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Dez

Museum der Bayerischen Geschichte von Wörner Traxler Richter

Um die Exponate vor schädlichem Licht zu schützen, haben die Architekten die Zahl der Fenster eingeschränkt. Umso identitätsstiftender ist daher das große Fenster zum Dom, das von außen einen gezielten Einblick ins Innere des Museums bietet und umgekehrt von Innen am Ende des Rundgangs einen Blick in die historische Altstadt von Regensburg. Foto: Alexander Bernhard

Fassade

 

Nach vierjähriger Bauzeit feiert Regensburg die Fertigstellung seines neuen Museums für Bayerische Geschichte. Das Gebäude, geplant vom Frankfurter Architekturbüro Wörner Traxler Richter, schließt hiermit eine Lücke – städtebaulich zwischen Donau und Altstadt und kulturhistorisch zwischen 1806 und Gegenwart. Denn das neue Museum befasst sich thematisch mit der jüngeren bayerischen Geschichte, die in dem Umfang bisher erstmalig ausgestellt werden kann. Für die Fassadengestaltung ließen sich die Architekten von den umliegenden mittelalterlichen Bauten inspirieren und wählten hierfür individuell gefertigte, strukturierte Keramikplatten von Moeding.

Mit einer skulpturalen Großform verbinden die Architekten die mittelalterliche Altstadt Regensburgs mit der Donau und schaffen in einer bisher offenen, städtebaulichen Lücke mit dem Haus der Bayerischen Geschichte einen angemessenen Ort, der Vergangenheit und Gegenwart zusammen spannt. Foto: Alexander Bernhard
Mit einer skulpturalen Großform verbinden die Architekten die mittelalterliche Altstadt Regensburgs mit der Donau und schaffen in einer bisher offenen, städtebaulichen Lücke mit dem Haus der Bayerischen Geschichte einen angemessenen Ort, der Vergangenheit und Gegenwart zusammen spannt. Foto: Alexander Bernhard

 

Hinter der Keramikfassade des neuen Museumsgebäudes befinden sich rund tausend Exponate und viele multimediale Installationen. Während das Erdgeschoss Platz für Foyer, Schauräume, Museumsshop und ein Wirtshaus bereithält, ist das gesamte Obergeschoss der Dauerausstellung vorbehalten. Als eigenständiger Baukörper schließt die Bavariathek mit ihrem umfassenden Bildarchiv die Blockbebauung des bestehenden Brüchnerquartiers ab. Insgesamt verfügt das neue Museum über eine Gesamtnutzungsfläche von über 5100 Quadratmetern. Neben Privatsammlungsstücken und Dachbodenfunden können sich die Besucher zukünftig eine Lanz-Dampfzugmaschine, die als erstes Objekt in die Dauerausstellung einzog, eine Armbanduhr von König Ludwig II. sowie einen sieben mal sieben Meter großen Wandteppich aus dem Bayerischen Landtag ansehen.

Die schmalen Vierkantbaguettes dienen hier als Sonnen- und Lichtschutz und unterstreichen die vertikale Textur der Keramikfassade. Sie fügen sich perfekt ein in das Raster, das die Ziegelelemente im unteren Gebäudebereich vorgeben. Foto: Alexander Bernhard
Die schmalen Vierkantbaguettes dienen hier als Sonnen- und Lichtschutz und unterstreichen die vertikale Textur der Keramikfassade. Sie fügen sich perfekt ein in das Raster, das die Ziegelelemente im unteren Gebäudebereich vorgeben. Foto: Alexander Bernhard

 

Dass so große Exponate überhaupt ausgestellt werden können, verdankt das Museum seiner Architektur. Für die Ausstellungsgestaltung zeichnet das Stuttgarter Büro HG Merz verantwortlich. In Zusammenarbeit mit den Architekten Wörner Traxler Richter und dem zukünftigen Direktor Dr. Richard Loibl gab es bereits vor Abschluss der Vorplanung Konzepte der Museografie, die in die Gebäudeplanung integriert wurden. So prägt nicht nur die Höhe des Wandteppichs die Dachformation des Museums, auch der Hunnenplatz, der sich ursprünglich auf der Baufläche befand, wird in Form eines 17 Meter hohen, lichtdurchfluteten Foyers wiederbelebt. Der nun innenliegende Platz im Foyer soll für Passanten frei zugänglich sein und mit seiner Transparenz die Donau mit der, von der UNESCO als Welkulturerbe anerkannten Altstadt verbinden. Dafür ist an dieser Stelle die Fassade erdgeschossig nach innen gezogen, sodass der Zugang besonders präsent ist. Museumsdirektor Loibl hofft, „dass viele diese Abkürzung erkennen und Station machen".

