Mit seinem Werk System des Bauwerkvertragsrechts legt Hermann Wenusch eine umfangreiche und systematische Aufarbeitung des Bauvertragsrechts vor. Auf rund 450 Seiten behandelt der Autor nicht nur juristische Fragestellungen, sondern bezieht auch ökonomische und bautechnische Aspekte ein – ein Ansatz, der das Buch von klassischen juristischen Kommentaren unterscheidet.
Wenusch geht von der Beobachtung aus, dass die Rechtsprechung bislang kein durchgängiges System des Bauvertragsrechts entwickelt hat. Viele Entscheidungen erscheinen eher als Einzellösungen, die sich schwer in ein Gesamtbild fügen. Hier setzt er an: Ziel ist es, ein konsistentes Fundament für Theorie und Praxis zu schaffen.

Das Werk beginnt mit ökonomischen Grundlagen, die für das Verständnis von Verträgen unverzichtbar sind. In diesem Zusammenhang wird etwa das »stillschweigend Bedungene« thematisiert – also jene Vertragsinhalte, die sich nicht explizit aus dem Text ergeben, aber aus betriebswirtschaftlichen oder technischen Gegebenheiten folgen. Diesen Ansatz entwickelt Wenusch weiter, indem er auch Phänomene wie Preisgestaltung, Kalkulation und Risikoverteilung erläutert.
Im Anschluss folgt die Darstellung der juristischen Grundlagen sowie des allgemeinen Werkvertragsrechts. Der Schwerpunkt liegt dann auf den Besonderheiten von Bauwerkverträgen, die sich durch Änderungswünsche, nachträgliche Spezifizierungen und eine Vielzahl beteiligter Unternehmer auszeichnen. Eigene Kapitel sind den Rechten und Pflichten der Beteiligten sowie den in der Baupraxis zentralen ÖNORMEN gewidmet.
Auffällig ist, dass Wenusch sich bewusst von gängigen Lehrmeinungen distanziert und eigene Lösungswege aufzeigt – etwa bei der Frage, wie Kostenvoranschläge rechtlich einzuordnen sind. Leserinnen und Leser sollten sich daher auf abweichende Positionen einstellen, die nicht in jedem Fall den herrschenden Ansichten entsprechen.
Das Buch richtet sich gleichermaßen an Juristen und Bautechniker. Für Praktiker im Bauwesen bietet es zahlreiche Bezüge zu alltäglichen Problemstellungen, für Juristen eine Vertiefung der ökonomischen und technischen Rahmenbedingungen. Der Aufbau folgt keinem klassischen Kommentar, sondern einem systematischen Ansatz: von allgemeinen Grundlagen hin zu speziellen Fragen.
System des Bauwerkvertragsrechts ist ein breit angelegtes Werk, das juristische, betriebswirtschaftliche und technische Perspektiven miteinander verbindet. Es eignet sich für alle, die ein vertieftes Verständnis der Bauwerkverträge gewinnen möchten. Für Leser, die sich eine rein traditionelle Darstellung wünschen, könnte der unkonventionelle Zugang herausfordernd wirken – zugleich ist dies aber die Stärke des Buches: Es regt dazu an, bekannte Probleme aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.