22
Jul

Studio 0.10 baut die MuSh Residence

Projekte (d)
Nein, die Bezeichnung „MuSh Residence“ für das Wohnhausprojekt des Architekturbüros Studio 0.10 hat seinen Ursprung nicht im englischen Begriff „mushroom“, denn an Pilze erinnern die beiden massiven kubischen Gebäude nicht mal im Entferntesten. Der Name ist vielmehr ein Akronym, ein aus Anfangsbuchstaben bzw. -silben zusammengesetztes Wort, das sich in diesem Fall aus den Namen der Hausbesitzer ergibt: Manfred Mueller, ein in Düsseldorf geborener zeitgenössischer Künstler und seiner Frau Rose Shoshana, Betreiberin einer Galerie für Kunst und Fotografie in Los Angeles. Dass Kunst im Leben des Paares rund um die Uhr eine große Rolle spielt, ist unschwer zu raten.

Nach zwölf Jahren hatten die beiden genug von ihrem bisherigen Wohndomizil, einem schicken Loft. Vor allem der fehlende Zugang zu einem außen liegenden Freiraum ließ den Wunsch nach einem „Eigenheim“ aufkommen.

Manfred Mueller und seine Frau beauftragten das Büro Studio 0.10 mit dem Entwurf eines Einfamilienhauses, in das nicht nur das Atelier des Hausherren integriert werden sollte, sondern ebenso eine großzügige Ausstellungsfläche für die Kunstwerke und Fotografien der Galeristin. Außerdem sollte das Haus eine zweite unabhängige Wohnung für die Mutter der Hausherrin bereit stellen. Eine komplexe Aufgabe also, die Privates mit Öffentlichem verbindet, denn Innen- und Außenraum würden sowohl von den Hauseigentümern, als auch von Ausstellungsbesuchern genutzt werden.

In einer ruhigen und beschaulichen Wohnsiedlung in Los Angeles wurde das passende Grundstück für das geplante Objekt gefunden. Die Struktur der Nachbarschaft ist geprägt von kleinen Einfamilienhäusern im Landhausstil, von denen die meisten noch von ihren ursprünglichen Erbauern bewohnt werden. Aber mehr und mehr gehen die Häuser und Grundstücke in den Besitz von neuen Eigentümern über, die sich ihren Traum vom Eigenheim erfüllen möchten. Mit diesen neuen Hausbesitzern wechseln auch die architektonischen Ansprüche und ästhetischen Vorstellungen des Viertels. Unter dem Einfluss des In-Viertels Sawtelle, ganz in der Nähe der Wohnsiedlung, entstehen zunehmend experimentelle Wohnhausentwürfe, die sich über jegliche Sehgewohnheiten der originären Siedlungsbewohner hinwegsetzen.

Die MuSh Residence von Studio 0.10 verdeutlicht diesen gestalterischen Umbruch. Auf dem 15x46-Meter-messenden Grundstück steht kein verputztes Einfamilienhaus mit Satteldachkrönung, sondern zwei große Kuben mit Fassadeneinschnitten und Auskragungen, eingehüllt in eine dunkelgrauen Fassade aus Zinkblechen, die in der Sonne lebendig schimmert, während sie im Schatten monolithisch ruhig wirkt. Die Treppenaufgänge wurden optisch deutlich in Szene gesetzt und an den Rand der Geschosse geschoben, um sie wie Bänder um die Fassade zu wickeln. Die großflächigen Fenster erfahren eine ebensolche Würdigung, sind zum Teil als herausgeschobene Kastenfenster gestaltet und wirken so wie Schaukästen einer edlen Modeboutique. Die Fensterrahmen und -laibungen wurden aus dunkelbraunem Ipé-Holz gefertigt, das gut mit dem dunklen Zink harmoniert.

Der zur Straße gelegene, kleiner Kubus bietet auf zwei Ebenen Platz für das Atelier des Künstlers, das eigenständige Appartement der Mutter sowie für ein große Garage, die ebenfalls für die Kunstproduktion genutzt werden kann. Das hintere dreigeschossige Gebäude nimmt im Erdgeschoss die Nutzungen Wohnen, Kochen und Essen auf, im mittleren Geschoss befindet sich ein Büro sowie ein Gästezimmer und die oberste Etage dient den Hausherren als private Rückzugsebene. Zwischen den beiden Gebäuden spannt sich ein großer Innenhof auf, statt der traditionellen Aufteilung in Vorgarten und Parzelle hinter dem Haus.

