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Sep

Marinekaserne in Amsterdam von Wansleben Architekten

Projekte (d)
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Die »KMAR - Koninklijke Marechaussee« lässt sich am besten als eine Polizeiorganisation mit Militärstatus beschreiben. Organisatorisch ist sie seit 1998 neben der Armee, der Marine und der Luftwaffe die vierte eigenständige Organisationseinheit des niederländischen Verteidigungsministeriums.

Wansleben Architekten haben versucht, die Spannung zwischen

  • Regel + Ausnahme
  • Wiederholung + Variation
  • Statik + Kinetik
  • Fläche + Struktur
  • Kontext + Objekt
  • Bedeutung + Rätsel
  • Gruppe + Individuum
  • Ordnung + Chaotik
  • Vielfalt + Schlichtheit auszuloten.
Sie sehen hierin einen Ausdruck für die ambivalente Situation der Nutzer, zwischen der Institution und dem Individuum, das ihr dient, zwischen dem Polizisten als Funktion in der Uniform und der Person darunter, zwischen der Gesellschaft, die Sicherheit fordert, aber die Sicherheitskräfte skeptisch betrachtet. Hierdurch erhält das Gebäude Bedeutung und kann in einen Dialog mit dem Betrachter und Nutzer treten. Laut Wansleben Architeken spricht es zu der Stadt, die es hervorgebracht hat. Es vermittelt eine Botschaft über seine Identität, um diese auch gleichzeitig zu verschleiern.


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Man meint das Gebäude sehr schnell zu verstehen, beim näheren Betrachten heben sich die Gewissheiten aber wieder auf. Ist das Gebäude dunkel oder hell? Ist es geschlossen oder transparent? Wie viele Geschosse hat es eigentlich? Diese Fragen lassen sich nicht mehr eindeutig beantworten. Hinzu kommen die unterschiedlichen Eindrücke durch verschiedene Lichtverhältnisse oder Witterungen. Der Betrachter bildet sein eigenes Urteil, das allerdings nur für den Augenblick gilt. Die nächste Begegnung, der zweite Blick, führt zu anderen Sichtweisen.

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Um das Projekt in seiner Nutzungsbedeutung kenntlich zu machen, wurde die Typologie der »Burg« gewählt. Merkmale wie der Zugang über eine Rampe durch ein Tor auf einen höher gelegenen Hof oder die Spindeltreppen zwischen den Geschossen sind hierauf zurück zu führen. Städtebaulich ist es ein Pendant zum Scheepvaartmuseum und bildet so Anfang und Ende einer stadträumlichen Sequenz.

Zahlreiche ambitionierte Bauprojekte, unter anderem auf Java-Ijland, Zeeburg und an der Westerkade, entwickelten in den vergangenen Jahren eine spezifische Amsterdamer Architektur an den verschiedenen Wasserfronten. Ein Gelände im Oosterdock, angrenzend an das Schifffahrtsmuseum und unweit des Hauptbahnhofs, weckte Begehrlichkeiten der Stadt, die mit weiterer Bebauung dem chronischen Wohnraummangel Abhilfe schaffen wollte.

Doch der Eigentümer, die niederländische Marine, wehrte sich gegen städtische Ansprüche, auch weil der zwischenzeitlich nur extensiv genutzte Ort für sie prestige- und geschichtsträchtig ist: Hier nahm im Zuge der Gründung der Ostindischen Kolonie auch die Niederländische Marine ihre Anfänge.

Der Kölner Architekt Norbert Wansleben entwickelte für die Marine ein auf lokal-historische und bautypologische Metaphern beruhendes Konzept, das sowohl die militärische als auch die rezente architektonische Tradition Amsterdams fortschreibt: Er entwarf eine stadtgewandte Festung. Von der Innenstadt kommend, eine der vielen Amsterdamer Brücken überquerend, eröffnet das Schifffahrtsmuseum eine städteräumliche Sequenz – auf der einen Seite ans Wasser grenzend, zur Straße durch eine Mauer markiert-, die nun vor der Überquerung der folgenden Brücke durch Wanslebens Bau geschlossen wird. Wie das Schifffahrtsmuseum ist das neue Gebäude ein Würfel.

Die Fassade besteht aus Beton, besetzt mit dunklen Natursteinen und 1750 Fenstern gleicher Abmessung, die in einem strengen Raster angeordnet sind. Dadurch wirkt der »wehrhafte Bau« zwar intransparent – so sind auf Sichthöhe bewusst keine Fenster – und dennoch kommunikativ: Tags reflektiert das Glas Wasserbewegungen, nachts wechselt die Fassade ihre Muster je nach beleuchteten Zimmern. Wansleben sagt: »Mir geht es um Ambivalenzen zwischen Bedeutung und Rätsel, Ordnung und Chaos, dem Formellen und Informellen, die zu einem zweiten, wiederholten Blick anregen. Die hierdurch wachsende Neugier des Betrachters ist das eigentliche Ziel: Das Gebäude bleibt dem Betrachter, der Amsterdamer Öffentlichkeit nicht gleichgültig«.

Das Thema der Festung schreibt sich in den Strukturmerkmalen fort: Für die Autorisierten Nutzer erfolgt Zugang über Rampen und Falttore, die dann in einen abgestuften, auf der niedrigeren Stufe als Parkplatz konzipierten, auf der höheren Stufe begrünten Innenhof gelangen. Hier öffnet sich das Gebäude durch großzügige Fenster; entsprechend licht sind die Büroräume. Farbig lasierte Holzblenden lassen Erinnerungen an nordische Sommer aufkommen. Während sich die Außenfassade also als schützendes Schild um das Gebäude legt und Distanz schafft, verspricht die Innenhofgestaltung ein angenehmes Arbeitsklima.

