19
Okt

Wohnkonzept mit Bioreaktorfassade passt sich den Nutzern an

Fachartikel

Der aktuelle gesellschaftliche Wandel und die Anforderungen an den Klimaschutz beeinflussen zunehmend die Architektur. Zuvor getrennte Lebensbereiche wie Arbeiten, Wohnen und Freizeit gehen fließend ineinander über. Vieles lässt sich bereits heute durch moderne Technologien von zu Hause erledigen. Dieser Trend wird sich in Zukunft ausweiten, so dass die Funktionalität einer Wohnung eine wichtige Rolle spielt. Zeitgleich verlangt die Energiewende nach einem bewussten Umgang mit energetischen Ressourcen im Gebäudebereich. Das stellt die Architektur vor neue Aufgaben. Gebäudekonzeptionen, die sowohl ökologische Faktoren als auch zeitgemäße Wohnkomfortaspekte gleichermaßen berücksichtigen, werden in Zukunft nachgefragt werden. Der Nutzer wird im Mittelpunkt planerischer Überlegungen stehen.

Um für den Wohnungsbau des 21. Jahrhunderts wegweisende Antworten zu finden, veranstaltet die Internationale Bauausstellung (IBA) Hamburg im Sommer 2013 die Bauausstellung in der Bauausstellung. In der Kategorie Smart Material Houses ist unter anderem »BIQ« – das weltweit erste Gebäude mit einer Bioreaktorfassade – vertreten. Bauherr und Investor des fünfstöckigen Algenhauses, das anpassungsfähige Baukonstruktionen mit intelligenten Technologien und Baustoffen kombiniert, ist die Otto Wulff Bauunternehmung. Eingebettet in den Park der internationalen gartenschau igs 2013 entsteht es nach den Entwürfen von Splitterwerk Architekten aus Graz.

Zuordnung der Räume wird aufgehoben

Die Biofassadenkonstruktion und das damit verbundene ganzheitliche Energiekonzept zeichnen sich ebenfalls durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Funktionen aus. In Glaselementen werden Mikroalgen gezüchtet, die durch Photosynthese und Solarthermie Biomasse und Wärme produzieren. Die Wärme steht den Bewohnern als Heizenergie durch Wärmetauscher direkt zur Verfügung. Die Biomasse wird extern zu Biogas umgewandelt und energetisch verwertet. Eine Energiezentrale steuert und reguliert alle energetischen Prozesse des Gebäudes automatisch und optimiert sie regelmäßig. Während die 200 Quadratmeter große Algenfassade nach Süden ausgerichtet ist, befindet sich im ästhetischen Kontrast dazu in nördlicher Ausrichtung eine Putzfassade.

Alle 15 Wohnungen verfügen über großzügige Loggien mit Ausblick ins Freie. Von hier aus können die zukünftigen Bewohner die Bioreaktorfassade aus der Nähe erleben und ihr quasi bei der Energiegewinnung zusehen. Bei einem Ertrag von 15 Gramm Trockenmasse pro Quadratmeter und Tag kann bei der Umwandlung von Biomasse in Biogas ein Nettoenergiegewinn von rund 4.500 Kilowattstunden pro Jahr erzielt werden, was dem Gesamtenergiebedarf einer vierköpfigen Familie pro Jahr entspricht.

So experimentell das »BIQ« aus der heutigen Perspektive auch erscheinen mag, zeigt das Gebäude, welche Anforderungen Architektur- und Wohnkonzepte in Zukunft berücksichtigen müssen, um den veränderten Lebensbedingungen und -gewohnheiten ihrer Bewohner im 21. Jahrhundert gerecht werden. An einem umweltgerechten Baustil wird dabei kein Weg vorbeiführen.


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