Diese Freifläche hatten sich Mueller und Shoshana so sehr gewünscht, auch um dort Gäste und potenzielle Kunstkäufer zu empfangen. Für die Kunstinteressierten befindet sich im Haupthaus der Ausstellungsbereich. Um eine maximale Fläche für die Kunstwerke und Fotografien bereitzustellen, wurde nicht ein einzelner Ausstellungsraum geschaffen, sondern die Flächen für die Kunst ziehen sich wie ein Band durch das gesamte Haus. Wände, die Treppen, Fenster – alles fügt sich zu einem zirkulierenden dreidimensionalen Raum für die Kunst. Das Haus wird zu einer einzigen Ausstellungsfläche, in der sich die Besucher in alle Richtungen bewegen können. Diese Mischung aus ständig wechselnden Kunstwerken und den diskutierenden und umherwandernden Kunstkennern macht die MuSh Residence zu einem lebendigen Haus, das sein inneres Treiben gern nach außen zur Schau stellt.

Leben und Arbeiten in solch einem sich exhibitionierenden Haus ist sicher nicht jedermanns Geschmack, vor allem die auf traditionelle Werte bedachte alte Nachbarschaft wird sich sicher nicht nur über die beiden dunklen, massiven Gebäude aufregen, sondern sich auch bestimmt über die ein oder andere Fotografie beschweren.
Die beiden Hausbesitzer Mueller und Shoshana dürfte das aber zu recht wenig stören. Ihre Architekten haben ihnen ein Domizil geschaffen, das selbst wie ein Kunstwerk wirkt. Und dazu gehören nun mal Bewunderer und Kritiker.

 

 

 

 













Projektdetails

Ort: West Los Angeles, Kalifornien, USA

Auftraggeber: Manfred Mueller und Rose Shoshana

BGF: ca. 500 Quadratmeter

Planung: 2005-2006

Bau: 2006-2008

Bilder: Benny Chan; Studio 0.10 Architects, www.studio010.com


 


Anzeige AZ-GC1-728x250 GAS

Fotos: Serge Ferrari/Fotograf Cédric Widmer

Projekte (d)

Albert Kahns Fabrikarchitektur wurde früh zum Wahrzeichen der industriellen Massenproduktion.Foto: FH Münster/Fachbereich Architektur

Fachliteratur

Blick von der Zufahrt auf die Südfassade von Schloss Kummerow.

Fassade

Robotergesteuerte Super Spacer Applikation bei XXL-Isolierglaseinheiten. Foto: Rene Müller

Fassade

Makroaufnahme des Prototypen des innovativen Sonnenschutzes: Durch Spannung entstehen Öffnungen, die Licht durchlassen. Fotografin: Sandra Junker / TU Darmstadt

Fassade

Der Gewinnerentwurf des neuen Technologie-Zentrums auf dem Gelände der Firmenzentrale von Giesecke+Devrient stammt vom Architektenbüro HENN. Quelle G+D

Projekte (d)

Der Klinkerpavillon ist das neue Wahrzeichen vor dem Ausstellungszentrum des Hagemeister Ziegelwerks. Mit einer Verbindung aus Ziegel, Carbontextil sowie Betonmörtel konnte eine tragfähige „Schale“ mit einer weiten Auskragung realisiert werden. Foto: Karl Banski

Hochbau

Berg- und Talstation sind mit Annexbauten ausgestattet, die dem Besucher einen Zusatz an Komfort bieten. Die Mittelstation hingegen ist sehr puristisch, was den Blick freigibt auf die schöne Glaskonstruktion. Foto: Glas Marte

Fassade

Das von der Bausparkasse Schwäbisch Hall ins Leben gerufene und durch Deutschland tourende Wohnglück-Smarthaus soll zeigen, wie komfortabel es sich auf 25 Quadratmetern lebt. Eines der ausgewählten Produkte ist das WASHLET RX von TOTO. Das zeitlos-elegante Design, wie es für das japanische Unternehmen TOTO charakteristisch ist, ist für kleine Grundrisse geradezu prädestiniert. Auf Komfort muss nicht verzichtet werden – im Gegenteil. Foto: Studioraum

Gebäudetechnik

Die neue Stadtvilla greift die Elemente einer klassischen Gründerzeitvilla bewusst auf und interpretiert sie neu. Foto: Udo Schönewald

Hochbau

Mit der Versiegelung StoCryl BF 750 ermöglicht StoCryl BF 700 eine rutschhemmende Oberfläche und somit sichere Begehbarkeit. Bild: StoCretec

Innenausbau

Anzeige AZ-C1a-300x250 R8

Anzeige AZ-C1b-300x600 R8
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen