24
Aug

J. Mayer H. webt ein grünes Netz für die Autostadt

Projekte (d)
Dass jeder zumindest wissen sollte, was es mit dem Begriff »Nachhaltigkeit« auf sich hat, daran besteht kein Zweifel. Dass es sinnvoll ist, sich über Ressourcenschonung, Klimaproblematik und Umweltschutz zu informieren, steht ebenfalls außer Frage. Dass die Themen allerdings in letzter Zeit etwas überstrapaziert und fast schon ausgelutscht wurden, muss leider auch erwähnt werden.

Vor allem große Konzerne schmücken sich mit wichtigen Statements und Kampagnen zur Nachhaltigkeitsdebatte. Man präsentiert sich in der Öffentlichkeit gerne äußerst verantwortungsvoll im Umgang mit Mensch, Umwelt und Wirtschaft. Das ist zurzeit nun mal »in« - das gehört zu einer guten PR- und Marketingstrategie dazu. Vor allem die nicht immer für ihre nachhaltige Produktion und Unternehmenspolitik gerühmten Automobilfirmen sehen darin eine große Chance, ihr Image aufzupolieren.

Volkswagen hat sich nun auch zu diesem Thema öffentlichkeitswirksam etwas einfallen lassen: eine neue Dauerausstellung in dem Service- und Kommunikationszentrum Autostadt in Wolfsburg. Unter dem Motto »Level Green – Die Idee der Nachhaltigkeit« werden dort auf 1.000 Quadratmetern die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, Ökologie, Gesellschaft und Ökonomie, besuchergerecht aufbereitet und multimedial serviert. 

Um eine entsprechende Aufmerksamkeit in den Medien und der Öffentlichkeit zu garantieren, wird das lehrreiche Informationsangebot nicht bloß auf langweiligen, an die Wand geschraubten Bildschirmen präsentiert. Für den ästhetischen Rahmen der Ausstellung hat man einen der bekanntesten deutschen Architekten engagiert, der für extravagante und aufsehenerregende Entwürfe bekannt ist: Jürgen Mayer H. aus Berlin. Aber das, was der unkonventionelle Architekt in Wolfsburg für die Ausstellung kreiert hat, ist nicht nur einen oberflächlichen Blick und anerkennendes Kopfnicken wert, sondern einen staunenden Besuch: Jürgen Mayer H., der gerne Muster aus verschlüsselten Daten und Zahlen in Architektur übersetzt, hat sich für die Ausstellung künstlerisch mit dem PET-Symbol auseinandergesetzt. Das Symbol für Kunststoffrecycling, bestehend aus drei grünen Pfeilen, hat er Schritt für Schritt abstrahiert, extrudiert, verdreht und verwoben, bis eine raumgreifende, netzartige Struktur zum Vorschein kam. Die verzweigten und verschlungenen Bänder verknüpfen die Exponate zu einer ganzheitlichen dreidimensionalen Form. Das neongrüne Flechtwerk definiert verschiedene Ausstellungsbereiche, in denen Volkswagen die Besucher spielerisch, ohne einen vorgegebenen Ausstellungsweg, über Themen wie die sozialen und ökonomischen Konsequenzen des Klimawandels oder über die Möglichkeiten für jeden einzelnen, sich nachhaltig zu verhalten, informieren möchte.

Die Konstruktion des Netzwerkes besteht aus Holzfaserplatten (MDF), die einer Brandschutz-Spezialbehandlung unterzogen wurden. Aus insgesamt 126 individuellen geschwungenen Holzelementen setzt sich die auffällige Ausstellungsarchitektur zusammen. Die vertikalen Elemente wurden im Inneren zusätzlich mit einer Stahlkonstruktion verstärkt und fest mit dem Boden verankert. Für den giftgrünen Anstrich wurde ein Autolack auf Acrylbasis gewählt, der den hohen Nutzungsanforderungen gerecht werden musste. Dieser Lack sei nach strengen Umweltschutzkriterien gewählt worden, betont Volkswagen nachdrücklich. Die schwarzen Informationsdisplays wurden entweder zwischen den Ausstellungsbereichen aufgestellt oder in die vertikalen Elemente der Netzstruktur integriert. Technische Installationen wie Beleuchtungselemente bauen die Architekten von J. Mayer H. ebenfalls in das Design des Netzes mit ein.

Zweifelsohne hat die »Level Green«-Ausstellung einen würdigen und vor allem knalligen Rahmen bekommen. Mit Jürgen Mayer H. hätte sich Volkswagen keinen Besseren aussuchen können, um solch ein abstraktes Thema anschaulich und ansehnlich darzustellen, Neugier zu wecken und Besucher in die Autostadt zu locken. Diese außergewöhnliche Präsentation ist auch nötig, um sich von den vielen anderen Nachhaltigkeitsinitiativen und Events abzuheben.



Projektdetails

Dauerausstellung: Level Green – Die Idee der Nachhaltigkeit

Ort: Autostadt in Wolfsburg, Volkswagen KonzernForum

Architektur: J. Mayer H.,www.jmayerh.de

Szenografie und Mediengestaltung: Art+Com, Berlin

Fotos: Uwe Walter


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Fotos: Hackl Hofmann Landschaftsarchitekten

Außenraum

Models begrüßen die Besucher der Designers‘ Open. Foto: Tom Schulze

Menschen

Der Schinkelplatz wurde 1837 von Peter Joseph Lenné entworfen und ist nach dem preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel benannt. Foto: Marcus Ebener

Fassade

Regionaltechniker Daniel Fecke

Unternehmen

Licht und Akustik spielen harmonisch zusammen. Die akustisch wirksamen Pads von Rossoacoustic setzen mit Farbe und Design Akzente an der Decke und nehmen Einfluss auf die gesamte Raumwirkung. Foto: Nikolaus Grünwald, Gerlingen

Einrichtung

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