglicht mir, mein Auge für Dinge zu schärfen, die mir bis anhin verborgen geblieben sind. Sie macht mich zu einem genauen und kritischen Beobachter meiner Umwelt. Natürlich erfreut sie meine Sinne und verhilft mir zu Glücksmomenten und regt mich zum Denken an.“

Abbildungen: Courtesy Galerie Alex Schlesinger


Pion gibt es in Kombinationen aus Schwarz, Weiß und goldfarben eloxiert. Foto: Delta Light

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Dieses Schließsystem lässt sich nicht mit einem 3D-Drucker überlisten.

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Wesentlicher Teil des Energie- und Nachhaltigkeitskonzepts ist die „lebendige“ Fassade aus Glas und Aluminium. Quelle: HUECK

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