Eine Fassade, die je nach Lichteinfall und Witterung ihr Erscheinungsbild variiert. Die elegante Oberfläche färbt sich bei Niederschlag dunkler und reflektiert sanft die umgebenden Lichtstimmungen. Foto: Alexander Bernhard
Eine Fassade, die je nach Lichteinfall und Witterung ihr Erscheinungsbild variiert. Die elegante Oberfläche färbt sich bei Niederschlag dunkler und reflektiert sanft die umgebenden Lichtstimmungen. Foto: Alexander Bernhard

 

Farb- und Formgestaltung als Unikat

Städtebauliche Anpassungen und die umfangreiche architektonische Auseinandersetzung mit der Altstadt verhalfen 2013 dem Frankfurter Architekturbüro zum ersten Preis bei dem internationalen Architekturwettbewerb. So orientiert sich die Höhenentwicklung und die Form des Daches nicht nur an speziellen Ausstellungsexponaten, sondern auch an der mittelalterlichen Dachlandschaft der vorgefundenen donauseitigen Bebauung. Ebenso finden sich deren Farb- und Materialcharakteristika in der Keramikfassade des Neubaus wieder. Auf Wunsch der Architekten fertigte Moeding hierfür sieben unterschiedliche Plattentypen mit gekämmter Oberflächenstruktur, die im Wechsel mit 4.300 Vierkantbaguettes „das skulpturale Erscheinungsbild des Gebäudekörpers hervorheben“, beschreibt Architekt Stefan Traxler die Fassadengestaltung. Eine fein rhythmisierende, vertikale Textur überdeckt konsequent die meisten Fassadenöffnungen zur Wahrung dieses Eindruckes. So reagiert die Fassade mit unterschiedlichen Geschlossenheitsgraden auf die Anforderungen der Nutzung als Museum. Ausnahmen bilden die Öffnungen zur Altstadt und Donau hin, sowie das für das Gebäude identitätsstiftende, große Fenster zum Dom, das von außen einen gezielten Einblick ins Innere des Museums bietet.

Auf Wunsch der Architekten wurde die gekämmte Oberflächenstruktur sowie die Farbgestaltung der Keramikplatten mit einer seidenmatt grauen Glasur individuell von Moeding angefertigt. Foto: Alexander Bernhard
Auf Wunsch der Architekten wurde die gekämmte Oberflächenstruktur sowie die Farbgestaltung der Keramikplatten mit einer seidenmatt grauen Glasur individuell von Moeding angefertigt. Foto: Alexander Bernhard

 

Zur Herstellung der Keramikplatten wurden sieben Mundstücke von 150 - 495 Millimeter Breite gefertigt. Die unterschiedlichen Ausformungen erzeugen das filigrane Relief, das individuell und in enger Abstimmung mit den Architekten für das Gebäude entworfen wurde. Auch die gekämmte Oberfläche der Ziegelelemente entwickelten sie eigens für das Objekt. Als Basis für die Keramikplatten dient das Moeding Alphaton Rapid System, das keine Montagereihenfolge vorgibt – ein großer Vorteil bei vielen verschiedenen Plattentypen.

Natürlichkeit des Materials

Gepaart mit der ebenso individuell entwickelten grauen seidenmatten Glasur verändert sich das Erscheinungsbild der Gebäudehülle je nach Witterung und Lichteinfall und reflektiert dabei dezent die umgebende Lichtstimmung. „Material und Farbigkeit der Keramik adaptieren Charakteristika der Überreste des römischen Legionslagers "Castra Regina" an der oberen Donau, der Keimzelle der Stadt Regensburg“, so die Architekten zur Definition des Farbtons.

Foto: Alexander Bernhard
Foto: Alexander Bernhard

 

Mit dem Bau des Museums für Bayerische Geschichte ist den Architekten in Regensburg eine moderne Altstadtverdichtung gelungen, die sich in Strukturalität, Farbigkeit, Materialität und Rhythmik einfügt. In nur 80 Kilometer Entfernung wurde die langlebige und natürliche Keramikfassade im Werk von Moeding gefertigt und stellt auch deswegen eine besonders nachhaltige Wahl dar.

 

Projektdaten
Projektname: Museum der Bayerischen Geschichte, Regensburg
Auftraggeber: Freistaat Bayern vertreten durch das Staatsministerium für Bildung und Kultur, Wissenschaft und Kunst
Architekten: wörner traxler richter planungsgesellschaft mbH, Frankfurt
Fassadenbekleidung: MOEDING Keramikfassaden ALPHATON

Foto: Alexander Bernhard
Foto: Alexander Bernhard


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