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Sa, Apr

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Klimawandel prägt Entwicklung der Glastechnologie

FOUR Frankfurt

Fassade

Die Ölkrise verschaffte der Beschichtungstechnologie ab 1973 einen Boom. Fünzig Jahre später sind emissionsreduzierende Wärmedämm- und Sonnenschutzverglasungen aufgrund klimabedingt steigender Temperaturen und hoher Energiepreise wichtiger denn je.

Durch die deutliche Reduzierung des Energieverlustes am Randverbund tragen Warm Edge Spacer-Systeme wie Super Spacer zusätzlich zur Energieeffizienz von Glasfassaden bei. Große Verglasungsspezialisten profitieren darüber hinaus von der erhöhten Produktivität bei der automatisierten Produktion von Zweifach- und Dreifachverglasungen und insbesondere von der Parallelität des Abstandhalters auch innerhalb großer Isolierglaseinheiten. "FOUR Frankfurt" und das "Neue Podium" des Pressehauses am Berliner Alexanderplatz sind zwei aktuelle Projekte, bei denen der flexible Abstandhalter vom Glasverarbeiter AGC Interpane, einem seit Jahrzehnten anerkannten Marktführer in der Beschichtungstechnologie, eingesetzt wurde.

Hohe bauphysikalische Anforderungen für FOUR Frankfurt

1982 stellte Interpane mit iplus neutral das erste silberbeschichtete und damit farbneutrale Wärmedämmglas der Welt vor. Anfang der 1990er Jahre folgte das Sonnenschutzglas ipasol 66/34, das dank seiner doppelten Silberbeschichtung eine Lichttransmission von 66 Prozent und einen Gesamtenergiedurchlassgrad von nur 34 Prozent erreichte. Norman Foster verlieh ihm den Ritterschlag, als er es für die Verglasung des 1997 eröffneten Commerzbank-Hochhauses im Frankfurter Bankenviertel auswählte.

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Wie alle Finanzzentren durchlebt das Frankfurter Bankenviertel eine Transformation zum Mixed-Use-Viertel, in dem man nicht nur arbeitet, sondern auch lebt. Zu den Büroflächen gesellen sich Angebote für Wohnen, Gastronomie, Hotellerie, Kinderbetreuung und Einzelhandel. Symbol für diesen Veränderungsprozess ist eines der aufsehenerregendsten Bauprojekte der letzten Jahre in Deutschland: Das FOUR Frankfurt, das der Projektentwickler Groß & Partner seit 2018 baut. Auf dem ehemaligen Deutsche-Bank-Dreieck zwischen Junghofstraße, Große Gallusstraße und Neue Schlesingergasse entstehen vier zwischen 100 und 233 Meter hohe Türme, die durch einen gemeinsamen, 6-geschossigen Sockel mit einer öffentlich zugänglichen, begrünten Terrasse verbunden sind. „Eine Stadt für alle“ wollte das Amsterdamer Architekturbüro UNStudio um Ben Berkel mit seinem Entwurf schaffen. Verbindungswege, Passagen und Plätze schließen das 1,6 Hektar große Projektgebiet an die Innenstadt an. Auch die Integration einer denkmalgeschützten Fassade aus den 1950er Jahren entlang der Junghofstraße ordnet sich diesem städtebaulichen Entwurf unter. Sie wird an zwei Stellen geöffnet und ist gleichzeitig Aushängeschild für das neue 5-Sterne Boutiquehotel.

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Unter den zahlreichen Türmen, die derzeit in Frankfurt im Bau oder in Planung sind, nimmt das Ensemble eine herausragende Rolle ein. Trotz der extremen Verdichtung wirken die Hochhäuser dynamisch und elegant und bieten den Gebäudenutzern von vielen Standpunkten aus ein großes Sichtfeld sowie einen hohen Tageslichteinfall. Die sechseckigen Grundrisse sind jeweils 90 Grad um die Längsachse gedreht. Vertikale, gebäudehohe Rahmen, Faltungen sowie das Spiel mit unterschiedlichen Materialien innerhalb der Fassade verleihen dem FOUR eine einzigartige visuelle Wirkung.

