14
Okt

Medienfassade aus Glas hält großer Schneelast stand

Berg- und Talstation sind mit Annexbauten ausgestattet, die dem Besucher einen Zusatz an Komfort bieten. Die Mittelstation hingegen ist sehr puristisch, was den Blick freigibt auf die schöne Glaskonstruktion. Foto: Glas Marte

Fassade

 

Die bestehende Seilbahn Saanenmöser-Saanerslochgrat wurde durch eine neue ersetzt. Um ihre hochmoderne Technik in den Blickpunkt zu rücken, sah ein international agierendes Planungsbüro aus Stuttgart vor, diese hinter einem Kubus mit Wellblechdach und Glasfassade zu präsentieren. Aufgrund des so entstandenen Flachdachs mussten hohe Schneelasten statisch abgetragen werden. Hierfür wurde ein besonderes Befestigungssystem entwickelt. Glas Marte lieferte die Gläser, die diesen enormen Kräften standhalten. Die Glasscheiben der Fassade können bei Bedarf mit LED-Technik nachgerüstet werden.

Die Glasfarbe in Dach und Fassade spiegelt sich auf angenehme Weise in den Seilbahngondeln wider. Foto: Glas Marte
Die Glasfarbe in Dach und Fassade spiegelt sich auf angenehme Weise in den Seilbahngondeln wider. Foto: Glas Marte

 

Die Gondelbahn Saanenmöser-Saanerslochgrat war einst ein Meilenstein der Technik. Sie wurde 1979 gebaut und zählte damals zu den modernsten und bequemsten Gondelbahnen. Doch nach fast 40 Jahren Betriebszeit entsprach sie nicht mehr den heutigen Anforderungen und musste durch eine neue ersetzt werden. Diesen Auftrag der Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) für die neue Bahn erhielt der Seilbahnhersteller Doppelmayr/Garaventa. Am 15. Dezember 2018 wurde die Weltneuheit eröffnet – die neue Saanerslochbahn ist die erste D-Line-Kabinenbahn der Schweiz. Die Seilbahngeneration der D-Line zeichnet sich durch einen sehr leisen Betrieb, hochwertiges Design und zeitsparende Wartung aus. Auf einer Strecke von 2.858 Metern mit 16 Stützen (die alte Bahn hatte 29 Stützen) befördert sie knapp 70 Kabinen mit bis zu 2.000 Personen pro Stunde und Fahrtrichtung.

Technik sichtbar machen

Um diese besondere Seilbahntechnik mit einer herausragenden Architektur zu unterstreichen, lobte der Bauherr einen Wettbewerb aus. Diesen gewann ein weltweit renommiertes Planungsbüro aus Stuttgart. Sein Entwurf sah vor, die gesamte Technik zum Koppeln, Entkoppeln und Umlenken der Kabinen in einem Kubus mit Wellblechdach und Glasfassade unterzubringen und so den Besuchern sichtbar zu machen. Dies brachte große statische Herausforderungen mit sich: Normalerweise werden Seilbahndächer aus gebogenem Acrylglas gefertigt, was den Vorteil hat, dass der Schnee seitlich abrutschen kann. Die auf dem Dach verbleibende Schneelast ist damit eher gering. Aufgrund der kubischen Form des Glasbaus, den die Stuttgarter Planer vorsahen, bleibt der Schnee aber auf dem kompletten Dach liegen und bringt so eine wesentlich höhere Gesamtlast mit sich. Das hat zur Folge, dass sich das Dach bis zu 7 Zentimeter durchbiegen kann.

Durch den auskragenden Glasbau wird die Hanglage der Bergstation sehr deutlich. Foto: Glas Marte. Foto: Glas Marte
Durch den auskragenden Glasbau wird die Hanglage der Bergstation sehr deutlich. Foto: Glas Marte. Foto: Glas Marte

Meisterleistung in der Statik

Ein solch hohes Maß der Durchbiegung machte ganz neue Wege der konstruktiven Glaslagerung erforderlich: Damit die enormen Lasten sicher aufgenommen werden können, sind die Scheiben an der oberen und unteren Glaskante werkseitig in ein Profil verklebt. Dies hat zwei entscheidende Vorteile: Einerseits können die vorgefertigten Bauelemente einfach, schnell und witterungsunabhängig montiert werden. Andererseits sind sie wie ein an der Wand hängendes Bild einzeln am Dach eingehängt. Dadurch kann jedes Fassadenelement unabhängig von seinem Nachbarn auf- und abgleiten. Die Glasplatten der Fassade haben ein Standardmaß von 3,13 x 2 Meter bzw. ein Maximalmaß von 3,13 x 2, 26 Meter und ein dementsprechend hohes Gewicht. Infolgedessen funktionierte diese weltweit einzigartige Glaslagerung an der Schnittstelle zwischen Glas und Metall nur durch hochqualitative Glasverklebung. Um für diese anspruchsvolle Bauaufgabe das richtige Glas zur Verfügung zu haben, wandten sich die Verantwortlichen an Glas Marte. Das Unternehmen gehört zu den führenden europäischen Glasspezialisten und bietet ein umfangreiches Sortiment unterschiedlicher Glaslösungen in Kombination mit einer fundierten Beratung an. Für die drei Seilbahnstationen lieferte der Glasspezialist insgesamt ca. 800 Quadratmeter Verbundsicherheitsglas (VSG) aus zwei Einscheiben-Sicherheitsgläsern (ESG). Statt der sonst üblichen Zwischenfolie aus Polyvinylbutyral (PVB) setzte er eine Sentryglas-plus-Spezialfolie ein und sorgte so dafür, dass das Glas den widrigen Wetterbedingungen auch auf den höchsten Bergen standhält. Denn die Spezialfolie besteht aus einem thermoplastischen Kunststoff (Ionoplast), der bis zu fünfmal fester und hundertmal steifer ist als die herkömmlichen VSG-Zwischenschichten. So konnte Glas Marte auf Grundlage der konstruktiven Lösung und der verbesserten Materialien die erste serienmäßige Ganzglasfassade liefern, die sehr großen Vertikalverformungen standhält.

Da das Glasdach der Seilbahnstation nicht geneigt ist, bleibt der Schnee auf ihm liegen, was eine hohe Schneelast mit sich bringt. Foto: Glas Marte
Da das Glasdach der Seilbahnstation nicht geneigt ist, bleibt der Schnee auf ihm liegen, was eine hohe Schneelast mit sich bringt. Foto: Glas Marte

 

LED-Medientechnik

Das bei den Seilbahnstationen verwendete Glas hat eine spezielle Farbe, die den wohlklingenden Namen Guardian SunGuard HD Royal Blue 20 trägt und in Europa sehr selten verwendet wird. Doch sie passt hervorragend zum Design der Gondeln und verleiht den Glaskuben, die die Seilbahntechnik ummanteln, ein elegantes Erscheinungsbild. Bei Bedarf können sie mit einer LED-Medientechnik nachgerüstet werden. Für den Bergbahnbetreiber ergeben sich daraus interessante Möglichkeiten. Beispielsweise kann er so auf der Fassade Werbeschaltungen großflächig präsentieren oder andere Informationen vermitteln. Seit Dezember 2018 ist die neue Bahn in Betrieb und erfreute sich vom ersten Tag an großen Zuspruchs.

Glas Marte GmbH, glasmarte.at


Anzeige AZ-GC1-728x250 GAS

Visualisierung: xoio im Auftrag der Bauwerk Capital GmbH & Co.KG

Menschen

Architektin Anja Engelshove hat alle Aufenthaltsbereiche mit Sicht in die Natur und auf den See ausgerichtet. Foto: Arnd Haug für Delta Light

Beleuchtung

Schön und funktional: Die Deckensegel bieten Platz für Heizung, Kühlung, Lüftung und Licht.

Gebäudetechnik

Wann setzt man am besten ein WDVS mit Mineralwolle ein, wann Resol-Hartschaum oder Holzweichfaser? Auch bei den Oberflächen haben Bauherren die Qual der Wahl: Glaselemente, Klinkerriemchen oder doch lieber ein Edelkratzputz? Die neue WDVS-Übersicht von Saint-Gobain Weber gibt Orientierung. Foto: Saint-Gobain Weber

Fachliteratur

Fast jede Verglasung ist ein Unikat.

Fassade

Einzigartige Architektur und große Kunstwerke strahlen jetzt noch mehr durch die neue Innenbeleuchtung im Petersdom.

Beleuchtung

Fotos: Joachim Grothus für blocher partners

Projekte (d)

Helle, horizontale Bänder heben die Geschossdecken hervor und trennen die 22 Etagen optisch voneinander. Die Glasfassade tritt in den Hintergrund. Bild: Solarlux GmbH

Fassade

Cambridge Mosque. Foto: Blumer-Lehmann AG

Termine

Bild: Georg Aerni und schindlersalmerón

Einrichtung

Wirkt in jedem Umfeld großzügig und komfortabel: der High table des Programms 9500/9550 von Kusch-Co. In dieser Ausführung mit der neuen, samtigen Oberfläche (FENIX®) mit Anti-Fingerprint-Eigenschaften. Foto: Kusch+Co.

Einrichtung

Glänzender Effekt: Im geschliffenen Betonboden spiegeln sich die Lichtquellen. Foto: HG Esch

Hochbau

Bildrechte: C.Konrad + St.Schneider Minidommarchiv 1991

Termine

Anzeige AZ-C1a-300x250 R8

Anzeige AZ-C1b-300x600 R8
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen