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Aug

Studio 0.10 baut die MuSh Residence

Projekte (d)
Nein, die Bezeichnung „MuSh Residence“ für das Wohnhausprojekt des Architekturbüros Studio 0.10 hat seinen Ursprung nicht im englischen Begriff „mushroom“, denn an Pilze erinnern die beiden massiven kubischen Gebäude nicht mal im Entferntesten. Der Name ist vielmehr ein Akronym, ein aus Anfangsbuchstaben bzw. -silben zusammengesetztes Wort, das sich in diesem Fall aus den Namen der Hausbesitzer ergibt: Manfred Mueller, ein in Düsseldorf geborener zeitgenössischer Künstler und seiner Frau Rose Shoshana, Betreiberin einer Galerie für Kunst und Fotografie in Los Angeles. Dass Kunst im Leben des Paares rund um die Uhr eine große Rolle spielt, ist unschwer zu raten.

Nach zwölf Jahren hatten die beiden genug von ihrem bisherigen Wohndomizil, einem schicken Loft. Vor allem der fehlende Zugang zu einem außen liegenden Freiraum ließ den Wunsch nach einem „Eigenheim“ aufkommen.

Manfred Mueller und seine Frau beauftragten das Büro Studio 0.10 mit dem Entwurf eines Einfamilienhauses, in das nicht nur das Atelier des Hausherren integriert werden sollte, sondern ebenso eine großzügige Ausstellungsfläche für die Kunstwerke und Fotografien der Galeristin. Außerdem sollte das Haus eine zweite unabhängige Wohnung für die Mutter der Hausherrin bereit stellen. Eine komplexe Aufgabe also, die Privates mit Öffentlichem verbindet, denn Innen- und Außenraum würden sowohl von den Hauseigentümern, als auch von Ausstellungsbesuchern genutzt werden.

In einer ruhigen und beschaulichen Wohnsiedlung in Los Angeles wurde das passende Grundstück für das geplante Objekt gefunden. Die Struktur der Nachbarschaft ist geprägt von kleinen Einfamilienhäusern im Landhausstil, von denen die meisten noch von ihren ursprünglichen Erbauern bewohnt werden. Aber mehr und mehr gehen die Häuser und Grundstücke in den Besitz von neuen Eigentümern über, die sich ihren Traum vom Eigenheim erfüllen möchten. Mit diesen neuen Hausbesitzern wechseln auch die architektonischen Ansprüche und ästhetischen Vorstellungen des Viertels. Unter dem Einfluss des In-Viertels Sawtelle, ganz in der Nähe der Wohnsiedlung, entstehen zunehmend experimentelle Wohnhausentwürfe, die sich über jegliche Sehgewohnheiten der originären Siedlungsbewohner hinwegsetzen.

Die MuSh Residence von Studio 0.10 verdeutlicht diesen gestalterischen Umbruch. Auf dem 15x46-Meter-messenden Grundstück steht kein verputztes Einfamilienhaus mit Satteldachkrönung, sondern zwei große Kuben mit Fassadeneinschnitten und Auskragungen, eingehüllt in eine dunkelgrauen Fassade aus Zinkblechen, die in der Sonne lebendig schimmert, während sie im Schatten monolithisch ruhig wirkt. Die Treppenaufgänge wurden optisch deutlich in Szene gesetzt und an den Rand der Geschosse geschoben, um sie wie Bänder um die Fassade zu wickeln. Die großflächigen Fenster erfahren eine ebensolche Würdigung, sind zum Teil als herausgeschobene Kastenfenster gestaltet und wirken so wie Schaukästen einer edlen Modeboutique. Die Fensterrahmen und -laibungen wurden aus dunkelbraunem Ipé-Holz gefertigt, das gut mit dem dunklen Zink harmoniert.

Der zur Straße gelegene, kleiner Kubus bietet auf zwei Ebenen Platz für das Atelier des Künstlers, das eigenständige Appartement der Mutter sowie für ein große Garage, die ebenfalls für die Kunstproduktion genutzt werden kann. Das hintere dreigeschossige Gebäude nimmt im Erdgeschoss die Nutzungen Wohnen, Kochen und Essen auf, im mittleren Geschoss befindet sich ein Büro sowie ein Gästezimmer und die oberste Etage dient den Hausherren als private Rückzugsebene. Zwischen den beiden Gebäuden spannt sich ein großer Innenhof auf, statt der traditionellen Aufteilung in Vorgarten und Parzelle hinter dem Haus.

Diese Freifläche hatten sich Mueller und Shoshana so sehr gewünscht, auch um dort Gäste und potenzielle Kunstkäufer zu empfangen. Für die Kunstinteressierten befindet sich im Haupthaus der Ausstellungsbereich. Um eine maximale Fläche für die Kunstwerke und Fotografien bereitzustellen, wurde nicht ein einzelner Ausstellungsraum geschaffen, sondern die Flächen für die Kunst ziehen sich wie ein Band durch das gesamte Haus. Wände, die Treppen, Fenster – alles fügt sich zu einem zirkulierenden dreidimensionalen Raum für die Kunst. Das Haus wird zu einer einzigen Ausstellungsfläche, in der sich die Besucher in alle Richtungen bewegen können. Diese Mischung aus ständig wechselnden Kunstwerken und den diskutierenden und umherwandernden Kunstkennern macht die MuSh Residence zu einem lebendigen Haus, das sein inneres Treiben gern nach außen zur Schau stellt.

Leben und Arbeiten in solch einem sich exhibitionierenden Haus ist sicher nicht jedermanns Geschmack, vor allem die auf traditionelle Werte bedachte alte Nachbarschaft wird sich sicher nicht nur über die beiden dunklen, massiven Gebäude aufregen, sondern sich auch bestimmt über die ein oder andere Fotografie beschweren.
Die beiden Hausbesitzer Mueller und Shoshana dürfte das aber zu recht wenig stören. Ihre Architekten haben ihnen ein Domizil geschaffen, das selbst wie ein Kunstwerk wirkt. Und dazu gehören nun mal Bewunderer und Kritiker.

 

 

 

 













Projektdetails

Ort: West Los Angeles, Kalifornien, USA

Auftraggeber: Manfred Mueller und Rose Shoshana

BGF: ca. 500 Quadratmeter

Planung: 2005-2006

Bau: 2006-2008

Bilder: Benny Chan; Studio 0.10 Architects, www.studio010.com


 


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Fotos: Hackl Hofmann Landschaftsarchitekten

Außenraum

Models begrüßen die Besucher der Designers‘ Open. Foto: Tom Schulze

Menschen

Der Schinkelplatz wurde 1837 von Peter Joseph Lenné entworfen und ist nach dem preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel benannt. Foto: Marcus Ebener

Fassade

Regionaltechniker Daniel Fecke

Unternehmen

Licht und Akustik spielen harmonisch zusammen. Die akustisch wirksamen Pads von Rossoacoustic setzen mit Farbe und Design Akzente an der Decke und nehmen Einfluss auf die gesamte Raumwirkung. Foto: Nikolaus Grünwald, Gerlingen

Einrichtung

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