Vier Türme gleichzeitig auf engstem Raum im Bau, 200.000 BGF, die es zu planen und gewerketechnisch, terminlich sowie logistisch zu koordinieren galt. Die Planungsleistung der ARGE UNS + HPP sowie der Groß-Tochter GP CON, die unter anderem den Rohbau und die Baustellenlogistik verantwortet, ist exzeptionell. BIM, größtmögliche Modularität und ein hoher Vorfertigungsgrad sorgen für ein Bautempo, das trotz Pandemie und der nachfolgenden Lieferkettenproblematiken beeindruckend ist. Im Jahr 2018 begann der DGNB-zertifizierte Rückbau, Ende 2024 soll der letzte Turm fertiggestellt sein.

FOUR Frankfurt wird das erste Bauprojekt, das nach dem Nutzungsprofil „Vertical Cities“ der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifiziert wird. Die innenliegende Dreifachverglasung erfüllt die hohen Anforderungen an Schallschutz und Energieeffizienz und ist daher ein wichtiger Baustein innerhalb der angestrebten Platin-Zertifizierung. Ebenfalls bemerkenswert ist die geothermische Aktivierung der Gründungspfähle. In Verbindung mit Wärmepumpen werden sie eine Leistung von rund 1.700 Megawattstunden jährlich liefern.

Die Hochhäuser T1 und T4 sind reine Bürotürme mit Flächen für bis zu 4.000 Beschäftigte, der 173 Meter hohe T2 sowie der 120 Meter hohe T3 bieten in rund 600 Wohnungen Raum für bis zu 1.000 Menschen. Den Fassadenbauauftrag für T2 und T3 und das Podium konnte sich der Gundelfinger Fassadenspezialist Gartner sichern, AGC Interpane liefert rund 24.000 m2 Verglasung für die doppelt ausgeführten, 40.000 m2 großen Elementfassaden, die an vielen Stellen durch Loggien unterbrochen sind, sowie das Podium. Die Podiumsteile sind zum großen Teil als Pfosten-Riegel-Fassaden ausgeführt, im Sockelbereich des T3 wird die denkmalgeschützte Fassade integriert.

Für die Fassadenberatung und -entwicklung zeichneten Emmer Pfenninger Partner und Priedemann Fassadenberatung verantwortlich. Heidi Starré, während der Planungsphase Projektleiterin im Team von Emmer Pfenninger Partner, zu den Anforderungen an die Fassade: „Aufgrund der unterschiedlichen Materialien sowie der Faltungen und Knicke in den Fassaden war die Umsetzung der Elementfassade komplex. Sich gegenseitig beeinflussende oder gar widersprechende Planungsparameter wie Tageslichteinfall, Wärmeschutz, Kühllast- und Heizlastreduzierung stellten darüber hinaus hohe Anforderungen an die Bauphysik.“ Für die thermische Gebäudehülle aller Türme sollte trotz unterschiedlicher Nutzung ein identisches, hocheffizientes Grundkonzept entwickelt werden. Um Ucw-Werte von weit unter 1 W/(m²K) zu erreichen, wurden für die Sonnenschutzverglasung g-Werte von circa 0,34 vorgegeben. „Eine Warme Kante gehört heute praktisch zum Standard bei solchen Projekten, anders sind die geforderten bauphysikalischen Eigenschaften nicht zu erreichen“, fährt Starré fort.

Die Dreifachverglasung für die beiden Wohntürme hat von innen nach außen den Aufbau neutrales Sonnenschutzglas ipasol 70/37, Wärmedämmglas iplus 1.1 und Stopray Vision 60 Sonnenschutzglas mit verbesserter Wärmedämmung. Für das Podium ist eine Zweifachverglasung aus iplus 1.1 und Stopray Vision 62 beauftragt. In beiden Fällen wurde Super Spacer SG als Warme Kante Abstandhalter verwendet. Joachim Stoß, Vice President International Sales bei Edgetech Europe/Quanex Inc., erklärt: „Die robotergestützte Applikation des Spacers von der Rolle ermöglicht minimale Toleranzen und stellt die Parallelität auch großer Scheiben sicher.“

Hoch selektive Sonnenschutzverglasung für „New Pavillon“ am Haus des Berliner Verlages

Städtebaulich ebenso bedeutend, wenn auch aus anderen Gründen, ist der Berliner Alexanderplatz. Das in seiner nordöstlichen Peripherie gelegene, 1970 bis 1973 errichtete „Haus des Berliner Verlages“ – das heutige „Pressehaus am Alexanderplatz“ – wurde lange Zeit als Abbruchkandidat gehandelt, um einem seit den 1990er Jahren geplanten Hochhauskranz zu weichen. 2015 wurde das vom Kollektiv Karl-Ernst Swora entworfene Gebäude jedoch unter Denkmalschutz gestellt, zwischen 2017 und 2021 aufwändig saniert und mit einem gläsernen Neubau erweitert. Zum Ensemble gehört auch das 2-geschossige ehemalige Pressecafé mit dem Wandfries “Die Presse als Organisator” von Willi Neubert, das nach der Wende unter einer Werbeblende verborgen und im Rahmen der Sanierung freigelegt wurde.

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Hinter dem Bestandshaus wurde nach den Entwürfen des verantwortlichen Büros gmp - Gerkan, Marg und Partner ein moderner, 7-stöckiger Glasbau, das „New Podium“ errichtet. Die oberhalb der Traufhöhe doppelt geneigten Dachflächen und das Spitzdach orientieren sich an der Architektur des benachbarten Scheunenviertels, die vertikalen Lisenen stellen eine Verbindung zum Altbau her. Interpane lieferte auch für dieses Objekt die hochselektive Sonnenschutzverglasung, mit dem Fassadenbau war der Gersthofener Fassadenspezialist seele beauftragt. Das Verglasungsvolumen betrug insgesamt rund 7.000 m2 Zweifach-Isolierglas aus 10 bzw. 12 mm dreifach silberbeschichtetem ESG ipasol ultraselect 62/29 als Außenglas und VSG als Innenglas mit Super Spacer T-Spacer SG als Warmer Kante.

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Daniel Bruckelt, Leiter der Isolierglasproduktion bei AGC Interpane in Plattling erklärt: „Diese Verglasung bietet eine hohe Tageslichttransmission bei einem niedrigen Gesamtenergiedurchlassgrad sowie eine besonders farbneutrale An- und Durchsicht aus jedem Winkel. Die Menge an Modelgläsern war bei diesem Gebäude relativ hoch und auch die Logistik stellte aufgrund der getakteten Baustellenanlieferung eine echte Herausforderung dar. Mit dem flexiblen Super Spacer konnten wir die bis 2,80 x 7,70 m großen und 1.600 kg schweren Isolierglaseinheiten auch bei kleinen Losgrößen auf der automatischen Linie wirtschaftlich und termingerecht fertigen.“

Super Spacer Warme Kante für thermisch optimierte Fassaden

Das gesamte Ensemble ist LEED Gold zertifiziert. „Beim Aufbau von Immobilienportfolios werden die ESG-Kriterien immer wichtiger – allen voran natürlich im Hinblick auf den ersten Buchstaben E, der für Environment steht“, erklärt Stoß und fährt fort: „Ein Warme Kante Abstandhalter wie Super Spacer ist das einfachste Mittel, um Isolierglaseinheiten thermisch zu optimieren, denn die Leitfähigkeit des Abstandhalters im Randverbund ist mitentscheidend für die Wärmedämmwerte eines Fensters. Eine Faustformel besagt, dass eine Differenz von 0,04 W/mK beim längenbezogenen Wärmedurchgangskoeffizienten Psi gleichbedeutend ist mit einer Verbesserung von 0,1 W/m2K beim Uw-Wert. Der Super Spacer Premium erreicht einen Psi-Wert von bis zu 0,028 W/mK und zählt damit zu den energieeffizientesten Abstandhaltern am Markt.“

superspacer.com


Mit der Showcase Factory wurde ein wirksames bauliches Zeichen nach innen wie auch nach außen gesetzt. Fotograf Olaf Mahlstedt

Projekte (d)

Bildquelle: Brigida Gonzalez

Projekte (d)

Der Anspruch einer ökologisch sensiblen Außenbeleuchtung setzte sich bei der Illuminierung des Magazinbaus mit seiner Fassade aus gefalteter Bronze fort. Zur strikten Vermeidung von Skyglow wurde in akribischer Abstimmung mit den Beteiligten und mittels nächtlicher Bemusterungen eine Streiflichtlösung mit Linealuce-Bodeneinbauleuchten erarbeitet. Foto: HG Esch

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