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Mo, Apr

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Dynamisches Sitzen

In den vergangenen hundert Jahren bildete sich eine neue Typologie von Stühlen heraus, bei denen Sitz und Rücken nicht voneinander getrennt sind, sondern ein Kontinuum bilden. Bereits 1927 gelang Mies van der Rohe mit dem Freischwinger MR 20/3 der erste Höhepunkt dieser Entwicklung, später folgten Schalenstühle aus Formsperrholz, Blech oder Kunststoff von Gestaltern wie Rietveld, Aalto und Coray und vielen anderen. Charles und Ray Eames verwendeten 1956 bei ihrem Aluminium Chair erstmals ein Textil, das unter Spannung zwischen zwei parallelen Aluminiumprofilen gespannt war, als elastischen und frei tragenden Sitz- und Rückenbezug.

Auch die Konstruktion von »Physix« basiert auf der Grundidee, eine durchgehende Sitzschale zu schaffen, indem ein Textil zwischen zwei seitlichen Holmen verspannt wird. Damit steht der Stuhl als letztes Glied in einer langen Ahnenreihe von Stuhl-Ikonen, der Mailänder Designer Alberto Meda entwickelt die Typologie aber entscheidend weiter und überträgt diese auf den Bereich der Büroarbeitsstühle. Unter Nutzung aktueller material- und produktionstechnischer Möglichkeiten komponiert Meda drei Elemente zu einem dynamischen Sitzerlebnis: eine flexible Rahmenkonstruktion, einen elastischen Strickbezug und eine stabilisierende Mechanikeinheit.

Mit der filigranen Rahmenkonstruktion von »Physix« werden die Möglichkeiten moderner Kunststoffe in Bezug auf Flexibilität und Stabilität konsequent ausgenutzt. Die organischen Seitenholme aus Polyamid lassen sich wie bei einem flexiblen Scharnier verformen, das der Bewegung des menschlichen Körpers beim Zurücklehnen folgt. Die Elastizität der schlanken Profile steuert Meda, indem er diese über eine Veränderung des Querschnitts in flexible und starre Zonen gliedert. Die flachen Armlehnen des Stuhls sind auf ähnliche Weise verformbar, während die übrigen Rahmenelemente in hochfestem Kunststoff ausgeführt sind. Eine einteilige Bespannung aus Formgestrick wird zwischen den Seitenholmen aufgespannt und bildet so eine frei tragende, durchgehende Sitz- und Rückenpolsterung.

Alberto Meda mit dem Bürostuhl Physix  für Vitra

Für »Physix« entwickelten Alberto Meda und Vitra ein mehrfädiges, hoch belastbares Formgestrick, das gleichzeitig in sich so elastisch ist, dass es eine dreidimensionale Verformung der Sitzschale erlaubt. Rahmen und Bespannung von »Physix« folgen den Bewegungen des Nutzers in alle Richtungen, sogar diagonal – etwa wenn der Nutzer sich zurücklehnt, um über seine Schulter zu schauen. Der Strickbezug verfügt zudem über verdichtete Zonen, die beispielsweise im Lumbalbereich für die notwendige Stützung des Rückens sorgen. In seiner Transparenz trägt das Stricktextil zudem zur visuellen Leichtigkeit des Stuhls bei und erlaubt fein nuancierte Farbkombinationen. Kunststoffrahmen und Strickbezug alleine würden zwar eine dynamische, aber wenig kontrollierbare Bewegung erlauben. Erst dank einer in den Stuhl integrierten Synchronmechanik kann »Physix« einen präzise gesteuerten biomechanischen Bewegungsablauf bieten. Zwei Aluminiumbügel auf der Rückseite des Stuhls übertragen die Bewegung der Seitenholme auf Spiralfedern, die in einem Gehäuse unter dem Sitz untergebracht sind. So entsteht ein in jeder Sitzposition exakt steuerbarer und gewichtsabhängig regulierbarer Bewegungsablauf, bei dem sich Sitz und Rücken in einem festgelegten Verhältnis synchron zueinander bewegen und den Nutzer immer wieder in seine Ausgangsposition zurückbringen. Die beiden Hebelarme der Mechanikeinheit sind dabei voneinander entkoppelt und steuern die Seitenholme aus Kunststoff unabhängig voneinander an – dies erlaubt viel Freiheit bei seitlicher Bewegung.

In der Summe bilden alle drei Elemente eine Konstruktion, die in einem Zusammenspiel von flexiblen und festen Elementen die Möglichkeiten des dynamischen Sitzens neu auslotet.

Vitra, www.vitra.com


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