Die architektonische Öffentlichkeit Amsterdams zeichnete Wanslebens Bau durch die Nominierung für den Amsterdamer Architekturpreis 2009 aus; und die Marechaussee zeigte sich so befriedigt über ihre stadtgewandte Festung, dass sie zur Eröffnung eine echte Festungsnahme inszenierte – mit Panzern und (lauten, aber unschädlichen) Granaten.


Auftraggeber: Ministerie van Defensie, www.defensie.nl
Architektur: Wansleben-Architekten, www.wansleben-architekten.de
Projektleitung: Christian Korte (Ausführung), Peter Schmidt (Planung), Martin Güldenberg (Entwurf)
Statik: Arup, www.arup.com
Bauphysik: Schreuder Groep, www.schreuder.nl
Aussenanlagen: EGL Plan GmbH, www.egl-plan.de
Geothermie: IF Technology, www.iftechnology.nl
Projektmanagement: Architec, www.architec.nl

Konstruktion
Abmessungen: Kantenlänge: 42,80 m / 42,80 m, 5 Geschosse, Höhe 18 m
Gründung: 119 Stahlbetonpfähle,
Einrammtiefe ca. 22m
Aussenfassade: Betonfertigteile, hinterlüftet
Tragschale: Betonfertigteile, Oberfläche Sichtbeton
Stützen: Betonfertigteile, Sichtbeton
Decken Parkebenen: Spannbetonhohldielen
Decken Verwaltungsbereich: Filigrandecken mit Aufbeton, integrierte Betonkernaktivierung, Hohlraumboden
Innenhoffassade: Stahlblech verzinkt, hinterlüftet, 138 motorbetriebene Holztafeln als Verschattungselemente; Brandschutzverglasung als Pfosten-Riegelfassade in Sichtbeton

Beteiligte Unternehmen
Fertigbetonteile: Hering Bau GmbH & Co. KG, www.heringinternational.com
Sicherheitstechnik: Honeywell, www.honeywell.com
Fotovoltaik, Sonnenschutz: Colt International, www.colt-info.nl
Metallbau: Schooten contructiebedrijf, www.schooten.nl
Aluminiumfenster: Polybouw, www.polybouw.nl
Holzfenster: De Kock van Gelder, www.kockvangelder.nl
Tore: Belu Tec, www.belutec.com
Stahlnetz: Carl Stahl GmbH, www.carlstahl.de
Sanitäreinrichtung: Alape GmbH, www.alape.com
Schalter: Albrecht Jung GmbH & Co KG, www.jung.de
Trittstufen, Bodenbelag Stahltreppe: Alcan Singen, www.alcan.com
Deckensegel: BER-DeckenSysteme, www.ber-deckensysteme.de
Zäune Garagen: Betafence NV, www.betafence.com
Glasschiebetüren, Trennwandsysteme: Dorma GmbH und Co KG, www.dorma.com
Befestigung, Hinterschnittanker: Fischer Befestigungstechnik GmbH & Co KG, www.fischer.de
Drückergarnituren: fsb, www.fsb.de
Leuchten: Herbert Waldmann GmbH & Co. KG, www.waldmann.com
Aluminiumfenster: Heroal, www.heroal.de
Entlüftungsgitter: Renson, www.renson.be
Fassadendämmung: Rockwool, www.rockwool.de
Holzlasuren: Sikkens, www.akzonobel.com
Fensterbeleuchtung: Siteco Beleuchtungstechnik GmbH, www.siteco.de
Sanitärarmaturen: Vola GmbH, www.vola.de
Gründachsystem: Zinco GmbH, www.zinco.de
Leuchten: Zumtobel, www.zumtobel.com


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Fast jede Verglasung ist ein Unikat.

Fassade

Einzigartige Architektur und große Kunstwerke strahlen jetzt noch mehr durch die neue Innenbeleuchtung im Petersdom.

Beleuchtung

Fotos: Joachim Grothus für blocher partners

Projekte (d)

Helle, horizontale Bänder heben die Geschossdecken hervor und trennen die 22 Etagen optisch voneinander. Die Glasfassade tritt in den Hintergrund. Bild: Solarlux GmbH

Fassade

Cambridge Mosque. Foto: Blumer-Lehmann AG

Termine

Bild: Georg Aerni und schindlersalmerón

Einrichtung

Wirkt in jedem Umfeld großzügig und komfortabel: der High table des Programms 9500/9550 von Kusch-Co. In dieser Ausführung mit der neuen, samtigen Oberfläche (FENIX®) mit Anti-Fingerprint-Eigenschaften. Foto: Kusch+Co.

Einrichtung

Glänzender Effekt: Im geschliffenen Betonboden spiegeln sich die Lichtquellen. Foto: HG Esch

Hochbau

Bildrechte: C.Konrad + St.Schneider Minidommarchiv 1991

Termine

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Fachliteratur

Bild: Westfalenhallen Unternehmensgruppe

Fachartikel

Mit Motivdruck lassen sich raumhohe WC-Trennwandsysteme aus Sandwichelementen individualisieren. Foto: Schäfer Trennwandsysteme

Innenausbau

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